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Ophiuride

Mit dem Fällen des Lots ab C {\displaystyle C} {\displaystyle C} auf den feststehenden Winkelschenkel ergibt sich der Fußpunkt D {\displaystyle D} …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Wesen und Definition
  2. 2. Erzeugungen und verwandte Kurven
  3. 3. Würfelverdoppelung und Winkeldreiteilung
  4. 4. Kubische Gleichungen und Hyperbel

Wesen und Definition

Die Ophiuride, auch Schlangenschwanzlinie, ist eine kubische Kurve, also eine Kurve dritten Grades. Ihre Form und Lage werden durch die rechtwinklig zueinander stehenden Seiten a und b eines Rechtwinkelhakens bestimmt. In der im Artikel verwendeten Lage lautet ihre implizite Gleichung:

y³ + (x − a)xy − bx² = 0.

Sie kann als Ortslinie beschrieben werden: Ein Punkt P bewegt sich auf der Geraden durch die Seite AB eines Rechtwinkelhakens ABC. Durch A wird eine Parallele zu CP und durch P eine Senkrechte zu CP gezogen. Ihr Schnittpunkt D läuft auf der Ophiuride.

Die Gleichung folgt aus ähnlichen Dreiecken. Für die dabei verwendeten Strecken gilt x:y = y:|FP| und y:x = b:|BP|. Daher ist |FP| = y²/x, |BP| = bx/y sowie |FP| = a − x + bx/y. Nach Multiplikation mit xy ergibt sich y³ + (x − a)xy − bx² = 0. Für a = 2 und b = 1 lautet sie y³ + (x − 2)xy − x² = 0. Bei a = 1 und variablem b entsteht die Kurvenschar y³ + (x − 1)xy − bx² = 0.

Erzeugungen und verwandte Kurven

Die Ophiuride ist eng mit Rollkurven verwandt und lässt sich auf verschiedene geometrische Arten erzeugen.

Als Fußpunktkurve einer Parabel: P bewegt sich auf einer Parabel p, t ist die Tangente in P. X ist ein fester Punkt auf einer durch den Scheitel S verlaufenden Geraden parallel zur Leitlinie. Der Schnittpunkt D der Tangente t mit dem Lot von X auf t beschreibt eine Ophiuride. Für die im Artikel dargestellte Konstruktion gilt die Gleichung y³ + (x − a)xy + b(x − 1)² = 0. Fällt P mit dem Scheitel der Parabel zusammen, entsteht die Zissoide des Diokles.

Als Medianlinie von Kreis und Gerade: Zu einem Kreis k und einer außerhalb liegenden Geraden g wird ein fester Kreispunkt P gewählt. Für einen beweglichen Punkt X auf k schneidet die verlängerte Strecke XP die Gerade g in S. Die Mittelpunkte D der Strecken XS bilden eine Ophiuride. Liegt P auf dem Lot vom Kreismittelpunkt auf g, ist die Kurve wieder die Zissoide des Diokles. Deren Gleichung ist x²(2a − y) − y³ = 0.

Uhlhorn beschrieb außerdem ein mechanisches Zeichengerät, das Doppelgnomon: Zwei rechtwinklige, U-förmige Holzgestelle sind beweglich ineinander geführt. Ein Führungsstift wird in einer Geraden bewegt; beim Drehen eines Bügels zeichnet ein gegenüberliegender Stift die Ophiuride.

Würfelverdoppelung und Winkeldreiteilung

Die Ophiuride erlaubt geometrische Lösungen zweier klassischer Probleme der Antike: der Würfelverdoppelung und der Dreiteilung eines Winkels.

Bei der Würfelverdoppelung wird aus der Ophiuride mit a = 2 und b = 1 die Kantenlänge x₁ = ∛2 des verdoppelten Einheitswürfels gewonnen. Die zugehörige Gleichung lautet y³ + (x − 2)xy − x² = 0. Bei a = 1 und b = 1 bis 8 kann die Seitenlänge für die jeweilige Vervielfachung eines Einheitswürfels direkt auf der Geraden x = 1 abgelesen werden; allgemein ergibt sich die gesuchte Kante als Kubikwurzel der Vervielfachung.

Zur Winkeldreiteilung wird für einen Winkel α eine Ophiuride mit

y³ + (x − a)xy + sin(α)x² = 0

gezeichnet. Im Beispiel ist a = 2 und α₁ = 60°; zugleich wird der Supplementwinkel α₂ = 120° berücksichtigt. Die Ophiuride schneidet eine bestimmte Senkrechte in O und P. Parallelen durch diese Punkte schneiden einen Halbkreis in E und Q und liefern die Winkel β₁ = 20° beziehungsweise β₂ = 40°. Damit werden 60° und 120° gedrittelt. Die Konstruktion ist für Winkel größer als 0° bis 180° dargestellt.

Kubische Gleichungen und Hyperbel

Mit einer Ophiuride und den Schnittpunkten einer Geraden mit ihrer Kurvenschleife lassen sich nach dem Artikel alle kubischen Gleichungen geometrisch lösen. Für die reduzierte Form x³ − fx − g = 0 wird eine Höhe y gewählt und die Parameter der Ophiuride bestimmt durch:

a = (f + y²)/y und b = g/y².

Die Gerade zur gewählten Höhe y schneidet die Kurve in den Lösungen der kubischen Gleichung. Beim Beispiel x³ − 3x + 1 = 0 wird y = 2 gewählt. Dann sind a = 3,5 und b = 1/4. Die drei Schnittpunkte ergeben x₁ = 1,53208…, x₂ = 0,34729… = 2·sin(10°) und x₃ = −1,87938…. Der Artikel nennt hierfür den „casus irreducibilis“ der Cardanischen Formeln, bei dem kubische Wurzeln imaginärer Zahlen auftreten.

Enthält eine kubische Gleichung einen x²-Term, wird sie zunächst durch eine Verschiebung in die Normalform z³ + pz + q = 0 überführt. Für x³ − 7x² + 16x − 12 = 0 gilt mit x = z + 7/3: z³ − (1/3)z − 2/27 = 0. Mit y = 1 erhält man a = 4/3 und b = 2/27; die verschobene Ophiuride liefert die Lösungen x₁ = 2, x₂ = 2 und x₃ = 3. Die beiden gleichen Werte bilden eine Doppellösung.

Eine Spiegelung der für die Würfelverdoppelung verwendeten Ophiuride am Einheitskreis führt zu einer verwandten Hyperbel. Deren vereinfachte Gleichung lautet (2x − 1)y + x² = 0.

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