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Papstwappen

Das Papstwappen ist das persönliche Wappen eines Papstes, das auch dessen Pontifikat symbolisiert. Im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit führten …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Definition und Bedeutung
  2. 2. Entwicklung seit dem Mittelalter
  3. 3. Verwendung
  4. 4. Wappenbild und inhaltliche Bezüge
  5. 5. Tiara, Schlüssel und Wahlspruch

Definition und Bedeutung

Das Papstwappen ist das persönliche Wappen eines Papstes und symbolisiert zugleich sein Pontifikat. Im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit verwendeten Päpste in der Regel das Wappen ihrer Familie. In jüngerer Zeit führen sie meist das Wappen weiter, das sie bereits als Bischof angelegt hatten, entweder unverändert oder in veränderter Form.

Die kirchliche Heraldik gesteht dem Papst den exklusiven Gebrauch bestimmter Insignien zu: der Tiara beziehungsweise Mitra über dem Wappenschild und der päpstlichen Schlüssel hinter dem Schild. Das persönliche Papstwappen ist vom Wappen der Vatikanstadt, vom Wappen des Heiligen Stuhls sowie von zwei historischen, heute nicht mehr gebrauchten Wappen der römischen Kirche und des Papsttums zu unterscheiden.

Entwicklung seit dem Mittelalter

Die ältesten Wappendarstellungen im Umfeld der Kurie stammen aus dem 13. Jahrhundert. Kardinäle und andere geistliche Würdenträger verbanden damals ihre persönlichen Wappen mit den Insignien ihres Standes. Es ist wahrscheinlich, aber nicht nachweisbar, dass auch die Päpste dieser Zeit im Amt ihre Familienwappen führten. Ebenfalls im 13. Jahrhundert wurden die gekreuzten Schlüssel unabhängig von Petrusdarstellungen als Symbol des Papsttums verwendet, etwa auf Bannern.

Nikolaus III. (1277–1280) ließ sein Familienwappen an mehreren Bauwerken anbringen, die er als Papst errichten ließ. Um 1300 scheint es üblich geworden zu sein, dass Päpste das Wappen ihrer Herkunftsfamilie führten. Bonifatius VIII. gilt als erster Papst, der nachweislich sein persönliches Wappen mit päpstlichen Insignien kombinierte. Eine Skulptur von 1296 an der Außenwand der Kathedrale von Anagni zeigt ihn mit Tiara und den Schlüsseln Petri; die päpstlichen Attribute waren dabei jedoch noch nicht mit dem Wappenschild verbunden.

Eine besonders intensive Verwendung heraldischer Zeichen ist zunächst in Avignon und nach der Rückkehr des Papsttums auch in Rom nachweisbar. Im 14. Jahrhundert setzte sich allmählich die Darstellung von Schlüssel, Tiara, seltener Ombrellino und Vortragekreuz neben, über oder im Schild durch. Eine feste Konvention bestand noch nicht. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde es zunehmend üblich, den Schild mit den gekreuzten Schlüsseln Petri zu hinterlegen. Im 16. Jahrhundert stand häufig die Tiara über dem Wappen; Wappenbücher und Chroniken verbreiteten zunehmend einheitliche Darstellungen und schrieben solche Wappen teilweise auch Päpsten aus vorheraldischer Zeit zu. Diese nennt man Fabelwappen.

Verwendung

Das Papstwappen kennzeichnet vor allem päpstlichen Besitz, päpstliche Herrschaft und päpstliche Urheberschaft. Historisch wurde es auch als Hoheitszeichen auf Münzen verwendet. Typisch sind monumentale Darstellungen an oder in Repräsentativbauten.

Heute findet man Papstwappen im Vatikan und in seinen exterritorialen Liegenschaften an Kirchen, Gebäuden, Mauern, Torbögen, Brunnen, Brücken und weiteren Anlagen. Außerhalb des Vatikans erscheinen sie unter anderem an Gebäuden Roms und anderer Städte des ehemaligen Kirchenstaats, an päpstlichen Universitäten und an den rund 1.900 Basilicae minores. Die Formen reichen von Travertin-Reliefs und Marmorfußböden über gemalte Tafeln und Wappen-Ex-libris bis zu gärtnerisch angelegten Darstellungen. Im Vatikan ist das Wappen von Pius XI. am häufigsten vertreten.

