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Namlish
Es handelt sich um eine Mischsprache, die in Namibia von weiten Teilen der schwarzafrikanischen Bevölkerung des Landes, besonders aber von den Owambo und …
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Begriff und sprachlicher Hintergrund
Namlish ist ein Kofferwort aus „Namibia(n)“ und „English“. Es bezeichnet eine besondere Form des Englischen, die in Namibia vor allem von der schwarzafrikanischen Bevölkerung gesprochen wird, besonders von Owambo und Kavango. Namlish wird teilweise als Variante des Pidgin betrachtet. In Aussprache, Betonung und Wortschatz ähnelt es grundsätzlich eher dem britischen als dem amerikanischen Englisch. Es entwickelte sich besonders im dicht besiedelten Norden Namibias. Außerdem verwenden vor allem jugendliche Deutschnamibier „Namlish“ gelegentlich als Bezeichnung für die deutsche Sprache in Namibia.
Englisch ist seit der Unabhängigkeit Namibias im Jahr 1990 die offizielle Amtssprache. Die Entscheidung der damaligen Regierungspartei SWAPO beruhte vor allem darauf, dass Englisch als Weltsprache galt und keine einzelne namibische Volksgruppe bevorzugt werden sollte. Afrikaans, das vor der Unabhängigkeit neben Englisch als Verkehrssprache weit verbreitet war, wurde von der SWAPO und vielen Schwarzafrikanern als Symbol der Unterdrückung durch das Apartheid-Regime angesehen. Deshalb erhielt es keinen offiziellen Status, blieb aber zunächst die häufigste Lingua franca; beispielsweise wurden viele Strafprozesse weiterhin auf Afrikaans geführt.
Englische Muttersprachler waren und sind in Namibia selten. Für 2005 nennt der Artikel einen Anteil von 0,8 % aller Namibier, laut Tötemeyer waren es 1,9 % im Jahr 2001. Dennoch entstand nach der Unabhängigkeit eine englischsprachige Elite aus der weißen Minderheit und zurückgekehrten Exil-Namibiern mit sehr guten Englischkenntnissen. Die Mehrheit der Bevölkerung, die Englisch meist als zweite oder dritte Sprache spricht, blieb dadurch sprachlich benachteiligt.
In Namibia gibt es 14 Schriftsprachen und weitere 16 Sprachen, die nur mündlich existieren. Neben Englisch werden 13 Schriftsprachen als Nationalsprachen anerkannt, jedoch kaum gefördert. Die insgesamt 30 Sprachen und Dialekte beeinflussen das gesprochene Englisch. Besonders wörtliche Übersetzungen und Übernahmen aus Oshiwambo, Kavango, Afrikaans, Damara, Herero und anderen Sprachen prägen Namlish; vereinzelt kommen auch deutsche Wörter vor. Dadurch existieren vermutlich regionale Ausprägungen. Namlish ist in dieser Hinsicht mit dem Englisch der schwarzafrikanischen Bevölkerung Südafrikas vergleichbar.
Typische Wörter und Bedeutungen
Namlish übernimmt Wörter aus Afrikaans, Deutsch, Oshiwambo, Kavango und anderen Sprachen oder verwendet englische Wörter mit veränderter Bedeutung. Typische Beispiele sind:
- „Baas“ bedeutet aus dem Afrikaans stammend „Boss“ beziehungsweise Chef und kann auch allgemein für einen weißen Mann stehen. „Babelaas“ bedeutet Kater, „Bakkie“ Pick-up oder Kleinlaster, „Braai“ Grillparty und „Dankie“ Danke.
- „Broetchen“ beziehungsweise „Broetchens“ bezeichnet ein Brötchen; „Wors“ bedeutet Wurst. „Plaster“ steht für Pflaster, obwohl im korrekten Englisch „band-aid“ üblich ist.
- „Lapa“ ist ein überdachter Bereich vor einem Haus mit Grill und Bar. „Meme“ ist eine höfliche Anrede für eine ältere Frau, „Tate“ eine für einen älteren Mann. In Kavango-Gebieten kann für eine ältere Frau auch „Nane“ verwendet werden.
- „Cuca Shop“ und „Shebeen“ bezeichnen eine Bar. „Robot“ bedeutet Ampel, „Tekkies“ Turnschuhe und „Trolley“ Einkaufswagen. „Botsotso“ steht für einen Kriminellen.
- „Learner“ kann Schüler oder Student bedeuten, während im korrekten Englisch für einen Studenten „student“ verwendet würde. „Schooling“ ist eine eigene Verbform für „zur Schule gehen“.
- „Toilet“ bedeutet Badezimmer, weil „Bathroom“ im Namlish kaum verwendet wird. „Elastic“ bezeichnet ein Gummiband, „Tyre road“ eine asphaltierte Straße und „Jersey“ ein T-Shirt oder Sweatshirt.
