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Orthodoxe Kirchenbauten
Orthodoxe Kirchenbauten unterscheiden sich manchmal äußerlich, vor allem aber in der Gestaltung und Ausstattung des Innenraumes von römisch-katholischen und …
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Kennzeichen und Ursprung
Orthodoxe Kirchenbauten unterscheiden sich von römisch-katholischen und protestantischen Kirchen besonders durch die Gestaltung des Innenraums und seine Ausstattung. Auch Kirchen katholisch-unierter Gemeinschaften folgen meist diesem Schema, weil sie orthodoxe Riten pflegen.
Nach der Alleinherrschaft Konstantins des Großen im Jahr 324 n. Chr. wurde das Christentum im Römischen Reich legalisiert und Gottesdienste wurden zunehmend aus Privathäusern in öffentliche Neubauten verlegt. Als Vorbild eignete sich nicht der römische Tempel: Seine Cella war nur für Priester bestimmt und zu klein für eine Gemeinde, die Liturgie, Eucharistie und Predigt miterleben sollte. Daher verwendete man die Basilika, eine hohe, langgestreckte Halle mit durch Säulen getrennten Seitenschiffen. Zu den von Konstantin in Rom erbauten dreischiffigen Säulenbasiliken zählen Alt-St. Peter, Sankt Paul vor den Mauern und die Lateranbasilika.
Die Hagia Irene in Konstantinopel veränderte diese Form bereits für den Gottesdienst: ein überbreites, von zwei Kuppeln überdecktes Mittelschiff, schmale Seitenschiffe mit Emporen, viele Bogenfenster, ein Synthronon mit Sitzreihen für Priester und Presbyter hinter dem Altar sowie ein Atrium vor dem Eingang verbinden römische Bauformen neu. Darin liegt eine Vorform orthodoxer Kirchenbauten und der Beginn der byzantinischen Architektur.
Grundrisse und äußere Gestalt
Auffällig sind oft zahlreiche Kuppeln, die wie im westlichen Kirchenbau den Himmel symbolisieren. In Griechenland, den slawischen Ländern Südosteuropas und Russland ist die Kreuzkuppelkirche das Standardschema. Viele Kirchen sind kaum länger als breit: Die höheren Gebäudeteile nähern sich im Grundriss einem Griechischen Kreuz an, also einem Kreuz mit gleich langen Armen.
In Russland, der Ukraine, Belarus und ruthenisch geprägten Gebieten Polens bestehen orthodoxe und unierte Kirchen häufig aus mehreren aneinander gereihten, annähernd quadratischen Bauteilen. Die aus der Basilika hervorgegangene Bauform kommt in der Orthodoxie als Kreuzbasilika vor, meist mit sehr kurzen Kreuzarmen.
Regionale und historische Prägungen
Der orthodoxe Kirchenbau blieb stärker mit der spätrömischen Architektur verbunden und griff architektonische Moden seltener auf als westkirchliche Bauten. Die Hagia Sophia von Konstantinopel, heute Istanbul, und ihr Verlust für die Orthodoxie waren dafür bedeutsam. Dennoch gibt es in der Orthodoxie herausragende Beispiele aus allen Architekturepochen.
Regionale Unterschiede hängen mit den autokephalen, also selbstständigen, ostkirchlichen Gemeinschaften, mit verfügbaren Baustoffen und dem Zusammenleben mit anderen Religionsgemeinschaften zusammen. Griechen, Kopten und Assyrer übernahmen beim Kirchenbau in Armenien, Ägypten, Georgien oder Syrien auch lokale Bauformen. In Griechenland, der heutigen Türkei und auf dem Balkan sind Kuppeln meist einschalig und wirken außen gedrungen. In russischen Ländern bevorzugt man Zwiebeldächer über den Kuppeln. Bei der Moskauer Basilius-Kathedrale und ähnlichen Kirchen derselben Zeit wird ein Einfluss der Moscheearchitektur des kurz zuvor eroberten und zerstörten Kasan gedeutet.
