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Neger

Neger (entlehnt über französisch nègre und spanisch negro, „Schwarzer“, von lateinisch niger „schwarz, schwärzlich, dunkelfarbig“) ist eine im 17.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kernbedeutung und heutige Bewertung
  2. 2. Herkunft und Bedeutungswandel
  3. 3. Rassentheorien und Wörterbucheinträge
  4. 4. Andere Sprachen und verwandte Begriffe
  5. 5. Rückgang und öffentliche Kontroversen
  6. 6. Debatten im Parlament und postkoloniale Analyse

Kernbedeutung und heutige Bewertung

„Neger“ ist eine im 17. Jahrhundert in die deutsche Sprache eingeführte Bezeichnung für dunkelhäutige, insbesondere schwarze Menschen. Das Wort wurde über französisch „nègre“ und spanisch „negro“ aus lateinisch „niger“ („schwarz, schwärzlich, dunkelfarbig“) entlehnt. Es fand zunächst nur begrenzt Verwendung, verbreitete sich aber ab dem 18. Jahrhundert in Umgangs-, Literatur- und Wissenschaftssprache, eng verbunden mit Kolonialismus, Sklaverei, Rassentrennung und überholten Rassentheorien.

Im heutigen Deutschen gilt das Wort als abwertende, rassistisch diskriminierende Bezeichnung und wird auch als Schimpfwort gebraucht. In Metadiskursen, also wenn über das Wort selbst gesprochen wird, wird es aus sprachlicher Sensibilität häufig als „N-Wort“ bezeichnet. Der Artikel betont, dass sich Nutzung und Bedeutung besonders im späten 20. Jahrhundert stark wandelten und das Wort mehr und mehr aus der Alltagssprache verschwand.

Herkunft und Bedeutungswandel

Die Ausgangsbedeutung war laut Etymologischem Wörterbuch der deutschen Sprache „Schwarzer“. Die Bezeichnung wurde erstmals im 16. Jahrhundert während des spanischen und portugiesischen Sklavenhandels verwendet, vor allem für afrikanische Versklavte, und bezog sich auf deren dunkle Hautfarbe. Dabei wurde aus einer körperlichen Eigenschaft eine politische und soziale Einordnung.

Semantisch bedeutet: Das Wort bezeichnete nicht nur eine Hautfarbe, sondern bekam Nebenbedeutungen. Schon im Portugiesischen und Spanischen des 16. Jahrhunderts wurde „negro“ mit „Sklave“ verbunden. Später kamen abwertende Vorstellungen hinzu, etwa anatomisch-ästhetisch („hässlich“), sozial („wild“, „ohne Kultur“), sexuell („abnorm“) und psychologisch („kindlich“). Bei der Übernahme ins Französische als „nègre“ waren diese Nebenbedeutungen bereits enthalten; das Wort stand im Gegensatz zum neutraleren „noir“ für „schwarz“. Auch im Deutschen wurde diese Konnotation übernommen, auch wenn sie bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts von vielen Europäern nicht problematisiert wurde.

Als Selbstbezeichnung kam das Wort zeitweise ebenfalls vor, zum Beispiel ab 1929 im Namen der Bürgerrechtsorganisation „Liga zur Verteidigung der Negerrasse“. Erst mit dem Ende des Kolonialismus nach dem Zweiten Weltkrieg, stärker noch mit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und der Abkehr von Rassentheorien, wurde die rassistische Konnotation breiter anerkannt.

Rassentheorien und Wörterbucheinträge

Im 18. und 19. Jahrhundert wurde das Wort Teil wissenschaftlicher und pseudowissenschaftlicher Ordnungen, die Menschen in angebliche „Rassen“ einteilten. Carl von Linné teilte 1735 in der 1. Auflage seiner „Systema Naturæ“ die Gattung Homo in vier Varietäten ein, darunter „Homo africanus niger“ („afrikanischer schwarzer Mensch“). Solche Einteilungen machten Hautfarbe zu einem biologischen und anthropologischen Ordnungsmerkmal, obwohl die tatsächliche Wahrnehmung von Hautfarben nicht einfach den abstrakten Kategorien „Weiß“, „Rot“, „Gelb“ oder „Schwarz“ entsprach.

