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Opernhaus

Ein Opernhaus (kurz: Oper) ist ein Gebäude für Musiktheater, in dem vor allem Opern, Operetten und Ballette aufgeführt werden. Opernhaus in Sydney Opernhaus …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Begriff und grundlegende Merkmale
  2. 2. Vom Rangtheater zur modernen Bühne
  3. 3. Das Opernhaus als organisatorische Institution
  4. 4. Ausgewählte Opernhäuser in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Begriff und grundlegende Merkmale

Ein Opernhaus, kurz Oper, ist ein Gebäude für Musiktheater. Dort werden vor allem Opern, Operetten und Ballette aufgeführt. Heute handelt es sich meist um ein geschlossenes Gebäude mit einer großen Bühne, aufwändiger Bühnenmaschinerie, einem Orchestergraben und einem Zuschauerraum mit einer oder mehreren Ebenen, etwa Rängen oder Logen.

Als Ausnahmen nennt der Artikel Freilichtbühnen wie das Théâtre Antique in Orange und die Arena von Verona. Die Arena wurde allerdings ursprünglich nicht als Theaterraum gebaut. Seit dem Barock ist das Guckkasten-Theater das vorherrschende architektonische Grundmodell. Frühere Formen wie Shakespeare-Bühne, Jahrmarkttheater und griechisch-römisches Amphitheater wurden dadurch weitgehend verdrängt.

In der Frühzeit der Oper dienten vor allem Festsäle der Aristokratie als Aufführungsorte. Erste Opernhäuser entstanden ab dem zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts in Venedig und später in anderen italienischen Städten. Das erste öffentliche Opernhaus in Deutschland war die 1678 eröffnete Hamburger Oper am Gänsemarkt, die nach venezianischem Vorbild errichtet wurde.

Vom Rangtheater zur modernen Bühne

Die bauliche Entwicklung der Opernhäuser wurde vor allem durch zwei Veränderungen geprägt. Erstens verlagerte sich die Bedeutung vom Zuschauerraum auf die Bühne. Im klassischen Rangtheater waren die Logen, besonders die Fürsten- oder Königsloge, wichtige Orte gesellschaftlicher Darstellung. Der Zuschauerraum war ebenso hell erleuchtet wie die Bühne. Gesungen wurde meist auf der Vorbühne, dem Proszenium. Die dahinterliegende Gassenbühne ermöglichte den schnellen Wechsel von Dekorationen sowie illusionistische Bühneneffekte, zum Beispiel durch Flugwerke und Versenkungen.

Moderne Bühnenbilder können dagegen den gesamten Raum von der Rampe bis zur Bühnenrückwand nutzen. Der Zuschauerraum ist abgedunkelt und bei neueren Opernhäusern häufig halbkreisförmig angeordnet, damit möglichst alle Zuschauer eine ähnlich gute Sicht haben. Die Theater wurden außerdem immer größer. Die New Yorker Metropolitan Opera fasst annähernd 4000 Plätze. In älteren Opernhäusern gibt es Plätze, von denen die Bühne nicht sichtbar ist; diese werden als Hörplätze bezeichnet und sind günstig erhältlich.

Die zweite entscheidende Veränderung betrifft den Orchestergraben. Im Barocktheater saßen die Musiker auf derselben Ebene wie das Parkett. Die unmittelbare Verbindung zwischen Orchester und Sängern machte einen Dirigenten nicht unbedingt erforderlich. Als die Orchesterbesetzungen größer wurden, entstand der tiefer gelegene Orchestergraben.

Richard Wagners Bayreuther Festspielhaus trieb diese Entwicklung besonders weit. Der Orchestergraben ist dort vollständig versenkt, reicht stufenförmig tief unter die Bühne und wird zusätzlich durch eine Sichtblende verdeckt. Dadurch ist die Herkunft des Klanges nicht mehr feststellbar. Für konzertante Aufführungen auf der Bühne besitzen manche Opernhäuser ein Konzertzimmer.

Seit dem 18. Jahrhundert verstand sich zunehmend das Bürgertum als Erbe der höfischen Opernkunst. Opernhäuser wurden zu repräsentativen Symbolen des bürgerlichen Establishments und hießen nun häufiger Staatsopern statt Hoftheater. Im 20. Jahrhundert wurden sie als solche auch politisch und gesellschaftlich angegriffen.

Das Opernhaus als organisatorische Institution

Mit „Opernhaus“ ist nicht nur das Gebäude gemeint, sondern häufig auch die dahinterstehende Institution. Größere deutsche Opernhäuser besitzen meist ein festes Ensemble. Dazu gehören Gesangssolisten, Chor, Ballett, Orchester und Statisten. Außerdem zählen die künstlerische Leitung mit Intendanten, Dirigenten, Regisseuren und Dramaturgen, die kaufmännische Verwaltung, die Garderobe und Werkstätten, etwa für Bühnenbilder, zum Opernbetrieb. Große Opernhäuser haben bis zu 1000 feste Mitarbeiter.

In Großbritannien und Frankreich verfügen Opernhäuser in der Regel nicht mehr über feste Ensembles. Einzelne Aufführungen werden häufig als Koproduktionen erarbeitet und anschließend zwischen Häusern ausgetauscht. Dieses System ist auch in den USA verbreitet.

