Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Monopol

... Wirtschaft eine Marktform bezeichnet, bei welcher nur ein Anbieter vorhanden ist. Inhaltsverzeichnis. 1 Definitionen. 1.1 Marxismus-Leninismus. 2 Ursachen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Marktformen
  2. 2. Entstehung von Monopolen
  3. 3. Preis und Gewinn im Monopol
  4. 4. Ineffizienz und Wohlfahrtsverlust
  5. 5. Bestreitbarkeit und Regulierung
  6. 6. Rechtlich geschützte Monopole und Beispiele

Begriff und Marktformen

Ein Monopol ist eine Marktform, in der es in einem abgegrenzten Markt nur einen Anbieter gibt; dieser heißt Monopolist. Beim Staatsmonopol ist der Staat alleiniger Anbieter eines Gutes. Außerhalb der Wirtschaft wird der Begriff auch etwa für das Gewaltmonopol des Staates oder ein Informationsmonopol verwendet.

Die Marktform hängt von der Zahl der Anbieter und Nachfrager ab. Steht einem Anbieter ein Nachfrager gegenüber, liegt ein bilaterales Monopol vor. Ein Nachfragemonopol heißt üblicherweise Monopson. Bei wenigen Anbietern und vielen Nachfragern spricht man von einem Oligopol, bei vielen Anbietern und Nachfragern von einem Polypol. Im Polypol kann kein einzelner Marktteilnehmer den Preis beeinflussen: Anbieter sind Preisnehmer und produzieren, solange ihre Grenzkosten unter dem Marktpreis liegen.

Ein Teilmonopol liegt vor, wenn ein großer marktbeherrschender Anbieter vielen kleinen Anbietern gegenübersteht und dadurch die Preisbildung weitgehend unabhängig vom Wettbewerb beeinflussen kann. Die Abgrenzung des betrachteten Marktes ist wichtig: Google hat im Suchmaschinenmarkt 79 % Marktanteil (2024), im globalen Werbemarkt dagegen mit Suchmaschinenwerbung nur 3,4 %. Viele reale Märkte liegen zwischen vollkommenem Wettbewerb und Monopol. Preisfixierer können ihren Preis etwas erhöhen, ohne alle Kunden zu verlieren; wegen vorhandener Ersatzprodukte sinkt dann aber ihr Absatz.

Nach der Schumpeterschen Theorie der Innovationen können Pioniergewinne zeitweise Monopolstellungen ermöglichen und damit Wettbewerb sowie Innovationen anregen. Marxismus-Leninismus versteht Monopole dagegen als Ergebnis der Konzentration und Zentralisation des Kapitals, als reaktionäres Machtverhältnis und Negation freier Konkurrenz.

Entstehung von Monopolen

Kennzeichnend für heutige Monopole sind hohe Eintrittsbarrieren und Waren ohne gute Ersatzprodukte. Ob ein Ersatzprodukt gut geeignet ist, kann vom Verwendungszweck abhängen: Ein Brief kann für die Kommunikation zweier Anwaltskanzleien eine E-Mail ersetzen, nicht aber, wenn Geschwindigkeit entscheidend ist.

Hohe Fixkosten können Skaleneffekte schaffen: Große Unternehmen haben dann niedrigere Stückkosten als kleine. Bei Eisenbahnnetzen sowie Strom-, Wasser- oder Gasversorgung ist eine kostspielige flächendeckende Infrastruktur nötig. Solche Versorgungsunternehmen gelten als natürliche Monopole.

Der Staat kann Konkurrenz durch Lizenzen und andere rechtliche Schranken begrenzen. Dazu zählen Zölle, Einfuhrquoten sowie erforderliche Lizenzen etwa für Rundfunk, Banken, Energieversorger oder Taxis. Patente sichern Erfindern zeitlich begrenzt die alleinige Nutzung ihrer Erfindung. Sie können Preise erhöhen, geben aber zugleich einen Anreiz für Entwicklung und Innovation.

Auch die Kontrolle entscheidender Ressourcen kann schützen: Vor dem Zweiten Weltkrieg kontrollierte die Aluminum Company of America die bekannten Bauxit-Vorkommen Amerikas. Netzwerkeffekte entstehen, wenn jeder zusätzliche Nutzer den Nutzen eines Netzwerks steigert, etwa bei Kommunikationsmedien, Standardsoftware oder Betriebssystemen. Lock-in-Effekte binden Kunden an dominante Standards, weil ein Wechsel Einarbeitung, Schnittstellen, Kosten und Aufwand verursacht.

