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Musiktheater
Zum Musiktheater gehören alle Formen, die Sprache und Handlung mit Musik verbinden, so etwa Musical, Operette, Singspiel und im weiteren Sinne Revue und Varieté …
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Definition und Formen
Musiktheater, auch „Musikalisches Theater“, ist eine der vier klassischen Sparten des Theaters. Die drei anderen sind Sprechtheater beziehungsweise Schauspiel, Figurentheater und Tanztheater beziehungsweise Ballett. Musiktheater verbindet Sprache und Handlung mit Musik und ist aus dem Genre der Oper hervorgegangen.
Im deutschen Sprachraum umfasst der Begriff vor allem Oper, Operette, das kabarettistisch gefärbte Singspiel und Musical. Im weiteren Sinne können auch Revue und Varieté zum Musiktheater gerechnet werden. Kennzeichnend ist, dass Musik, Text und szenische Handlung gemeinsam eine Theateraufführung bilden. Der zugrunde liegende Artikel weist allerdings darauf hin, dass einige seiner Angaben nicht hinreichend mit Belegen abgesichert sind.
Entwicklung der Bühnenformen
Oper, Operette, Singspiel und Musical entstanden in dieser Reihenfolge. Sie sind gut zwei Jahrtausende jünger als das Sprechtheater, das bereits in der Antike entstand. Inhaltlich und in der Art der Darstellung entwickelten sie sich auf dessen Grundlage.
Seit der Renaissance entstanden aus verschiedenen Mischformen eigenständige Gattungen. Anfangs konnte das Schauspiel lediglich der Illustration der Musik dienen oder umgekehrt die Musik das Schauspiel illustrieren. Später zielten die neuen Formen auf eine stimmige Verbindung von „Logos“ und „Mimus“: Gemeint sind die sprachlich-textliche Ebene und die körperlich-szenische Darstellung.
Lange war umstritten, welches Element Vorrang haben sollte. Eine Position verlangte, dass die Musik den Text bestimme; die Gegenposition wollte die Musik der Dichtung unterordnen. Im 20. Jahrhundert wurden außerdem Formen erprobt, bei denen Schauspiel und Musik nicht eng miteinander verbunden waren, sondern eher unverbunden und assoziativ nebeneinanderstanden.
Traditionell wirkten an einer Aufführung Schauspieler, Sänger und ein Orchester mit. Schauspieler und Sänger konnten dabei teilweise dieselben Personen sein. In neuerer Zeit wird Musik häufig auch von Tonträgern eingespielt. Aufgezeichnete Musik kann dabei mit Klängen kombiniert werden, die während der Aufführung live entstehen.
Musikalische Mittel und Instrumente
Im Musiktheater können sämtliche Instrumente des klassischen Orchesters eingesetzt werden. Das wichtigste natürliche Instrument ist die menschliche Stimme, die sowohl musikalische als auch sprachliche Aufgaben übernehmen kann.
Im 20. und 21. Jahrhundert wurde das Instrumentarium durch typische Instrumente der Pop- und Jazzmusik erweitert. Dazu gehören E-Gitarre, Keyboards, Synthesizer und E-Bass. In jüngster Zeit treten verstärkt Inszenierungen auf, die digitalisierte Musik mit live gespielter Musik mischen. Musiktheater ist deshalb nicht an eine bestimmte Besetzung oder ausschließlich an ein klassisches Orchester gebunden.
Bedeutung des Begriffs
Der Ausdruck „Musiktheater“ wurde erst im 20. Jahrhundert geprägt. Anlass waren die kritische Auseinandersetzung mit der herkömmlichen Oper, in der die Musik dominierte, und die Erkenntnis, dass der Begriff „Oper“ die Vielfalt der inzwischen entstandenen Formen nicht mehr ausreichend erfasste.
Zunächst bezeichnete „Musiktheater“ vor allem experimentelle Mischformen. Später wurde das Wort zunehmend als Synonym für eine mit modernen Mitteln inszenierte Oper verwendet. Damit verbunden war die wachsende Anerkennung des Regisseurs als eigenständig verantwortlicher Künstler neben Autor und Komponist, Schauspielern und Sängern, Dirigent und Bühnenbildner.
Der Regisseur Walter Felsenstein setzte sich für eine gleichberechtigte Kommunikation von Musik und Text ein. Seine lange als beispielhaft angesehenen Inszenierungen trugen maßgeblich zur Verbreitung des Begriffs bei. Als weitere Vertreter nennt der Artikel Oscar Fritz Schuh, Günther Rennert und Götz Friedrich.
Für Bühnenformen, die sich von Oper, Operette und Musical unterscheiden, prägte der Komponist Mauricio Kagel den Ausdruck „Neues Musiktheater“. Dieses konzentriert sich nicht vorrangig auf den Gesang, sondern geht vom Klang aus, der auf der Bühne in Handlung umgesetzt wird. Die Akteure handeln dabei zugleich musikalisch, tänzerisch und darstellerisch.
Die Bedeutung des Begriffs hängt auch vom Sprachraum ab. Im angloamerikanischen Raum ist „Musical Theatre“ normalerweise kein Oberbegriff für sämtliche Formen des Musiktheaters. In Abgrenzung zur traditionellen Oper, der „Opera“, bezeichnet es meist das Musical und andere eher leichte Formen.