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Gelsenkirchen

Gelsenkirchen [ɡɛlzənˈkɪrçən] ist eine Großstadt im zentralen Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen und gehört zur Metropolregion Rhein-Ruhr.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Stadtprofil, Lage und Gliederung
  2. 2. Geschichtliche Entwicklung
  3. 3. Bevölkerung, Religion und Politik
  4. 4. Wirtschaft, Wohnen und Bildung
  5. 5. Verkehr und städtische Infrastruktur
  6. 6. Kultur, Bauwerke, Grünflächen und Sport

Stadtprofil, Lage und Gliederung

Gelsenkirchen ist eine kreisfreie Großstadt im zentralen Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen. Sie gehört zum Regierungsbezirk Münster und zur Metropolregion Rhein-Ruhr und ist landesplanerisch ein Mittelzentrum. Bekannt ist sie besonders als Heimat des FC Schalke 04 und als früherer Bergbaustandort. Wegen hoher Arbeitslosigkeit und niedriger verfügbarer Einkommen wird sie häufig als ärmste Stadt Deutschlands bezeichnet. Seit den 1960er Jahren befindet sie sich im Strukturwandel von der Montanindustrie, also Kohlebergbau sowie Eisen- und Stahlindustrie, zur Wissens- und Dienstleistungswirtschaft.

Die Stadt liegt bei 51° 31′ N und 7° 6′ O auf durchschnittlich 48 m über NHN. Sie umfasst 104,94 km² und hatte am 31. Dezember 2025 266.199 Einwohner; die Bevölkerungsdichte betrug 2537 Einwohner je km². Ihre Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 17 km, die West-Ost-Ausdehnung elf km. Im Emschertal verläuft parallel zur Emscher der Rhein-Herne-Kanal. Wegen bergbaubedingter Bodensenkungen liegen große Gebiete unterhalb des Hauptvorfluters und müssen durch Pumpen vor Überflutung geschützt werden. Etwa zehn Prozent des Stadtgebiets sind Park- und Freizeitflächen, weitere 25 Prozent Wälder und landwirtschaftliche Flächen.

Gelsenkirchen grenzt an Herne, Bochum, Essen, Gladbeck, Dorsten, Marl und Herten. Es besitzt außerdem eine etwa zwei Hektar große, zum Stadtteil Ückendorf gehörende Exklave innerhalb Bochums. Die Stadt gliedert sich in fünf Bezirke und 18 Stadtteile: Mitte mit Altstadt, Bismarck, Bulmke-Hüllen, Feldmark, Heßler, Schalke und Schalke-Nord; Nord mit Buer, Hassel und Scholven; Ost mit Erle, Resse und Resser Mark; Süd mit Neustadt, Rotthausen und Ückendorf; West mit Beckhausen und Horst. Nördliche und östliche Bereiche sind teilweise land- und forstwirtschaftlich geprägt, während südlich des Rhein-Herne-Kanals die montanindustrielle Vergangenheit und die dazugehörige Wohnbebauung deutlicher sichtbar sind.

Für die Station Essen-Bredeney weisen die Daten von 2015 bis 2020 mittlere Tageshöchstwerte zwischen 5,6 °C im Januar und 24,7 °C im Juli aus. Jährlich fallen 866 mm Niederschlag; im Mittel gibt es 195 Regentage.

Geschichtliche Entwicklung

Auf dem heutigen Gebiet von Buer wurden mehr als 3000 Jahre alte Siedlungsspuren aus der Bronzezeit gefunden. Kurz vor der Zeitenwende lebten dort germanische Brukterer, um 700 n. Chr. siedelten Sachsen in der Region. Buer wurde 1003 erstmals urkundlich erwähnt; der Name Gelsenkirchen erscheint um 1150 als „Geilistirinkirkin“. Im Mittelalter gehörte das Gebiet nördlich der Emscher einschließlich Buer zur Vest Recklinghausen des Erzstifts Köln. Der südliche Teil mit dem Dorf Gelsenkirchen gehörte seit dem 12. Jahrhundert zur Grafschaft Mark und später zu Brandenburg-Preußen. Diese Teilung wirkte bis 1928 fort.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war das Gebiet dünn besiedelt und überwiegend landwirtschaftlich. 1840 wurden unter dem heutigen Stadtgebiet Kohleflöze entdeckt. Die Köln-Mindener Eisenbahn und ihr Bahnhof förderten den Bergbau und die Ansiedlung von Schwerindustrie. Friedrich Grillo gründete 1872 in Schalke die Aktiengesellschaft für Chemische Industrie und den Schalker Gruben- und Hüttenverein, 1873 die Glas- und Spiegel-Manufaktur AG. Gelsenkirchen erhielt 1875 Stadtrecht und wurde 1897 kreisfrei. Nach der Eingemeindung mehrerer Nachbarorte überschritt die Bevölkerung 1903 die Grenze von 100.000; damit wurde Gelsenkirchen Großstadt.