Kartelle schalten Wettbewerb aus, indem Anbieter Leistungen und Preise gemeinsam festlegen. Sie sind vor allem in Oligopolen möglich, erlauben gemeinsame Monopolgewinne und sind meist illegal; in Deutschland gilt das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen. Ein Knowhow-Vorsprung kann ebenfalls eine Monopolstellung begründen. Als Beispiele nennt der Artikel Google mit 79 % im Suchmaschinenmarkt und ChatGPT mit 69,9 % im Markt der KI-Tools (jeweils 2024).

Preis und Gewinn im Monopol

Die Nachfragekurve des Monopolisten ist die Marktnachfrage q = D(p); die inverse Preis-Absatz-Funktion lautet p(q). Seine Kostenfunktion sei c(q). Wenn p(q) · q < c(q), kann auch ein Monopolist keinen Gewinn erzielen.

Der Monopolist kann Preis oder Menge wählen: Bei p₀ kann er höchstens q₀ = D(p₀) verkaufen; bei q₀ ergibt sich p₀ = p(q₀). Er maximiert nicht den Preis, sondern den Gewinn. Bei einer höheren Menge sinkt der Preis für alle verkauften Einheiten. Die beiden gleichwertigen Probleme sind maxₚ p · q(p) − c[q(p)] und max_q p(q) · q − c(q). Die Bedingung erster Ordnung für das Gewinnoptimum lautet p′(q) · q + p(q) = c′(q), beziehungsweise p(q) = −p′(q) · q + c′(q).

Der Preis liegt im Monopol daher über den Grenzkosten. Im vollkommenen Wettbewerb gilt dagegen Preis gleich Grenzkosten, weil die eigene Produktionsentscheidung den Marktpreis nicht beeinflusst: p′(q) = 0. Mit der Preiselastizität der Nachfrage ε(q) = q′(p) · p/q gilt im Optimum der Lerner-Index: (p(q) − c′(q))/p(q) = 1/|ε(q)|. Bei negativer Nachfrageelastizität folgt |ε(q)| ≥ 1. Je unelastischer die Nachfrage und je weniger Ersatzprodukte es gibt, desto größer kann die Marge sein.

Preisdiskriminierung bedeutet, verschiedenen Kundengruppen unterschiedliche Preise zu berechnen, etwa Senioren, Familien oder Studierenden. Voraussetzung sind mindestens zwei trennbare Gruppen mit unterschiedlicher Nachfrageelastizität und die Verhinderung des Weiterverkaufs von günstig kaufenden an teuer kaufende Kunden. Weniger preissensitive Gruppen zahlen höhere Preise; preissensitive Gruppen können im Extremfall zu Grenzkosten kaufen. Dadurch können Ergebnis und Absatzmenge steigen.

Bei einem Mehrprodukt-Monopol beeinflussen sich mehrere monopolistisch angebotene Güter als Substitute oder Komplemente. Im Gewinnoptimum entspricht für jedes Gut der Lerner-Index dem Ramsey-Index. Bei Substituten (εᵢⱼ > 0) liegt der Lerner-Index über dem Kehrwert der Eigenpreiselastizität und der Preis höher als beim Einprodukt-Monopol; bei Komplementärgütern (εᵢⱼ < 0) gilt das Umgekehrte.

Ineffizienz und Wohlfahrtsverlust

Monopole können allokativ, technisch und qualitativ ineffizient sein. Allokative Ineffizienz bedeutet: Der Monopolist setzt einen Preis über Grenzkosten und oft deutlich über Vollkosten. Deshalb wird weniger angeboten als bei einem Preis, der Vollkosten deckt und nur eine „faire“ Kapitalverzinsung zulässt. Kunden mit Zahlungsbereitschaft zwischen Monopolpreis und dem optimalen Preis werden nicht versorgt. Der optimale Allokationspunkt ist der Schnittpunkt von Grenzkosten und Nachfragekurve.

