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Ravensburg
Ravensburg ([ˈʁaːvn̩sbʊʁk] oder [ ˈʁaːfn̩sbʊʁk], oberschwäbisch Raveschburg) ist eine Mittelstadt sowie Kreisstadt und größte Stadt des gleichnamigen …
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Stadtprofil und Geographie
Ravensburg ist eine Mittelstadt, Kreisstadt und größte Stadt des Landkreises Ravensburg im südlichen Oberschwaben. Die ehemalige Reichsstadt liegt im Schussental nahe dem Bodensee und ist seit dem 1. April 1956 Große Kreisstadt. Bekannt ist sie besonders für ihre gut erhaltene mittelalterliche Altstadt mit zahlreichen Türmen sowie für die Unternehmensgruppe Ravensburger.
Ravensburg gehört zum Regierungsbezirk Tübingen und zum Gemeindeverwaltungsverband Mittleres Schussental. Die Stadt liegt auf etwa 450 m ü. NHN, umfasst 92,05 km² und hatte am 31. Dezember 2025 50.549 Einwohner; die Bevölkerungsdichte betrug 549 Einwohner je km². Das Stadtgebiet besteht aus der Kernstadt und den Ortschaften Eschach, Schmalegg und Taldorf. Diese wurden in den 1970er Jahren eingemeindet; zu Taldorf gehört die ehemals badische Exklave Adelsreute.
Ravensburg liegt etwa 17 km nordnordöstlich von Friedrichshafen. Die Schussen durchfließt die Stadt und mündet in den Bodensee. Das Schussental wurde durch eine eiszeitliche Gletscherzunge geformt. Die Veitsburg liegt auf einem Höhenrücken östlich der Altstadt; das Flappachtal ermöglichte früh eine wichtige Handelsroute in Richtung Allgäu und Wangen. Heute bildet sich auf der Ostseite des Schussentals ein durchgehendes Siedlungsband von Baindt über Baienfurt, Weingarten und Ravensburg bis Eschach.
Ravensburg bildet gemeinsam mit Weingarten und Friedrichshafen das Oberzentrum der Region Bodensee-Oberschwaben. Ravensburg und Weingarten übernehmen zusätzlich die Funktion eines Mittelzentrums; der Mittelbereich umfasste am 31. Dezember 2011 129.507 Einwohner. Das Klima wird durch den Bodensee ausgeglichen: Winterfröste sind meist schwächer, gleichzeitig können Bodenseenebel und Föhnwinde auftreten. Insgesamt gibt es fünf Naturschutzgebiete, mehrere Landschaftsschutzgebiete sowie Anteile am FFH-Gebiet Schussenbecken mit Tobelwäldern südlich Blitzenreute und am Altdorfer Wald.
Von der Burgsiedlung zur modernen Stadt
Archäologische Funde belegen Siedlungen seit der Jungsteinzeit um 2000 v. Chr., außerdem Spuren römischer und alamannischer Zeit. Urkundlich wurde Ravensburg erstmals 1088 erwähnt. Der Kern der heutigen Stadt entstand als Burgsassen-Siedlung unterhalb der welfischen Burg auf dem Höhenrücken. Die Welfen errichteten um 1050 eine größere Burg, die später Veitsburg genannt wurde. Durch einen Erbvertrag gelangte Ravensburg an den Staufer Friedrich I. Barbarossa.
Nach dem Untergang der Staufer regierte sich Ravensburg selbst. König Rudolf I. bestätigte 1276 die reichsstädtischen Privilegien. Das Marktrecht förderte die Entwicklung. Zur Überwachung der Reichsburg entstand der über 50 Meter hohe Sankt-Michaels-Turm, der wegen seiner hellen Farbe und seines volkstümlichen Namens heute Mehlsack heißt.
Im Spätmittelalter war Ravensburg Sitz der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft, einer führenden deutschen Handelsgesellschaft mit Niederlassungen in ganz Europa. Wirtschaftlicher Aufschwung führte besonders im 14. Jahrhundert zu Stadterweiterungen. Zwischen 1330 und 1370 wurde die Unterstadt in die Befestigung einbezogen; auf dem zugeschütteten Stadtgraben entstand der heutige Marienplatz. Um 1530 ging die Handelsgesellschaft unter. Gründe waren unter anderem innerfamiliäre Konflikte, die Konkurrenz Augsburger Händler und Veränderungen des Fernhandels nach der Erschließung Amerikas.
