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Orpheus in der Unterwelt
Orpheus in der Unterwelt (französisch Orphée aux enfers) ist eine Opéra bouffe in zwei Akten bzw. vier Bildern von Ludovic Halévy und Hector Crémieux.
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Werk und Bedeutung
„Orpheus in der Unterwelt“ (französisch „Orphée aux enfers“) ist eine Opéra bouffe von Jacques Offenbach. Das Libretto stammt von Hector Crémieux und Ludovic Halévy. Die Uraufführung fand am 21. Oktober 1858 im Théâtre des Bouffes-Parisiens in Paris statt. Die erste Fassung besteht aus zwei Akten beziehungsweise vier Bildern und dauert etwa 90 Minuten. 1874 entstand für das Théâtre de la Gaîté eine erweiterte Fassung als Opéra féerie in 4 Akten und 12 Bildern. Sie wurde am 7. Februar 1874 in Paris erstmals aufgeführt, dauert rund vier Stunden und erweitert die Musiknummern von 16 auf 30.
Das Werk war Offenbachs erstes abendfüllendes Stück, nachdem er wegen Lizenzbestimmungen drei Jahre lang Einakter für sein Theater komponiert hatte. Es wurde ein großer Erfolg. Die Handlung parodiert die griechische Sage von Orpheus und Eurydike: Statt einer tragischen Liebesgeschichte zeigt sie ein zerstrittenes Ehepaar, eigennützige Götter und eine Gesellschaft, die stärker auf den äußeren Schein achtet als auf Gefühle.
Gleichzeitig karikiert die Oper die Doppelmoral der besseren Gesellschaft im Zweiten Kaiserreich. Besonders die Götter des Olymp erscheinen gelangweilt, genusssüchtig und heuchlerisch. Sogar Kaiser Napoléon III. konnte sich in der Figur des liebestollen obersten Gottes Jupiter wiederfinden. Laut Artikel nahm er die Anspielungen offenbar nicht übel und applaudierte laut.
Musik und Besetzung
Das bekannteste Musikstück ist der sogenannte Höllen-Cancan im zweiten Akt. Im Original heißt er „Galop infernal“. Er ist auch heute noch bekannt und wird häufig unabhängig vom ganzen Werk aufgeführt.
Die Oper enthält außerdem mehrere musikalische Zitate. Genannt werden die französische Nationalhymne, die Arie „Che farò senz’ Euridice“ („Ach, ich habe sie verloren“) aus „Orfeo ed Euridice“ von Christoph Willibald Gluck sowie ein Fugenthema von Johann Sebastian Bach. Die Wiener Bearbeitung von 1860 stammt vermutlich von Johann Nestroy, der auch Jupiter spielte. In dieser Bearbeitung wurde auch die Ouvertüre uraufgeführt, die Carl Binder komponierte.
Zu den Hauptrollen gehören Orpheus, ein Musiklehrer und Tenor, seine Frau Eurydike, Sopran, die Öffentliche Meinung, Alt, Pluto beziehungsweise Aristäus, Herr der Unterwelt und als Schäfer verkleidet, Tenor, sowie Jupiter, oberster Gott und Herr des Olymp, Bariton. Weitere Figuren sind unter anderem Juno, Venus, Diana, Minerva, Bacchus, Mars, Merkur, Cupido und Hans Styx, auch John Styx genannt.
Neben den Gesangssolisten ist das Werk mit vierstimmigem Chor und Orchester besetzt. Das Orchester umfasst 2 Flöten, beide auch mit Piccolo, 1 Oboe, 2 Klarinetten, 1 Fagott, 2 Hörner, 2 Pistons, 1 Posaune, Pauken, Schlagzeug und Streicher.
Ausgangslage auf der Erde
Die Handlung der ersten Fassung spielt zunächst auf der Erde bei Theben im antiken Griechenland. Orpheus und Eurydike sind verheiratet, haben sich aber auseinandergelebt. Orpheus ist Musiklehrer und Geiger und betrügt Eurydike mit der Nymphe Chloé. Er würde sich gern von Eurydike trennen, wird aber durch die Öffentliche Meinung daran gehindert. Die Öffentliche Meinung ist eine allegorische Figur: Sie verkörpert den gesellschaftlichen Druck, nach außen anständig zu wirken.
Eurydike langweilt sich in ihrer Ehe und hat ebenfalls einen Geliebten, den Schäfer und Imker Aristäus. Sie weiß jedoch nicht, dass Aristäus in Wahrheit Pluto ist, der Herr der Unterwelt. Pluto will Eurydike in die Unterwelt entführen. Nach einem heftigen Streit zwischen Orpheus und Eurydike beißt Pluto Eurydike in den Hals; dieser „Kuss des Todes“ liefert sie ihm aus.
