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Name

Die Namentheorie beschäftigt sich demnach mit der Hauptbedeutung, der Denotation, der Namen, während sich die Namenkunde über die Denotation hinaus, mit der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Funktion
  2. 2. Personen-, Gottes- und Kunstnamen
  3. 3. Geographische Namen
  4. 4. Kleinräumige Namen
  5. 5. Institutionen, Produkte und Medien
  6. 6. Weitere Namensarten und Verdeckungen

Begriff und Funktion

Ein Name ist nach wissenschaftlicher Definition ein „verbaler Zugriffsindex auf eine Informationsmenge über ein Individuum“. Er ordnet einer Person, einem Gegenstand, einer Organisation oder einem Begriff Informationen zu und dient dazu, das Bezeichnete zu identifizieren und von anderem zu unterscheiden. Diese eindeutige Zuordnung heißt Namenklarheit.

Die wissenschaftliche Erforschung von Namen heißt Onomastik. Die Namenkunde untersucht Geschichte, Gebrauch und Herkunft konkreter Namen. Die Theoretische Namenforschung fragt dagegen nach der allgemeinen Natur von Namen. Dabei bezeichnet Denotation die Hauptbedeutung beziehungsweise das unmittelbar bezeichnete Objekt; Konnotation umfasst zusätzliche Vorstellungen und Bedeutungen, die mit einem Namen verbunden sind.

Logik und theoretische Namenforschung unterscheiden drei Grundtypen:

• Ein Appellativum oder Gattungsname bezeichnet eine definierte Klasse von Objekten. • Ein Eigenname, fachsprachlich Proprium, bezeichnet einen Individualbegriff, also eine Klasse mit nur einem Objekt. • Ein Stoffname oder Kontinuativum bezeichnet einen Substanzbegriff, der zwar als Einheit gedacht wird, aber hinsichtlich der Zahl seiner Bestandteile offen ist.

Personen-, Gottes- und Kunstnamen

Personennamen oder Anthroponyme bezeichnen einzelne Menschen und umfassen Vornamen und Familiennamen. Volks- und Stammesbezeichnungen gelten dagegen als Gattungsnamen. Im deutschen Sprachraum entwickelte sich seit dem 12. Jahrhundert ein zweigliedriges System aus Individualnamen und Familiennamen. Russland verwendet beispielsweise ein dreigliedriges System mit Vatersnamen. Römische Namen konnten aus Praenomen, Nomen Gentile und Cognomen bestehen.

Deutsche Familiennamen zeigen häufig Varianten desselben Namens, etwa „Lang“, „Lange“, „Langer“ und „Langen“. Vornamen unterliegen Benennungsmoden: Ihre Häufigkeit steigt, erreicht einen Höhepunkt und nimmt anschließend wieder ab.

Künstlernamen und Pseudonyme können die öffentliche Identität eines Künstlers prägen. Salvador Dalí signierte gegen Ende seiner Karriere sogar leere Blätter und verkaufte sie; Käufer konnten darauf ein Bild anfertigen, das dann seinen Namen trug. In Literatur und Film charakterisieren sprechende Namen Figuren oder Orte durch ihre Benennung. In John Bunyans The Pilgrim’s Progress begegnet der Pilger beispielsweise dem Riesen „Verzweiflung“, dem Herrn der „Burg des Zweifels“.

Im Judentum besitzen Gottesnamen besondere Bedeutung. Elohim gilt als Gattungsbezeichnung, JHWH als Eigenname beziehungsweise Tetragramm. JHWH wird als Jahwe, seltener und später als Jehova vokalisiert. Die häufige Wiedergabe „Ich bin“ oder „Ich bin da“ verweist auf Gottes Unaussprechlichkeit und Unergründlichkeit. JHWH erscheint erstmals in Genesis 4,26, wird Mose in Exodus 3,14 offenbart und kommt 6.823-mal in der hebräischen Bibel vor. Aus Ehrfurcht wird der Name seit der babylonischen Gefangenschaft nicht ausgesprochen; Ersatzformen sind adonay, ha-schem, ha-makom und adoschem. Zum Islam enthält der Artikel keine weiteren Angaben.

