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Olympische Sommerspiele 1960
Die Olympischen Sommerspiele 1960 (offiziell Spiele der XVII. Olympiade genannt) fanden vom 25. August bis 11. September 1960 in Rom statt.
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Überblick und Bedeutung
Die Olympischen Sommerspiele 1960, offiziell Spiele der XVII. Olympiade, fanden vom 25. August bis 11. September 1960 in Rom statt. 5352 Athleten, darunter 4741 Männer und 611 Frauen, vertraten 83 Länder. In 17 Sportarten mit 23 Disziplinen wurden 150 Wettbewerbe ausgetragen. Staatspräsident Giovanni Gronchi eröffnete die Spiele; Adolfo Consolini sprach den olympischen Eid, und Giancarlo Peris entzündete das olympische Feuer.
Kennzeichnend war die Verbindung antiker Schauplätze wie der Caracalla-Thermen und der Maxentiusbasilika mit moderner Architektur von Pier Luigi Nervi. Die Sowjetunion führte den Medaillenspiegel mit 43 Gold-, 29 Silber- und 31 Bronzemedaillen an. Es folgten die Vereinigten Staaten mit 34 Goldmedaillen und Italien mit 13. Die gesamtdeutsche Mannschaft belegte mit 12 Gold-, 19 Silber- und 11 Bronzemedaillen Rang 4.
Zu den herausragenden Leistungen gehörten Paul Elvstrøms vierte Goldmedaille in einem Einzelwettbewerb bei vier aufeinanderfolgenden Spielen und Aladár Gerevichs sechster Mannschaftssieg im Säbelfechten bei seinen sechsten Olympischen Spielen. Abebe Bikila gewann im Marathon als erster schwarzer Afrikaner olympisches Gold. Erfolgreichster Teilnehmer war der sowjetische Turner Boris Schachlin mit vier Gold-, zwei Silber- und einer Bronzemedaille; Larissa Latynina gewann drei Gold-, zwei Silber- und eine Bronzemedaille. Wilma Rudolph errang drei Goldmedaillen in der Leichtathletik. Jüngster Olympiasieger war der 13 Jahre und 283 Tage alte Rudersteuermann Klaus Zerta, ältester Olympiasieger der 50 Jahre und 179 Tage alte Gerevich.
Vergabe, Organisation und Anlagen
Rom war bereits als Austragungsort für 1908 vorgesehen gewesen, doch das Organisationskomitee löste sich 1906 auf; nach dem Vesuvausbruch fehlten außerdem die finanziellen Mittel. Nach weiteren erfolglosen Bewerbungen erhielt Rom die Spiele am 16. Juni 1955. Im dritten Wahlgang setzte sich die Stadt mit 35 zu 24 Stimmen gegen Lausanne durch.
Das Nationale Olympische Komitee Italiens CONI wurde von Giulio Onesti geleitet. Das im November 1958 gegründete Veranstalterkomitee stand unter dem Vorsitz von Giulio Andreotti; Onesti leitete dessen Exekutivkomitee. Der italienische Staat trug den größten Teil der Infrastrukturkosten. Die Gesamteinnahmen werden auf 7,2 Millionen US-Dollar geschätzt, darunter 394.000 US-Dollar für Fernsehrechte und umgerechnet 4,2 Millionen US-Dollar aus Eintrittskarten. Größte einzelne Kostenposition war der Ausbau des Flughafens Fiumicino.
Die wichtigsten Anlagen lagen im Foro Italico im Norden und im Stadtviertel E. U. R. im Süden. Im Olympiastadion fanden Zeremonien und Leichtathletik statt, im Schwimmstadion die Schwimmwettbewerbe und im Palazzo dello Sport das Boxen. Basketball und Gewichtheben wurden im Palazzetto dello Sport, Fechten im Kongresspalast und Bahnradfahren im Velodromo ausgetragen. Die Ringer kämpften in der Maxentiusbasilika, die Turner in den Caracalla-Thermen. Der Marathon führte vom Kapitol über die Via Appia Antica zum Konstantinsbogen. Ruderer und Kanuten starteten auf dem Albaner See, die Segler vor Neapel. Fußballspiele fanden außer in Rom auch in Neapel, Florenz, Grosseto, L’Aquila, Livorno und Pescara statt.
Das olympische Dorf entstand auf dem Campo Parioli gegenüber dem Foro Italico. Es beherbergte später auch Teilnehmer der Sommer-Paralympics 1960 und wurde danach als Wohnanlage für italienische Staatsbeamte genutzt.