Anthropologie und Philosophie des 18. und 19. Jahrhunderts erweiterten diese Einteilungen zu Rassentheorien. Der Artikel nennt Johann Friedrich Blumenbach, Immanuel Kant und Christoph Meiners. Dabei entstanden biologistische und ästhetische Wertungen, die rassistische Stereotype festigten. Parallel dazu war der transatlantische Sklavenhandel ein großer politischer und wirtschaftlicher Faktor.

In Lexika wurde der Begriff unterschiedlich definiert und war nie eindeutig abgegrenzt. Das Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon von 1839, Meyers Konversations-Lexikon von 1888, das Deutsche Kolonial-Lexikon von 1920 und Der Große Brockhaus von 1934 beschrieben Menschen mit heute überholten rassistischen Kategorien, äußeren Merkmalen und geografischen Zuordnungen. In der NS-Zeit nahm der Duden 1941 die Lemmata „negrid“, „Negride“ und „Negroide“ auf und verknüpfte sie mit der nationalsozialistischen Rassenlehre; diese Einträge blieben bis zur 15. Duden-Neuauflage 1961 unverändert.

Ab Mitte der 1970er Jahre begannen Wörterbücher, das Wort als abwertend, diskriminierend oder veraltend zu markieren. Der Duden von 1999 schrieb erstmals, das Wort werde „heute meist als abwertend empfunden“. Ab 2004 wurden in Duden-Wörterbüchern deutlichere Gebrauchshinweise gegeben. Der Rechtschreibduden von 2006 empfahl Alternativen wie „Schwarzafrikaner“, „Afroamerikaner“, „Afrodeutscher“ oder in bestimmten Kontexten „Schwarzer“ und riet auch von Zusammensetzungen wie „Negerkuss“ ab. In der Online-Dudenausgabe von 2025 wird das Wort als „stark diskriminierend“ beschrieben und soll vermieden werden; als Alternativen nennt der Duden unter anderem „Schwarzer“, „Schwarze“, „Person of Color“, „People of Color“ und „Schwarzer Mensch“.

Andere Sprachen und verwandte Begriffe

Im Englischen stammt „Negro“ wie das deutsche Wort aus dem Spanischen beziehungsweise Portugiesischen. In den Vereinigten Staaten blieb „Negro“ bis zum Wechsel amtlicher Klassifikationen von race und Ethnizität in den 1960er Jahren gebräuchlich. Auch als Eigenbezeichnung wurde es bis zur amerikanischen Bürgerrechtsbewegung verwendet, etwa bei Martin Luther King. Später setzten sich eher „Black“ oder „Afro“ durch. Auch diese Begriffe hatten eigene Bedeutungswandel und konnten zuvor negativ oder rassistisch verwendet worden sein.

Obwohl „Negro“ nach den 1960er Jahren zunehmend als Ethnophaulismus, also als abwertende Bezeichnung für eine ethnische Gruppe, angesehen wurde, kommt es in einigen institutionellen Namen weiter vor, etwa beim „United Negro College Fund“ oder bei den „Negro Leagues“ im Baseball. Bei der Volkszählung 2010 blieb der Begriff laut United States Census Bureau neben „Black“ und „African-American“ in Gebrauch, weil sich ältere Bürger teilweise noch damit identifizierten.

Als rassistisch und äußerst abwertend gilt im Englischen die verwandte Bezeichnung „Nigger“. Sie besteht in Amerika seit dem Ende des 18. Jahrhunderts und gelangte 1834 als verächtliche Nebenform in den deutschen Sprachraum.

Aus dem Französischen wurde der Begriff „Négritude“ ins Deutsche aufgenommen. Aimé Césaire begann damit eine frankophon geprägte literarisch-philosophische und politische Strömung, die für kulturelle Selbstbehauptung von Menschen Afrikas und afrikanischer Herkunft eintritt. Léopold Sédar Senghor und Janheinz Jahn trugen dazu bei, moderne afrikanische Literatur in Deutschland bekannt zu machen und Vorurteile abzubauen.

