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Old English (Schriftart)
Old English (englisch; übersetzt: Altenglisch, altenglischer Typ) ist die Bezeichnung für eine historische Satzschrift. Je nach Verwendungskontext kann der …
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Begriff und Bedeutung
Old English bezeichnet eine historische Satzschrift aus der Gruppe der gebrochenen, also gotischen Schriften. Der Begriff hat zwei Bedeutungen: Er kann allgemein eine eher vage bestimmte Gruppe spätgotischer Druckschriften meinen, die vor allem in England und im übrigen britischen Königreich verbreitet waren. Außerdem bezeichnet er eine konkrete Druckschrift, die auf William Caslon zurückgeht und im 18. Jahrhundert entstand. Die heute geläufigste Variante ist Old English Text MT, die 1991 von Monotype herausgebracht wurde.
Old English verbindet spätmittelalterliche und viktorianische Gestaltungselemente. Heute gilt sie als typische Vertreterin der klassischen gotischen Textur britischer Prägung. Ihre Gestaltung wirkt im Vergleich zu ähnlichen Schriften breiter und offener. Diese Eigenschaft kennzeichnet auch ihren unmittelbaren Vorläufer Cloister Black.
Entstehung und Entwicklung
Im spätmittelalterlichen England waren gotische Schriften – wie auch in Frankreich, Deutschland, Italien und anderen europäischen Ländern – der vorherrschende Schrifttyp. Mit der Ausbreitung des Buchdrucks verbreiteten sich zugleich humanistische Antiquaschriften. Dadurch kamen gotische Schriften zunehmend aus der Mode.
Die Urform der heute gebräuchlichen Old English war Caslon Black, eine Blackletter-Schrift von William Caslon, die um 1760 entstand. Bereits 1740 wurden ähnliche Schriften als „Old English“ bezeichnet. Die Bezeichnung „Black“ stand dabei für Blackletter, die allgemein gebräuchliche englische Bezeichnung für gebrochene Schriften. Sie ist nicht mit stark gefetteten Schnitten von Caslons bekannter Antiquaschrift Caslon zu verwechseln. Weitere allgemeine Bezeichnungen waren „Text“, abgeleitet von Textur beziehungsweise Textura, und „Gothic“ für gotische Schriften.
Im 19. Jahrhundert erlebten Old-English-Schriften im Zusammenhang mit Romantik und viktorianischem Stil eine Wiederbelebung. Sie wurden nun vor allem als Auszeichnungsschriften verwendet, etwa für Schriftzüge von Gasthäusern, Zeitungen, Urkunden und anderen offiziellen Dokumenten. Ihre neue Beliebtheit beruhte auf ihrer deutlich traditionalistischen und konservativen Wirkung.
1901 entwarf Morris Fuller Benton die Textura-Variante Wedding Text, die später unter anderem als Linotext vermarktet wurde. 1904 fertigten Morris Fuller Benton und Joseph W. Phinney die Neuauflage Cloister Black an. Ein zweiter Relaunch der Caslon-Black-Vorlage erfolgte 1990/1991. Daraus entstand der heute unter den Bezeichnungen Old English beziehungsweise Old English Text MT bekannte Font. Herausgeber war Monotype; als Designer werden auf dem Monotype-Schriftenportal MyFonts keine einzelnen Namen, sondern nur „Monotype“ angegeben. Als Design-Eigentümer wird Linotype genannt, als Herausgeber International Typeface Corporation (ITC).
Cloister Black wird von Bitstream vertrieben. Ihre Zeichenausgestaltung unterscheidet sich von Old English nur in einigen Einzelheiten. Old English wird außerdem von mehreren Herstellern und Distributoren angeboten, darunter Linotype, Elsner+Flake, URW und MyFonts. Je nach Anbieter existieren teilweise abweichende Bezeichnungen und leicht unterschiedliche Designs.
Nicht alle Schriften mit Old-English-Charakter sind direkt von Caslons Blackletter abgeleitet. Einige stehen jedoch erkennbar in der Tradition britischer Textura-Schriften. Besonders häufig erscheint diese Traditionslinie in den Titelschriftzügen von Zeitungen. Ein bekanntes Beispiel ist die New York Times, deren Schriftzug seit der Gründung 1851 mehrfach vorsichtig verändert wurde. Die vorletzte Änderung erfolgte 1967 unter der Leitung des Art Directors Lou Silverstein und wurde vom Schriftdesigner Ed Benguiat umgesetzt. Seitdem enthält das Logo unter anderem diamantförmige Rauten in der senkrechten Schmucklinie des großen „T“. Auch Washington Post, Philadelphia Inquirer, San Francisco Chronicle und Los Angeles Times verwenden Old-English-ähnliche Schriftzüge. Im Vergleich dazu nutzen deutsche Traditionszeitungen wie die FAZ im Titel gewöhnlich hauseigene Varianten der Fraktur, während angelsächsische Zeitungen die in ihrem Sprachraum vorherrschende spätmittelalterliche Textura bevorzugen.
Gestaltungsmerkmale und Verwendung
Old English Text MT und lizenzierte Varianten werden in zwei Schnitten angeboten: als Regular und als geschattete Ziervariante. Eine Besonderheit betrifft das lange „s“, das im Fraktursatz gebräuchlich ist. In der Old English liegt es als Standard-„s“ auf der entsprechenden normalen Tastaturposition; das kleine „s“ befindet sich auf einer Ersatzposition. Diese Anordnung ist jedoch nicht bei allen Versionen einheitlich. Je nach konkreter Schriftversion kann das kleine „s“ auf der normalen Position liegen oder das lange „s“ im Zeichensatz ganz fehlen.
Zu den vergleichbaren Schriften zählen Goudy Text von Frederic Goudy aus dem Jahr 1928, Notre Dame von Karlgeorg Hoefer aus dem Jahr 1993 und Cabazon von Jim Parkinson aus dem Jahr 2005. Cabazon wurde von dem als Rolling-Stone-Typedesigner bezeichneten Jim Parkinson entworfen. Im Unterschied zu diesen drei Schriften ist das Schriftbild der Old English breiter und offener.
Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts diente Old English vor allem als Auszeichnungsschrift mit bewusst traditionalistischer Wirkung. Typische Verwendungen waren Hochzeitskarten und Logos bestimmter Branchen. In den letzten Jahrzehnten wurde sie außerdem in verschiedenen Sub- und Jugendkulturen eingesetzt. Dazu gehören Schriftzüge für Tattoos, die Skinhead-Szene, Metal-Anhänger sowie das Grafikdesign von CD-Booklets und anderen Werbeprodukten für Popmusik. Als konkrete Beispiele werden eine Broschüre zur Krönung Elisabeths II. zur englischen Königin im Jahr 1951 und eine CD-Veröffentlichung der britischen Rockband Gentle Giant genannt.