- „Naughty“ wird ungefähr wie „bad“ im Sinn von böse verwendet. „Cool drink“ meint ein alkoholfreies Erfrischungsgetränk wie Cola oder Sprite, „Hot Stuff“ ein hochprozentiges alkoholisches Getränk.
- „Mos“ und „Nay“ beziehungsweise „Ne“ sind häufige Füllwörter, die oft am Satzende stehen. „Somehow“ kann bei der Frage nach dem Befinden einfach „OK“ bedeuten. „Small boy“ wird für einen jungen, meist unverheirateten Mann gebraucht, wirkt im Standardenglisch aber eher abwertend.
Die Unterschiede werden auch in öffentlichen Texten sichtbar. In einer Immobilienanzeige wurde etwa „female Lady“ verwendet, obwohl „Lady“ das weibliche Geschlecht bereits ausdrückt; außerdem stand „depend from“ statt „depends on“. Eine Metzgereianzeige verwendete „game meat“, „pork meat“ und „beef meat“, obwohl „game“, „pork“ und „beef“ die jeweilige Fleischart bereits bezeichnen.
Redewendungen und grammatische Muster
Viele Namlish-Ausdrücke sind wörtliche Übersetzungen oder grammatische Übertragungen aus anderen namibischen Sprachen und aus dem Afrikaans. Sie können für Sprecher des Standardenglischen missverständlich sein.
- „It's paining“ bedeutet „Es tut weh“ statt „It hurts“. „How is the condition on your side?“, „What's up?“ und „How is the morning?“ können als Gruß oder Frage nach dem Befinden verwendet werden; im Standardenglischen wären etwa „How are you?“ oder „How are you doing?“ üblich.
- „I am coming“ bedeutet häufig „Ich bin gleich zurück“, obwohl es wörtlich „Ich komme“ heißt. „I'm coming now now“ bedeutet „Ich komme sofort“; die Wiederholung von „now“ betont, dass etwas unmittelbar bevorsteht. Ein einfaches „now“ bezeichnet dagegen nur eine baldige Handlung.
- „It's time“ kann bedeuten, dass eine Person oder Sache fertig ist. „Are we on the same page?“ heißt „Ist das klar?“ oder „Verstehst du mich?“. „Can I go with it?“ bedeutet „Kann ich es ausleihen?“, und „Help me 20 Dollar“ ist eine höfliche Bitte um 20 Dollar.
- „Falling pregnant“ bedeutet schwanger werden, „running stomach“ Durchfall. „To dirtify something“ heißt etwas schmutzig machen. „To use to“ wird häufig anstelle von „usually“ verwendet, etwa in „I use to go to church on Sunday“.
- „How late is it?“ wird für die Frage nach der Uhrzeit verwendet. Der Ausdruck ist eine wörtliche Übertragung des afrikaansen „Hoe laat is dit?“; im Standardenglischen wäre „What is the time?“ üblich.
- „To look smart“ bedeutet gut aussehen oder gut angezogen sein, nicht unbedingt schlau aussehen. Bei Besitzverhältnissen wird oft die Form „is having“ oder „am having“ verwendet, auch wenn im Standardenglischen „has“ angemessen wäre.
Auch „too“ und „very“ werden im Namlish frei ausgetauscht. „Too fat“ kann deshalb „sehr dick“ und nicht „zu dick“ bedeuten. „Even me“ entspricht ungefähr „me too“ oder „me neither“, ist aber grammatisch nicht korrekt. „... and what what“ bedeutet „und so weiter“. „The time is going“ oder „The time is running“ heißt, dass die Zeit knapp wird; im Standardenglischen lautet der Ausdruck „Time is running out“.
Aussprache und weitere Besonderheiten
Die Aussprache wird stark von den jeweiligen Muttersprachen beeinflusst. „Clothes“ und „kissed“ werden häufig zweisilbig gesprochen, obwohl sie im britischen Englisch einsilbig sind. Sprecher von Oshiwambo vertauschen teilweise „L“ und „R“, unter anderem weil „R“ im Oshiwambo nicht vorkommt. Dadurch kann „My love for you flows stronger than the river Jordan“ ungefähr wie „My love for you frows stlonger than the liver Joldan“ klingen. Sprecher des Otjiherero setzen bei Wörtern mit anlautendem „D“ oft ein „N“ davor, sodass „dangerous“ zu „ndangerous“ wird. Nama- und Damara-Sprecher fügen bei vokalisch beginnenden englischen Wörtern teilweise Klicklaute ein. Im RuKwangali wird der „th“-Laut oft als „s“ gesprochen, und im Caprivistreifen kann „against“ zu „agenest“ werden. Afrikaanssprecher ersetzen am Wortanfang gelegentlich „H“ durch „J“, etwa in „Jelp“ statt „Help“.