Als Eurydike wieder zu sich kommt, schreibt sie mit Pluto einen Abschiedsbrief an Orpheus. Darin steht unter anderem, Aristäus sei „der Gott der Hölle“, und nun hole sie „der Teufel“. Orpheus ist über den Brief erfreut, weil er sich endlich frei glaubt. Doch die Öffentliche Meinung zwingt ihn, seine Ehefrau von Jupiter zurückzufordern, und begleitet ihn auf den Olymp.
Die Götter auf dem Olymp
Auf dem Olymp herrschen Langeweile und Überdruss. Jupiter vergnügt sich mit jungen Frauen, Diana vermisst den schönen Sterblichen Aktäon, und Juno macht Jupiter Vorwürfe. Sie berichtet, auf der Erde sei eine schöne Frau von einem Gott entführt worden. Jupiter bestreitet, selbst damit zu tun zu haben.
Der Götterbote Merkur bringt die Nachricht, Pluto sei gerade von der Erde mit einer schönen Frau namens Eurydike in die Unterwelt zurückgekehrt. Damit ist Jupiter zunächst entlastet. Um seine Unschuld zu beweisen, lässt er Pluto aus der Unterwelt auf den Olymp kommen. Pluto erscheint, leugnet aber die Entführung.
Dann tritt Orpheus mit der Öffentlichen Meinung auf und fordert Eurydike zurück. Jupiter beschließt, die Angelegenheit in der Unterwelt zu untersuchen. Er will Eurydike jedoch nicht aus moralischen Gründen retten, sondern für sich selbst gewinnen. Die ganze Götterschar folgt ihm in Plutos Reich.
Unterwelt und Schluss
In Plutos Boudoir in der Unterwelt hält Pluto Eurydike versteckt. Bewacht wird sie von Hans Styx, Plutos ständig betrunkenem Diener. Hans Styx macht Eurydike den Hof und erzählt von seiner früheren Pracht als Prinz von Arkadien, im französischen Original als König von Boiotien. Eurydike bleibt unbeeindruckt. Das Abenteuer hat für sie seinen Reiz verloren, und sie sehnt sich zurück zu ihrem Mann auf der Erde.
Die Götter finden Eurydikes Versteck zunächst nicht. Jupiter wird misstrauisch, verwandelt sich in eine Fliege, gelangt durch das Schlüsselloch zu Eurydike und entdeckt sie. Er gibt sich als oberster Gott zu erkennen und verspricht, sie zu befreien und auf den Olymp mitzunehmen.
Im vierten Bild gibt Pluto ein Höllenfest. Es wird getanzt und getrunken. Jupiter beginnt mit einem Menuett, das sich bald zu einem wilden Cancan steigert. Eurydike erscheint als Bacchantin, also als Anhängerin des Weingottes Bacchus. Wieder kommen Orpheus und die Öffentliche Meinung hinzu und fordern Eurydike zurück. Jupiter stimmt zu, stellt aber eine Bedingung: Orpheus darf sich auf dem Weg in die Oberwelt nicht nach Eurydike umdrehen.
Beim Aufstieg gehen die Öffentliche Meinung, Orpheus und Eurydike, geführt von Hans Styx, in Richtung Oberwelt. Als sie das Tor erreichen, schleudert Jupiter einen Blitz. Orpheus erschrickt, dreht sich um und verliert Eurydike dadurch erneut. Jupiter entscheidet zugleich, dass auch Pluto Eurydike nicht behalten soll. Stattdessen macht er sie zur Bacchantin.
Spätere Fassungen und Medien
Der Artikel nennt mehrere Gesamteinspielungen in französischer und deutscher Sprache. Dazu gehören unter anderem eine vollständige Aufnahme der Fassung von 1858 unter René Leibowitz von 1951, eine Aufnahme der Fassung von 1874 unter Michel Plasson von 1978 mit Kürzungen sowie eine Aufnahme unter Marc Minkowski von 1997, die die Fassung von 1858 mit eingefügten Musiknummern aus der Fassung von 1874 verbindet.
Als Kinderfassung wird „Das Gift im Lift – warum Orpheus ganz nach unten fuhr“ genannt, eine Kinderoperette von Kay Link nach Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“. Die Uraufführung fand am 18. März 2012 statt; es war ein Auftragswerk der Bayer.Kultur in Leverkusen und erschien im Bühnenverlag Boosey & Hawkes.
Die Oper wurde mehrfach verfilmt. Bereits 1909 entstand eine Verfilmung unter demselben Titel. 1974 verfilmte die DEFA die Operette als Musik-Komödie „Orpheus in der Unterwelt“ mit Wolfgang Greese und Dorit Gäbler in den Hauptrollen; Regie führte Horst Bonnet. 1971 verfilmte Joachim Hess für das Fernsehen eine Inszenierung der Hamburger Staatsoper in eigener Übersetzung, unter anderem mit Inge Meysel als Juno, Theo Lingen als Styx und Liselotte Pulver als Öffentliche Meinung.