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Ost West Kreis

Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen beschlossenen Konziliaren Prozesses ('Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung ... Religion als …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Bedeutung
  2. 2. Zusammensetzung, Ziele und Arbeitsformen
  3. 3. Gründung und Entwicklung bis 1989
  4. 4. Aktivitäten nach der Wende

Gegenstand und Bedeutung

Der Arbeitskreis für Ost-West Fragen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland, meist Ost-West-Kreis oder OWK genannt, war eine Vereinigung kirchlich und gesellschaftspolitisch interessierter sowie bürgerschaftlich engagierter Christen. Zu ihm gehörten Mitglieder aus Kirchengemeinden der Bundesrepublik der Bonner Republik und Vertreter ihrer Partnergemeinden in der DDR.

Der OWK setzte sich für einen grenzüberschreitenden religiösen und politischen Dialog in Deutschland und Europa ein. Er wollte die Folgen der deutschen und europäischen Teilung von 1945 bis 1989 mildern, die Religions- und Meinungsfreiheit in Mittel- und Osteuropa verteidigen und zur Überwindung der Spaltung Europas beitragen. Viele Mitglieder engagierten sich in der kirchlichen Opposition gegen atheistische und totalitäre Tendenzen der DDR-Politik. Deshalb wurden sie von der Staatssicherheit der DDR observiert oder zum Ziel von „Zersetzungsmaßnahmen“.

Zentrale Themen waren ein zeitgemäßes Christentum, der Dialog zwischen Christen und anderen Religionsgemeinschaften sowie der Austausch mit humanistischen Traditionen. Außerdem beteiligte sich der Kreis am Konziliaren Prozess des Ökumenischen Rates der Kirchen. Dieser stand für „Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung“ und prägte besonders die Arbeit in den 1980er Jahren.

Zusammensetzung, Ziele und Arbeitsformen

Viele Mitglieder des OWK hatten ihre geistigen Wurzeln in der evangelischen Jugendarbeit der Bundesrepublik und der DDR, insbesondere in der Jungen Gemeinde. Als gesellschaftspolitischer Arbeitskreis war der OWK parteipolitisch nicht gebunden und vereinte unterschiedliche theologische und politische Auffassungen.

Während des Kalten Krieges wollte der Kreis durch Dialog einen sozialen und politischen Ausgleich zwischen den politischen Systemen in Ost und West fördern. Er setzte sich für Religionsfreiheit in der von der atheistischen marxistisch-leninistischen Staatsdoktrin geprägten DDR ein. Weitere Forderungen waren Reise- und Versammlungsfreiheit, freie Meinungsäußerung und überprüfbare demokratische Wahlen in Mittel- und Osteuropa.

Das wichtigste Arbeitsfeld war der Ideenaustausch von Christen und anderen Humanisten. Dazu organisierte der OWK Tagungen und Workshops, häufig mit akademischen Referenten. Sie dienten dem Austausch von Meinungen und Erfahrungen. Nach 1961 konnten Mitglieder aus der DDR nicht mehr in die Bundesrepublik ausreisen; deshalb fanden die Treffen im Osten statt, unter anderem in Ost-Berlin, Leipzig und Ziegenrück/Thüringen. Thematisiert wurden auch Bücher, Filme und andere Materialien, die in der DDR und anderen Ostblockstaaten marginalisiert oder unterdrückt wurden. Teilweise mussten solche Medien durch DDR-Grenzkontrollen geschmuggelt werden, wodurch Veranstalter und westliche Mitglieder ins Visier der Stasi gerieten.

Neben dem Dialog leistete der Kreis praktische Hilfe. Bis 1989 verschickte er Pakete mit Medikamenten und Lebensmitteln an wirtschaftlich, sozial oder medizinisch benachteiligte Menschen in der DDR und anderen Ostblockstaaten. Über kirchliche Sonderkonten oder direkte Warensendungen unterstützte er außerdem Gemeindezentren und Bauarbeiten an kirchlichen Gebäuden. Kirchliche Krankenhäuser und Behinderteneinrichtungen in der DDR, später auch in Leningrad/St. Petersburg, erhielten westliche Forschungsliteratur und Spezialgeräte, darunter Spezialbetten.

Gründung und Entwicklung bis 1989

Die Gründung des OWK steht im Zusammenhang mit dem 5. Deutschen Evangelischen Kirchentag vom 12. bis 16. August 1953 in Hamburg. Kurz nach dem gescheiterten Aufstand vom 17. Juni in der DDR nahmen mehr als 10 000 Besucher aus der DDR teil. Die gemeinsame Unterbringung und Versorgung führte trotz der schwierigen Nachkriegssituation zu einem besonders solidarischen Austausch. DDR-Teilnehmer berichteten von staatlichen Repressionen gegen Christen und von der zunehmenden Abschottung durch das Regime in Ost-Berlin.

Gerda Heinicke, Carl Stöwaß und Horst Franke vom Evangelischen Jugendkonvent in Hamburg beschlossen daraufhin, einen Arbeitskreis zu gründen. Er sollte den Dialog zwischen Christen in Ost und West, besonders auf Gemeindeebene, über die politischen und ideologischen Grenzen hinweg erhalten.