Am 1. April 1928 wurden die kreisfreien Städte Gelsenkirchen und Buer sowie das Amt Horst zur Stadt Gelsenkirchen-Buer vereinigt. Seitdem gehört das gesamte Stadtgebiet zum Regierungsbezirk Münster. Am 21. Mai 1930 wurde der Name in Gelsenkirchen geändert. Die neue Stadt hatte etwa 340.000 Einwohner.

Während des Nationalsozialismus war Gelsenkirchen ein wichtiges Zentrum der Rüstungs- und Treibstoffproduktion. Zugleich wurden jüdische Einwohner verfolgt und deportiert; bei den Novemberpogromen 1938 brannten die Synagogen in Buer und der Innenstadt. Im Außenlager des KZ Buchenwald auf dem Gelände der Gelsenberg-Benzin AG mussten 1944 etwa 2000 ungarische Frauen und Mädchen Zwangsarbeit leisten. Rund 150 von ihnen starben am 11. September 1944 bei einem Luftangriff, weil sie keine Schutzräume betreten durften. Alliierte Bombenangriffe zerstörten etwa drei Viertel des Stadtgebiets. Allein am 6. November 1944 starben 518 Menschen; insgesamt forderte der Krieg in Gelsenkirchen 3092 zivile Opfer. Die US-Armee besetzte den Norden Ende März und den Süden am 10. April 1945.

Nach dem Krieg wurden Wohnungen, Verkehrswege und Industrie wiederhergestellt. 1953 nahm die Kokerei Hassel als erster Kokereineubau der Bundesrepublik den Betrieb auf. Seit den 1960er Jahren verloren Kohle und Stahl an Bedeutung. Die Bundesgartenschau 1997 verwandelte das Gelände der Zeche Nordstern in einen Landschaftspark. 1999 schloss die letzte Kokerei, am 28. April 2000 mit Ewald Hugo die letzte Zeche; dabei verloren 3000 Bergleute ihre Arbeit. Im Jahr 2025 feierte Gelsenkirchen 150 Jahre Stadtrecht.

Bevölkerung, Religion und Politik

Die Einwohnerzahl wuchs durch Industrialisierung, Zuwanderung und Eingemeindungen stark: von über 100.000 im Jahr 1903 auf 340.077 nach dem Zusammenschluss von 1928. Den Höchststand erreichte sie 1959 mit 391.745 Einwohnern. Danach sank sie um fast 35 Prozent; Ende 2020 lebten 259.105 Menschen mit Hauptwohnsitz in der Stadt. Für 2040 wurden 254.045 Einwohner prognostiziert. Vor dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Arbeitskräfte aus Ost- und Westpreußen, Posen und Schlesien, später vor allem aus Südeuropa und der Türkei. Ende 2023 betrug der Ausländeranteil 26,0 Prozent; 2021 hatten 34,0 Prozent der Bevölkerung einen Migrationshintergrund.

Die konfessionelle Zusammensetzung verändert sich. Beim Zensus 2011 waren 33,7 Prozent römisch-katholisch und 30,1 Prozent evangelisch; 36,3 Prozent waren konfessionslos, gehörten einer anderen Gemeinschaft an oder machten keine Angabe. Der muslimische Bevölkerungsanteil wurde für 2011 auf 14,4 Prozent beziehungsweise rund 37.200 Personen berechnet. Im Dezember 2023 waren noch 25,0 Prozent katholisch und 20,4 Prozent evangelisch; 54,6 Prozent gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos. In der Stadt bestehen katholische, evangelische, orthodoxe, freikirchliche, jüdische und islamische Gemeinden. Die 1938 zerstörte Synagoge wurde am gleichen Standort neu errichtet und am 1. Februar 2007 eröffnet. Im Januar 2018 gab es 20 Moscheen.