Geographische Namen

Geographische Namen oder Toponyme sind im eigentlichen Sinn stets Individualnamen. Klassennamen für geographische Objekte zählen nicht dazu. Makrotoponyme bezeichnen größere Objekte, etwa Himmelskörper, Gebirge, Gewässer, Inseln, Landschaften, Staaten, Siedlungen oder Wälder. Mikrotoponyme bezeichnen kleinere räumliche Einheiten, beispielsweise Fluren, Straßen, Plätze, Häuser, Höfe, Zechen und Schächte. Die Zuordnung hängt teilweise von der Größe des bezeichneten Objekts ab.

Kosmonyme sind Namen von Himmelskörpern und Himmelssphären. Dazu gehören Namen von Planeten, Monden, Kleinplaneten, Sternen und Sternbildern. Sichtbare Körper unseres Planetensystems wurden zunächst nach mythischen Göttern benannt; als Fachterminologie setzten sich die römischen Götternamen durch. Monde erhielten dazu passende Namen aus den Mythen. Seit 1801 wurden zunächst Göttinnennamen, später auch irdische Frauennamen für Planetoiden verwendet. Sterne trugen vor der Unterscheidung durch Koordinaten häufig arabische Namen, da Araber im 8. und 9. Jahrhundert in der Astronomie führend waren.

Choronyme sind Raumnamen. Peter von Polenz unterscheidet naturräumliche Gebilde wie Landschaften von politischen, fest umgrenzten Räumen wie Bezirken und Ländern. Einige Raumnamen gehen auf Stammesnamen zurück, darunter Niedersachsen, Bayern, Thüringen, Hessen, Westfalen und Holstein.

Hydronyme sind Gewässernamen und gehören zu den ältesten Sprachzeugnissen. Man unterscheidet Namen stehender und fließender Gewässer. Nach einer Beobachtung gilt: Je größer ein Fluss ist, desto älter ist meist sein Name. Hans Krahe und W. P. Schmidt entwickelten die bis heute stark umstrittene Theorie der Alteuropäischen Hydronymie. Ähnliche Gewässernamen in verschiedenen europäischen Sprachen sollen danach eine voreinzelsprachliche indogermanische Sprache belegen, etwa Isère, Iser/Jizera, Isar und IJssel.

Oikonyme sind Siedlungsnamen oder Ortsnamen im engeren Sinn. Die Ortsnamenforschung sammelt, ausgehend von der heutigen Form, ältere Belege und rekonstruiert daraus die Grundform, um Herkunft, Bildungsweise und sprachliche Zugehörigkeit zu bestimmen.

Kleinräumige Namen

Flurnamen dienen der Orientierung sowie der Identifizierung kleiner landschaftlicher Einheiten. Sie können unter anderem Äcker, Wiesen, Reben, Hecken, Wälder, Berge, Täler, Gewässer, Wege, Grenzen, Mühlen oder andere Gewerbeanlagen bezeichnen. Grundsätzlich beziehen sie sich auf unbesiedelte Landschaftsteile. Ob auch Objekte innerhalb von Siedlungen dazugehören, ist in der Forschung umstritten.

Straßennamen oder Hodonyme ermöglichen die Orientierung in Städten. Längliche Verkehrsflächen heißen Prodonyme, Plätze Agoronyme. Straßennamen entstanden im Mittelalter und wurden häufig politisch eingesetzt; heute bemüht man sich stärker um zeitlose Namen und die Vermeidung von Doppelbenennungen oder ähnlich klingenden Bezeichnungen. In hodonymischen Feldern erhalten zusammenhängende Gebiete Namen nach einem gemeinsamen Thema, beispielsweise Komponisten, Blumen oder Planeten. Fernstraßen wie die Via Appia oder die Brenner Autobahn und Bahnstrecken wie die Transsibirische Eisenbahn können als Makrotoponyme gelten.

Haus- und Hofnamen waren vor der Einführung von Hausnummern nach französischem Vorbild im 18. Jahrhundert wichtige Unterscheidungsmerkmale. Sie gliederten Städte und bezeichneten besonders öffentliche Gebäude, Kaufhäuser und hochwertige Mietshäuser. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm ihr Gebrauch stark ab; üblich sind sie vor allem noch in dünn besiedelten ländlichen Gebieten.

Institutionen, Produkte und Medien

Institutionsnamen oder Ergonyme sind immer Individualnamen. Sie bezeichnen etwa staatliche und kommunale Verwaltungseinheiten sowie Arbeits-, Bildungs-, Erholungs-, Gedenk- und Kulturstätten.

