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Leopard 2

Der Leopard 2 ist ein Kampfpanzer aus deutscher Produktion. Er wird seit 1978 in Serie gebaut und ist der Nachfolger des Leopard 1.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Entwicklung und Modernisierung
  3. 3. Feuerkraft, Zielsysteme und Schutz
  4. 4. Antrieb, Beweglichkeit und Besatzung
  5. 5. Nutzer, Variantenfamilie und Bestand
  6. 6. Einsätze und Erfahrungen

Überblick und Bedeutung

Der Leopard 2 ist ein seit 1978 in Serie gebauter deutscher Kampfpanzer und Nachfolger des Leopard 1. Er bildet ein Hauptwaffensystem der deutschen Panzertruppe und zahlreicher ausländischer Streitkräfte. Ursprünglich sollte er im Gefecht der verbundenen Waffen zusammen mit Schützenpanzern gegnerische Panzerverbände abwehren. Rund 3600 Exemplare wurden gebaut; durch Lizenzfertigung, nationale Anpassungen und Modernisierungen entstand eine große Variantenfamilie.

Der Panzer folgt der konventionellen Bauweise: Das Triebwerk liegt hinten, darüber beziehungsweise davor befinden sich eine gepanzerte Wanne und ein drehbarer, selbsttragender Turm. Die vierköpfige Besatzung besteht aus Kommandant, Richtschütze, Ladeschütze und Fahrer. Hauptwaffe ist eine Rheinmetall-120-mm-Glattrohrkanone, ergänzt durch zwei 7,62-mm-Maschinengewehre und eine Nebelmittelwurfanlage. Die Feuerleitanlage erlaubt den Kampf aus dem Stand und aus der Fahrt gegen stehende oder bewegte Ziele.

Je nach Ausführung wiegt der Leopard 2 etwa 55 bis 69,5 Tonnen und erreicht 60 bis 72 km/h. Der flüssigkeitsgekühlte Zwölfzylinder-Dieselmotor MTU MB 873-Ka 501 leistet 1103 kW beziehungsweise 1500 PS. Die Reichweite beträgt ungefähr 500 km, im Gelände etwa 161 km. Die Abmessungen wuchsen mit den Modernisierungen: Die Länge bei nach vorn gerichteter Kanone beträgt beim A4 9,67 m, beim A6 rund 10,97 m und ab A6A3 11,17 m; der A8 ist 3,18 m hoch.

Entwicklung und Modernisierung

Die Entwicklung geht auf das 1963 vereinbarte deutsch-amerikanische Projekt Kampfpanzer 70 zurück. Es wurde nach sieben Prototypen und Entwicklungskosten von 830 Millionen DM 1969 eingestellt, weil die Anforderungen technisch sehr anspruchsvoll und die Kosten hoch waren. Die USA entwickelten anschließend den M1 Abrams, Deutschland ab 1970 den Leopard 2 auf Grundlage des Experimentalpanzers Keiler und von Baugruppen des gescheiterten Projekts.

Zwischen 1972 und 1974 entstanden erste Prototypen mit 105- oder 120-mm-Kanonen. Truppen-, Klima- und Systemversuche folgten. Nach den Erfahrungen des Jom-Kippur-Krieges von 1973 wurde der Schutz wesentlich verstärkt. 1976 trat der Leopard 2AV in den USA gegen den XM1 an. Unterschiedliche Bewertungssysteme führten zu widersprüchlich wirkenden Ergebnissen: Der Leopard erfüllte 61 von 77 bewerteten Einzelkriterien, der XM1 48; in 17 zusammengefassten Gruppen wurden jedoch sechs dem Leopard und 16 dem XM1 zugesprochen. Ein gemeinsamer Panzer entstand nicht.

1977 erhielt Krauss-Maffei den Auftrag für zunächst 1800 Fahrzeuge. Am 25. Oktober 1979 wurde der erste Serienpanzer übergeben. In acht Baulosen entstanden für die Bundeswehr 2125 Leopard 2 der Ausführungen A0 bis A4. Die realen Entwicklungskosten von 1967 bis 1984 werden mit etwa 600 Millionen DM angegeben. Der im 21. Jahrhundert genannte Systempreis von drei bis sieben Millionen Euro schwankt nach Zeitpunkt, Umfang und Stückzahl; ein A7V kostet etwa 15 Millionen Euro.