Das „R“ wird im Namlish häufig sehr weich ausgesprochen, sodass „car“ ungefähr wie „ca“ klingt. Dadurch können „bird“ und „bed“ für ungewohnte Zuhörer gleich klingen. Außerdem werden die in bestimmten englischen Wörtern vorkommenden Ö-ähnlichen Laute von „u“ und „i“, etwa in „bird“, „burn“ und „turn“, teilweise eher wie ein „e“ ausgesprochen. Auch Englischlehrer aus Regionen mit wenig englischem Sprachgebrauch können solche Aussprachen und Formulierungen weitergeben.
Zur Betonung werden Wörter häufig wiederholt: „fine fine“ bedeutet sehr gut, „Hi, hi!“ eine besonders freudige Begrüßung. Auf „How are you?“ antworten Namlish-Sprecher oft mit „yes“ oder „yebo“, obwohl die englische Grußformel keine eigentliche Antwort verlangt. „Yebo“ stammt aus dem Zulu und bedeutet ein starkes Ja.
Weitere Besonderheiten betreffen Singular und Plural. „She is having black hairs“ verwendet fälschlich einen Plural, ebenso „Musics“ für Musikstücke oder Musikrichtungen und „Broetchens“ als Plural von „Broetchen“. Über „money“ wird häufig mit dem Pluralpronomen „them“ statt mit dem Singular „it“ gesprochen. Für kleine Dinge wird oft die Silbe „ka“ vorangestellt, etwa „ka-thing“. „You have to“, „you must“, „you should“ und „you could“ werden praktisch in „you must“ zusammengefasst, was für Außenstehende befehlend oder unhöflich wirken kann. Das Wort „suffering“ wird auch für kleinere Probleme übermäßig verwendet. Bei Fleisch bezeichnet „meat“ meist Rind, Ziege und Wild; Hähnchen heißt gewöhnlich „chicken“, während Schweinefleisch und Lamm häufig ebenfalls einfach „meat“ genannt werden.
Bewertung, Bildung und Verbreitung
Die Bewertung des Namlish ist umstritten. Kritiker sehen seine Ausbreitung als Folge einer sinkenden Qualität des Bildungssystems und der überhasteten Umstellung von einem stark Afrikaans geprägten Bildungssystem auf Englisch. Eine Studie der Florida State University kam 1993 zu dem Ergebnis, dass etwa 60 % der namibischen Lehrer nur sehr schlechtes Englisch beherrschten. Im Jahr 2009 bezeichnete Tötemeyer die allgemein schlechten Englischkenntnisse als Hauptgrund für die hohe Zahl schlechter Schulabschlüsse; etwa zwei Drittel der namibischen Sechstklässler konnten nach dieser Angabe nicht lesen.
Die Tageszeitung The Namibian kritisierte 2008 die unzureichenden Englischkenntnisse vieler Lehrer und das Desinteresse vieler Eltern. Eine Untersuchung von 2011 ergab, dass 98 % der Lehrer nicht ausreichend Englisch beherrschten, um die Sprache nachhaltig zu unterrichten; 70 % verfügten laut dem Bericht nicht einmal über Grundkenntnisse. Jüngere Lehrer schnitten jedoch besser ab als ältere.
Befürworter betonen dagegen die Eigendynamik und ständige Weiterentwicklung des Namlish. Sie sehen darin eine Begleiterscheinung namibischer Identität: Namibia sei weder England noch Amerika. Andere Stimmen bezweifeln die sprachliche Eigenständigkeit. Gerson Sindano erklärte 2012, Namlish habe keine ausdrücklich festgelegte Rechtschreibung und Grammatik und sei daher nicht klar von allgemein schlechtem Englisch abzugrenzen. Aus dieser Sicht beruhen viele Beispiele vor allem auf grammatischen Fehlern und begrenztem Wortschatz.
Die Vernachlässigung der namibischen Sprachen wurde ebenfalls kritisiert. Die Bildungsministerin Becky Ndjoze-Ojo warnte bereits 2000 davor, diese zugunsten des Englischen aufzugeben; Sindano wies 2012 auf dasselbe Problem hin. 2013 kündigte die Zeitung New Era Ausgaben in indigenen Sprachen an, zunächst auf Oshiwambo. Dies sollte den Zugang zu Informationen verbessern und neben Englisch eine flächendeckende indigene Kommunikationssprache stärken.
Im August 2018 bestand das Online-Magazin Namlish.com. Zugezogene gewöhnen sich häufig teilweise an Namlish. Der Kwaito-Künstler Tate Buti veröffentlichte 2011 das Album „Kastoma Seves“, dessen Titel die namlische Aussprache von „Customer Service“ aufgreift.