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Oligopol

Ein Oligopol mit genau zwei Anbietern heißt Duopol oder Dyopol, während ein Markt, auf dem wenigen Anbietern ebenfalls wenige Nachfrager gegenüberstehen, als …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Definition und Einordnung
  2. 2. Arten und grundlegendes Marktverhalten
  3. 3. Mögliche Reaktionen der Anbieter
  4. 4. Theoretische Modelle
  5. 5. Recht und typische Beispiele

Definition und Einordnung

Ein Oligopol ist eine Marktform, bei der wenigen Anbietern viele Nachfrager gegenüberstehen. Es kann auf Gütermärkten ebenso wie auf Finanzmärkten vorkommen. Weil nur wenige Unternehmen anbieten, besitzt jedes von ihnen eine gewisse Marktmacht und kann die Entwicklung des Marktes durch seine Preis- oder Mengenentscheidung beeinflussen.

Die Einordnung einer Marktform richtet sich nach der Zahl der Anbieter und Nachfrager. Stehen vielen Nachfragern viele Anbieter gegenüber, handelt es sich um ein Polypol; gibt es nur einen Anbieter, um ein Monopol. Der umgekehrte Fall des Oligopols heißt Oligopson oder Nachfrageoligopol: Wenige Nachfrager stehen vielen Anbietern gegenüber. Ein Oligopol mit genau zwei Anbietern wird Duopol oder Dyopol genannt. Treffen wenige Anbieter auf wenige Nachfrager, liegt ein bilaterales oder zweiseitiges Oligopol vor.

Arten und grundlegendes Marktverhalten

Bei einem homogenen Oligopol sind die angebotenen Güter oder Dienstleistungen aus Sicht der Nachfrager perfekte Substitute, also vollständig austauschbar. Die Nachfrager bevorzugen das Angebot eines bestimmten Unternehmens nicht grundsätzlich gegenüber dem eines anderen. Bei einem heterogenen oder inhomogenen Oligopol sind die Produkte dagegen nur begrenzt austauschbar, weil sie sich beispielsweise durch ihre Gestaltung oder andere Merkmale unterscheiden.

Das wichtigste Kennzeichen eines Oligopols ist die Reaktionsverbundenheit der Anbieter. Die Nachfrage nach dem Produkt eines Unternehmens hängt davon ab, wie sich seine Konkurrenten verhalten. Zwischen den Unternehmen besteht daher eine strategische Interdependenz: Jedes Unternehmen muss bei seinen eigenen Entscheidungen mögliche Reaktionen der Wettbewerber berücksichtigen. Die Anbieter wissen, dass ihre Entscheidungen die anderen Verkäufer beeinflussen, während die Käufer die Marktbedingungen als gegeben hinnehmen.

Dadurch entsteht für einen Oligopolisten ein komplexes Entscheidungsproblem. Der Erfolg seiner Wahl hängt wesentlich davon ab, wie gut er das Verhalten der Konkurrenz einschätzt. Senkt beispielsweise ein Unternehmen seinen Preis, können Wettbewerber ihre Preise schnell ebenfalls senken, um keine Kunden zu verlieren. Solche Anbieter werden als Preisanpasser bezeichnet. Oligopolistische Märkte können deshalb einen besonders intensiven Wettbewerb aufweisen; als Beispiel nennt der Artikel den deutschen Lebensmitteleinzelhandel.

Mögliche Reaktionen der Anbieter

Das Verhalten in einem Oligopol kann unterschiedliche Formen annehmen:

• Bei der Preisführerschaft erkennen die übrigen Unternehmen einen Anbieter als Preisführer an. Sie ändern ihre Preise erst, nachdem dieser seinen Preis verändert hat. Im statischen Fall führt dieses Verhalten zu einem Stackelberg-Gleichgewicht.

• Bei der Imitation ahmen Unternehmen das Verhalten eines Konkurrenten nach. Experimente zeigen, dass dies neben rechnerischen Entscheidungen zur Gewinnmaximierung häufig vorkommt. Wird ein Preisführer im Duopol imitiert, kann sogar der Monopolpreis erreicht werden.

• Abgestimmte Verhaltensweisen und Kartellbildung sind besonders in engen Oligopolen leicht zu organisieren. Preis- und Mengenabsprachen sind für Anbieter vor allem dann attraktiv, wenn ein Wettbewerb über Qualität oder Service kaum möglich ist. Das trifft besonders auf homogene Oligopole zu. Genannt werden die Zucker-, Zement- und Stromindustrie.

• Ruinöser Wettbewerb kann entstehen, wenn ein Unternehmen eine bestimmte Größe erreichen muss, um zu überleben. Es versucht dann möglicherweise, Konkurrenten durch aggressive Preissenkungen aus dem Markt zu verdrängen. Die Wettbewerber reagieren darauf mit weiteren Preissenkungen.

• Preisstarrheit kann auftreten, wenn mehrere ungefähr gleich starke oder gleich schwache Anbieter ihr Verhalten nicht ändern. Jeder fürchtet, dass die Konkurrenz seine neue Strategie durchkreuzen könnte.

• Intensiver Wettbewerb, der technischen Fortschritt fördert und den Kunden dient, findet sich insbesondere in weiten, heterogenen Oligopolen.

