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Norma (Oper)

Norma ist eine tragische Oper (Originalbezeichnung: „tragedia lirica“) in zwei Akten von Vincenzo Bellini. Das Libretto stammt von Felice Romani und beruht …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Handlung
  3. 3. Musik und Form
  4. 4. Entstehung und Quellen
  5. 5. Aufführungsgeschichte und Besetzung
  6. 6. Kritische Ausgabe und Nachwirkung

Überblick

Norma ist eine tragische Oper in zwei Akten von Vincenzo Bellini. Die Originalbezeichnung lautet „tragedia lirica“. Das Libretto schrieb Felice Romani nach dem Drama Norma, ou L’infanticide von Alexandre Soumet. Die Oper wurde am 26. Dezember 1831 am Teatro alla Scala in Mailand uraufgeführt. Sie ist auf Italienisch verfasst, dauert etwa drei Stunden und spielt in Gallien während der römischen Besetzung, etwa 50 Jahre vor Christus.

Im Mittelpunkt steht Norma, die Tochter des Druidenführers Oroveso und Oberpriesterin der Gallier. Sie hat heimlich ihr Keuschheitsgelübde gebrochen, weil sie den römischen Prokonsul Pollione liebt. Beide haben zwei versteckte Kinder. Der Konflikt der Oper entsteht aus Normas widersprüchlicher Lage: Als Priesterin soll sie ihrem Volk dienen und die Römer bekämpfen, als Liebende und Mutter ist sie mit einem Römer verbunden. Besonders berühmt ist ihre Cavatine „Casta diva“ im ersten Akt. Die Titelrolle gilt als eine der schwierigsten Rollen für eine hohe Frauenstimme, weil sie Belcanto-Technik, dramatische Ausdruckskraft und große emotionale Spannweite verlangt.

Handlung

Die Vorgeschichte erklärt Normas geheimes Doppelleben. In dem von Rom besetzten Gallien hat sie sich vor Jahren in Pollione verliebt. Dadurch hat sie als Druiden-Hohepriesterin ihr Keuschheitsgelübde gebrochen. Die gemeinsamen Kinder hält sie verborgen.

Im ersten Akt versammeln sich gallische Krieger im heiligen Hain der Druiden. Sie erwarten von Norma ein Zeichen der Mondgöttin, das den Kampf gegen die Römer erlaubt. Norma ruft jedoch zum Frieden auf: Rom werde zur rechten Zeit durch eigene Schuld untergehen. Ihr Wunsch nach Frieden hat auch persönliche Gründe, denn sie liebt Pollione und will ihre Kinder schützen. In der Zeremonie singt sie „Casta diva“.

Pollione liebt inzwischen die junge Novizin Adalgisa und will mit ihr fliehen. Adalgisa leidet unter Gewissensbissen wegen ihres Gelübdes und bittet Norma später um Hilfe. Norma erkennt in Adalgisas Lage zunächst ihre eigene wieder und will sie unterstützen. Als aber klar wird, dass Adalgisas Geliebter Pollione ist, bricht Norma in Wut aus. Adalgisa erfährt die Wahrheit über Polliones Beziehung zu Norma, Pollione will Adalgisa dennoch nicht aufgeben, und Norma schwört Rache.

Im zweiten Akt will Norma zunächst ihre Kinder und dann sich selbst töten, bringt es aber aus Mutterliebe nicht fertig. Sie bittet Adalgisa, mit Pollione nach Rom zu gehen und für die Kinder zu sorgen. Adalgisa lehnt ab, erinnert Norma an ihre Mutterliebe und bietet an, zwischen Norma und Pollione zu vermitteln. Später erfährt Norma jedoch, dass Pollione weiter mit Adalgisa nach Rom will. Aus Zorn gibt sie das Zeichen zum Krieg gegen die Römer. Als Opfer soll ein gefangener Römer getötet werden: Es ist Pollione. Norma kann ihn nicht töten und fordert ihn unter vier Augen auf, Adalgisa aufzugeben. Als er sich weigert, droht sie mit Rache. Schließlich lässt sie einen Scheiterhaufen für eine Priesterin errichten, die das Keuschheitsgebot gebrochen hat. Auf die Frage nach dem Namen der Schuldigen bekennt Norma selbst: „Son io“. Sie vertraut ihre Kinder Oroveso an, bittet um Vergebung und geht in den Tod. Pollione, bewegt von neuer Liebe, folgt ihr.

