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Neolithische Architektur

Die Architektur des Neolithikums beginnt mit der neolithischen Revolution, die eine Umstellung der Nahrungsbeschaffung (Ackerbau, Viehhaltung und Bevorratung) …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundlagen und Ausbreitung
  2. 2. Hausformen und Konstruktionen
  3. 3. Baustoffe und Farbgestaltung
  4. 4. Siedlungslage und Feuchtbodensiedlungen
  5. 5. Bedeutende Bauwerke und Fundorte

Grundlagen und Ausbreitung

Die neolithische Architektur entstand im Zusammenhang mit der neolithischen Revolution: Menschen stellten ihre Nahrungsversorgung auf Ackerbau, Viehhaltung und Vorratshaltung um und errichteten zunehmend dauerhafte Siedlungen. Feste oder halbwegs feste Gebäude gab es allerdings schon zuvor, etwa bei semisesshaften Jägern, Sammlern und Fischern des Natufien sowie in Molodowe in der Ukraine und Mal’ta in Russland, wo Häuser aus Mammutknochen nachgewiesen sind.

Bereits vor 13.000 v. Chr. lebten in der Levante Ackerbauern. Von Syrien, dem Libanon, Jordanien, Israel und Palästina, dem Irak und dem südöstlichen Kleinasien aus verbreitete sich die frühneolithische Lebensweise weiter. Sie erreichte um 8.300 v. Chr. das zuvor menschenleere Zypern, um 7000 v. Chr. Kreta und etwa 5500 v. Chr. Mitteleuropa. Zeitgleich verbreiteten sich nomadische Viehzüchter weitgehend ohne feste Bauten und hinterließen daher kaum architektonische Spuren.

Hausformen und Konstruktionen

Grundsätzlich werden Rund- und Rechteckbauten unterschieden. Rechteckhäuser lassen sich leichter unterteilen, kombinieren und durch Anbauten erweitern. Bei Rundhäusern ist dies schwieriger. Rundhäuser waren besonders im Präkeramischen Neolithikum Stufe A der Levante und Zyperns sowie im Neolithikum der West-Türkei verbreitet. Im Mittelneolithikum Großbritanniens entstanden sie unabhängig davon im Umfeld der Grooved Ware, beispielsweise in Skara Brae, Gwithian und Durrington Walls.

Srefen sind Schilfhütten, die im arabischen Raum noch bis ins 20. Jahrhundert in ursprünglicher Bauweise errichtet wurden. Paarweise in den Boden eingegrabene Schilfbündel wurden oben zu Rippen zusammengebogen und verschnürt. Ein Längsverband aus Schilf oder Holzstangen verband die Rippen zu einem Tonnengerüst, das mit Lehm oder Schilfmatten bedeckt wurde. Diese als Dachhaus bezeichnete Konstruktion enthielt bereits die Elemente Bogen, Rippe, Dachverband und Dachhaut und bildete eine Urform des Tonnengewölbes.

Rundhäuser gelten als älteste Hausform; ihre neolithische Verbreitung ist vom Alpenrand bis in die Mongolei nachgewiesen. Möglicherweise entwickelte sich ihre Form aus dem Kreis um ein Herdfeuer oder aus Nomadenzelten mit drei bis vier Stangen in einem Steinring. In Mesopotamien wurde die leichte Bauweise früh durch Lehm- oder Steinbauten ersetzt. Beispiele sind Jericho mit Ziegelbauten um 6000 v. Chr., Tappa Gaura mit Stampflehmbauten um 5000 v. Chr., Pont-sur-Seine mit Holzbauten von 80 m² um 4.500 v. Chr. sowie Arpadschije und Tell Halaf mit Feldsteinbauten um 4000 v. Chr. Auf Zypern sind Feldsteinbauten um 3500 v. Chr. belegt. Zu den Rundhäusern gehören Bienenkorbhäuser mit kegelförmig erhöhtem Dach. Ein zyprischer Typ besaß in 2,30 m Höhe ein Zwischengeschoss über der halben Kreisfläche. Das Lehmhaus von Tappa Gaura hatte etwa fünf Meter Durchmesser und wurde durch knotenartige Wandverstärkungen und einen halbrunden Strebepfeiler stabilisiert. Das zehn Meter breite Rundhaus von Arpadschije trug eine einschalige Kuppel als Kraggewölbe.

Rechteckhäuser waren für Baustoffe wie Holz und Ziegel besonders geeignet. Frühe Beispiele stammen aus Jericho und Çatalhöyük um 6000 v. Chr., Qalaat Dscharmo um 5000 v. Chr. und Tell Hassuna um 4750 v. Chr. In Jericho bestanden die sogenannten Polierbodenhäuser aus senkrechtem Ziegelmauerwerk und gefärbtem Estrich. Der Zugang erfolgte wahrscheinlich über die Flachdächer.

Mit der Landwirtschaft entwickelte sich das Bauernhaus. Ein Gehöft in Tell Hassuna bestand aus einem quer erschlossenen Langhaus, dessen Zugang an der Längsseite lag, und einem Seitenflügel, der wahrscheinlich als Stall oder Gerätelager diente. An beide Giebelseiten des Hauptraums schlossen sich je zwei kleinere Räume an. Strebepfeiler verstärkten die Ziegelwände an den Giebelseiten; das Dach war vermutlich ein mit Rohr gedecktes Satteldach. Vor dem Gebäude lagen ummauerte Höfe. Mauerringe im Boden dienten als Silos oder Zisternen.