Das Wappen steht außerdem auf wichtigen Schriftstücken wie Dekreten und Enzykliken, auf Briefköpfen gewöhnlicher päpstlicher Schreiben sowie auf im Vatikan verkauften Souvenirs. Neben dem Papst ist nur der Präfekt des Päpstlichen Hauses zur Verwendung des päpstlichen Wappens berechtigt. Er darf den Schild als Teilmotiv in sein eigenes Wappen aufnehmen. Das Erzbischofswappen Georg Gänsweins zeigte bis 2013 das Wappen Benedikts XVI. und danach bis 2023 das Wappen Franziskus’.

Wappenbild und inhaltliche Bezüge

Die gemeinen Figuren im Schild legt der Papst zu Beginn seines Pontifikats fest. Häufig übernimmt er Elemente aus seinem früheren Bischofs- oder Kardinalswappen, manchmal fügt er neue hinzu. Die Bildmotive können verschiedene Bezüge ausdrücken:

  • Zur Herkunft: Historisch verwendeten viele Päpste ihr Familienwappen. Alexander VI. wandelte es leicht ab. Pius XII. bezog sich mit der Friedenstaube nach verbreiteter Ansicht auf seinen Familiennamen „Pacelli“; Paul VI. spielte mit dem Sechsberg auf „Montini“ an.
  • Zur früheren Diözese: Johannes XXIII. und Johannes Paul I. führten als ehemalige Patriarchen von Venedig den Markuslöwen. Benedikt XVI. verwendete den Freisinger Mohren und den Korbiniansbären.
  • Zum früheren Orden: Franziskus führte das IHS-Monogramm der Jesuiten. Das Wappen von Leo XIV. zeigt ein von einem Pfeil durchbohrtes Herz, das als Emblem des Augustinerordens gilt.
  • Zu theologischen Bekenntnissen, Idealen oder politischen Zielen: Die Taube steht bei Innozenz X. und Pius XII. für Frieden, der Schriftzug PAX bei Pius VII. ebenfalls. Kreuz, Kelch und Anker verweisen bei verschiedenen Päpsten auf Glaube oder Hoffnung. Die Lilie symbolisiert meist die Jungfräulichkeit Mariens, kann bei einigen Päpsten aber auch den Bezug zu Frankreich ausdrücken.

Der Drei- oder Sechsberg verweist häufig auf Petrus als Fels und Fundament der Kirche (Mt 16,18). Der Stern wird unterschiedlich gedeutet, etwa als Stern von Bethlehem oder als Maria, der „Meerstern“. Johannes Paul I. verband den Markuslöwen aus dem Wappen Johannes’ XXIII. mit dem Sechsberg aus dem Wappen Pauls VI. Johannes Paul II. betonte mit dem Buchstaben „M“ seine Verehrung für Maria; Benedikt XVI. brachte mit der Muschel seine Bewunderung für den Theologen Augustinus zum Ausdruck.

Tiara, Schlüssel und Wahlspruch

Traditionell stand über dem Papstwappen die Tiara. Die Wappen Benedikts XVI. und seiner Nachfolger zeigen stattdessen eine Mitra. Seit Johannes Paul II. ragen die Infuln, also die seitlichen Bänder von Tiara oder Mitra, deutlich sichtbar neben dem Wappenschild hervor.

Die Schlüssel Petri werden in modernen Papstwappen meist gekreuzt hinter dem Schild dargestellt. Anders als beim Staatswappen der Vatikanstadt zeigt der goldene Schlüssel dabei nach heraldisch rechts. Wie im Wappen der Vatikanstadt, aber anders als im Wappen des Heiligen Stuhls, hängen die quastenbesetzten Enden der roten Kordel lose von den Reiden der Schlüssel herab.

Franziskus und Leo XIV. brachten erstmals unter ihrem Papstwappen einen Wahlspruch an. Bei Franziskus lautet er „Miserando atque eligendo“, lateinisch für „indem er [Christus] sich erbarmte und auswählte“.

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