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Grönländische Sprache

Grönländisch verfügt über acht teils sehr verschiedene Dialekte, die in drei Hauptdialekte gegliedert werden. Die Standardsprache des Grönländischen gründet auf …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Verbreitung
  2. 2. Dialekte und Standardsprache
  3. 3. Schrift, Laute und Lautregeln
  4. 4. Nomen, Kasus und Wortbildung
  5. 5. Verben und Satzbau
  6. 6. Wortschatz und Zahlen

Einordnung und Verbreitung

Grönländisch, auch Kalaallisut [kaˈlaːɬːisut], ist die alleinige Amtssprache Grönlands, eines autonomen Bestandteils des Königreichs Dänemark. Es wird von etwa 50.000 bis 60.000 Menschen in Grönland und Dänemark gesprochen. In Grönland sprechen vermutlich rund 45.000 der etwa 55.000 Einwohner Grönländisch; zudem lebt ein großer Teil der rund 15.000 nach Dänemark ausgewanderten Grönländer dort.

Die Sprache gehört zu den Inuitsprachen innerhalb der eskimo-aleutischen Sprachfamilie und ist deren östlichste sowie meistgesprochene Sprache. Sie ist stark polysynthetisch: Aus einer Wurzel können zahlreiche bedeutungstragende Bausteine angefügt werden, sodass sehr lange Wörter und sogar Einwortsätze entstehen. Außerdem ist sie eine Ergativsprache, deren Kasussystem Subjekt und Objekt anders ordnet als das deutsche Nominativ-Akkusativ-System.

Kalaallisut bedeutet wörtlich „wie ein Grönländer“. Nicht gemeint ist das Grönlandnordische: Dies war die ausgestorbene nordgermanische Sprache mittelalterlicher skandinavischer Siedler.

Dialekte und Standardsprache

Grönländisch hat drei Hauptdialekte: Westgrönländisch (Kitaamiusut), Ostgrönländisch (Tunumiisut) und Nordgrönländisch/Inuktun (Avanersuarmiusut). Die Standardsprache beruht auf dem Zentralwestgrönländischen, das unter anderem in Nuuk gesprochen wird. Samuel Kleinschmidts Grammatik von 1851 und sein Wörterbuch trugen dazu bei, dass dieser vergleichsweise archaische Dialekt Standard wurde.

Westgrönländisch gliedert sich in Nordwestgrönländisch, Zentralwestgrönländisch und Südgrönländisch. Zu den Unterdialekten zählen der Upernavik-Dialekt, Kangaatsiaq-Uummannaq-Dialekt, Paamiut-Dialekt, Nanortalik-Narsaq-Qaqortoq-Dialekt und Kap-Farvel-Dialekt. Inuktun ähnelt dem ostkanadischen Inuktitut stärker als der Standardvarietät. Ostgrönländisch und besonders Inuktun weichen ebenfalls deutlich vom Standard ab; Sprecher der drei Hauptdialekte verstehen einander ohne Kenntnisse der jeweils anderen Dialekte oft nur mühsam oder gar nicht.

Eine wichtige Dialektgrenze trennt u- von i-Dialekten: In i-Dialekten wurde etymologisches /u/ häufig zu /i/. Inuktun ist der einzige Dialekt ohne Vokal- und Konsonantenassimilation. Die nichtwestlichen Dialekte werden nur gesprochen; Schulbücher auf Nord- oder Ostgrönländisch gibt es nicht.

Schrift, Laute und Lautregeln

Grönländisch wird mit dem lateinischen Alphabet geschrieben. Die heutige Rechtschreibung wurde 1973 eingeführt: Das frühere ĸ wurde durch q ersetzt, Diakritika durch Doppelbuchstaben für lange Vokale und Konsonanten. Für Erbwörter gibt es 18 Buchstaben; 11 weitere dienen vor allem dänischen Lehnwörtern. Das H erscheint nur in Interjektionen.

Traditionell werden drei Vokalphoneme angesetzt: /a/, /i/ und /u/. Vor den uvularen Konsonanten /ʁ/ und /q/ verändern sie sich zu [ɑ], [ɜ] und [ɔ], geschrieben a, e und o. Diese Unterschiede können bedeutungsunterscheidend sein, etwa allappoq „er schreibt“ gegenüber allarpoq „es ist unbewölkt“. Alle Vokale können kurz oder lang sein; Länge wird doppelt geschrieben und unterscheidet ebenfalls Bedeutungen: tappippoq „er hat gute Augen, er ist scharfsichtig“ steht tappiippoq „er hat schlechte Augen, er ist blind“ gegenüber.

Es gibt etwa 18 Konsonanten. Die Sprache erlaubt keine zwei verschiedenen benachbarten Konsonanten: Bei Morphemgrenzen wird der erste daher meist an den folgenden angepasst, wodurch lange Konsonanten entstehen. Im Wortanlaut sind nur Vokale sowie /p, t, k, q, s, m, n/ möglich; im Auslaut nur Vokale sowie /p, t, k, q/. Die Schreibung und Aussprache sind sehr regelmäßig. Betonung im üblichen Sinn gibt es nicht; feste Tonhöhenverläufe hängen vor allem von der Silbenlänge und von Satzart, etwa Aussage oder Entscheidungsfrage, ab.

Nomen, Kasus und Wortbildung

Die wichtigsten Wortarten sind Verben, Nomen und Partikeln. Nomen umfassen Substantive, Eigennamen, Pronomen und wenige Adjektive. Deutsche Adjektive entsprechen oft Eigenschaftsverben oder deren nominalisierten Formen. Artikel gibt es nicht. Ein Wort besteht grundsätzlich aus Wurzel, gegebenenfalls Derivationsmorphemen, einer Flexionsendung und eventuell einem Enklitikon.

