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Ostwestfalen-Lippe

Der Regierungsbezirk wurde 1947 gegründet, nachdem das Land Lippe sich für die Zugehörigkeit zu Nordrhein-Westfalen entschieden hatte. Dabei wurde das Land …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Region und Raum
  2. 2. Bevölkerung, Religion und regionale Identität
  3. 3. Historische Entwicklung
  4. 4. Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung
  5. 5. Verkehr, Kultur und Natur

Region und Raum

Ostwestfalen-Lippe (OWL; niederdeutsch Austwestfaolen-Lippe) ist eine Region im Nordosten Nordrhein-Westfalens und deckt sich flächengleich mit dem Regierungsbezirk Detmold. Sie entstand als Verwaltungseinheit 1947, nachdem das Land Lippe Nordrhein-Westfalen beigetreten war. OWL umfasst die kreisfreie Stadt Bielefeld sowie die Kreise Gütersloh, Herford, Höxter, Lippe, Minden-Lübbecke und Paderborn. Die Fläche beträgt 6.519,97 km²; am 31. Dezember 2025 lebten dort 2.065.679 Menschen.

Die Region liegt am Übergang von Mittelgebirgen zur Norddeutschen Tiefebene und ist keine einheitliche Naturlandschaft. Zentrale Landschaften sind das Ravensberger Hügelland und das Lipper Bergland. Wiehengebirge, Teutoburger Wald und dessen südliche Fortsetzung, das Eggegebirge, prägen die Mittelgebirgszonen. Hinzu kommen unter anderem die Warburger Börde, das Oberwälder Land, die Paderborner Hochfläche, das Sintfeld und im Westen die Senne. Der höchste Punkt liegt an einer Flanke des Totenkopfs bei Bad Wünnenberg bei 498 m ü. NN, der niedrigste bei Petershagen im Wesertal bei rund 27 m. Die maximale Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 118 km, die West-Ost-Ausdehnung rund 82 km.

Die Weser im Osten und die Ems im Westen entwässern den größten Teil der Region nach Norden zur Nordsee. Zwischen beiden liegt die Weser-Ems-Wasserscheide, die am Teutoburger Wald und Wiehengebirge verläuft. Die Lippe entspringt in der Senne und entwässert Teile des Südwestens dagegen zum Rhein. Die Mittelgebirge bestehen überwiegend aus Tonmergel-, Kalk- und Sandsteinen der Trias, des Jura und der Kreidezeit. Durch Faltung entstanden Bruchfaltengebirge mit Sätteln, Mulden, Horsten und Gräben. Eiszeitliche Ablagerungen wie Löss bilden in mehreren Bereichen besonders fruchtbare Böden; die Senne ist dagegen von Sandboden geprägt.

Über zwei Drittel der Fläche werden als Äcker oder Weiden genutzt. Wald bedeckt nur rund 21 % der Fläche, vor allem auf den Höhenzügen. Das Klima ist atlantisch: Winter sind mild, Sommer kühl, Niederschläge und Temperaturen vergleichsweise ausgeglichen. Teutoburger Wald und Eggegebirge wirken als Regenfänger mit bis zu 1000 mm Niederschlag; die Warburger Börde erhält etwa 750 mm.

Bevölkerung, Religion und regionale Identität

OWL hat eine polyzentrische Siedlungsstruktur: Statt einer einzigen dominierenden Metropole gibt es mehrere bedeutende Städte. Oberzentren sind die Universitätsstädte Bielefeld und Paderborn. Nach den im Artikel genannten Daten vom 31. Dezember 2025 hatte Bielefeld 331.419 Einwohner, Paderborn 155.906 und Gütersloh 99.854. Die Bevölkerung konzentriert sich besonders in der Agglomeration Gütersloh–Bielefeld–Herford entlang der Bahnstrecke Hamm–Minden sowie von A 2 und B 61. Der Kreis Herford ist mit 557 Einwohnern je km² dicht besiedelt, während der Kreis Höxter mit 117 Einwohnern je km² der dünnstbesiedelte Kreis Nordrhein-Westfalens ist. Die Bertelsmann-Stiftung prognostiziert bis 2030 einen Rückgang um 6,2 % von rund 2,07 auf rund 1,9 Millionen Einwohner.

Historische Herrschafts- und Konfessionsgrenzen prägen das Selbstverständnis bis heute. Im Norden lag das überwiegend lutherische Minden-Ravensberg, im Osten das evangelisch-reformierte Lipperland und im Süden das überwiegend katholische Hochstift Paderborn. Diese Unterschiede haben sich seit der Mitte des 20. Jahrhunderts durch Zuzug, Mobilität und sinkende Kirchenbindung deutlich abgeschwächt. Die meisten Protestanten gehören zur Evangelischen Kirche von Westfalen mit Sitz in Bielefeld; im Gebiet des früheren Fürstentums Lippe besteht die reformierte Lippische Landeskirche. Paderborn ist seit 1930 Erzbistum.

