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Nelkenrevolution
Die Nelkenrevolution (portugiesisch oder 25 de Abril) war ein grundlegender politischer Umsturz in Portugal, der am 25. April 1974 ausgelöst wurde, …
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Überblick
Die Nelkenrevolution (portugiesisch Revolução dos Cravos oder 25 de Abril) war der politische Umsturz vom 25. April 1974 in Portugal. Die linksgerichtete Bewegung der Streitkräfte (Movimento das Forças Armadas, MFA) beseitigte die seit 1933 bestehende autoritäre Diktatur des Salazar-Regimes und leitete den Übergang zur Demokratie der Dritten Republik ein.
Der Militärputsch wurde von der großen Mehrheit der Bevölkerung unterstützt und verlief weitgehend unblutig. Dennoch starben vier Menschen, und 45 Menschen wurden verletzt, als Angehörige der Geheimpolizei DGS auf unbewaffnete Demonstranten schossen. Ihren Namen erhielt die Revolution durch rote Nelken, die Unterstützer am 25. April den aufständischen Soldaten in die Gewehrläufe steckten.
Diktatur und Ursachen der Krise
Die Erste Portugiesische Republik, die seit 1910 bestanden hatte, endete 1926 durch den Putsch einer Militärjunta unter General Carmona. António de Oliveira Salazar, zunächst Finanzminister und später Carmonas Nachfolger, baute seine Macht ab 1932 mit einer neuen Verfassung aus. Die Zweite Republik bezeichnete sich als Estado Novo („Neuer Staat“). Sie ersetzte den Parlamentarismus durch einen paternalistischen Ständestaat, also ein System mit berufs- und gesellschaftlich gegliederten Organisationen statt freier politischer Vertretung.
Der Estado Novo war durch Pressezensur, polizeistaatliche Repression und Folter gekennzeichnet. Ab 1933 setzte die Staatsschutzpolizei PVDE die Unterdrückung durch; 1945 wurde sie von der PIDE abgelöst, später von der DGS. Die Geheimpolizei organisierte Sondergerichte und Spezialgefängnisse, darunter Tarrafal. 1965 ließ die PIDE den früheren General und Oppositionskandidaten Humberto Delgado ermorden.
Portugal war unter der Diktatur das ärmste und rückständigste Land Westeuropas. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung war analphabetisch; freie Gewerkschaften gab es nicht. Das Regime blieb im Zweiten Weltkrieg neutral, war seit 1949 Gründungsmitglied der NATO und im Kalten Krieg ein antikommunistischer Verbündeter des Westens.
Ein zentraler Auslöser der Krise war der Kolonialkrieg. Portugal hielt nach 1960 als einziges europäisches Land umfangreiche Kolonien in Afrika und Asien. Seit 1961 führte es in Angola und Mosambik Krieg gegen Unabhängigkeitsbewegungen. Marcelo Caetano, der Salazar 1968 ablöste, beendete weder Diktatur noch Krieg. Der militärisch nicht gewinnbare Krieg kostete viele Menschenleben und nach António de Spínolas Analyse bis zu 50 Prozent des Staatshaushalts. Junge Offiziere, besonders Hauptleute wie Salgueiro Maia und Otelo Saraiva de Carvalho, gründeten Anfang der 1970er Jahre die MFA. Spínolas Buch Portugal e o Futuro vom Februar 1974 verlangte politische Beteiligung des Volkes und Selbstbestimmung für die Kolonien; es verstärkte den Zulauf zur MFA. Nach der Enthebung Spínolas und des Generalstabschefs Francisco da Costa Gomes im März 1974 beschleunigten sich die Putschvorbereitungen.
Ablauf des Aufstands
Der Aufstand wurde durch Rundfunksignale koordiniert. Am 24. April 1974 um 22:55 Uhr spielte der Werberundfunk E Depois do Adeus von Paulo de Carvalho als erstes geheimes Bereitschaftssignal. Gegen 00:20 Uhr am 25. April verlas Rádio Renascença die Anfangszeilen des verbotenen Liedes Grândola, Vila Morena von Zeca Afonso und spielte es anschließend zweimal. Dies war für die MFA das Signal zum Losschlagen.
