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Orthodoxe Kirchen in Deutschland
Die Orthodoxen Kirchen sind mit rund vier Millionen Gläubigen im Jahr 2023 die drittgrößte christliche Konfession in Deutschland. Die EKD-Statistik spricht …
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Bedeutung und Entwicklung in Deutschland
Die orthodoxen Kirchen sind in Deutschland eine große christliche Konfession: Für 2023 werden rund vier Millionen Gläubige genannt; die EKD-Statistik weist 2025 3,8 Millionen orthodoxe Christen aus. Frühere Schätzungen lagen deutlich niedriger, bei an die zwei Millionen im Jahr 2017 und rund 1,5 Millionen im Jahr 2010.
Eine dauerhafte orthodoxe Präsenz entstand vor allem durch Auslandsgemeinden von Menschen aus orthodox geprägten Ländern, seit dem späten 17. Jahrhundert. Streng genommen setzt die Trennung von katholischer und orthodoxer Kirche mit dem Morgenländischen Schisma von 1054 ein. Da diese Trennung zunächst geografisch verlief, gab es anfangs keine Orthodoxen in Deutschland.
Es gibt aus ekklesiologischen und geschichtlichen Gründen keine deutsch-orthodoxe Landeskirche. Zugleich wachsen deutschsprachige Gemeinden und der Anteil deutscher Konvertiten. Gemeinden feiern zunehmend auf Deutsch. Das 1990er-Jahren gegründete Deutsche orthodoxe Dreifaltigkeitskloster Buchhagen ist das erste und bisher einzige deutsche orthodoxe Kloster; juridisch gehört es zur bulgarisch-orthodoxen Diözese von West- und Mitteleuropa, ist nach seinem Statut aber einer „deutschen Orthodoxie“ verpflichtet.
Östlich-orthodoxe Kirchen und ihre Organisation
Seit dem 27. Februar 2010 bilden orthodoxe Diözesen gemeinsam die Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland. Die zehn Bistümer sind jeweils einer autokephalen Kirche ihres Heimatlands unterstellt; autokephal bedeutet hier kirchlich selbstständig. Sie umfassen in der Regel mehrheitlich Angehörige einer Nation und gehören verschiedenen Patriarchaten an. Die folgenden Angaben stammen aus dem Jahr 2003.
Zu den größten genannten Diözesen zählen die Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland in Bonn mit 450.000 Angehörigen, 70 Gemeinden und über 150 Gottesdienststätten, die Rumänische Orthodoxe Metropolie für Deutschland, Zentral- und Nordeuropa in Nürnberg mit 400.000 Angehörigen, 66 Gemeinden und 17 Filialgemeinden sowie die Serbisch-Orthodoxe Kirche, Eparchie von Düsseldorf und ganz Deutschland, mit 337.000 Angehörigen und 33 Gemeinden. Die Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche wird mit 250.000 Angehörigen und 42 Gemeinden angegeben.
Weitere genannte Kirchen sind die Antiochenisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland und Mitteleuropa in Köln mit 80.000 Angehörigen und 40 Gemeinden, die Bulgarische Diözese von West- und Mitteleuropa in Berlin mit 60.000 Angehörigen, die westeuropäische georgische Diözese mit 30.000 Angehörigen sowie die europäische Diözese der Mazedonisch-Orthodoxen Kirche ebenfalls mit 30.000 Angehörigen. Außerdem werden das Exarchat der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa und die Ukrainische Orthodoxe Eparchie von Westeuropa aufgeführt. Die Russische Orthodoxe Kirche im Ausland hat ihren Sitz in München.
Orientalische und nichtkanonische Kirchen
Zu den orientalisch-orthodoxen Kirchen gehören in Deutschland die Äthiopische Orthodoxe Kirche, die Armenisch-apostolische Orthodoxe Kirche mit Diözese in Köln, die Koptisch-orthodoxe Kirche, die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien und die Eritreisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche. Die äthiopischen Gemeinden in Norddeutschland unterstehen dem Bischof in London, jene in Süddeutschland dem Bischof in Rom. Bei den Kopten werden Damian, Bischof von Deutschland mit Sitz im Kloster Brenkhausen in Höxter, sowie Michael Samy Salami El Baramoussy als Bischof von Kröffelbach und Süddeutschland genannt. Die syrisch-orthodoxe Erzdiözese Deutschland hat ihren Sitz in Warburg.
