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Panzer des Kalten Krieges

Dieser Artikel behandelt den Zeitraum von etwa 1945 bis 1990. Die Vorkriegsgeschichte der Panzerentwicklungen findet sich in Panzer#Anfänge. Weiterentwicklungen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und Ausgangslage
  2. 2. Doktrinen und Gefecht
  3. 3. Kampfpanzer der Großmächte
  4. 4. Europäische und weitere Entwicklungen
  5. 5. Weitere Panzerarten
  6. 6. Radantrieb und Bilanz

Kern und Ausgangslage

Der Artikel behandelt Panzer des Kalten Krieges im Zeitraum von etwa 1945 bis 1990. Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderten Atomwaffen sowie atomare, biologische und chemische Waffen (ABC-Waffen) die Vorstellungen vom Gefechtsfeld. Dennoch blieb der Kampfpanzer wichtig, weil er als geschützte, bewegliche und bewaffnete Einheit auch unter ABC-Bedingungen eingesetzt werden konnte. Technische Entwicklungen verbesserten im Lauf der Zeit Beweglichkeit, Panzerschutz und Feuerkraft.

Panzer bewährten sich in mehreren Konflikten, besonders im Koreakrieg und im Nahen Osten. In anderen Kriegen, etwa im Vietnamkrieg oder während der sowjetischen Besetzung Afghanistans, zeigten Guerillakrieg und schwieriges Gelände wie Dschungel die Grenzen schwerer Panzer. Die Entwicklung der Panzerwaffe verlief je nach Staat unterschiedlich, auch wegen verschiedener geographischer und strategischer Anforderungen.

Doktrinen und Gefecht

Die Einsatzgrundsätze von NATO und Warschauer Pakt unterschieden sich deutlich. Der Warschauer Pakt entwickelte die sowjetische Doktrin der „Operation in der Tiefe“ weiter. Angriffe sollten in drei Staffeln erfolgen: Eine starke erste Staffel mit Kampfpanzern als Speerspitze sollte tief in die gegnerischen Linien einbrechen und Führungs- sowie Versorgungseinrichtungen zerstören. Die zweite Staffel sollte erobertes Gelände sichern und Verluste ersetzen, die dritte Staffel vor allem unterstützen. In den 1970er Jahren wurde die „Operative Manövergruppe“ wichtig, die Kampfpanzer, mechanisierte Infanterie und Panzerartillerie kombinierte.

Die NATO plante zunächst weniger mit massierten Panzerarmeen. Seit den 1960er Jahren stand die frühe Vernichtung schwerer sowjetischer Angriffsverbände im Mittelpunkt. Kampfpanzer und Schützenpanzer sollten feindliche Panzerverbände stoppen, Infanterie und Reserveverbände das Gelände sichern. Luftangriffe sollten in der Tiefe gegnerische Truppen, Einrichtungen und Infrastruktur treffen („Follow-on-Forces-Attack“, „Air-Land-Battle“).

Das Gefecht der verbundenen Waffen bedeutet das koordinierte Zusammenwirken von Panzern, mechanisierter Infanterie, Artillerie, Pionieren und Luftunterstützung. Der kleinste Verband für ein solches Gefecht ist das Bataillon als Gefechtsverband; der kleinste Großverband mit eigenen Mitteln ist bei den meisten Armeen die Brigade. Schützenpanzer wurden dabei wichtig, weil sie Infanterie unter Panzerschutz transportieren und Kampfpanzer unterstützen konnten.

Kampfpanzer der Großmächte

In der Sowjetunion blieb der T-34 noch lange im Dienst; von 1940 bis 1958 wurden etwa 80.000 Stück gebaut. Varianten wie T-34/85 und T-34/76 wurden im Koreakrieg und in Nahost eingesetzt, waren aber seit den 1960er und 1970er Jahren modernen westlichen Panzern unterlegen. Der IS-3 war stark gepanzert, trug eine 122-mm-Kanone und prägte mit seinem „Schildkrötenturm“ das sowjetische Panzerdesign, war aber später ebenfalls veraltet. Der T-54/55 wurde einer der meistverbreiteten Panzer der Welt; er war günstig, kampfwertsteigerbar und wurde in vielen Konflikten eingesetzt, gilt aber seit den 1980er Jahren als veraltet.