Sprachgeschichtlich gehört der größte Teil zu den ostwestfälischen Mundarten des Westfälischen. Das Plattdeutsche wurde im Alltag weitgehend durch Hochdeutsch ersetzt, lebt aber etwa in plattdeutschen Gottesdiensten und einzelnen Ausdrücken fort. Im Osten gehen Mundarten in das Ostfälische, im äußersten Nordosten in das Nordniederdeutsche über. Die gemeinsame niederdeutsche Sprachwurzel kann regional verbindend wirken.

Die Bezeichnung „Ostwestfalen-Lippe“ setzt sich aus Ostwestfalen, dem früheren preußischen Regierungsbezirk Minden, und dem früher eigenständigen Land Lippe zusammen. Manche Einwohner empfinden OWL als Verwaltungs- oder Marketingbegriff; besonders das lippische Regionalbewusstsein ist ausgeprägt. Verbindend wirken der gemeinsame Regierungsbezirk, geographische Nähe, teilweise ländliche Prägung und gemeinsame kulturelle Wurzeln.

Historische Entwicklung

Funde aus Stein- und Bronzezeit belegen eine frühe Besiedlung; der Faustkeil von Salzuflen wird auf die Zeit vor 350.000 bis 300.000 Jahren datiert. Das Hermannsdenkmal bei Detmold erinnert seit 1875 an Arminius und die Schlacht im Teutoburger Wald von 9 n. Chr. Nach neueren Erkenntnissen fand diese Schlacht jedoch eher bei Kalkriese und nicht in OWL statt.

Im 8. Jahrhundert unterwarfen und christianisierten die Franken die sächsischen Gruppen der Region. Karl der Große gründete 776 eine Pfalz in Paderborn und traf dort 799 Papst Leo III. Ebenfalls 799 wurde das Bistum Paderborn errichtet; Minden war bereits 798 urkundlich erwähnt und wurde 799 Hochstift. Das Kloster Corvey wurde 815 gegründet und entwickelte sich im 9. und 10. Jahrhundert zu einem Zentrum christlicher Kultur Nordwesteuropas. Weitere wichtige Territorien entstanden im Mittelalter: die Grafschaft Ravensberg, das Gebiet der Edelherren zu Lippe, die Grafschaft Rietberg und kleinere Herrschaften.

Die Reformation führte zu einer dauerhaften konfessionellen Teilung. Nach dem Westfälischen Frieden von 1648 fielen das säkularisierte Fürstentum Minden, Ravensberg und Herford an Brandenburg-Preußen; der Norden wurde lutherisch geprägt. Lippe war seit etwa 1605 reformiert und blieb eigenständig. Das Hochstift Paderborn blieb katholisch. Der Dreißigjährige Krieg verursachte schwere Verluste: In den lippischen Städten starben bis Kriegsende etwa zwei Drittel der Bevölkerung, auf dem Land etwa 50 %. Im 16. und 17. Jahrhundert fanden außerdem intensive Hexenverfolgungen statt; in Lippe und Lemgo wurden 430 Menschen Opfer.

Ab 1807 gehörten die ostwestfälischen Gebiete, mit Ausnahme Lippes, zum napoleonisch beherrschten Königreich Westphalen oder zeitweise direkt zum Kaiserreich Frankreich. 1815 fasste Preußen die Gebiete im Regierungsbezirk Minden der Provinz Westfalen zusammen. Lippe blieb bis 1947 eigenständig. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Regierungsbezirk Minden Teil Nordrhein-Westfalens; Lippe trat 1947 bei. Die Lippischen Punktationen regelten den Beitritt und die Verlegung der Verwaltung nach Detmold. Der daraus hervorgegangene Regierungsbezirk Detmold bildet die heutige Region.

Die Industrialisierung knüpfte vor allem in Minden-Ravensberg an die Leinenproduktion an. Arme Kötter und Heuerlinge, also meist landarme oder landlose Mieter kleiner Höfe, verdienten seit dem 15. Jahrhundert durch Flachsanbau und Leinenweberei hinzu. Diese Frühform industrieller Produktion heißt Protoindustrie. Später förderten Eisenbahnen, Textil- und Tabakindustrie die Entwicklung. Nach 1945 verlor die Tabakindustrie an Bedeutung; unter anderem die Möbelindustrie wurde wichtiger.

Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung

Die Region wird durch mittelständische Unternehmen in Maschinenbau, Lebensmittelindustrie, IT, Automatisierungstechnik und Möbelindustrie geprägt. Weniger als 1 % der abhängig Beschäftigten arbeiteten 2006 im primären Sektor, also Land- und Forstwirtschaft sowie Rohstoffgewinnung. Im sekundären Sektor, insbesondere Industrie und Bau, waren es rund ein Drittel; rund 65 % arbeiteten im tertiären Sektor, den Dienstleistungen. Für Februar 2018 nennt der Artikel eine Arbeitslosenquote von 5,7 % beziehungsweise 62.748 Arbeitslosen; sie lag unter dem Wert der anderen nordrhein-westfälischen Bezirke.