Daneben nennt der Artikel Eparchien nichtkanonischer orthodoxer Kirchen: das deutsche Dekanat der Ukrainisch-orthodoxen Kirche – Kiewer Patriarchat, die Kirche der wahren orthodoxen Christen Griechenlands mit ihrer Erzeparchie Deutschland, die Metropolie von Aquileia und Westeuropa mit Erzeparchie München sowie die Russische Orthodoxe Kirche außer Landes in Köln-Porz. Die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Europa wird mit dem Hinweis aufgeführt, dass sie ihre Eigenständigkeit aufgegeben habe.
Klöster und theologische Ausbildung
In Deutschland bestehen Klöster verschiedener orthodoxer Traditionen. Genannt werden unter anderem das Kloster der Herrin von Antiochien in Blankenheim, das bulgarisch-orthodoxe Dreifaltigkeitskloster Buchhagen, das rumänisch-orthodoxe Kloster des heiligen Märtyrers Brâncoveanu in Nürnberg und mehrere russisch-orthodoxe Klöster, darunter das Kloster des Heiligen Hiob von Potschajew in Obermenzing, München. Serbisch-orthodoxe Klöster befinden sich unter anderem in Himmelsthür, Geilnau und Unteruffhausen. Koptisch-orthodoxe Klöster bestehen in Höxter-Brenkhausen und Waldsolms-Kröffelbach; außerdem wird das Kloster St. Gabriel in Altenbergen der Kirche der wahren Christen Griechenlands genannt.
An der Universität Münster besteht seit 1979 der erste Lehrstuhl für Orthodoxe Theologie, inzwischen im Centrum für Religiöse Studien. Bis 1999 hatte ihn Anastasios Kallis inne. Wichtige Aufgaben sind die Ausbildung orthodoxer Religionslehrer und die Möglichkeit zur Promotion in Orthodoxer Theologie. Seit 1995 wurde an der Universität München das ehemalige „Institut für orthodoxe Theologie“ zu einer Ausbildungseinrichtung ausgebaut und ein Diplom-Studiengang eingerichtet. Die Universität Erfurt besitzt einen religionswissenschaftlich ausgerichteten Lehrstuhl für orthodoxes Christentum. Seit 2002 kann am Theologischen Institut des Klosters Kröffelbach koptisch-orthodoxe Theologie mit dem Abschluss BA der Theologie studiert werden.
Ökumene und Religionsunterricht
Mehrere orthodoxe Kirchen arbeiten seit 1974 in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) mit. Die kanonischen östlich-orthodoxen Kirchen sind über die KOKiD in einer gemeinsamen Delegation mit fünf Mitgliedern und fünf Stellvertretern vertreten; die altorientalischen Kirchen sind jeweils Vollmitglieder. Orthodoxe Kirchen wirken im ACK-Vorstand, in der Ökumenischen Zentrale und in der theologischen Kommission DÖSTA mit. Im April 2019 übernahm Erzpriester Radu Constantin Miron als erster Orthodoxer den ACK-Vorsitz.
Es bestehen außerdem Gespräche mit der Deutschen Bischofskonferenz und der EKD über theologische Fragen und diakonisch-karitative Zusammenarbeit. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe der griechisch-orthodoxen Metropolie und der römisch-katholischen Bischofskonferenz verabschiedete mehrere Texte zu dogmatischen Fragen, zuletzt 2006 über das gemeinsame Verständnis des geistlichen Amtes. Seit 2007 ist diese Gesprächsebene auf die gesamte Orthodoxie in Deutschland erweitert. Zwischen KOKiD und EKD wurde eine Handreichung für evangelisch-orthodoxe Eheschließungen erarbeitet und unterzeichnet.
Nordrhein-Westfalen führte bereits 1985 regulären orthodoxen Religionsunterricht ein, zunächst für griechische Kinder und später unter Verantwortung der KOKiD für alle orthodoxen Schülerinnen und Schüler. Niedersachsen bietet regulären deutschsprachigen Unterricht an staatlichen Schulen; altorientalische Kinder können freiwillig teilnehmen. In Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg gibt es Planungen oder muttersprachlichen Ergänzungsunterricht. In Bayern ist der von der Russisch-orthodoxen Kirche im Ausland erteilte Unterricht seit dem Bescheid vom 6. Februar 1956, Nr. 93173, als ordentliches Lehrfach nach Art. 136 Abs. 2 der Bayerischen Verfassung anerkannt. Heute besitzen auch die Griechisch-, Serbisch- und Russisch-Orthodoxe sowie die Syrisch-orthodoxe Kirche diese Anerkennung. Orthodoxe Religionslehre kann Abiturfach sein; zudem gibt es einen gemeinsamen bayerischen Lehrplan für die in der Orthodoxen Bischofskonferenz vertretenen Bistümer.