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Neil Smith (Geograph)
Neil Robert Smith (* 18. Juni 1954 in Leith, Schottland; † 29. September 2012 in New York City) war ein schottisch-amerikanischer Geograph, …
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Person und Bedeutung
Neil Robert Smith (18. Juni 1954 in Leith, Schottland–29. September 2012 in New York City) war ein schottisch-amerikanischer Geograph, Stadtforscher und Anthropologe. Er war Professor am Graduate Center der City University of New York und gehörte zu den bedeutendsten Vertretern der Radical Geography.
Bekannt wurde Smith vor allem durch seine theoretischen Beiträge zur Gentrifizierung und durch die Theorie der ungleichen räumlichen Entwicklung. Diese Theorie beschreibt, wie gesellschaftliche und wirtschaftliche Prozesse Räume unterschiedlich prägen. Smith untersuchte besonders die Zusammenhänge zwischen Raum, Natur, Sozialtheorie und Geschichte. Seine Arbeiten sind wichtig, weil sie städtische Veränderungen nicht nur als kulturelle oder soziale Entwicklungen, sondern auch als Ergebnisse wirtschaftlicher Prozesse erklären.
Ausbildung und akademische Laufbahn
Smith erwarb an der University of St. Andrews den Bachelor of Sciences. Anschließend promovierte er an der Johns Hopkins University bei dem Geographen David Harvey zum Ph. D.
Als Robert Lincoln McNeil Scholar, einem Austauschprogramm der Universität Saint Andrews, forschte Smith an der University of Pennsylvania. Später lehrte er an der Columbia University und an der Rutgers University. Danach war er Professor am Graduate Center der City University of New York.
Ungleiche räumliche Entwicklung und Gentrifizierung
In seinem Hauptwerk Uneven Development: Nature, Capital and the Production of Space von 1984 argumentiert Smith, dass ungleiche räumliche Entwicklung eine Funktion der prozeduralen Logik des Kapitalmarktes ist. Gesellschaft und Wirtschaft „produzieren“ demnach Raum: Räumliche Unterschiede entstehen und verändern sich durch wirtschaftliche und gesellschaftliche Prozesse, insbesondere durch die Funktionsweise des Kapitals.
Smith deutete die Gentrifizierung von Innenstädten als wirtschaftlichen Prozess. Unter Gentrifizierung versteht man in diesem Zusammenhang die Aufwertung innerstädtischer Gebiete, die mit Veränderungen ihrer Nutzung und ihrer Bewohnerstruktur verbunden ist. Nach Smith wird dieser Prozess vor allem durch die Preise städtischen Baugrundes und durch Spekulation angetrieben. Er widersprach damit einer Erklärung, nach der Gentrifizierung hauptsächlich aus einer kulturellen Präferenz für das Leben in der Stadt entsteht.
In seinem Aufsatz Toward a Theory of Gentrification: A Back to the City Movement by Capital, not People von 1979 stellte Smith erstmals die sogenannte Rent-Gap-Theorie vor. Der englische Begriff „Rent Gap“ bezeichnet die Differenz zwischen dem gegenwärtig erzielbaren Ertrag eines Grundstücks oder Gebäudes und dem höheren Ertrag, der nach einer Aufwertung möglich wäre. Diese Differenz schafft nach Smith einen wirtschaftlichen Anreiz für Investitionen, Spekulation und die Aufwertung innerstädtischer Gebiete. Smith entwickelte die Theorie in den folgenden Jahren weiter. Der Titel des Aufsatzes fasst seine zentrale Aussage zusammen: Die Rückkehr in die Stadt wird vor allem durch das Kapital und nicht durch die Menschen als eigenständige kulturelle Bewegung vorangetrieben.
Wichtige Veröffentlichungen
Zu Smiths Monografien gehören Uneven Development: Nature, Capital and the Production of Space (Basil Blackwell, 1984), gemeinsam mit Peter Williams Gentrification of the City (George, Allen and Unwin, London 1986), gemeinsam mit Anne Godlewska Geography and Empire: Critical Studies in the History of Geography (Basil Blackwell, Oxford 1994), The New Urban Frontier: Gentrification and the Revanchist City (Routledge, London 1996), gemeinsam mit Cindi Katz Globalización: Transformaciones Urbanas, Precarización social Y Discriminación De Género (Nueva Grafica, La Laguna 2000), American Empire: Roosevelt’s Geographer and the Prelude to Globalization (University of California Press, 2002), Endgame of Globalization (Routledge, London 2005) sowie gemeinsam mit Setha Low The Politics of Public Space (Routledge, London 2006).
American Empire: Roosevelt’s Geographer and the Prelude to Globalization wurde mit dem Los Angeles Times „Book Prize for Biography“ und dem Henry Adams Prize ausgezeichnet.
Zu den ausgewählten Aufsätzen zählen neben dem grundlegenden Gentrifizierungsaufsatz von 1979 unter anderem Scale Bending, Remaking Scale: Competition and Cooperation in Prenational and Postnational Europe, Scales of Terror: The Manufacturing of Nationalism and the War for U.S. Globalism, New Globalism, New Urbanism: Gentrification as Global Urban Strategy, Ashes and Aftermath, Kontinuum New York, Geographies of Substance, Gentrification Generalized: From Local Anomaly to Urban „Regeneration“ as Global Urban Strategy und Generalizing Gentrification. Außerdem verfasste Smith ein Vorwort zu Henri Lefebvres Urban Revolution. Die Aufsätze von 2002 und 2003 zeigen, dass er seine Untersuchungen über Gentrifizierung hinaus auf Maßstab, Globalisierung, Nationalismus, öffentlichen Raum und die weltweite Stadtentwicklung ausweitete.