Baustoffe und Farbgestaltung

Die verwendeten Baustoffe richteten sich nach den örtlich vorhandenen Rohstoffen und den technischen Möglichkeiten ihrer Bearbeitung.

Lehm: In der Levante, in Kleinasien, Syrien, dem nördlichen Mesopotamien und Zentralasien entstanden Bauten aus Lehmziegeln. Daneben wurde Stampflehm, auch pisé genannt, eingesetzt. Aus dem Präkeramischen Neolithikum sind unter anderem in Çayönü Gebäude mit Kalkböden bekannt. Wandbemalungen wurden in Çatalhöyük und ʿAin Ghazal in Jordanien gefunden. In regenarmen Regionen bildeten die Reste wiederholt überbauter Lehmhäuser Siedlungshügel, sogenannte Tells. Diese reichen von der Levante bis nach Ungarn.

Holz: In Europa bestanden Häuser häufig aus Holzpfosten und Flechtwerk, das mit grobem Lehmputz bedeckt war. Meist bleiben archäologisch nur die Pfostengruben erhalten. Die Siedlung Le Peu im französischen Département Charente ist 6.400 Jahre alt.

Stein: Trockenmauerwerk, also ohne Mörtel aufgeschichtetes Mauerwerk, ist aus Schottland – etwa Rinyo, Skara Brae und Knap of Howar –, der Bretagne, Spanien und Portugal bekannt. Portugiesische Beispiele sind Zambujal und Villanova de Sao Pedro.

Farbe ist für neolithische Gebäude unter anderem durch Wandbemalungen belegt. Weiterführende Hinweise auf prähistorische Farbgestaltung liefert ein spätbronzezeitlicher Fund von 1955 aus Rottelsdorf in Sachsen-Anhalt: Auf weißem Ton- oder Kaolinschlamm waren mit rotem Bolus parallele Streifen, ein rechtwinklig abbiegender Streifen und zwei Punkte aufgemalt. Bolus ist eine tonige, eisenoxidhaltige Erdfarbe. Bis zu 13 übereinanderliegende Farbschichten zeigen, dass der Anstrich wiederholt erneuert wurde. Vermutlich enthielten die Farben kein zusätzliches Bindemittel und nicht einmal Kalk, sodass sie abwitterten und möglicherweise jährlich neu aufgetragen wurden.

Siedlungslage und Feuchtbodensiedlungen

Feuchtbodensiedlungen wurden früher als Pfahlbauten bezeichnet. Seit dem Neolithikum errichtete man sie in Sumpfgebieten, an Gewässerufern oder auf Inseln; nur selten standen sie unmittelbar im Wasser, wie die Fundorte Reutte und Hornstaad zeigen.

Solche Siedlungen waren im gesamten zirkumalpinen Raum, also rund um die Alpen, verbreitet. Beispiele liegen am Mondsee, Attersee und Zürichsee bei Horgen. In Oberitalien werden entsprechende Anlagen als Terramaren bezeichnet. Weitere Überreste wurden in norddeutschen Feuchtgebieten wie Hüde am Dümmer, im schwedischen Alvastra im Zusammenhang mit der Grübchenkeramischen Kultur sowie auf Eilean Dhomhnuill auf den schottischen Hebriden ausgegraben.

Bedeutende Bauwerke und Fundorte

Zu den wichtigen neolithischen Fundorten Südasiens gehört Mehrgarh in Pakistan, datiert auf 7000 v. Chr. In Vorderasien liegen unter anderem Çayönü in der Türkei von 7500 v. Chr., Nevalı Çori mit einer Datierung um 8000 v. Chr., Hoca Çeşme in Thrakien sowie Tenta und Chirokitia auf Zypern. Çatalhöyük ist besonders für agglutinierende Rechteckhäuser bekannt, also dicht aneinandergefügte Gebäude.

Mitteleuropäische Beispiele sind Langweiler 8 und Bylany aus der Bandkeramik, Twann, das jungsteinzeitliche Dorf bei Ehrenstein und Fundstellen der Schussenrieder Gruppe. In Westeuropa zählen Knap of Howar aus dem Umfeld der Unstan Ware und Skara Brae auf den Orkney, etwa 3500 v. Chr., zu den wichtigen Anlagen.

Die Mehrzahl der Megalithanlagen stammt aus dem Neolithikum. Megalithanlagen sind Bauwerke aus großen Steinen; zu ihnen gehören Megalithgräber, sogenannte Tempel und Steinanordnungen mit ungeklärter Funktion. Das bekannteste Beispiel ist Stonehenge in England, eine mehrphasige Anlage, die im Endneolithikum zu ihrer heutigen Form ausgebaut wurde. Die ältesten megalithischen Bauwerke der Welt sind nach dem Artikel die etwa 9000 Jahre alten „T-Pfeiler“-Anlagen vom Göbekli Tepe in der Türkei.

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