Rückgang und öffentliche Kontroversen

Seit den 1970er Jahren in der Bundesrepublik Deutschland und seit den 1980er Jahren in der DDR wurde das Wort zunehmend als abwertend bezeichnet. Sprachwissenschaftler und andere Forschende beschrieben es als wertend, diskriminierend oder als Schimpfwort. Sabine Wierlemann kam 2001 zu dem Schluss, der Ausdruck fungiere heute als explizite Diffamierungsvokabel und werde im öffentlichen Sprachgebrauch außer bei Rechtsextremen vermieden. Susan Arndt und Antje Hornscheidt widersprachen 2004 dem Argument, das Wort sei früher nicht diskriminierend gewesen: Entscheidend seien sprachgeschichtliche Kontexte und kolonialistische Begriffs- und Konventionalisierungsgeschichte, nicht nur die persönliche Absicht einer einzelnen Sprecherin oder eines Sprechers.

Der Ausdruck erscheint in kritischer Redeweise oft verkürzt als „N-Wort“. 2021 nahm die Dudenredaktion diesen Ausdruck in das Nachschlagewerk auf. Laut Duden online dient „N-Wort“ unter anderem auch als Vermeidungsbegriff für das englische rassistische Wort „Nigger“.

Öffentliche Debatten gab es besonders bei Kinderliedern, Kinderbüchern und Produktnamen. Das Zählreim-Lied „Zehn kleine Negerlein“, 1869 als „Ten Little Niggers“ in den USA erstveröffentlicht und ab 1885 in Deutschland erschienen, gilt heute als eines der bekanntesten und umstrittensten Kinderbücher der Welt. In den 1990er Jahren verschwanden Warenbezeichnungen wie „Negerkuss“ für Schokokuss und „Negergeld“ für Lakritztaler der Firma Haribo.

2013 wurde breit diskutiert, ob das Wort in literarischen Texten, besonders in Kinderbuchklassikern von Otfried Preußler, Erich Kästner und deutschen Übersetzungen von Astrid Lindgren, ersetzt werden solle. Anlass war eine Entscheidung des Thienemann-Esslinger Verlags, diskriminierende Wörter in Preußlers „Die kleine Hexe“ zu ersetzen. In „Pippi Langstrumpf“ hatte die Verlagsgruppe Oetinger bereits zuvor „Negerkönig“ durch „Südseekönig“ ersetzt. Auch der schwedische Fernsehsender SVT schnitt das entsprechende Wort aus Filmen, nachdem Saltkrokan, das Unternehmen mit den Rechten an Lindgrens Werken, zugestimmt hatte.

Der Österreichische Presserat bewertete 2014 die Verwendung von „Negerkinder“ in einem Zeitschriftenkommentar als Verstoß gegen den Ehrenkodex und verneinte einen satirischen Kontext. Außerdem wird in Bayern und Österreich ein Biermischgetränk mit Cola teils unter diesem Namen verkauft, was wiederholt kritisiert wurde.

Debatten im Parlament und postkoloniale Analyse

Eine parlamentarische Debatte entstand im Oktober 2018, als Nikolaus Kramer, Vorsitzender der AfD-Fraktion im Landtag Mecklenburg-Vorpommern, das Wort in mehreren Zwischenrufen verwendete und erklärte, er lasse sich nicht vorschreiben, was ein Schimpfwort sei. Im November 2018 erhielt er nachträglich einen Ordnungsruf. Das Landesverfassungsgericht Mecklenburg-Vorpommern hob diesen am 19. Dezember 2019 im Ergebnis auf: Die bloße Verwendung des Wortes dürfe nicht pauschal als Verletzung der Würde des Hauses geahndet werden. Ob die Verwendung abwertend gemeint sei, könne nur aus dem Zusammenhang beurteilt werden, etwa ob sie ironisch, zitierend oder in einer Debatte über das Wort selbst erfolge. Das Urteil führte zu Empörung, einer Petition auf change.org und einer Protestdemonstration in Hamburg.

Im postkolonialen Diskurs verwendet Achille Mbembe das Wort als analytische Kategorie zur Beschreibung der Geschichte des Kapitalismus. Für ihn beginnt diese Geschichte auf den mit Sklaven betriebenen Plantagen in der Karibik, in Brasilien und Nordamerika. Das Wort bezeichne ursprünglich „ein Objekt, das wie ein Mensch aussieht und verkauft werden kann“, also eine Ware. Im Neoliberalismus seien solche Ausbeutungsverhältnisse universalisiert und globalisiert worden. Deshalb spricht Mbembe von einer „conditio nigra“ beziehungsweise französisch „raison négre“: Das Wort werde bei ihm zum Synonym für alle Unterdrückten und für ein fortdauerndes Herr-Knecht-Verhältnis.

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