Musik und Form

Die Oper ist in musikalisch abgeschlossene Nummern gegliedert, wie es zur Entstehungszeit üblich war. Diese Nummern erscheinen oft als „Szene und Arie“, „Szene und Duett“ oder ähnliche Formen. Sie folgen einer Tableau-Ästhetik, also einer Abfolge von Bühnenbildern, in denen die Figuren handeln. Viele größere Nummern bestehen aus einem Rezitativ und einer zweiteiligen Arie: Das Cantabile ist meist langsam und eignet sich für Gefühle wie Schmerz, Sehnsucht oder Melancholie; die Cabaletta ist meist schneller und zeigt etwa Freude, Entschlossenheit, Wut oder Rache.

Bellinis Besonderheit liegt darin, dieses Modell sehr flexibel zu behandeln. Er schafft fließende Übergänge zwischen Rezitativ, Arioso und Arie und richtet Musik und Text eng aufeinander aus. Seine Musik sollte unmittelbar das Wort ausdrücken, sodass Text und Musik als Einheit wirken. Deshalb gibt es im Vergleich zur früheren Rossini-Zeit weniger ausgedehnte Koloraturen. Koloraturen, also schnelle verzierten Tonfolgen, bleiben aber wichtig und werden gezielt für Glanz, Bravour oder starke Gefühle eingesetzt.

Bellinis Melodik ist besonders in langsamen Abschnitten für lange, klare und ausdrucksstarke Linien bekannt. Verdi sprach später von „langen, langen Melodien“. Oft beruhen sie auf symmetrischen Zweitakt-Einheiten, die zu größeren Perioden geformt werden. Die Begleitung ist häufig zurückhaltend, etwa mit gleichmäßig fließenden Dreiklangsbrechungen und einfacher, wirkungsvoller Harmonik. Dadurch entsteht eine ruhige, erhabene oder melancholische Wirkung. Stärkere Ausbrüche, etwa im Duett von Pollione und Adalgisa oder im Kriegschor „Guerra! Guerra!“, wirken dadurch umso heftiger.

Die Orchesterbesetzung umfasst nach der kritischen Ausgabe unter anderem zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte, vier Hörner, zwei Trompeten, drei Posaunen, Cimbasso, Pauken, Schlagzeug mit großer Trommel, Becken und Tamtam sowie Streicher.

Entstehung und Quellen

Bellini schrieb am 23. Juli 1831 aus Como, dass das Sujet der neuen Oper für die Karnevalssaison 1831–32 an der Mailänder Scala feststehe. Grundlage war Alexandre Soumets Tragödie Norma. Außerdem wirkten frühere Werke mit ähnlichen Themen nach, darunter La vestale von Spontini und Jouy, Romanis Libretto La sacerdotessa d’Irminsul für Pacini und Medea in Corinto von Mayr.

Bellini begann um den 1. September 1831 mit der Komposition, nachdem er Romanis Entwurf erhalten hatte. Schon am 7. September waren die Sinfonia fertig und der Chor der Introduktion entworfen. Bellini und Romani hatten bereits mehrere Opern zusammen geschaffen und arbeiteten eng. Bellini wollte eine straffe Handlung, in der Überflüssiges gestrichen wurde. Das Ende aus Soumets Drama, in dem die Titelheldin wahnsinnig wird und sich von einem Abhang stürzt, wurde nicht übernommen.

Ende November war die Oper wohl fast fertig, im Dezember begannen die Proben. Bellini änderte aber noch bis kurz vor der Premiere Details. Zur berühmten Arie „Casta diva“ gibt es die Überlieferung, Bellini habe sie achtmal umgearbeitet, weil Giuditta Pasta unzufrieden gewesen sei; der Artikel bezeichnet dies als nicht belegbar und möglicherweise legendär. Sicher ist, dass die Arie ursprünglich in G-Dur stand, für Pastas Stimme aber in der Probenphase um einen Ganzton nach F-Dur herabgesetzt wurde.