Teilnehmer und politische Konflikte
Sportler aus 83 Ländern nahmen teil. Marokko, Sudan, Tunesien und San Marino waren erstmals bei Sommerspielen vertreten. Jamaika sowie Trinidad und Tobago traten gemeinsam als Westindische Föderation an; Ägypten und Syrien starteten als Vereinigte Arabische Republik. Chile erhielt nach dem schweren Erdbeben in Südchile besondere finanzielle Unterstützung durch den Veranstalter.
Die BRD und die DDR bildeten wie 1956 eine gemeinsame deutsche Mannschaft. Als Kompromiss verwendete sie eine deutsche Fahne mit weißen olympischen Ringen im roten Feld. Nach innerdeutschen Qualifikationen gehörten ihr 173 Sportler aus der BRD und 119 aus der DDR an. Gemeinsame Teams in Mannschaftssportarten wurden nicht gemeldet; gemischte deutsche Staffeln waren jedoch möglich. Eine aus je zwei Kanuten aus Ost und West bestehende Staffel gewann Gold.
Umstritten war außerdem die Vertretung Chinas. Nachdem die Volksrepublik China 1958 aus dem IOC und den Sportverbänden ausgetreten war, trat Taiwan unter der Bezeichnung Republik China an, durfte nach Auffassung von IOC-Präsident Avery Brundage aber nicht ohne den Zusatz Taiwan ganz China beanspruchen. Nordkorea nahm nicht teil: Südkorea lehnte sowohl dessen Aufnahme als auch eine gemeinsame Mannschaft ab, und das IOC vertagte die Entscheidung.
Ein weiterer Konflikt betraf die Apartheid. Obwohl der südafrikanische Vertreter erklärt hatte, kein schwarzer Sportler werde an der Reise gehindert, bestand die 55-köpfige Mannschaft ausschließlich aus weißen Athleten. Südafrika wurde vor den Spielen von 1964 aus der olympischen Bewegung ausgeschlossen und kehrte erst 1992 nach dem Ende der Apartheid zurück.
Programm, Fackellauf und Zeremonien
Das Programm umfasste 113 Männer-, 29 Frauen- und 8 offene Wettbewerbe. Neu waren unter anderem die 4-mal-100-Meter-Lagenstaffeln im Schwimmen, der Mannschaftswettbewerb im Frauenflorett, der Zweierkajak der Frauen und die 4-mal-500-Meter-Kajakstaffel der Männer. Der 800-Meter-Lauf der Frauen kehrte erstmals seit 1928 zurück. Im Straßenradsport ersetzte das 100-km-Mannschaftszeitfahren die Mannschaftswertung des Straßenrennens, beim Segeln löste der Flying Dutchman den Sharpie ab. Gestrichen wurden unter anderem vier Kanuwettbewerbe über 10.000 Meter, die Gruppengymnastik der Frauen, das Schießen auf den laufenden Hirsch und einmalig seit 1928 die Mannschaftsdressur. Nach einer Vereinbarung mit der römisch-katholischen Kirche blieben die ersten beiden Sonntage grundsätzlich wettkampffrei; Ausnahmen entstanden unter anderem durch ein Entscheidungsspiel im Hockey.
Die Flamme wurde am 12. August um 9:30 Uhr in Olympia entzündet. 330 Läufer brachten sie über 330 Kilometer nach Piräus. Das Segelschulschiff Amerigo Vespucci transportierte sie rund 900 Kilometer nach Syrakus. Anschließend legten 1199 Läufer in Italien 1532,8 Kilometer bis Rom zurück. Am 25. August entzündete der 18-jährige Schüler Giancarlo Peris das Feuer. Die von Amedeo Maiuri nach einem etruskischen Vorbild entworfene Fackel war 40 Zentimeter lang und wog 580 Gramm.
Vor der Eröffnung segnete Papst Johannes XXIII. die Teilnehmer bei einem Gottesdienst auf dem Petersplatz. Bei der Eröffnungsfeier protestierte Taiwans Mannschaft gegen ihre Bezeichnung; Rafer Johnson trug als erster Afroamerikaner die US-Flagge. Die Schlussfeier folgte am 11. September auf das Mannschaftsspringen. Bei den Siegerehrungen wurden die Medaillen erstmals an Bronzeketten aus stilisierten Olivenblättern um den Hals gelegt. Die Medaillen hatten 68 Millimeter Durchmesser, waren 3,6 Millimeter dick und wogen 102 Gramm.