Der T-62 erhielt eine 115-mm-Glattrohrkanone. Der T-64 war der erste sowjetische Kampfpanzer moderner Auffassung: Er hatte Verbundpanzerung aus Keramik und Panzerstahl, einen Ladeautomaten und eine 125-mm-Glattrohrkanone D-81. Der T-72 wurde Anfang der 1970er Jahre eingeführt, war für Wehrpflichtigenarmeen einfach zu bedienen und zu warten und wurde in mehreren Staaten in Lizenz gebaut. Er blieb in vielen ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten Standardpanzer. Der T-80 nutzte ebenfalls die D-81, erhielt aber ein neues Laufwerk und als erster Panzer eine Gasturbine mit zunächst 1000, später 1250 PS.

Die USA ersetzten nach 1945 ältere Modelle wie den M4 Sherman durch neue Panzer. M47 und M48 Patton sollten sowjetischen Entwicklungen begegnen; der M48 erhielt als erster Panzer der Welt eine ABC-Schutzanlage. Der M60 war einer der meistproduzierten US-Kampfpanzer, nutzte eine 105-mm-Kanone L7, verbesserte Feuerleitung und wurde in viele verbündete Staaten exportiert. Der M1 Abrams entstand nach dem gescheiterten deutsch-amerikanischen Projekt Kampfpanzer 70. Er wurde ab 1980 produziert, erhielt zunächst eine 105-mm-Kanone, später die deutsche 120-mm-Glattrohrkanone von Rheinmetall, nutzte eine Gasturbine und starke Verbundpanzerung.

Europäische und weitere Entwicklungen

Großbritannien entwickelte nach 1945 eigene Panzer. Der Centurion gilt als eine der erfolgreichsten westlichen Nachkriegsentwicklungen und wurde besonders in Nahost wirksam gegen sowjetische Modelle eingesetzt. Der schwere Conqueror war dagegen wenig erfolgreich: Er war langsam, etwa 65 Tonnen schwer, wartungsaufwendig und wurde nach knapp 200 gebauten Exemplaren aufgegeben. Der Chieftain legte den Schwerpunkt auf starken Panzerschutz, war aber langsamer als Leopard 1 und AMX-30. Aus dem für Iran geplanten Shir 1 entstand über den jordanischen „Khalid“ der Challenger.

In Deutschland wurde der Leopard 1 ab 1957 im Rahmen eines deutsch-französischen Standardpanzerprojekts vorbereitet. Er wurde mehrfach kampfwertgesteigert; der Leopard 1A5 verbesserte besonders Feuerleitung und Feinderkennung. Das Projekt Kampfpanzer 70 mit den USA scheiterte an unterschiedlichen Vorstellungen, Kosten und komplizierter Technik, führte aber indirekt zu Leopard 2 und M1 Abrams. Der Leopard 2 erhielt Mehrschichtpanzerung, eine 120-mm-Glattrohrkanone von Rheinmetall und wurde in viele NATO-Staaten exportiert.

Frankreich entwickelte mit dem AMX-13 einen leichten Panzer, der wegen seines günstigen Preises und verschiedener Varianten weit verbreitet war. Der AMX-30 war der erste französische Kampfpanzer, hatte eine 105-mm-Kanone, Mehrschichtpanzerung, Laserentfernungsmessung und 600 Kilometer Reichweite, konnte aber mit neuesten Kampfpanzern nicht mehr mithalten. Israel entwickelte nach der Nutzung britischer und US-amerikanischer Panzer den Merkava, bei dem Schutz und Anpassung an das Gelände im Vordergrund standen. Der Motor sitzt vorne, die Besatzung hinten; er nutzt eine 120-mm-Kanone, breite Ketten für Wüstensand und kann Verwundete oder eine Mannschaft mit 60-mm-Mörser aufnehmen.

China orientierte sich lange an sowjetischen Modellen wie T-54 und T-72; bis zum Typ 90 blieben chinesische Panzer moderneren Kampfpanzern in Panzerung, Feuerkraft und Beweglichkeit unterlegen. Schweden ging mit dem turmlosen Stridsvagn 103 einen Sonderweg, der aber wegen technischer Probleme durch den Leopard 2 ersetzt wurde. Viele kleinere Staaten entwickelten eigene Varianten oder modifizierten Exportmodelle, etwa auf Basis von M48, Leopard 1, Centurion oder T-72.