Die Entwicklung reicht von Detailverbesserungen des A0 bis A4 über grundlegende Kampfwertsteigerungen weiter: Der A5 erhielt unter anderem Keilpanzerung, elektrische Waffenrichtantriebe, Splitterschutz, Rückfahrkamera sowie ein unabhängiges Wärmebildgerät für den Kommandanten. Der A6 bekam die 1,30 m längere Kanone L/55, die Reichweite, Genauigkeit und Durchschlagsleistung erhöht. Beim A6M kamen Minenschutz und vom Boden entkoppelte Sitze hinzu. A7 und A7V ergänzten Klimatisierung, Zusatzpanzerung, modernisierte Elektronik, Fahrkameras und ein Hilfstriebwerk. Der A7A1 trägt das aktive Schutzsystem Trophy-HV. Der A8 besitzt zusätzlich unter anderem ein digitales Kommandantenperiskop mit Laserentfernungsmesser, Laserwarnsystem, verstärktes Turmdach und neue Ketten. Die ersten A8 wurden am 19. November 2025 vorgestellt.

Der Demonstrator A-RC 3.0 von 2024 hat einen unbemannten Turm, Ladeautomatik und eine auf drei Personen reduzierte Besatzung in der Wanne. Er kann 120-, 130- oder 140-mm-Kanonen aufnehmen und bis zu drei Schüsse in zehn Sekunden abgeben. Er gilt als mögliche Übergangslösung zum verzögerten deutsch-französischen Main Ground Combat System.

Feuerkraft, Zielsysteme und Schutz

Die Hauptwaffe besitzt einen Höhenrichtbereich von −9° bis +20° und kann um 360° geschwenkt werden. Bis zum A5 wurde überwiegend die 120-mm-Kanone L/44 verwendet, ab dem A6 die L/55; der A8 trägt die L/55A1. Die Kampfbeladung umfasste ursprünglich 42 Patronen, ab A6M 37. Davon liegen 15 Patronen einsatzbereit hinter einer druckdichten Tür im Turmheck; weitere 27 beziehungsweise ab A6M 22 befinden sich in der Wanne.

KE-Munition ist ein panzerbrechendes, flügelstabilisiertes Pfeilgeschoss ohne Sprengstoff. Ihre Wirkung beruht auf Bewegungsenergie; die DM73 erreicht aus der L/55A1 bis zu 1780 m/s und eine Kampfentfernung von 5000 m. MZ-Munition wirkt als Hohlladungs-Mehrzweckgeschoss; ihre Durchschlagswirkung hängt kaum von Geschwindigkeit und Entfernung ab. Als Ersatz führte die Bundeswehr 2014 die programmierbare 19 kg schwere HE-Munition DM11 für Infanterie, leichte Fahrzeuge, Gebäude und gedeckte Ziele ein. Sie kann mit Aufschlag-, Verzögerungs- oder Zeitzünder bis 5000 m eingesetzt werden.

In der stabilisierten Betriebsart gleichen Kreisel, elektrische oder hydraulische Richtantriebe und der Feuerleitrechner Fahrzeugbewegungen aus. Die Kanone bleibt auf das Ziel gerichtet; bei einer vorübergehenden Abweichung gibt der Rechner den Schuss erst nach erneuter Ausrichtung frei. Der dynamische Vorhalt berücksichtigt die Bewegung des Ziels.

Das Hauptzielgerät EMES 15 verbindet Tagsicht, Wärmebild und Laserentfernungsmessung. Der Laser misst bis 9990 m auf 10 m genau, für die Feuerleitung werden normalerweise 200 bis 4000 m berücksichtigt. Das Wärmebildgerät ermöglicht Tag- und Nachtkampf, wird aber durch starken Regen, Schnee und dichten Nebel beeinträchtigt. Das stabilisierte Kommandantenperiskop erlaubt unabhängige Rundumbeobachtung und Zielzuweisung; modernere Ausführungen besitzen eigene Wärmebildgeräte, der A8 zusätzlich einen Laserentfernungsmesser und eine Tageslichtkamera.