Seit 1996 gibt es statt der früheren Doppelspitze aus ehrenamtlichem Oberbürgermeister und hauptamtlichem Oberstadtdirektor nur noch einen hauptamtlichen Oberbürgermeister als Ratsvorsitzenden, Verwaltungsleiter und Repräsentanten. Seit 2025 ist Andrea Henze (SPD) Oberbürgermeisterin. Der 2025 gewählte Stadtrat hat 66 Sitze: SPD und AfD erhielten jeweils 20, die CDU zwölf, Grüne und Linke jeweils drei, die FDP zwei sowie AUF, PARTEI, TIERSCHUTZ, BSW, GUT und WIN jeweils einen Sitz. SPD, CDU, Grüne und FDP schlossen für 2025 bis 2030 einen Koalitionsvertrag. Bei der Bundestagswahl 2025 war Gelsenkirchen neben Kaiserslautern der einzige Wahlkreis in den alten Bundesländern, in dem die AfD den höchsten Zweitstimmenanteil erreichte. Die städtische Verschuldung belief sich Ende 2022 auf 1,202 Milliarden Euro, nach 1,606 Milliarden Euro Ende 2012.

Wirtschaft, Wohnen und Bildung

Die Wirtschaft wurde bis in die 1980er Jahre von Bergbau, Stahl und verwandten Industrien bestimmt. Kohleförderung und Eisenbahn ließen die Einwohnerzahl im 19. Jahrhundert rasch wachsen; in den 1930er Jahren wurde Gelsenkirchen Europas bedeutendster Steinkohlestandort. Der Niedergang der Montanindustrie führte seit den 1960er Jahren zu erheblichen Strukturproblemen. Als neue Schwerpunkte wurden Solartechnik, Forschung und Dienstleistungen ausgebaut. Wichtige Einrichtungen sind unter anderem die Raffinerie Gelsenkirchen, Gelsenwasser, Uniper, die Westfälische Hochschule, Gesundheits- und Sozialunternehmen sowie Firmen aus Maschinenbau, Kunststofftechnik, Logistik, Wohnungswirtschaft und Handel.

Das Bruttoinlandsprodukt innerhalb der Stadtgrenzen betrug 2016 7,656 Milliarden Euro, entsprechend 29.284 Euro je Einwohner; beide Pro-Kopf-Vergleichswerte für Nordrhein-Westfalen und Deutschland lagen deutlich höher. Im Oktober 2021 betrug die Arbeitslosenquote 14,1 Prozent gegenüber 5,2 Prozent im Bundesdurchschnitt. 2021 lag das durchschnittliche Einkommen bei 17.635 Euro pro Jahr. Im November 2023 bescheinigte ein Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft der Stadt die geringste Kaufkraft; das verfügbare Einkommen lag bei 18.886 Euro und damit 22,5 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt.

Der Wohnungsbestand entstand größtenteils vor 1970 und ist teilweise stark modernisierungsbedürftig. 2024 standen 9190 Wohnungen leer, die Leerstandsquote betrug 6,37 Prozent. Bis 2032 sollen bis zu 3000 nicht mehr marktgängige Wohnungen abgerissen oder saniert und die Quote unter fünf Prozent gesenkt werden. Die Angebotsmieten lagen 2026 zwischen 7,10 und 7,23 Euro je Quadratmeter und damit unter den Werten benachbarter Städte.

Zur Bildungslandschaft gehören 51 Grundschulen, acht Hauptschulen, sechs Realschulen, sieben Gymnasien, vier Gesamtschulen, vier Berufskollegs und 14 Förderschulen. Die Gesamtschule Berger Feld arbeitet eng mit dem FC Schalke 04 zusammen und wurde 2007 als Eliteschule des Fußballs ausgezeichnet. Die 1992 gegründete Westfälische Hochschule bietet unter anderem Wirtschaft, Wirtschaftsrecht, Informatik, Elektrotechnik, Maschinenbau und Journalismus an. Forschung findet beispielsweise im Wissenschaftspark Rheinelbe, am Institut für Arbeit und Technik, am Institut für Unterirdische Infrastruktur und am Institut für Internet-Sicherheit statt. Die Stadt betreibt außerdem eine Volkshochschule und eine Stadtbibliothek mit drei Zweigstellen, Kinderbibliothek und Bücherbus.

Verkehr und städtische Infrastruktur

Gelsenkirchen ist über die Bundesautobahnen 2, 42 und 52 sowie die Bundesstraßen 224, 226 und 227 erreichbar. Das Straßennetz umfasst 1500 Straßen mit zusammen 763,93 km. Der Hauptbahnhof liegt an den Strecken Duisburg–Oberhausen–Herne–Dortmund und Essen–Recklinghausen–Münster und wird vom Regional- und Fernverkehr bedient. Weitere Nahverkehrsstationen befinden sich in Rotthausen, Hassel, Buer, Beckhausen und Bismarck.