Theoretische Modelle

Oligopole werden häufig mithilfe der Spieltheorie untersucht. Sie betrachtet Entscheidungen, bei denen das Ergebnis eines Marktteilnehmers auch von den Entscheidungen anderer abhängt. Bei vollständiger Information kann jeder Anbieter die optimale Reaktion seiner Konkurrenten vorhersehen. Ein Marktgleichgewicht in Form eines Nash-Gleichgewichts liegt vor, wenn kein Anbieter einen Anreiz hat, seinen Preis oder seine Angebotsmenge zu verändern, weil dies entsprechende Reaktionen der Wettbewerber auslösen würde.

Die Modelle unterscheiden sich vor allem danach, worüber die Unternehmen entscheiden und ob sie dies gleichzeitig oder nacheinander tun:

• Im Cournot-Oligopol entscheiden die Teilnehmer vorab simultan, also gleichzeitig, über ihre Angebotsmengen.

• Im Stackelberg-Wettbewerb entscheiden sie vorab nacheinander über die Angebotsmengen.

• Im Bertrand-Wettbewerb bestimmen sie vorab simultan ihre Angebotspreise.

• Beim Modell der Preisführerschaft werden die Angebotspreise nacheinander festgelegt.

• Im Imitationsmodell maximieren die Oligopolisten weder ausschließlich ihren eigenen Gewinn wie im Cournot-Modell noch den gemeinsamen Gewinn wie bei einer Kollusion. Stattdessen imitieren sie einen Wettbewerber, sofern dieser einen höheren Gewinn erzielt.

• Im Kreps-Scheinkman-Modell entscheiden die Unternehmen zunächst gleichzeitig über den Aufbau ihrer Kapazitäten und anschließend gleichzeitig über die Angebotspreise.

• Im Hotelling-Modell wählen die Teilnehmer vorab ihre Positionierung, entweder räumlich oder durch unterschiedliche Produktvarianten.

• Im Sweezy-Modell bleibt der Preis nahezu starr und entfällt damit weitgehend als Wettbewerbsinstrument. Stattdessen entscheiden Größen wie Werbung und Serviceleistungen über den Wettbewerb.

• Das Drei-D-Modell von Stringer und Rudnik beschreibt das Oligopol anhand von drei Dimensionen.

Recht und typische Beispiele

Direkte Preisabsprachen sind nach dem Wettbewerbsrecht verboten, weil sie den gesamtwirtschaftlichen Wohlstand beeinträchtigen können. Die Produzenten können die Konsumenten ausnutzen, wodurch der soziale Überschuss sinkt und ein Wohlfahrtsverlust entsteht. Auch Unternehmensfusionen können vom Kartellamt untersagt werden, wenn dadurch ein schädliches Oligopol entsteht. Ein solches liegt vor, wenn eine Kollusion, also ein abgestimmtes Zusammenwirken der Oligopolisten, droht („coordinated effects“) oder wenn gegenseitige Imitation zu einem Oligopolfrieden führt, bei dem wirksamer Wettbewerb ausbleibt. Ein Oligopol kann durch zahlreiche nominell eigenständige Marken verschleiert werden.

Zu den Beispielen zählt die deutsche konventionelle Stromerzeugung. 2019 erzeugten Uniper, RWE, EnBW, LEAG und Vattenfall gemeinsam 70 % des konventionellen, nicht nach dem Erneuerbaren-Energiengesetz vergüteten Stroms; RWE allein erzeugte 30,2 %. Ihre Marktmacht wird allerdings durch den hohen Anteil erneuerbarer Energien eingeschränkt.

Das deutsche Lebensmittelgeschäft wird von Aldi, Edeka, Lidl und Rewe dominiert. Im deutschen Mobilfunkmarkt gibt es Telekom Deutschland, Vodafone, Telefónica Germany mit O₂ und ehemals E-Plus sowie seit 2023 1&1 als vier öffentliche Netzbetreiber. Viele weitere Firmen verkaufen deren Leistungen als Reseller unter eigenen Namen.

Bei Spielekonsolen besitzen Nintendo, Sony und Microsoft eine relevante Marktstellung. Auf dem deutschen Markt für Feuerwehrfahrzeuge erreichten Magirus, Rosenbauer mit Metz Aerials, Schlingmann und Ziegler 2011 gemeinsam rund 90 % Marktanteil. Bei Hubrettungsfahrzeugen bestand sogar ein Duopol von Magirus und Rosenbauer-Metz mit fast 100 %. Diese Situation begünstigte ein Kartell, das 2011 aufgedeckt und aufgelöst wurde.

Auch der weltweite Cloudmarkt wird von wenigen Unternehmen beherrscht. Amazon Web Services, Google Cloud Platform und Microsoft Azure erzielten gemessen an den Einnahmen zusammen 72 % Marktanteil in Europa und 66 % weltweit. Weitere Beispiele sind die europäische Mineralölwirtschaft, der Fahrtreppenbau, der südkoreanische Filmmarkt sowie der Markt für wissenschaftliche Publikationen, auf dem wenige große Verlagshäuser die Preise für Zeitschriftenabonnements bestimmen können.

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