Die geheime Verbundpanzerung kombiniert unterschiedliche Stähle und Verbundwerkstoffe. Die Keilpanzerung ab A5 soll KE-Penetratoren destabilisieren oder brechen und Hohlladungen vor der Grundpanzerung zünden. Ausblaspaneele leiten eine Explosion der Turmheckmunition nach außen, ein Spall-Liner aus hochfesten Fasern vermindert Splitter im Innenraum. Je nach Variante kommen Minen-, Dach-, Seiten- und Käfigpanzerung hinzu. Trophy erkennt anfliegende Geschosse per Radar und zerstört sie wenige Meter vor dem Fahrzeug mit einer projektilbildenden Ladung.

Antrieb, Beweglichkeit und Besatzung

Das Laufwerk besitzt sieben Laufräder je Seite, Drehstabfederung, Dämpfer und eine austauschbare Gleiskette. Der V12-Dieselmotor hat 47,6 Liter Hubraum, erreicht 4700 Nm bei 1600 min⁻¹ und treibt über das hydromechanische HSWL-354-Getriebe mit vier Vorwärts- und zwei Rückwärtsgängen an. Ein A4 kann aus 70 km/h auf 20,6 m bremsen. Der gesamte Antriebsblock ist austauschbar; eine Vorführung erreichte 15 Minuten, die technische Vorschrift veranschlagt einschließlich aller Arbeiten vier Stunden. Ab A7 versorgt ein Hilfstriebwerk die elektrischen Systeme bei abgeschaltetem Hauptmotor.

Ohne Vorbereitung kann der Panzer Wasser bis 1,20 m Tiefe durchfahren. Mit Tiefwatschacht sind 2,25 m, mit starrem Unterwasserfahrschacht 4 m möglich. Dabei bezieht der Motor seine Luft über die Kommandantenluke; zwei Pumpen beseitigen eindringendes Wasser. Eine ABC-Schutzanlage liefert 300 m³ gefilterte Luft pro Stunde und soll einen Einsatz in kontaminierten Gebieten bis zu 48 Stunden ermöglichen.

Der Kommandant führt Besatzung, Funkverkehr und taktischen Einsatz, klärt Ziele auf und bestimmt die Munition. Der Richtschütze beobachtet, richtet und feuert Hauptwaffe und koaxiales Maschinengewehr; ab A5 weist ihm der Kommandant meist Ziele mit seinem unabhängigen Periskop zu. Der Ladeschütze lädt die schweren Patronen, bedient weitere Maschinengewehre und sichert den Nahbereich. Neun Schuss pro Minute gelten als Spitzenleistung, realistisch sind vier bis sechs. Der Fahrer sitzt vorne rechts, wählt innerhalb der Befehle des Kommandanten den konkreten Fahrweg und ist besonders für Wanne, Motor und Laufwerk verantwortlich. Alle vier übernehmen Wartungsaufgaben.

Nutzer, Variantenfamilie und Bestand

Neben Deutschland beschafften zahlreiche Staaten Neu- oder Gebrauchtfahrzeuge, darunter Chile, Dänemark, Finnland, Griechenland, Indonesien, Kanada, Katar, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz, Singapur, Spanien, Türkei, Ukraine und Ungarn. Bis Anfang 2023 wurden weltweit etwa 2670 Leopard 2 im Dienst geschätzt, davon rund 1000 A4. Die 1969 gegründete LeoBen-Gemeinschaft koordiniert unter Nutzerstaaten Versorgung, Instandsetzung, Weiterentwicklung und Kostensenkung.