In den 1950er Jahren wurden West-Reisen für DDR-Bürger durch bürokratische Schikanen und Devisenbestimmungen erschwert. Die ersten OWK-Tagungen fanden deshalb in Hermannsburg und in der Evangelischen Akademie Loccum statt. Im Westen waren kirchliche Treffen besser möglich, und Rede- und Versammlungsfreiheit wurde dort nicht durch staatliche Beobachtung eingeschränkt. An den frühen Tagungen nahmen kirchliche Jugendvertreter, Pfarrer und Gemeindevorstände aus Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Mecklenburg, dem Hamburger Raum, Niedersachsen und Baden-Württemberg teil. Diese Regionen blieben bis in die Nachwendezeit wichtige Zentren. Kurz vor dem Mauerbau fanden auch Tagungen in West-Berlin statt. Unterstützt wurde die Arbeit unter anderem von den Bischöfen Friedrich-Wilhelm Krummacher und Hans-Otto Wölber.

Nach der Abriegelung der innerdeutschen Grenze und dem Bau der Berliner Mauer 1961 verlegte der OWK seine Tagungen nach Joachimsthal bei Berlin und an weitere Orte in der DDR, darunter Leipzig, Ziegenrück und Wismar, sowie in die Tschechoslowakei. Kirchenleute wie Pastor Theuerkauf und Pfarrer Theo Küttler stellten dafür Kirchen- und Gemeinderäume bereit und setzten sich damit der Stasi-Überwachung aus.

In den 1970er und 1980er Jahren behandelte der Kreis unter anderem Dialogkulturen in Ost und West, kirchliches und gesellschaftliches Engagement für Frieden und die Bewahrung der Schöpfung, Frauenemanzipation, Befreiungstheologie, Religion und Sexualität sowie Gegenwartsliteratur als Spiegel gesellschaftlicher Zustände. Nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl gewannen Umweltschutz und die Folgen des Braunkohle- und Uranbergbaus in der ehemaligen DDR zusätzlich an Bedeutung.

In den 1980er Jahren unterstützten zahlreiche DDR-Mitglieder Friedensgebete, die Friedensdekade der evangelischen Kirchen in der DDR und andere kirchliche Friedensarbeit. Vor und während der Friedlichen Revolution 1989 halfen sie Verfolgten des SED-Regimes und unterstützten die Revolution seelsorgerlich oder organisatorisch. Sie trugen damit zur Öffnung der deutschen Grenze, zur vorübergehenden Beendigung des internationalen Wettrüstens und zu einer neuen europäischen Ordnung nach dem Ende des Kalten Krieges bei. Roland Geipel verhinderte im Herbst 1989 in Gera die Erstürmung der Stasi-Zentrale. Hans Simon unterstützte in der Ost-Berliner Zionskirche den Aufbau einer Umweltbibliothek und wurde 1987 bei einer Stasi-Razzia verhaftet; internationale Proteste, an denen sich auch westdeutsche OWK-Mitglieder und Amnesty International beteiligten, führten zu seiner Freilassung. Geipel und Simon erhielten später das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Auch Horst Franke prägte die westdeutsche Kreisarbeit über Jahrzehnte und leitete zahlreiche Hilfsaktionen.

Aktivitäten nach der Wende

Nach der Friedlichen Revolution in der DDR und der Vereinigung Deutschlands verlagerte sich die Arbeit des OWK. Im Mittelpunkt standen die Angleichung wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Chancen und Standards sowie der Austausch mit osteuropäischen Partnern, die an einem gemeinsamen europäischen Haus interessiert waren. Dazu gehörten unter anderem Studierende und Lehrende polnischer Hochschulen.

Gemeinsam mit Mitgliedern und Freunden der Deutsch-Polnischen Gesellschaft organisierte der Kreis Konferenzen zur Geschichte, Gegenwart und Zukunft des östlichen Mitteleuropas. An diesen Veranstaltungen wirkten besonders Studierende der Technischen Universität von Jasło/Krasno mit. Die Konferenz von 2004 fand in Krzyżowa/Kreisau statt, in einer internationalen Begegnungsstätte im ehemaligen Gutshaus. Dort hatte sich 1944 der Kreisauer Kreis um Peter Graf Yorck von Wartenburg getroffen, um den Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur zu organisieren.

Die Tagung in Krzyżowa verband Referate über die totalitäre Geschichte Mittel- und Osteuropas im 20. Jahrhundert mit Vorträgen und Workshops zu Gegenwarts- und Zukunftsfragen. Sie brachte die Hoffnung auf einen fortgesetzten Dialog und eine gemeinsame europäische Zukunft zum Ausdruck.

Mit zunehmendem Alter der aktiven Mitglieder nahm die Zahl der Ost-West-Begegnungen nach 2012 ab. Viele Mitglieder blieben jedoch durch Korrespondenzen und gemeinsame Bildungsreisen miteinander verbunden.

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