OWL zählt zu den starken deutschen Standorten für Maschinenbau und Industrieelektronik. Rund 400 Maschinenbau- und Zulieferunternehmen erwirtschafteten 2012 mehr als 15 Milliarden Euro Jahresumsatz. In der elektrischen Verbindungstechnik erreichen Unternehmen der Region laut Artikel einen Weltmarktanteil von 75 %. Etwa 70 % der deutschen Küchenmöbelproduktion stammen aus OWL. Auch Bekleidungsindustrie, Logistik und Tourismus sind bedeutsam. Der Tourismus nutzt vor allem den Namen „Teutoburger Wald“, Heilbäder, Kurorte und Naturparks. Besonders hohe Fremdenverkehrsintensitäten werden für Bad Driburg, Bad Oeynhausen, Bad Lippspringe, Horn-Bad Meinberg, Bad Salzuflen und Vlotho genannt.

Die Hochschullandschaft umfasst die Universität Bielefeld, die Universität Paderborn, die Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe mit Standorten in Lemgo, Detmold und Höxter, die Hochschule für Musik Detmold und die Hochschule Bielefeld. Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem in Medizin, industrieller Automation und intelligenten technischen Systemen. Die Strategie „it’s OWL – Intelligente Technische Systeme OstWestfalenLippe“ erhielt 2012 als Sieger im Spitzencluster-Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung 40 Millionen Euro Fördermittel für 47 Entwicklungsprojekte.

Die Verwaltungseinheit besteht zu 80 % aus dem früheren Regierungsbezirk Minden und zu 20 % aus dem hinzugekommenen Land Lippe. Die Kreise und Bielefeld betreiben gemeinsam mit Wirtschaft und Wissenschaft die OstWestfalenLippe GmbH. Sie soll OWL als Wirtschaftsstandort, Lebensraum und Urlaubsregion stärken. Im Bundestag ist die Region durch sieben direkt gewählte Wahlkreisvertreter vertreten; bei der Bundestagswahl 2025 gewannen in allen sieben Wahlkreisen CDU-Kandidaten die Direktmandate. Bei der Landtagswahl 2022 gewann die CDU acht und die SPD sieben der 15 Wahlkreise.

Verkehr, Kultur und Natur

OWL liegt an einer wichtigen Ost-West-Verkehrsachse am Rand der Mittelgebirge. Die Autobahnen A 2, A 30 und A 44 tragen vor allem den Ost-West-Verkehr; die A 33 dient teilweise dem Nord-Süd- und dem regionalen Verkehr. Wichtigster Bahnhof für Fern- und Nahverkehr ist Bielefeld Hbf mit ICE- und IC-Halten. Bielefeld ist die einzige Stadt der Region mit Straßenbahn, der Stadtbahn Bielefeld. Für den Nahverkehr bestehen der Verkehrsverbund Ostwestfalen-Lippe und der Nahverkehrsverbund Paderborn-Höxter; seit 2017 gilt zusammen mit weiteren Gemeinschaften der Westfalentarif.

Der Flughafen Paderborn/Lippstadt ist der einzige Passagierflughafen der Region. Weser und Mittellandkanal kreuzen sich im Wasserstraßenkreuz Minden. Neben Straße, Schiene und Wasserwegen gibt es ein dichtes Netz aus Rad- und Wanderwegen; bekannt sind etwa Hermannsweg, Eggeweg und Wittekindsweg.

Zu wichtigen Kultur- und Baudenkmälern zählen das Hermannsdenkmal, das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica, die Sparrenburg, das Residenzschloss Detmold, der Paderborner Dom, der Dom zu Minden und das Kloster Corvey. Erhaltene Altstädte und Bauwerke der Weserrenaissance prägen viele Orte; Nordrhein-Westfalen weist 14 historische Stadt- oder Ortskerne in OWL aus. Bedeutende Museen sind unter anderem das Lippische Landesmuseum, das Westfälische Freilichtmuseum Detmold, die Kunsthalle Bielefeld, MARTa Herford und das Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn.

Naturparks sind Teutoburger Wald/Eggegebirge, TERRA.vita und Dümmer. Am 31. Dezember 2005 gab es 357 Naturschutzgebiete mit mehr als 41.000 ha Fläche, entsprechend 6,3 % der Gesamtfläche. Bekannte Naturdenkmale sind die Externsteine bei Horn-Bad Meinberg, das Weserdurchbruchstal bei Porta Westfalica und der Desenberg bei Warburg. Für Senne und Eggegebirge wird ein Nationalpark Senne-Egge diskutiert, der wegen der militärischen Nutzung der Senne jedoch nicht absehbar ist.

Kulturell gehören regionale Gerichte wie Pickert, Grünkohl mit Pinkel und Stippgrütze zur westfälischen Küche. Schützenfeste, Libori in Paderborn, Annentag in Brakel und Karneval im katholischen Süden sind wichtige Bräuche. Im Sport sind Fußball und Handball besonders präsent; außerdem finden unter anderem das ATP-Turnier in Halle, der Paderborner Osterlauf und der Hermannslauf statt.

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