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Khartum
Inhaltsverzeichnis · Geographie · Bevölkerung · Geschichte · Wirtschaft & Infrastruktur · Sehenswürdigkeiten · Lebensqualität · Söhne und Töchter der Stadt.
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Überblick und Lage
Khartum (arabisch الخرطوم al-Chartūm, englisch Khartoum) ist die Hauptstadt der Republik Sudan sowie des Bundesstaates al-Chartum. Die Stadt liegt auf 382 m Höhe bei 15° 35′ N, 32° 31′ O. Für die Stadt wurden 2012 2.682.431 Einwohner berechnet.
Khartum liegt am Zusammenfluss von Weißem Nil und Blauem Nil. Dort befindet sich die Tuti-Insel. Der arabische Name al-Chartūm bedeutet „Elefantenrüssel“ und wird auf den Flussverlauf an dieser Stelle zurückgeführt. Seit dem Krieg im Sudan, der im April 2023 zwischen den Sudanesischen Streitkräften (SAF) und den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) begann, wurde die Stadt weitgehend zerstört und entvölkert.
Klima und Bevölkerung
Khartum hat Wüstenklima nach der Köppen-Geiger-Klassifikation BWh: Es ist ganzjährig heiß; nennenswerter Niederschlag fällt fast nur von Juli bis September. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 29,9 °C, die jährliche Niederschlagssumme 121,3 mm. Die mittlere Tageshöchsttemperatur erreicht im Mai 41,9 °C; im kältesten Monat Januar beträgt sie noch 30,7 °C. Im August fallen mit 48,3 mm die höchsten durchschnittlichen Monatsniederschläge. Im Mittel gibt es 14,7 Regentage und 9,8 Sonnenstunden täglich pro Jahr.
Die Agglomeration, also der zusammenhängende Ballungsraum mit Omdurman und al-Chartum Bahri, hatte 2007 berechnet 8.363.915 Einwohner und war damit die fünftgrößte Agglomeration Afrikas. Die Verwaltungseinheit Khartum hatte 2012 5.827.729 Einwohner. Die Bevölkerung wuchs stark: von 69.349 Einwohnern der Stadt 1907 über 947.483 im Jahr 1993 auf 2.207.794 im Jahr 2007. Gründe sind Landflucht und das hohe Bevölkerungswachstum im Land. Für 2050 wurden 16 Millionen Einwohner im Ballungsraum erwartet, für 2100 sogar 57 Millionen.
Entstehung und frühe Geschichte
Khartum wurde 1820 von den Ägyptern unter Mehemed Ali als Militärlager gegründet. Einheimische ließen sich bald dort nieder, um mit den Ägyptern Handel zu treiben. Nachdem das frühere Handelszentrum Schandi an Bedeutung verloren hatte, wurde Khartum zum Mittelpunkt des sudanesischen Handels. Von Zentralafrika zum Roten Meer vermittelte die Stadt unter anderem Handel mit Elfenbein, Gummi arabicum, Tamarinden, Straußenfedern und Sklaven.
Im späten 19. Jahrhundert bestand Khartum größtenteils aus Lehmhäusern und engen, krummen, schmutzigen Gassen. Bedeutende Gebäude aus Ziegeln waren das Haus des Gouverneurs, die 1847 gegründete österreichisch-apostolische Mission, die einzige Moschee, die koptische Kirche und Häuser von Händlern. Österreich-Ungarn und Großbritannien unterhielten Konsulate. Die Bevölkerung wurde auf rund 50.000 Menschen geschätzt und bestand überwiegend aus Arabern; außerdem lebten dort afrikanischstämmige Sklaven, Levantiner, Griechen, Italiener, Franzosen und Briten. Unter Ismail Pascha wurde Khartum Hauptstadt Sudans und Sitz der Generalgouverneure, darunter Gordon Pascha.
Während des Mahdi-Aufstands wurde die Stadt ab März 1884 belagert. Am 26. Januar 1885, zwei Tage vor dem Eintreffen britischer Entsatztruppen, griffen 50.000 Mahdisten an, nahmen Khartum ein und töteten Gordon Pascha vermutlich im Gouverneurspalast. Der Mahdi gründete gegenüber am westlichen Nilufer in Omdurman eine neue Hauptstadt. Khartum wurde aufgegeben und zur Geisterstadt, bis es 1898 nach der Niederschlagung des Aufstands durch den britischen Sirdar Kitchener wieder aufgebaut wurde. Im November 1924 kontrollierten revolutierende ägyptisch-sudanesische Armeebataillone während der Sudankrise zeitweise Teile der Stadt; die Briten schlugen die Revolte nieder.