Wichtige Wettbewerbe und Ergebnisse
Im Basketball gewannen die USA zum fünften Mal beim fünften olympischen Turnier; gegen die Sowjetunion siegten sie 81:57. Das Boxturnier war in der Vorrunde von Fehlurteilen geprägt, woraufhin 17 Kampfrichter ausgeschlossen wurden. Nino Benvenuti erhielt den Val-Barker-Pokal, und der 18-jährige Cassius Clay, später Muhammad Ali, gewann im Halbschwergewicht. Clement Quarteys Silber war die erste olympische Medaille eines schwarzen Afrikaners.
Im Fechten setzte Ungarn seine Siegesserie im Mannschaftssäbel fort; Aladár Gerevich gewann seine siebte olympische Goldmedaille. Heidi Schmid siegte im Frauenflorett, die Sowjetunion im erstmals ausgetragenen Mannschaftswettbewerb. Das Fußballfinale gewann Jugoslawien gegen Dänemark. Im Gewichtheben gingen fünf von sieben Titeln an die Sowjetunion. Pakistan beendete im Hockeyfinale mit einem 1:0 gegen Indien dessen seit 1928 andauernde Siegesserie.
In der Leichtathletik gewann Armin Hary die 100 Meter in 10,2 Sekunden und nach der Disqualifikation der US-Staffel auch die 4-mal 100 Meter. Livio Berruti stellte über 200 Meter mit 20,5 Sekunden den Weltrekord ein. Abebe Bikila gewann den Marathon barfuß. Wilma Rudolph siegte über beide Sprintstrecken und mit der Staffel. Herb Elliott gewann die 1500 Meter mit Weltrekord, und Iolanda Balaș den Hochsprung mit 14 Zentimetern Vorsprung. Im Zehnkampf setzte sich Rafer Johnson knapp gegen Yang Chuan-Kwang durch.
Die italienischen Radsportler gewannen alle vier Bahnwettbewerbe und das Mannschaftszeitfahren. Dieses wurde vom Tod des Dänen Knud Enemark Jensen nach Hitzschlag, Sturz und Gehirnverletzung überschattet. Im Reiten siegte Sergei Filatow in der Dressur, Australien in der Vielseitigkeit und die deutsche Equipe im Mannschaftsspringen. Wilfried Dietrich gewann im Freistilringen Gold. Der deutsche Achter begann mit seinem Sieg eine zehnjährige Erfolgsserie.
Im Schwimmen dominierten die USA und Australien. Dawn Fraser verteidigte ihren Titel über 100 Meter Freistil; Anita Lonsbrough gewann als einzige Schwimmsiegerin außerhalb dieser beiden Länder. Ingrid Krämer errang für die gesamtdeutsche Mannschaft beide Titel im Wasserspringen der Frauen. Italien gewann das Wasserballturnier. Paul Elvstrøm holte im Finn-Dinghy sein viertes Gold in Folge. Im Turnen gewann Japan die Männer-Mannschaftswertung; Boris Schachlin errang sieben Medaillen, Larissa Latynina sechs.
Medien und Nachwirkung
1960 wurden erstmals Fernsehrechte für Olympische Sommerspiele vergeben. CBS erwarb die US-Exklusivrechte für 394.000 US-Dollar. Da es noch keine direkte Satellitenübertragung gab, wurden die Aufnahmen per Flugzeug in die Vereinigten Staaten gebracht und am folgenden Tag ausgestrahlt. CBS sendete insgesamt 16 Stunden und 14 Minuten. Europäische Sender zahlten 274.000 US-Dollar; die BBC übertrug 24 Stunden und 57 Minuten, davon mehr als 18 Stunden live. Der DFF der DDR sendete 4 Stunden und 41 Minuten, die ARD der BRD 3 Stunden und 51 Minuten. Sendungen erreichten 38 Länder. Insgesamt waren 2194 Journalisten akkreditiert.
Romolo Marcellini dokumentierte die Spiele in Die großen Spiele (La grande olimpiade, 1961). Der Film wurde 1962 für einen Oscar nominiert. Die Spiele blieben besonders durch die Verbindung historischer römischer Orte mit moderner Sportarchitektur, durch die wachsende Bedeutung des Fernsehens sowie durch Leistungen wie die Siege von Abebe Bikila, Wilma Rudolph, Paul Elvstrøm, Boris Schachlin und Larissa Latynina in Erinnerung.