MFA-Truppen rückten nach Lissabon aus und besetzten Ministerien, Rundfunk- und Fernsehsender sowie den Flughafen. Regierungstruppen liefen überwiegend zu ihnen über. Die von Hauptmann Salgueiro Maia geführte Kolonne der Kavallerieschule Santarém startete um 03:30 Uhr und erreichte Lissabon, 70 Kilometer entfernt, um 05:55 Uhr. Sie besetzte das Terreiro do Paço; später wurde ein Teil zur GNR-Kaserne am Largo do Carmo beordert. Dort hatte sich Regierungschef Marcelo Caetano verschanzt.
Nach mehrstündiger Belagerung erklärte sich Caetano am Abend zur Abdankung bereit, wollte die Macht jedoch General António de Spínola übergeben. Obwohl Spínola nicht zur MFA gehörte, akzeptierten die MFA-Führer um Otelo Saraiva de Carvalho dies, um einen unblutigen Übergang zu ermöglichen. Caetano ging zunächst nach Madeira und später ins brasilianische Exil.
Tausende Menschen jubelten den Soldaten zu, liefen neben den Militärfahrzeugen her und stiegen auf sie. Nachdem Celeste Caeiro Soldaten Blumen geschenkt hatte, schmückten rote Nelken ihre Uniformen und Gewehrläufe. Bei der Erstürmung von PIDE/DGS-Stützpunkten schossen Angehörige der Geheimpolizei um 20:30 Uhr auf die Bevölkerung; vier Menschen starben. Am folgenden Morgen ergaben sich die Polizisten. In der Nacht zum 27. April wurden politische Gefangene aus dem PIDE-Gefängnis in Caxias befreit. Viele zuvor Verbannte und politisch Verfolgte kehrten aus dem Exil zurück.
Forderungen und politische Neuordnung
Zu den Forderungen nach der Revolution gehörten das sofortige Ende des Kolonialkriegs und eine Generalamnestie für Deserteure und Kriegsdienstverweigerer. Vereinigungen sprachen dabei für etwa 100.000 Fahnenflüchtige und Kriegsdienstverweigerer, von denen viele ins Exil gegangen waren. Das Amnestiegesetz wurde am 1. Mai 1974 erlassen.
Am 1. Mai 1974 feierten mehr als 100.000 Portugiesen im Lissabonner Sportstadion die Befreiung, das später Estádio 1º de Maio hieß. Mário Soares von der Sozialistischen Partei und Álvaro Cunhal, Vorsitzender der Kommunistischen Partei, forderten eine Regierung von der politischen Mitte über die Sozialisten bis zu den Kommunisten.
Nach einer politisch und sozial unruhigen Übergangsphase setzte das Militär mehrere provisorische Regierungen ein. Am 25. April 1975 wurde mit fast 92 Prozent Wahlbeteiligung die Verfassungsgebende Versammlung gewählt, die erste freie Wahl seit 1925. Die Sozialistische Partei erhielt 116 von 250 Mandaten, die Konservativen (PPD) 81 und die Kommunisten 30. Die neue, stark von sozialistischen Ideen geprägte Verfassung trat am 2. April 1976 in Kraft. Nach ihr folgten am 25. April 1976 Parlamentswahlen mit 83 Prozent Wahlbeteiligung, am 27. Juni Präsidentschaftswahlen und am 12. Dezember die erste freie Kommunalwahl. Im Jahr 1976 übergaben die Streitkräfte die Staatsgewalt an das auf Grundlage der Verfassung gewählte Parlament und den Staatspräsidenten.
Ende des Kolonialreichs
Eine unmittelbare Folge der Nelkenrevolution war das Ende der portugiesischen Kolonialkriege in Guinea-Bissau, Angola und Mosambik. Mit den jeweiligen Unabhängigkeitsbewegungen wurden rasch Verträge über einen sofortigen Waffenstillstand und das baldige Ende der Kolonialherrschaft geschlossen. Guinea-Bissau wurde noch 1974 unabhängig; Angola, Mosambik, São Tomé und Príncipe sowie Kap Verde folgten 1975. Damit erlangten 1975 die letzten großen Überseegebiete einer europäischen Kolonialmacht ihre Unabhängigkeit.
Das Ende der portugiesischen Herrschaft auf Timor führte dagegen zum Chaos. Durch indonesischen Einfluss begann 1975 ein Bürgerkrieg, der Indonesien als Vorwand für Besetzung und Annexion Portugiesisch-Timors diente. Es folgten 24 Jahre Krieg. Portugal gab außerdem seine Ansprüche auf Portugiesisch-Indien auf, das 1954 beziehungsweise 1961 von Indien besetzt und annektiert worden war, und normalisierte die Beziehungen zu Indien.