Technische Ineffizienz entsteht, weil fehlender Wettbewerb den Anreiz zur Kostendisziplin mindert. Das Unternehmen kann trotz höherer Kosten profitabel bleiben, setzt dann aber einen höheren gewinnmaximalen Preis. Die Kunden tragen einen zusätzlichen Wohlfahrtsverlust; zugleich sinkt der Gewinn, weil nicht zu den geringstmöglichen Kosten produziert wird. Harvey Leibenstein unterscheidet X-Ineffizienzen vom Typ I, Insiderrenten, und Typ II, Technologien mit Irreversibilität.

Qualitative Ineffizienz heißt, dass ohne Wettbewerbsdruck weniger Anreiz zu hoher Produktqualität besteht. Sinkende Qualität verschiebt die Nachfragekurve nach unten: Bei gleichem Preis wollen Kunden weniger kaufen, der Monopolist erzielt einen niedrigeren Preis und verkauft weniger. Wohlfahrt und Gewinn sinken.

Gegenüber dem Polypol ist im Monopol der Preis p_Mon höher und die Menge X_Mon geringer als p_Pol beziehungsweise X_Pol. Zwar wird ein Teil der Konsumentenrente durch höhere Preise zur Produzentenrente, doch die Summe aus Konsumenten- und Produzentenrente fällt insgesamt. Der verlorene Teil wegen der zu geringen Menge heißt deadweight loss; seine Fläche wird Harberger-Dreieck genannt.

Bestreitbarkeit und Regulierung

Nach William J. Baumols Theorie bestreitbarer Märkte kann auch ein einziger Anbieter durch latenten Wettbewerb diszipliniert werden. Ist sein Preis höher als Markteintrittskosten, können neue Anbieter eintreten; ist er höher als der Preis von Substitutionsgütern, können Nachfrager wechseln. Im Extremfall sinkt der Preis bis zur Preisuntergrenze, die durch Durchschnitts- oder Grenzkosten bestimmt wird. Ein jederzeit angreifbares Monopol wird häufig als zeitweise wünschenswert für technischen Fortschritt betrachtet. Ordoliberale wie Walter Eucken lehnen dies ab, weil Monopole dem Ziel eines optimalen Allokationsgleichgewichts widersprächen.

Ein Monopol gilt als regulierungsbedürftig, wenn Ineffizienzen bestehen oder kein fairer und effizienter Wettbewerb möglich ist. Vier Optionen sind: die Industriestruktur kontrollieren und Konkurrenzfirmen sichern, künstliche Eintrittsbarrieren abbauen, Preise und Produktionsmengen regulieren oder den Staat in den Markt eintreten lassen.

Kartellrecht kann Monopole aufbrechen oder Zusammenschlüsse verhindern. Dies ist umstritten, weil es erfolglose hochpreisige Firmen schützen kann. Bei einem natürlichen Monopol kann die Aufspaltung wegen großer Skaleneffekte höhere Stückkosten und höhere Preise verursachen. Rechtliche Eintrittsbarrieren wie Lizenzen, Zölle und Einfuhrquoten sollen beseitigt werden, können aber durch Lobbygruppen verteidigt werden.

Bei Preisregulierung nach historischen Kosten orientiert sich der Preis an tatsächlichen Vollkosten vergangener Jahre. Regulierung nach effizienten Kosten setzt die Kosten an, die bei optimaler allokativer, technischer und qualitativer Effizienz anfallen würden. Bei Price-Cap-Regulierung gilt Σᵢ₌₁ⁿ wᵢₜ₋₁[(pᵢₜ − pᵢₜ₋₁)/pᵢₜ₋₁] ≤ RPI − X. Dabei ist wᵢₜ₋₁ der Umsatzanteil des Güterbündels der Vorperiode, RPI die Inflationsrate und X ein Produktivitätsfaktor. Der Staat kann außerdem Konkurrenz subventionieren, selbst anbieten oder Unternehmen übernehmen und damit Qualität, Mengen und Preise beeinflussen.

Regulierung scheitert oft teilweise an fehlenden Informationen über Nachfrage, Kosten und Grenzkosten, an ungünstigen Kostenanreizen und an Lobbyarbeit regulierter Unternehmen.

Rechtlich geschützte Monopole und Beispiele

Ein rechtliches Monopol beruht auf einer gesetzlichen Bestimmung und wird auch Zwangskartell genannt. Es kommt beim Staat und bei Staatsbetrieben vor, etwa beim Postmonopol. Monopole aus Patenten sowie anderen immateriellen Monopolrechten wie Urheberrecht gehören ebenfalls dazu. Viele frühere Ausnahmen, etwa Zündwarenmonopol, Branntweinmonopol, Salzregal und Kehrmonopol, sind in modernen Wirtschaftsordnungen weitgehend abgeschafft.