Der Hafen am Rhein-Herne-Kanal ist ein bedeutender Industrie- und Handelshafen. 2022 wurden dort 4,9 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen; die Wasserfläche beträgt rund 120 Hektar. Straßenbahnen und Busse werden vor allem von Bogestra und Vestischer betrieben. Zum Netz gehören die Straßenbahnlinien 107, 301 und 302, die Stadtbahnlinie U11 sowie etwa 50 Buslinien. Alle Verbindungen sind in den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr eingebunden. Einzelne Stadt- und Straßenbahnabschnitte verlaufen unterirdisch. Etwa 90 Prozent der Tunnel sind wegen möglicher Bergschäden in einer besonderen, senkungs- und erdbebensicheren Bauweise errichtet.

Für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wurden der Hauptbahnhof, die Strecke zur Veltins-Arena und wichtige Straßen ausgebaut. Der Bahnhof erhielt unter anderem Aufzüge, ein Blindenleitsystem und eine Photovoltaiküberdachung. Der Radschnellweg Ruhr führt durch die Stadt; beim ADFC-Fahrradklima-Test 2022 erhielt Gelsenkirchen die Schulnote 4,3.

Kultur, Bauwerke, Grünflächen und Sport

Gelsenkirchens Kultur und Stadtbild sind eng mit seiner Industriegeschichte verbunden. Die Route der Industriekultur umfasst unter anderem die Halden Rungenberg und Rheinelbe, die Siedlungen Flöz Dickebank und Schüngelberg sowie den Nordsternpark. Erhaltene Zechenbauten wurden häufig umgenutzt: Das Consol-Theater befindet sich im ehemaligen Lüftermaschinengebäude der Zeche Consolidation, frühere Anlagen der Zeche Nordstern dienen unter anderem als Verwaltungsgebäude, und der Wissenschaftspark Rheinelbe entstand auf einem früheren Zechen- und Gussstahlwerksgelände.

Zu den wichtigsten Kultureinrichtungen gehören die ZOOM Erlebniswelt, der Wissenschaftspark, die Kaue, das Kulturzentrum Die Flora und das Musiktheater im Revier. Das 1956 bis 1959 errichtete Musiktheater gilt als bedeutendes Werk der deutschen Nachkriegsarchitektur; sein großes Haus hat 1005 Plätze, das kleine 347. Das Kunstmuseum Gelsenkirchen besitzt etwa 1300 Exponate, besonders aus klassischer Moderne, Konstruktivismus, kinetischer und zeitgenössischer Kunst. Weitere Museen behandeln Schloss Horst, Bergbau, Motorräder und die Geschichte des FC Schalke 04.

Die Stadt zählt 343 Baudenkmale. Bedeutend sind das 1927 errichtete Hans-Sachs-Haus, das Backsteinexpressionismus und Neue Sachlichkeit verbindet, die Propsteikirchen St. Augustinus und St. Urbanus, Schloss Horst, Schloss Berge und Haus Lüttinghof. Josef Franke prägte mit Bauten wie der Heilig-Kreuz-Kirche den Backsteinexpressionismus der 1920er Jahre. Der Nordsternpark, der Buersche Stadtwald, der Stadtgarten, der Revierpark Nienhausen und weitere Anlagen tragen dazu bei, dass die Stadt insgesamt etwa 35 km² Grünfläche besitzt.

International bekannt ist Gelsenkirchen vor allem durch den mehrfachen deutschen Fußballmeister FC Schalke 04. Seine 2001 eröffnete Veltins-Arena besitzt einen herausfahrbaren Rasen und ein schließbares Dach. Sie fasst bei nationalen Fußballspielen 62.271 und bei Konzerten bis zu 79.612 Zuschauer. In Gelsenkirchen fanden das Endspiel der UEFA Champions League 2004 sowie Spiele von Fußball-Welt- und Europameisterschaften statt. Neben Fußball gibt es unter anderem Basketball, Boxen, Eishockey, Schwimmen, Trabrennen, Cricket und American Football. Regelmäßige Kultur- und Freizeitangebote sind das Sommerfest auf Schloss Berge, das Rock-Hard-Festival, Konzerte in der Veltins-Arena, Jazzveranstaltungen und die Fotografieplattform bild.sprachen.

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