Weitere Panzerarten

Schützenpanzer verbinden Panzerschutz und Beweglichkeit mit dem Transport von Infanterie. Der sowjetische BMP-1 gilt als erster echter Schützenpanzer: Er konnte Infanteristen aufnehmen, hatte eine 73-mm-Kanone und konnte Panzerabwehrlenkflugkörper abfeuern. Nachfolger wie BMP-2 und luftverlastbare BMD-Modelle folgten der sowjetischen Doktrin. In der NATO war lange der M113 verbreitet, jedoch kein Schützenpanzer im heutigen Sinn. Der deutsche Marder 1 war der erste „echte“ Schützenpanzer der NATO; später folgten M2/M3 Bradley und Warrior.

Jagdpanzer verloren nach dem Zweiten Weltkrieg an Bedeutung. Die Bundeswehr nutzte noch Jagdpanzer Kanone und Raketenjagdpanzer, später wurden Kanonenjagdpanzer außer Dienst gestellt oder zu Raketenjagdpanzern mit TOW-System umgerüstet. Seit den 1970er Jahren ersetzten leichtere Panzerjäger-Fahrzeuge, Schützenpanzer und Kampfhubschrauber diese Rolle weitgehend. Leichte Panzer wie ASU-57, PT-76, BMD oder M551 Sheridan waren für luftbewegliche und leichte Verbände gedacht, konnten aber einem offenen Gefecht mit modernen Kampfpanzern nicht standhalten.

Selbstfahrartillerie sollte schnelle Panzerverbände begleiten. Die M109 mit 155-mm-Haubitze wurde von fast allen NATO-Truppen genutzt. Der Warschauer Pakt entwickelte später zahlreiche Modelle wie 2S1, 2S3, 2S4, 2S5, 2S7, 2S9 und 2S19. Flugabwehrpanzer wie Gepard, ZSU-23-4 „Schilka“, M163 Vulcan, Roland, Tracked Rapier oder 9K35 Strela-10 schützten Panzerverbände vor Luftangriffen, besonders vor Hubschraubern. Unterstützungs- und Pionierpanzer wie Bergepanzer, Brückenlegepanzer und Minenräumpanzer ermöglichten Bergung, Gewässerüberquerung und Minenräumung.

Radantrieb und Bilanz

Radpanzer galten als kostengünstigere und wartungsärmere Alternative zu Kettenfahrzeugen. Radkampfpanzer wurden zunächst vor allem für Späh- und Verbindungsaufgaben genutzt, später auch mit Panzerabwehrraketen oder Kanonen bis 105 mm ausgerüstet, etwa beim italienischen Centauro. Viele Radpanzer sind amphibisch und eignen sich für schwierige Umgebungen oder urbane Gefechtsfelder. Radschützenpanzer wie der südafrikanische Ratel oder das US-amerikanische LAV-25 transportieren sechs bis zwölf Soldaten, sind meist mit 20- bis 30-mm-Kanonen bewaffnet und besonders für leichte Truppen wichtig. Radartillerie wie DANA oder Denel G6 war leichter zu warten, benötigte aber wegen geringerer Stabilität Stützeinrichtungen vor dem Feuern.

Nach dem Kalten Krieg veränderte sich das Aufgabenbild. Die erwartete große Panzerschlacht in Mitteleuropa blieb aus; stattdessen wurden asymmetrische Konflikte wichtiger. Auf urbanen Gefechtsfeldern sind schwere Panzer verwundbarer gegenüber kleinen Panzerabwehrtrupps, die schnell zuschlagen und sich zurückziehen können.

Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges standen sich theoretisch etwa 70.500 Panzer gegenüber. Anfang der 1980er Jahre nennt der Artikel für den Warschauer Pakt 48.490 Panzer, davon 24.440 taugliche, 1.100 bedingt taugliche und 22.950 untaugliche. Für die NATO werden 28.274 Panzer genannt, davon 18.320 taugliche, 4.906 bedingt taugliche und 4.837 völlig untaugliche; beim FV102 Striker bleibt die Zahl offen.

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