Namen von Bildungsstätten bestehen meist aus einer Nominalgruppe mit einem Gattungswort wie „Schule“, „Hochschule“, „Universität“ oder „Institut“. Häufig erinnern sie an Gründer, Stifter, Förderer oder angesehene Patrone und sollen diese ehren oder als Vorbilder hervorheben. Andere Namen vermitteln bewusst nur sachliche Informationen über Art, Fachrichtung oder Trägerschaft der Einrichtung. In Deutschland soll der mögliche Prestigegehalt zur Bedeutung der Institution passen; Grund- und Hauptschulen tragen daher häufig Namen von regionaler Bedeutung, während besonders prestigereiche Bildungseinrichtungen keine Patronatsnamen führen.

Produktnamen können je nach Gegenstand Individual- oder Gattungsnamen sein. Verkehrsmittel- und Mediennamen kommen in beiden Formen vor; Warenzeichen, Waren, Bücher, Zeitschriften, Produktionsverfahren und Technologien tragen nach der Einteilung des Artikels Gattungsnamen. Kompositionsnamen sind grundsätzlich Individualnamen, Instrumentennamen meist Warennamen, wobei berühmte Einzelinstrumente Eigennamen besitzen können.

Warennamen oder Ökonyme umfassen Artikel-, Marken- und Firmennamen. Sie können Informationen über Hersteller, Herstellungsort, Material, Eigenschaften, Zweck oder Wirkungsweise vermitteln. Erst die Seriennummer bezeichnet das einzelne Exemplar. Ein Warenname kann zum allgemeinen Gattungsbegriff werden: „Tempo“ bezeichnete ursprünglich die herstellende Firma und wird umgangssprachlich auch für Papiertaschentücher verwendet. Warennamen sind markenrechtlich geschützt.

Mediennamen sollen sich von Wettbewerbern unterscheiden, einen Neuigkeitseffekt auslösen, den neuen Wert vermitteln, attraktiv und unverwechselbar sowie rechtlich schutzfähig sein. Sie sind besonders stark von Moden abhängig.

Weitere Namensarten und Verdeckungen

Ereignisnamen sind immer Individualnamen. Dazu gehören Namen politischer Ereignisse, Kriege und Konflikte, Feste, Epochen und Naturereignisse. Weitere Gruppen sind Namen für Handlungen wie Tänze und Spiele sowie Namen für Gedankliches, etwa literarische Namen und Planungen.

Tier- und Pflanzennamen können Gattungsnamen oder Namen einzelner Lebewesen sein. Tiere mit enger Beziehung zum Menschen tragen häufig menschliche Namen. Die von Carl von Linné in heutiger Form eingeführte biologische Nomenklatur benennt dagegen meist Gattungen und Arten anhand von Organen, Aussehen, Fundorten oder geehrten Personen. Deutsche Tier- und Pflanzennamen entstehen ähnlich, sind aber nicht grundsätzlich binominal. Zuchtformen und Hybride werden oft nach Züchtern, Zuchtorten oder berühmten Persönlichkeiten benannt.

Meteorologische Namengebung geht auf Clement Lindley Wragge zurück. Er gab tropischen Wirbelwinden weibliche und außertropischen Tiefdruckwirbeln mit Sturm- oder Orkanfeldern männliche Vornamen. In den 1950er Jahren setzte sich die Benennung meteorologischer Erscheinungen durch. Seit 1979 werden für Wirbelstürme Namen beider Geschlechter gleichmäßig verwendet; eine offizielle Liste der IHC bildet bis heute die Grundlage. In Deutschland erhalten Hoch- und Tiefdruckgebiete seit den 1950er Jahren Namen. Die zunächst von Richard Scherhag erstellte Liste wird heute durch die Aktion Wetterpate der Technischen Universität Berlin vergeben.

Chrematonyme sind Eigennamen von Gegenständen. Beispiele sind Siegfrieds Schwert „Balmung“, die „Grüne Minna“, Schiffe, Eisenbahnzüge, Puppen und Spieltiere.

Echte Namen können aus unterschiedlichen Gründen verschleiert werden. Ein Kryptonym oder Pseudonym schützt die Identität, etwa „Peter Panter“ für „Kurt Tucholsky“. In Werbung und Wirtschaft entstehen einprägsame Kurzformen wie „Haribo“ aus „Hans Riegel, Bonn“. Auch verdeckte Aktionen oder Projekte erhalten Kryptonyme, die geheimhaltend und zugleich gut merkbar sein sollen.

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