Substantive haben Singular und Plural, aber kein grammatisches Geschlecht. Der Dual ist bis auf wenige Reste, etwa marluk „zwei“, weitgehend verschwunden. Nicht-possessive Nomen werden in Absolutiv, Relativ, Instrumentalis, Allativ, Lokativ, Ablativ, Vialis und Äqualis flektiert. Der Absolutiv hat im Singular keine Endung, der Plural endet meist auf -(i)t. Der Relativ erfüllt unter anderem die Funktionen Ergativ und Genitiv. Die übrigen Kasus ersetzen vielfach deutsche Präpositionen: -mik bedeutet etwa „mit“, -mut „hin zu“, -mi „in, an, auf“, -mit „von her“, -kkut „durch, über“ und -tut „wie, als“.

Jedes Substantiv kann auch possessiv flektiert werden, also etwa „mein Haus“ statt nur „Haus“. Die 4. Person zeigt an, dass das Besitzobjekt zum Subjekt desselben Satzes gehört: qimmi-ni heißt „seinen eigenen Hund/seine eigenen Hunde“, während Formen der 3. Person auf einen anderen Besitzer verweisen. Personalpronomen wie uanga „ich“, uagut „wir“, illit „du“ und ilissi „ihr“ werden ebenfalls nach Kasus flektiert.

Die Derivation ist der Kern der Wortbildung. Morpheme können Nomen in Verben, Verben in Nomen oder die Wortart beibehalten. Sie werden je nach Morphem additiv, trunkativ oder auf andere Weise angefügt und unterliegen dabei Lautregeln. Beispielsweise bedeutet atuar- „lesen“ mit SINNAA: atuarsinnaavoq „er kann lesen“. Das Wort ikummatissaarniarfik „Tankstelle“ wird aus ikuma-UT-SSAQ-IR-NIAR-VIK gebildet und bedeutet wörtlich einen Ort, an dem Brennstoff verkauft wird. Es gibt über 600 Derivationsmorpheme.

Verben und Satzbau

Verben werden nach Person, Numerus und Modus konjugiert, nicht aber nach Tempus. Bei transitiven Verben zeigt die Endung sowohl Subjekt als auch Objekt an; bei intransitiven nur das Subjekt. Transitive Verben können bei intransitiver Flexion reflexive, reziproke oder antikausative Bedeutung erhalten. Ein Beispiel für antikausativ ist matuuvoq „es ist geschlossen“ gegenüber matu-aa „er schließt es“.

Eine eigene Tempusflexion gibt es nicht: Ohne passende Derivationsmorpheme kann ein Verb Gegenwart oder Vergangenheit bezeichnen. Für Zukünftiges ist SSA verpflichtend. Manche ursprünglich aspektuellen Morpheme werden heute häufig zur Vergangenheitsmarkierung verwendet; bei Isersimavoq „Er ist drinnen“ ist noch die ursprüngliche aspektuelle Bedeutung erkennbar.

Es gibt acht Modi mit Untergruppen. Übergeordnete Modi bilden Hauptsätze: Indikativ für Aussagen, Interrogativ für Fragen, Imperativ für Aufforderungen und Optativ für Wünsche. Untergeordnete Modi bilden normalerweise Nebensätze: Kausativ für Begründungen und vergangene Handlungen, Konditionalis für Bedingungen und Zukünftiges, Kontemporativ für gleichzeitige Handlungen derselben Person und Partizipialis für gleichzeitige Handlungen verschiedener Personen. Beispielsweise heißt Piitap qimmeq takuaa „Peter sieht den Hund“: Piitaq steht als transitives Subjekt im Relativ, qimmeq als Objekt im Absolutiv.

Die neutrale Wortstellung ist SOV, also Subjekt–Objekt–Verb. Zeit- und Ortsangaben stehen oft am Satzanfang, andere Adverbiale meist vor dem Verb. Nominale Attribute folgen immer dem bestimmten Wort. Die Stellung kann jedoch verändert werden, um Satzglieder hervorzuheben; Nebensätze und komplexe Phrasen stehen häufig am Satzanfang oder Satzende.

Wortschatz und Zahlen

Wegen der polysynthetischen Struktur besitzt Grönländisch vergleichsweise wenige freie Morpheme; viele Wörter des Grundwortschatzes sind Ableitungen. So gehören oqaaseq „Wort“, oqalup- „sprechen“ und oqaasilerisoq „Linguist“ zum Stamm oqar- „sagen“. Seit der Kolonialzeit wurden dänische Wörter entlehnt. Ältere Entlehnungen sind stark angepasst, etwa palasi aus præst „Pastor“; jüngere sind oft nur leicht verändert, etwa biili aus bil „Auto“ oder helikopteri aus helikopter. Der grönländische Sprachrat und das Oqaasileriffik schaffen auch neue grönländische Wörter.

Das traditionelle Zahlensystem beruht auf Fingern und Zehen und ist nicht rein dezimal, sondern verbindet quinäre, senäre und dezimale Prinzipien. Es beginnt bei 2n+1 jeweils mit einem neuen Grundwort. Beispiele sind ataaseq „1“, marluk „2“, tallimat „5“, arfinillit „6“ („zweite Hand: [1]“), qulit „10“ („beide Hände“) und marlunnik qulillit „20“ („2-mal beide Hände“). Zahlen über zwölf sind heute ungebräuchlich und werden durch dänische Zahlen ersetzt; auch Zahlen unter zwölf werden außerhalb des Zählens häufig dänisch verwendet.

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