Die Wiener Staatsoper verbindet verschiedene Organisationsformen. Ihr Sängerensemble übernimmt überwiegend mittlere und kleinere Rollen und arbeitet meist mit zeitlich begrenzten Verträgen: Es gibt Verträge über mehrere Wochen oder Monate, sogenannte Residenzverträge, sowie Jahresverträge. Große Partien werden fast ausschließlich mit prominenten Gastsängern besetzt, die für einzelne Abende oder Vorstellungsserien engagiert werden. Auch Dirigenten, Regisseure, Choreografen, Bühnenbildner, Kostümbildner und Lichtdesigner sind dort Gäste. Orchester und Chor gehören dagegen fest zum Ensemble. Die Wiener Volksoper besitzt ein eigenes Sängerensemble, aus dem der überwiegende Teil der Rollen besetzt wird.

Das Theater an der Wien hat weder ein eigenes Sängerensemble noch einen eigenen Chor oder ein eigenes Orchester. Diese Kräfte werden für die jeweiligen Inszenierungen engagiert. Diese Betriebsform heißt Stagionesystem, abgeleitet vom italienischen Wort für „Saison“. Stagione-Häuser wie in Frankreich oder Italien zeigen häufig Koproduktionen mit anderen Häusern oder Festivals.

Einige Wiener Bühnen sind im Bundestheater-Konzern organisiert. Dazu gehören die Burgtheater GmbH, die Wiener Staatsoper GmbH und die Volksoper Wien GmbH. Die gemeinsame Bundestheater-Holding GmbH sowie die Theater Service GmbH ART FOR ART übernehmen unter anderem Werkstätten, zentrale Gebäudetechnik, gemeinsames Marketing und Verwaltungsaufgaben. Nach einem ähnlichen Modell wurden in Deutschland Opernhäuser zunehmend aus dem öffentlichen Dienst ausgegliedert. In Berlin entstand zum 1. Januar 2004 die Stiftung Oper Berlin. Zu ihr gehören die Staatsoper Unter den Linden, die Deutsche Oper, die Komische Oper und das Staatsballett Berlin.

Ausgewählte Opernhäuser in Deutschland, Österreich und der Schweiz

In Deutschland nennt der Artikel zahlreiche Opernhäuser mit unterschiedlichen Größen und Funktionen. Das Festspielhaus Baden-Baden hat 2500 Plätze und wird als größtes Opernhaus Deutschlands bezeichnet. Das Bayreuther Festspielhaus verfügt über 1974 Sitzplätze; außerdem gibt es dort das Markgräfliche Opernhaus. In Berlin zählen die Staatsoper Unter den Linden, die Deutsche Oper und die Komische Oper zu den bedeutenden Häusern. Die Staatsoper Unter den Linden wurde 1743, 1843 und 1955 gebaut beziehungsweise umgebaut und hat nach der Sanierung 2017 etwa 1300 Sitzplätze. Die Deutsche Oper, deren Baujahre 1912 und 1961 genannt werden, verfügt über etwa 1900 Sitzplätze. Die Komische Oper hat etwa 1340 Sitzplätze und wird mit den Baujahren 1895, 1947 und 1966 aufgeführt. Die Krolloper ist ein historisches Opernhaus, das in den 1930er Jahren geschlossen wurde.

Weitere Beispiele sind die Oper der Stadt Bonn mit 1037 Plätzen, das Opernhaus Dortmund mit 1170 Plätzen, die Semperoper in Dresden mit etwa 1300 Sitzplätzen, das Aalto-Theater in Essen mit 1125 Plätzen, die Oper Frankfurt mit 1369 Sitzplätzen, die Hamburgische Staatsoper mit 1690 Sitzplätzen und das Opernhaus Köln mit 1346 Plätzen. Das Münchner Nationaltheater, die Bayerische Staatsoper, hat 2100 Plätze. In München werden außerdem das Staatstheater am Gärtnerplatz mit 932 Plätzen, das Prinzregententheater mit 1081 Plätzen und das Cuvilliés-Theater mit 523 Plätzen genannt. Das Opernhaus Leipzig verfügt über 1267 Plätze für die Große Bühne und das Kellertheater. Das Opernhaus des Niedersächsischen Staatstheaters in Hannover hat etwa 1200 Plätze, das Staatstheater Kassel 953 Sitzplätze und das Staatstheater Stuttgart 1404 Sitzplätze.

In Österreich gehören die Seebühne in Bregenz, das Opernhaus Graz, das Musiktheater Linz sowie in Wien das Theater an der Wien, die Wiener Staatsoper, die Volksoper Wien und die Wiener Kammeroper zu den aufgeführten Häusern. In der Schweiz nennt der Artikel das Theater Basel, das Grand Théâtre de Genève, die Opéra de Lausanne und das Opernhaus Zürich.

Zu den internationalen Beispielen zählen unter anderem das Teatro Colón in Buenos Aires, das Sydney Opera House, das Teatro Amazonas in Manaus, die Königliche Oper in Kopenhagen, die Finnische Nationaloper in Helsinki, die Opéra Bastille und die Opéra Garnier in Paris, das Teatro alla Scala in Mailand, das Teatro San Carlo in Neapel, das Teatro La Fenice in Venedig, die Arena di Verona, das Opernhaus Oslo, das Teatr Wielki in Warschau, das Bolschoi-Theater in Moskau, das Nationaltheater in Prag, das Gran Teatre del Liceu in Barcelona, das Teatro Real in Madrid, das Magyar Állami Operaház in Budapest, die Metropolitan Opera in New York und das Royal Opera House in London. Das Palau de les Arts Reina Sofía in Valencia wird als größtes Opernhaus Europas bezeichnet. Die Bildgalerie zeigt außerdem die Metropolitan Opera, das Royal Opera House, die Teatro alla Scala, die Opéra Garnier, das Bolschoi-Theater, die Semperoper, das Operahuset in Oslo, die Staatsoper Unter den Linden, das Palau de les Arts Reina Sofía, das Teatro Colón, das Teatro Massimo und das Teatro di San Carlo.

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