In der Feuerversicherung bestand bis zur Deregulierung im Juli 1994 in einzelnen Bundesländern ein Gebietsmonopol öffentlich-rechtlicher Versicherer. Das Regionalprinzip der Sparkassengesetze gibt öffentlich-rechtlichen Sparkassen weiterhin ein Gebietsmonopol gegenüber gebietsfremden Sparkassen. Die Monopolkommission empfahl im XX-Hauptgutachten dessen Abschaffung und hält es für ein gesetzliches Zwangskartell ohne wettbewerbliche Rechtfertigung, das nach ihrer Auffassung gegen Art. 106 Abs. 1 AEUV verstößt.

Beispiele sind das Postmonopol der Deutschen Post AG, das zum 1. Januar 2008 abgeschafft wurde, und das der Österreichischen Post AG, das zum 1. Januar 2011 endete. Das Branntweinmonopol bestand bis Ende 2017, das Zündwarenmonopol wurde 1983 abgeschafft und das Kehrmonopol endete Ende 2012. Das Glücksspielmonopol wurde in seiner deutschen Ausgestaltung vom Europäischen Gerichtshof im September 2010 als rechtswidrig beurteilt und aufgehoben. Das Österreichische Tabakmonopol erlaubt den Verkauf von Tabakwaren nur durch Trafiken. Die Deutsche Telekom ist zwar vor allem in Ortsnetzen und im Analogbereich außerhalb von Ballungsräumen marktbeherrschend, aber kein Monopol im eigentlichen Sinn, weil sie nicht der einzige Telekommunikationsanbieter ist.

Lernvideos zu Monopol

Weiterlesen

Wirtschaft Wirtschaft oder Ökonomie ist die Gesamtheit aller Einrichtungen und Handlungen, die der planvollen Befriedigung der Bedürfnisse dienen. Angebot (Volkswirtschaftslehre) Dem Angebot steht die Nachfrage gegenüber. Lineare Angebotskurve, die am Schnittpunkt mit der Nachfragekurve den Gleichgewichtspreis erreicht … Aristoteles Das Organon · Bedeutungstheorie · Prädikate und Eigenschaften · Deduktion und Induktion: Argumenttypen und Erkenntnismittel · Dialektik: Theorie der Argumentation. Nachfrage Nachfrage ist in der Wirtschaft die Menge jeder Art von Gütern und Dienstleistungen, die Wirtschaftssubjekte durch Kauf mit Hilfe von ausreichender … Polypol Das Polypol (altgriechisch πολυ poly „viel“ und altgriechisch πωλεῖν pōlein, „verkaufen“; also „Verkauf durch viele“) ist in der Wirtschaft eine Marktform, die … Oligopol Ein Oligopol mit genau zwei Anbietern heißt Duopol oder Dyopol, während ein Markt, auf dem wenigen Anbietern ebenfalls wenige Nachfrager gegenüberstehen, als … Monopson Das Monopson ist somit das Gegenteil zum Monopol, bei dem ein Anbieter vielen Nachfragern gegenübersteht. Beispiele. Bilaterales Monopol Treten auf Angebots- und Nachfrageseite des Marktes für ein Produkt auf beiden Seiten jeweils nur ein Marktteilnehmer auf, spricht man von einem bilateralen … Staatsmonopol Um ein Staatsmonopol handelt es sich in der Wirtschaft, wenn ein Staat bestimmte Wirtschaftszweige oder Tätigkeiten durch Ausschließlichkeitsrechte für sich … Vollkommener Markt Der vollkommene Markt ist in der Volkswirtschaftslehre ein theoretisches Modell eines homogenen Marktes. Situation bei vollständiger Konkurrenz: ein Polypol … Monopolistische Konkurrenz In diesem monopolistischen Bereich gilt die Gewinnmaximierungsregel: Grenzerlös gleich Grenzkosten. Wenn der Anbieter diesen Bereich verlässt, wird der Preis … Peter Thiel Peter Andreas Thiel (* 11. Oktober 1967 in Frankfurt am Main) ist ein US-amerikanischer Investor, paläolibertärer Tech-Unternehmer und Milliardär deutscher …