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Ostafrikanischer Sklavenhandel
Ostafrikanischer Sklavenhandel bezeichnet den Sklavenhandel, in dessen Rahmen Menschen aus Ostafrika vor Ort, in die Arabische Welt, in andere Teile Asiens, …
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Begriff und frühe Entwicklung
Der ostafrikanische Sklavenhandel umfasste den Verkauf von Menschen aus Ostafrika innerhalb der Region sowie in die Arabische Welt, andere Teile Asiens, auf Inseln im Indischen Ozean, in die Kapkolonie und in die Neue Welt. Über seine Anfänge gibt es keine gesicherten Angaben; archäologisch ist Sklaverei dort fast nicht nachweisbar.
Einen frühen Höhepunkt bildete die Erschließung von Sumpfgebieten im Süd-Irak unter den Abbasiden. Versklavte Menschen aus Ostafrika, die Zandsch, mussten große Plantagen urbar machen. 869 begann im Süd-Irak ein großer Aufstand, den Al-Muwaffaq 883 endgültig niederschlug; die meisten Sklaven wurden dabei getötet. Ob dies ein Sklavenaufstand oder eine religiöse Bewegung war, ist umstritten.
Handelszentren und Ausweitung
Ab 1543 kontrollierten die Portugiesen weite Teile der ostafrikanischen Küste und damit Häfen für die Verschiffung von Sklaven. Madagaskar war ein wichtiges Handelszentrum; dort betrieben sowohl einheimische Herrscher als auch europäische Händler den Handel.
Die Ilha de Moçambique war ein Zentrum des portugiesischen Handels. Von dort wurden Menschen unter anderem nach Brasilien verschifft. Das Sklavenschiff São José Paquete D’Africa sank 1794 bei Kapstadt und ist das bisher älteste wissenschaftlich untersuchte Sklavenschiff.
Die seit 1652 zur Vereenigde Oostindische Compagnie (VOC) gehörende Kapkolonie war das Zentrum des niederländischen Sklavenhandels im südlichen Afrika. Sklaven aus Ostafrika und Madagaskar gelangten von dort auch in den atlantischen Sklavenhandel. Außerdem wurden Haussklaven und Sklaven im großmaßstäblichen Ackerbau eingesetzt, der vor allem Schiffe versorgen sollte.
Höhepunkt im 19. Jahrhundert
Im 19. Jahrhundert erreichte der ostafrikanische Sklavenhandel seinen Höhepunkt. Weil an Afrikas Westküste zu wenige potenzielle Sklaven verfügbar waren, beschafften europäische Händler an der Ostküste Menschen für Amerika und Inseln im Indischen Ozean.
Als die Nachfrage dort später zurückging – durch Verbote in Frankreich 1848, den USA 1865 und Brasilien 1888 –, fielen die Sklavenpreise in Afrika. Käufer innerhalb Afrikas und im arabisch-islamischen Raum konnten dadurch mehr Menschen kaufen. Der Export in den Nahen Osten nahm zu; zugleich arbeiteten Sklaven an der ostafrikanischen Küste auf Plantagen, etwa auf den von Said ibn Sultan angelegten Gewürznelkenplantagen Sansibars. Umfangreiche Sklavenjagden entvölkerten ganze Landstriche. Tippu Tip aus Sansibar drang bei seinen Expeditionen bis in das zentralafrikanische Kongobecken vor.
Bekämpfung und formelle Abschaffung
Die Bekämpfung des Sklavenhandels diente europäischen Kolonialmächten als eine Rechtfertigung für die Kolonialisierung Ostafrikas. Ab den 1860er Jahren suchte die Royal Navy im Indischen Ozean nach Daus, also Schiffen, die Sklaven transportierten. Sultan Barghasch ibn Said von Sansibar verbot 1875 auf britischen Druck den ostafrikanischen Sklavenhandel. Illegal bestand er jedoch bis ins 20. Jahrhundert weiter und verlagerte sich teilweise auf Karawanenrouten zur Benadirküste im Süden Somalias; von dort wurden Menschen nach Arabien verschifft.
Großbritannien ging gegen den Handel vor, duldete die Sklavenhaltung, besonders in privaten Haushalten, zunächst aber weiter. Im britischen Protektorat Sansibar wurde Sklaverei 1897 abgeschafft, in der Konzession Britisch-Ostafrika, dem späteren Kenia, 1907. Weitere im Artikel genannte offizielle Abschaffungen waren: Irak 1924, Bahrain 1937, Kuwait 1949, Katar 1952, Jemen 1962 und Saudi-Arabien 1962. In Saudi-Arabien wurden von 100.000 bis 200.000 überwiegend afrikanischen Sklaven zunächst nur einige Tausend freigelassen. Oman schaffte die Sklaverei nach der Machtübernahme Sultan Qabus ibn Saids 1970 ab.
Zahlen und Gegenwart
Für das 16. bis 19. Jahrhundert wird die Zahl der aus Ostafrika durch die Sahara, über das Rote Meer und den Indischen Ozean exportierten Menschen auf 6,85 Millionen geschätzt. Dies ist etwas mehr als die Hälfte der Opfer des atlantischen Sklavenhandels. Die Zahl der Menschen, die bei Sklavenraubzügen und während der unmenschlichen Transporte starben, lässt sich nicht schätzen.
Über Nachfahren ostafrikanischer Sklaven ist vergleichsweise wenig bekannt. Genannt werden hohe Sterberaten, die Unfruchtbarkeit vieler als Eunuchen eingesetzter Männer und das Aufgehen von Sklaven und ihren Nachkommen in der Mehrheitsbevölkerung. Im Süden Somalias leben Nachfahren als „Somalische Bantu“. Die Siddi in Indien und Pakistan stammen größtenteils von Sklaven, teilweise auch von freien Afrikanern ab. Sklavenjagden wie in früheren Zeiten fanden im Zusammenhang mit dem Sezessionskrieg im Südsudan statt.