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Palästinalied

Das Palästinalied ist ein Ton von Walther von der Vogelweide. In poetischer Form thematisiert es die Teilnahme an einem Kreuzzug und stellt die religiöse …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Werk, Überlieferung und Bedeutung
  2. 2. Melodie
  3. 3. Inhalt und religiöse Deutung
  4. 4. Strophenfolge und Echtheitsfrage
  5. 5. Neuere Aufführungen

Werk, Überlieferung und Bedeutung

Das Palästinalied ist ein Ton von Walther von der Vogelweide. Es behandelt in poetischer Form die Teilnahme an einem Kreuzzug und deutet die religiöse Bedeutung des Heiligen Landes aus christlicher Sicht. Für welchen tatsächlichen oder nur vorgestellten Kreuzzug es entstand, ist unbekannt. Ebenso lässt sich nicht sicher feststellen, ob Walther selbst an einem Kreuzzug teilnahm und die beschriebenen Orte gesehen hatte.

Überliefert sind 13 mittelhochdeutsche Strophen, die jedoch nicht alle von Walther stammen. Sieben Strophen können ihm sicher zugeschrieben werden; sie stehen in der Handschrift A, der Kleinen Heidelberger Liederhandschrift. Weitere, nur in jüngeren Handschriften erhaltene Strophen gelten teilweise als spätere Zudichtungen. Wie viele davon möglicherweise doch von Walther verfasst wurden, ist umstritten.

Melodie

Das Palästinalied ist das einzige Werk Walthers, das vollständig mit einer Melodie überliefert wurde. Die früheste Quelle dafür ist das Münstersche Fragment aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts und damit aus einer Zeit ungefähr 100 Jahre nach Walthers Tod. Deshalb ist ungewiss, ob die Melodie bis dahin verändert worden war.

Auch eine Kontrafaktur wird erwogen, also die Verwendung einer älteren Melodie für einen neuen Text. Forschende haben auf Ähnlichkeiten mit dem Lied „Lanqand li jorn“ des Trobadors Jaufré Rudel und mit der Antiphon „Ave Regina caelorum“ hingewiesen. Ein eindeutiges Vorbild ließ sich jedoch nicht nachweisen. Die linienlosen Neumen, also frühen musikalischen Schriftzeichen, in der Handschrift der Carmina Burana sind nicht deutbar. Dort erscheint die erste Strophe als CB 211a im Anhang an das lateinische Lied „Alte clamat Epicurus“ (CB 211), dessen Melodie derjenigen des Palästinalieds nachgebildet ist.

Inhalt und religiöse Deutung

Das Lied ist als Rollenrede eines Pilgers im Heiligen Land gestaltet. Das lyrische Ich erklärt, nun erst würdig zu leben, weil es das Land sieht, das Gott als Mensch betreten habe. Es erlebt gläubig die Orte, die mit zentralen Stationen des Lebens Jesu Christi verbunden werden: Geburt, Taufe, Passion, Begräbnis, Auferstehung, Himmelfahrt und Wiederkunft.

Die einzelnen Strophen nennen unter anderem die Geburt Jesu durch eine Jungfrau, seine Taufe, seinen Tod zur Erlösung der Menschen, das Grab, den Sieg über den Teufel und seine Rückkehr ins Leben. Anschließend bleibt Christus nach Darstellung des Liedes vierzig Tage im Land und kehrt dann dorthin zurück, von wo ihn der Vater gesandt hatte. Auch der angekündigte Jüngste Tag soll in diesem Land stattfinden. Dabei werde niemandes Klage aufgeschoben; besonders Witwen, Waisen und Arme sollen Gerechtigkeit erfahren.

Neben der Frömmigkeit kann der Text als politische Propaganda verstanden werden. Er bekräftigt einen christlichen Anspruch auf Palästina. In der Strophe „Juden, Cristen unde heiden“ beanspruchen Juden, Christen und „Heiden“, womit Muslime gemeint sind, das Land jeweils als ihr Erbe. Das lyrische Ich erklärt jedoch die christliche Bitte für rechtmäßig und verlangt eine Entscheidung zugunsten des Christentums. Diese Aussage kann auf die Palästinapolitik Friedrichs II. bezogen werden.

Strophenfolge und Echtheitsfrage

Die Handschrift A enthält sieben Strophen, andere Handschriften überliefern in unterschiedlicher Auswahl bis zu elf. Eine nur in zwei Handschriften erhaltene und inhaltlich dürftige Strophe 3 gilt übereinstimmend als fremde Zudichtung. Neben den sieben sicheren Walther-Strophen werden vier weitere Strophen überliefert, deren Verfasserschaft teilweise ebenfalls Walther zugeschrieben wurde. Ihre poetische Qualität erreicht nach Darstellung des Artikels jedoch nicht ganz diejenige der sieben Strophen aus Handschrift A.

Besonders deutlich sekundär wirkt die als Strophe 12 abgedruckte Schlussstrophe. Wer sie für echt hält, muss sie an die vorletzte Stelle versetzen; in drei der vier überliefernden Handschriften steht sie aber eindeutig am Ende, in der vierten wurde sie am Rand nachgetragen. Dies stützt die Auffassung, Walther die gesamte Gruppe der Strophen 5, 8, 10 und 12 abzusprechen. Zusammen mit der sicher jüngeren Strophe 3 und der Melodieüberlieferung zeigen diese Ergänzungen zugleich die große Beliebtheit des Liedes.

Eine Handschrift setzt die letzte echte Strophe 11 bereits an die zweite Stelle. Als mögliche Erklärung gilt der Einfluss mündlicher Überlieferung: Beim gemeinsamen Gesang könnten nur die erste und die letzte Strophe gesungen worden sein.

Neuere Aufführungen

Durch Neuinterpretationen verschiedener Musikgruppen und durch Aufführungen auf Mittelalterfesten erlebte das Palästinalied in neuerer Zeit eine Renaissance. Van Langen rief 2003 das Palästinalied-Projekt ins Leben. Auf der CD „Palästinalied“ sind 20 Bands vertreten. Das Projekt unterstützte das Hadassah-Krankenhaus in Israel; die Spendengelder wurden am 24. Mai 2008 auf der Clingenburg während des Minnesängerwettstreits übergeben. Das italienische Ensemble Modo Antiquo nahm den Ton im Stil der historischen Aufführungspraxis auf.

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