Seit dem späten 14. Jahrhundert bestand eine bedeutende Papierproduktion. In ihrer Blütezeit im 16. Jahrhundert wurden jährlich etwa 9000 Ries Papier hergestellt. Ravensburg galt als größter Papierlieferant nördlich der Alpen. Mit dem Ende der Reichsstadtzeit und neuen Grenzen begann der Niedergang; 1833 schloss die erste von sechs Papiermühlen, 1876 die letzte.
1544 wurde die Reformation eingeführt, letztlich setzte sich die lutherische Richtung durch. Nach Gegenreformation und Dreißigjährigem Krieg wurde 1649 die Parität formal festgelegt: Katholiken und Protestanten waren gleichberechtigt, und Ämter wurden zu gleichen Teilen besetzt. Dieses System bestand bis ins 19. Jahrhundert. Der Dreißigjährige Krieg verursachte durch Hunger und Seuchen einen starken Bevölkerungsrückgang; die Burg über der Stadt wurde von schwedischen Truppen weitgehend zerstört.
1803 verlor Ravensburg durch den Reichsdeputationshauptschluss seine Reichsunmittelbarkeit und kam zunächst zu Bayern. 1810 gelangte die Stadt an Württemberg und wurde Sitz des Oberamts Ravensburg. Im 19. Jahrhundert setzte eine wirtschaftliche Erholung ein. Maschinenbau und Textilherstellung entwickelten sich, und der Bahnanschluss an der Strecke Ulm–Friedrichshafen ab 1847 verstärkte den Aufschwung. Ravensburg wurde zur größten und industriell am weitesten entwickelten Stadt Oberschwabens.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurden 691 Patienten der Heilanstalt Weißenau in Grafeneck ermordet. 34 Ravensburger Sinti wurden im März 1943 über Stuttgart nach Auschwitz-Birkenau deportiert; die meisten wurden dort oder in weiteren Lagern und Todesmärschen ermordet. Jüdische Einwohner wurden zur Flucht gezwungen oder in der Schoa ermordet. Im Zweiten Weltkrieg blieb die historische Bausubstanz wegen der geringen strategischen und rüstungsindustriellen Bedeutung der Stadt weitgehend erhalten.
Nach 1945 gehörte Ravensburg zunächst zur Französischen Besatzungszone, 1947 zu Württemberg-Hohenzollern und ab 1952 zu Baden-Württemberg. Seit den 1950er Jahren entstanden neue Wohngebiete, besonders die Weststadt. 1939 war Weingarten eingegliedert worden, wurde aber am 1. April 1946 wieder selbstständig. Schmalegg, Taldorf und Eschach wurden 1972 und 1974 eingemeindet; ein erneuter Zusammenschluss mit Weingarten, Baienfurt und Baindt wurde 1975 endgültig rückgängig gemacht.
Bevölkerung und Politik
Die Einwohnerzahl entwickelte sich von etwa 1.500 im Jahr 1300 und etwa 4.500 im Jahr 1500 zunächst rückläufig; 1648 wurden nur etwa 2.000 Einwohner gezählt. Danach wuchs Ravensburg langsam: 1871 hatte die Stadt 8.433, 1900 13.453, 1939 21.995 und 1950 25.889 Einwohner. Nach den Eingemeindungen stieg die Zahl bis 1975 auf 42.725. Am 30. September 2011 überschritt Ravensburg erstmals 50.000 Einwohner. Beim Zensus 2011 wurden 48.394 Einwohner gezählt, am 31. Dezember 2020 50.776.
Nach dem Zensus 2022 waren Anfang 2022 43,7 % der Einwohner katholisch, 16,2 % evangelisch und 40,1 % konfessionslos, Mitglied einer anderen Glaubensgemeinschaft oder ohne Angabe. 825 Personen erklärten 2022 ihren Kirchenaustritt; 2023 waren es 605, 2024 523 und 2025 540.