Ausländische Varianten reichen vom schweizerischen Panzer 87 über den schwedischen Stridsvagn 122 und den spanischen Leopard 2E bis zu national angepassten A7- und A8-Ausführungen. Sie unterscheiden sich etwa durch Zusatzpanzerung, Funk- und Führungssysteme, Klimaanlagen, Minenschutz oder landeseigene Waffen. Firmen entwickelten außerdem modulare Umrüstungen wie AMAP, MBT Revolution und Leopard 2 Next Generation. Nicht alle Vorhaben wurden umgesetzt: Die deutsche Kampfwertsteigerung mit 140-mm-Kanone und Ladeautomatik wurde 1995 eingestellt, das UrbOp-Konzept später zugunsten des A7 aufgegeben, und Italien brach 2024 Verhandlungen über 132 Leopard 2A8 IT und 140 Spezialfahrzeuge ab.

Die Bundeswehr verringerte ihren aktiven Bestand von 2125 Fahrzeugen im Jahr 1990 bis 2008 auf 328. Nach der russischen Annexion der Krim wurde 2015 eine erneute Erhöhung beschlossen. 104 Panzer wurden bis Oktober 2023 zum A7V umgebaut. Nach der Abgabe von 18 A6 an die Ukraine bestellte Deutschland zunächst 18 A8 als Ersatz und genehmigte 2024 weitere 105. Der im Juli 2024 geplante Endbestand nach Umbauten und Beschaffungen betrug 433 Panzer; frühere Angaben zur Zahl einsatzbereiter Fahrzeuge lagen deutlich niedriger, Anfang 2023 bei etwa 130.

Auf der Wanne beruhen auch Fahrschul-, Berge-, Pionier- und Brückenlegefahrzeuge, darunter Büffel, Wisent 2, Kodiak und Leguan. Einige Systeme der Panzerhaubitze 2000 und des finnischen Flugabwehrpanzers ItPsv 90 nutzen ebenfalls Leopard-2-Komponenten.

Einsätze und Erfahrungen

Der Leopard 2 wurde im Kosovo, in Afghanistan, Syrien und im Russisch-Ukrainischen Krieg eingesetzt. Bei KFOR dienten deutsche A5 ab Juni 1999 vor allem dem Objekt- und Patrouillenschutz sowie der Abschreckung. Vier Warnschüsse bei Orahovac am 26. Juni 1999 waren ein seltener Einsatz der Hauptwaffe. Ein praktisches Problem war die unzureichende Tragfähigkeit vieler Brücken.

Kanadische A6M-CAN und dänische A5DK kamen ab 2007 in Afghanistan zum Einsatz. Nach einer großen Sprengfallenexplosion am 2. November 2007 überlebte eine kanadische Besatzung; der Fahrer erlitt einen Hüftbruch, der Panzer wurde repariert. Ein dänischer Panzer kehrte nach einem Treffer im Februar 2008 trotz beschädigter Kette selbst ins Lager zurück. Bei einem weiteren Anschlag am 25. Juli 2008 starb jedoch ein Fahrer; der betreffende A5DK besaß damals keinen zusätzlichen Minenschutz.

Die Türkei setzte A4 in Syrien gegen den sogenannten Islamischen Staat und später gegen die YPG ein. Mindestens zehn Ausfälle wurden behauptet, genaue Zahlen blieben teils unbestätigt. Als Ursachen galten Treffer in schwächere Seiten- oder Heckbereiche, fehlende zusätzliche Schutzsysteme und der statische Einsatz als Artillerie, durch den Gegner hinter die Fahrzeuge gelangen konnten.

Die Ukraine erhielt ab 2023 A4, A6 und schwedische Stridsvagn 122. Bis August 2025 ging die OSINT-Website Oryx bei 104 gelieferten Leopard-2-Varianten von mindestens 22 zerstörten sowie 31 aufgegebenen oder erbeuteten Fahrzeugen aus; andere im Artikel genannte Aufstellungen unterscheiden zusätzlich nach Varianten und Schadenszustand. Ukrainische Berichte betonen eine hohe Überlebensrate der Besatzungen und die Bergbarkeit beschädigter Panzer, nennen aber zugleich hohen Wartungsaufwand, lange Reparaturen sowie Mangel an Ersatzteilen und geschulten Technikern. Die Meldung, ein ukrainischer A6 habe Anfang April 2026 einen T-72 auf 5,5 km zerstört, wird ausdrücklich nur unter dem Vorbehalt einer Bestätigung als möglicher Entfernungsrekord bezeichnet.

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