Aufführungsgeschichte und Besetzung

Bei der Uraufführung am 26. Dezember 1831 sangen Giuditta Pasta die Norma, Giulia Grisi die Adalgisa, Domenico Donzelli den Pollione und Vincenzo Negrini den Oroveso. Die erste Aufnahme durch das Publikum war kühler als erhofft, obwohl Teile des ersten Akts und fast der ganze zweite Akt Beifall fanden. Bellini und die Sänger wurden am Ende viermal vor den Vorhang gerufen. Schon ab den nächsten Aufführungen wuchs der Erfolg deutlich. Aufführungen in Bergamo und Venedig waren erfolgreich; 1833 folgten Wien und London, 1835 Paris und 1854 New York.

Im 19. Jahrhundert gehörten neben Pasta und Maria Malibran auch Giuditta und Giulia Grisi, Giuseppina Ronzi de Begnis, Jenny Lind und Lilli Lehmann zu wichtigen Interpretinnen. Im frühen 20. Jahrhundert wurde Norma, wie viele Belcanto-Opern, seltener gespielt. Eine wichtige Ausnahme war Rosa Ponselle. Eine neue Beschäftigung mit der ursprünglichen Belcanto-Auffassung setzte besonders ab 1948 mit Maria Callas ein, die die Sicht auf das Werk stark prägte. Später wurden unter anderem Leyla Gencer, Renata Scotto, Joan Sutherland, Montserrat Caballé, Nelly Miricioiu und Edita Gruberová genannt.

Die Besetzung der beiden Frauenrollen ist ein wichtiger Punkt. Norma verlangt technische Sicherheit, dramatische Kraft, Ausdruck und Stilgefühl. Für Giuditta Pasta wurde der Begriff soprano sfogato verwendet; im Artikel wird er unter anderem als ein nach unten erweiterter Sopran mit Koloraturbeweglichkeit und dramatischer Verve beschrieben. Die Rolle wurde meist von Sopranen gesungen, gelegentlich aber auch von Mezzosopranen. Adalgisa ist im Original ebenfalls als Sopran gedacht. Später wurde sie häufig mit Mezzosopran besetzt, was der Artikel musikalisch und inhaltlich nicht als gerechtfertigt beschreibt. Seit dem späten 20. Jahrhundert gab es wieder einzelne Versuche, Adalgisa mit Sopran zu besetzen.

Kritische Ausgabe und Nachwirkung

2015 veröffentlichten Maurizio Biondi und Riccardo Minasi eine neue kritische Ausgabe von Norma. Sie stützten sich vor allem auf Bellinis autografe Partitur mit zahlreichen Änderungen, verglichen sie mit zeitgenössischen Kopien, frühen Klavierauszügen und erhaltenen Orchesterstimmen. Die älteste gedruckte Partiturausgabe erwies sich als sehr fehlerhaft und unzuverlässig. Die Neuausgabe berücksichtigt unter anderem verschiedene Fassungen von „Casta diva“, die ursprüngliche Tonart G-Dur und die für Giuditta Pasta tiefer gesetzte F-Dur-Fassung, außerdem ergänzte oder wiederhergestellte Teile einzelner Duette, Terzette und Chöre.

Die große Beliebtheit der Oper zeigt sich auch in musikalischen Bearbeitungen. Frédéric Chopin setzte „Casta Diva“ für Klavier, Friedrich Wilhelm Kalkbrenner schrieb Klavier-Variationen, und Virtuosen wie Sigismund Thalberg, Franz Liszt und Carl Czerny verarbeiteten Themen aus Norma in Fantasien. Auch Violinvirtuosen wie Charles Auguste de Bériot, Henri Vieuxtemps und Alexandre Joseph Artôt schrieben Fantasien über Motive der Oper.

Als kulturelle Nachwirkung nennt der Artikel außerdem, dass das sizilianische Rezept Pasta alla Norma und der Asteroid (555) Norma nach Bellinis Oper beziehungsweise ihrer Titelheldin benannt sind.

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