Der Gemeinderat hat 43 Sitze. Bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 erhielt die CDU 34,0 %, die Grünen 28,3 %, die Freien Wähler 16,0 %, die SPD 12,4 % und die FDP 9,2 %. Die Sitzverteilung lautet: CDU 15, Grüne 12, Freie Wähler 7, SPD 5 und FDP 4. Die Wahlbeteiligung betrug 59,8 %. Oberbürgermeister ist seit 2010 Daniel Rapp (CDU). Der Oberbürgermeister wird für acht Jahre gewählt, leitet die Stadtverwaltung und ist Vorsitzender des Gemeinderats.
Das Stadtwappen zeigt auf silbernem Grund eine doppeltürmige blaue Burg mit Fallgatter und dazwischen einen blauen Schild mit silbernem Kreuz. Die Stadtflagge ist blau-weiß. Ravensburg unterhält Städtepartnerschaften unter anderem mit Montélimar, Rivoli, Coswig, Rhondda Cynon Taf, Varaždin und Mollet del Vallès.
Altstadt, Religion und Kultur
Die Altstadt gliedert sich durch den langgestreckten Marienplatz in Ober- und Unterstadt. Die Oberstadt ist vor allem durch Patrizierhäuser geprägt, die Unterstadt durch kleinere Handwerkerhäuser. Bedeutende Bauwerke am Marienplatz und in seiner Umgebung sind die Evangelische Stadtkirche, das Rathaus, das Kornhaus, das Waaghaus mit Blaserturm, das Lederhaus, die Liebfrauenkirche und das Frauentor. Zur Stadtbefestigung gehören außerdem Mehlsack, Obertor, Sauturm, Untertor, Gemalter Turm, Grüner Turm und Schellenbergerturm. Die Altstadt wurde in den 1980er Jahren umfassend saniert und für den Durchgangsverkehr geschlossen.
Außerhalb der Altstadt liegen die Veitsburg, das Konzerthaus, die ehemalige Prämonstratenserabtei Weißenau, der Burghaldentorkel und das Denkmal der Grauen Busse für die Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie. Das Museumsviertel umfasst das Museum Humpis-Quartier zur reichsstädtischen Geschichte, das Museum Ravensburger, das Wirtschaftsmuseum Kreis Ravensburg und das Kunstmuseum Ravensburg. Die Stadt besitzt außerdem die größte Sammlung historischer Theaterkulissen in Deutschland: 135 großformatige Prospekte und 208 Stellwände aus den Jahren 1902 bis 1910.
Mindestens 48 Frauen wurden in Ravensburg während der Hexenverfolgungen als Hexen verbrannt; zwölf Personen wurden freigesprochen. Das religiöse Leben ist historisch durch das Nebeneinander von Katholizismus und Protestantismus geprägt. Wichtige Kirchen sind Liebfrauen, Sankt Jodok und die Evangelische Stadtkirche. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden unter anderem die katholischen Gemeinden Christus König und Zur heiligsten Dreifaltigkeit sowie weitere evangelische Gemeinden. Daneben gibt es freikirchliche Gemeinden, islamische Gemeinden, eine alevitische Gemeinschaft und buddhistische Einrichtungen. Ravensburg liegt am Oberschwäbischen Jakobsweg. Von 1330 bis 1429 bestand eine jüdische Gemeinde; unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden jüdische Einwohner erneut vertrieben oder ermordet.
Das Konzerthaus mit 574 Plätzen ist das größte Theater der Stadt. Das Rutentheater, in dem Ravensburger Schüler seit 1821 Märchen aufführen, gehört zum traditionellen Kulturleben. Weitere Einrichtungen sind das Theater Ravensburg, die Zehntscheuer und das Figurentheater. Das fünftägige Rutenfest am Ende des Schuljahres ist seit dem 17. Jahrhundert belegt. Höhepunkte sind der Frohe Auftakt mit etwa 30.000 Besuchern, der Historische Rutenfestzug mit etwa 5.500 Mitwirkenden, das Rutentheater und Schießwettbewerbe wie das seit 1823 belegte Adlerschießen. Weitere regelmäßige Veranstaltungen sind die Oberschwabenschau, die Kunstnacht, Ravensburg spielt und die schwäbisch-alemannische Fasnet mit dem Narrensprung am Fasnetsmontag.