In Polen-Litauen wurden häufiger barocke Elemente aufgenommen, das Ukrainische Barock. Kennzeichnend für rumänische Kirchen sind Fresken an Außenwänden und weit überstehende Dächer zu ihrem Schutz, etwa bei Moldauklöstern und Holzkirchen in der Maramureș. Die Größe von Kirchen hing auch von politischen Bedingungen ab: Gemeinden, die eng mit dem Staat verbunden waren, konnten anders bauen als nur geduldete Gemeinden unter islamischer oder katholischer Herrschaft. Nach der Loslösung Griechenlands und der Balkanländer vom Osmanischen Reich entstanden vielerorts größere Kirchen als die erhaltenen mittelalterlichen, etwa die Alexander-Newski-Kathedrale in Sofia. Umgewidmete Gotteshäuser behalten äußerlich oft die Form der ursprünglichen Bauherren.
Klöster als wichtige Bauorte
Ein großer Teil der kunsthistorisch bedeutenden orthodoxen Kirchen sind Klosterkirchen. Beispiele sind Putna in Rumänien, Osios Loukas in Griechenland, Studenica in Serbien, Horezu in Rumänien, das Rila-Kloster in Bulgarien, Sveti Naum in Nordmazedonien, das Kiewer Höhlenkloster in der Ukraine und das Dreifaltigkeitskloster von Sergijew Possad in Russland. Die Muttergotteskirche in Studenica hat ausnahmsweise einen sehr langgestreckten Grundriss. Das Rila-Kloster wurde im 19. Jahrhundert großzügig ausgebaut, Sveti Naum stammt aus dem 9. Jahrhundert.
In orthodoxen Klöstern gibt es oft mehr als eine Kirche; einen Kreuzgang gibt es dagegen fast nie.
Innenraum, Ikonen und Gottesdienst
Orthodoxe Kirchen sind in der Regel geostet und nach dem ostkirchlichen, in Europa meist byzantinischen Ritus eingerichtet. Der Altarraum, das Allerheiligste, liegt im Osten. Vom Gemeinderaum, dem Naos, wird er durch die Ikonostase getrennt, eine mit Bildern bedeckte Trennwand. Der Naos wird durch den Narthex betreten, eine Vorhalle über die Breite des Gebäudes. Dort werden Kerzen, Ikonen und kirchliche Gegenstände verkauft; außerdem sind von dort Diensträume erreichbar.
Die Ikonostase verdeckt das Allerheiligste. In der orthodoxen Theologie bedeutet dies, dass Gott ohne die Vermittlung Christi unerreichbar ist; die Bildinhalte vermitteln zwischen Gemeinde und Allerheiligstem. Gleichzeitig ist sie so angelegt, dass die hinter ihr gesprochene und gesungene Liturgie im Gemeinderaum verstanden werden kann. Die Gestaltung der Ikonen unterliegt traditionell strengen Regeln.
Orgeln gibt es nicht, weil die menschliche Stimme als einzig zulässiges Instrument für den Lobpreis Gottes gilt. Russische orthodoxe Kirchen haben oft keine Bänke oder sonstige Bestuhlung; nur an den Wänden des Naos stehen Sitzreihen für Alte und Schwache, während die übrige Gemeinde in der Liturgie steht.
Viele Kirchen sind reich ausgemalt. Der byzantinische Bilderstreit wurde auf dem Zweiten Konzil von Nicäa 787 beendet: Wegen der Fleischwerdung Christi wurden zweidimensionale Darstellungen Christi, der Engel und Heiligen ausdrücklich gebilligt. Skulpturen sind dagegen nicht üblich und werden meist skeptisch gesehen. Innenwände und Gewölbe wurden in Griechenland und Russland häufig mit Mosaiken geschmückt; später wurde dabei auch viel Gold verwendet.