Ereignisse seit 1967
Vom 29. August bis 1. September 1967 fand in Khartum der 4. Gipfel der Arabischen Liga statt. Die Khartum-Resolution enthielt im Israel-Palästina-Konflikt die „drei Neins“: „kein Frieden“, „keine Anerkennung“ und „keine Verhandlungen mit Israel“.
In den 1970er und 1980er Jahren flohen hunderttausende Menschen vor Konflikten in Tschad, Äthiopien und Uganda nach Khartum und lebten häufig in großen Slums an den Stadträndern. Seit 1983 kamen Vertriebene aus Sudan hinzu, insbesondere wegen des erneut ausgebrochenen Sezessionskriegs in Südsudan und des Darfur-Konflikts. Am 20. August 1998 ließ die US-Regierung unter Präsident Clinton die Asch-Schifa-Arzneimittelfabrik in al-Chartum Bahri bombardieren, weil der Verdacht auf die Herstellung von Komponenten für Chemiewaffen bestand. Nach dem Tod des SPLA-Führers John Garang kamen am 1. und 2. August 2005 bei Unruhen 75 Menschen ums Leben; mehrere hundert wurden verletzt. Am 14. September 2012 wurde die deutsche Botschaft gestürmt, in Brand gesetzt und teilweise zerstört; auch die britische Botschaft wurde angegriffen.
Am 11. April 2019 stürzte das Militär Präsident al-Bashir nach monatelangen Protesten. Beim Massaker von Khartum am 3. Juni 2019 töteten die RSF bei Gewalt gegen pro-demokratische Demonstrierende insgesamt mehr als 100 Zivilisten. Seit April 2023 kämpften reguläre Armee und die von Mohammed Hamdan Daglo geführten RSF in der Stadt. Fast die gesamte Mittelschicht und Elite verließ Khartum; Anfang August 2023 berichtete Save the Children von tausenden Leichen auf den Straßen. Die Armee begann im September 2024 eine Gegenoffensive. Im Februar 2025 kontrollierte sie Vororte und hatte einen Belagerungsring um das unter schwerem Artilleriefeuer liegende Stadtgebiet gebildet. Anfang April 2025 nahm sie Khartum vollständig ein; laut BBC war das Stadtzentrum weitgehend zerstört.
Wirtschaft, Verkehr und Bildung
Khartum ist Sitz der nationalen Wertpapierbörse Khartoum Stock Exchange. Zur Verkehrsinfrastruktur gehören der Flughafen Khartum, das Stadion von Khartum und mehrere Nilbrücken: Al-Mak-Nimr-Brücke, Alte Omdurman-Brücke, An-Nil-al-azraq-Brücke, Kubir-Brücke und Tuti-Brücke. Der Bahnhof liegt bei 15° 35′ 38″ N, 32° 31′ 36″ O. Eisenbahnlinien führen nach Norden bis Wadi Halfa sowie nach Südwesten über Kusti nach al-Ubayyid. Bis 1962 fuhr eine elektrische Straßenbahn.
Das Al-Mogran Development Project soll im Viertel Mogran am Nilzusammenfluss ein neues Stadtzentrum entwickeln; das Projekt orientiert sich teilweise am Vorbild Dubais. Zu den genannten Hochschulen zählen die Universität Khartum, die Universität Sudan für Wissenschaft und Technologie, die Internationale Universität Afrikas, die Katholische Universität von Sudan und die Universität für Medizin Wissenschaft und Technologie. Als weiterführende Schulen werden die Khartoum American School, die Khartoum International Community School und die Unity High School genannt.
Sehenswertes, Lebensqualität und Partnerschaften
Zu den Sehenswürdigkeiten gehören die Große Moschee von Khartum, die Faruq-Moschee, die Asch-Schahid-Moschee, der Präsidentenpalast, das Burj al-Fateh-Hotel, die römisch-katholische Kathedrale, die Allerheiligen-Kathedrale und der Botanische Garten. Im Nationalmuseum Sudan befinden sich Relikte des nubischen Reichs von Kusch, ein Tempel der Hatschepsut und frühchristliche Wandmalereien. Außerdem gibt es das Museum der Alten Allerheiligen-Kathedrale.
In der Rangliste der Städte nach Lebensqualität belegte Khartum 2023 Platz 241 von 241 weltweit untersuchten Städten. Städtepartnerschaften bestehen mit Ankara seit 1992, Amman seit 1993, Wuhan seit 1995 und Istanbul seit 2001.