Wirtschaft, Landwirtschaft und Verkehr
Die bekannteste ansässige Unternehmensgruppe ist die Ravensburger AG mit Spieleverlag, Puzzleproduktion und Kinderbuchverlag. Weitere wichtige Unternehmen sind der Gebäckhersteller Tekrum, der Milchproduktehersteller OMIRA, Maschinenbauunternehmen aus der Tradition von Papier- und Mühlenbetrieben sowie der Pharmahersteller Vetter Pharma. In Ravensburg sind außerdem Unternehmen für Photovoltaik, Verpackungen, Automobilzulieferung und Maschinenbau ansässig. Das Munzinger-Archiv stellt recherchierte Datenbanken für Medien und andere Nutzer bereit; die WeltPartner eG ist ein großer unabhängiger Importeur von Fairhandels-Produkten.
Historisch wurden an den Hängen des Schussentals Wein und Flachs angebaut. Der Weinbau ging wegen klimatisch schlechter Jahre, veränderter Absatzbedingungen und weiterer nicht eindeutig geklärter Ursachen im 19. Jahrhundert stark zurück; der letzte privat bewirtschaftete Weinberg bei Sankt Christina wurde um 1960 aufgegeben. Die Stadt betreibt heute wieder einen Weinberg am Rauenegg mit Müller-Thurgau und Spätburgunder. Gegenwärtig prägen Obstbau und Hopfengärten vor allem den Süden und Westen. Das Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee in Bavendorf forscht und berät landwirtschaftliche Betriebe.
Ravensburg liegt am Kreuzungspunkt der Bundesstraßen 30, 32 und 33. Der Bahnhof besteht seit 1847 an der Strecke Ulm–Friedrichshafen. Seit dem 15. Dezember 2024 verkehren dort unter anderem die Linien RE 3, RE 5 und RB 91 jeweils stündlich; außerdem gibt es ein Zugpaar der ICE-Linie 32. Die Strecke ist seit 2021 elektrifiziert. Der öffentliche Nahverkehr gehört zum Verkehrsverbund bodo; zentrale Busknoten sind der Bahnhof, das Frauentor und der Marienplatz. Die frühere Straßenbahn nach Weingarten und Baienfurt wurde 1888 eröffnet, 1910 elektrifiziert und 1959 stillgelegt. Der nächste Verkehrsflughafen liegt in Friedrichshafen. Ein 84 Meter hoher Fernmeldeturm besteht seit 1990.
Bildung, Soziales und Gesundheit
Ravensburg ist ein Bildungsstandort mit einem Standort der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Ravensburg, einer Schule für Gestaltung, dem Institut für Soziale Berufe und weiteren Fach- und Berufsschulen. Die Stadt unterhält drei allgemeinbildende Gymnasien, eine Realschule, Werkreal- und Grundschulen sowie eine Förderschule. Das private Bildungszentrum St. Konrad umfasst Grundschule, Realschule und Gymnasium. Der Landkreis trägt unter anderem die Edith-Stein-Schule, die Gewerblichen Schulen und die Humpis-Schule mit beruflichen Gymnasien.
Im Schuljahr 2017/2018 besuchten 7840 Schüler allgemeinbildende Schulen in Ravensburg. Davon entfielen 24,5 % auf Grundschulen, 4,8 % auf Werkreal- und Hauptschulen, 12,6 % auf Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren, 18,4 % auf Realschulen, 28,6 % auf Gymnasien, 6,0 % auf Gemeinschaftsschulen und 5 % auf Waldorfschulen. Insgesamt gibt es 1700 Kindergartenplätze in 32 Einrichtungen; elf Einrichtungen in Ravensburg und Weingarten bieten auch Plätze für Kinder unter drei Jahren an.
Zu den sozialen Einrichtungen gehören das Berufsbildungswerk Adolf Aich, Einrichtungen der Stiftung Liebenau, die BruderhausDiakonie und die Zieglerschen. Das Krankenhaus Sankt Elisabeth mit der Abteilung Sankt Nikolaus und das Heilig-Geist-Spital gehören zur Oberschwabenklinik. Im ehemaligen Kloster Weißenau befindet sich der Standort Weißenau des Zentrums für Psychiatrie Südwürttemberg mit Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie, einer forensischen Klinik, einem psychiatrischen Fachpflegeheim und Werkstätten zur beruflichen Reintegration. Ravensburg ist außerdem Sitz von Amts- und Landgericht, Staatsanwaltschaft, Polizeipräsidium und Justizvollzugsanstalt.