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Nachrichten

Nachrichten. Berichterstattung über aktuelle Ereignisse und Geschehnisse von öffentlichem Interesse in Print-, Digital- oder Rundfunkmedien. Artikel …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff, Bedeutung und journalistische Grundsätze
  2. 2. Arten, Herstellung und Qualitätsmerkmale
  3. 3. Aufbau und Präsentation in Radio und Fernsehen
  4. 4. Historische Entwicklung und Nachrichtensender
  5. 5. Recht und nationale Besonderheiten
  6. 6. Nutzung und Vertrauen

Begriff, Bedeutung und journalistische Grundsätze

Nachrichten sind die regelmäßige, komprimierte Berichterstattung über aktuelle politische, wirtschaftliche, soziale, kulturelle, sportliche und andere Ereignisse. Der Ausdruck bezeichnet häufig zugleich eine Nachrichtensendung mit mehreren einzelnen Meldungen. Nachrichten sind für die Urteils- und Meinungsbildung wichtig und erfüllen das menschliche Informationsbedürfnis.

Weil niemand die Vielzahl und Komplexität aller täglichen Ereignisse vollständig erfassen kann, wählen Redaktionen besonders wichtige Geschehnisse für die mediale Verbreitung aus. In Deutschland sollen Nachrichten in Hörfunk und Fernsehen dem Pressekodex und damit den Grundsätzen Wahrheit, Aktualität, Objektivität, Ausgewogenheit, Diskriminierungsverbot und Verständlichkeit entsprechen. Sie sollen interessant, präzise, aktuell und effizient informieren. Ihr Inhalt muss einen Neuigkeitswert und einen möglichst aktuellen Zeitbezug besitzen.

Viele Meldungen beruhen auf zitierfähigen Depeschentexten von Nachrichtenagenturen. Zur Kontrolle sollen Angaben durch mindestens zwei unabhängige Quellen abgesichert werden. Fehlmeldungen sind deshalb relativ selten. Da zahlreiche Sendungen dieselben Themen behandeln, können Rezipienten, also Hörer und Zuschauer, Fehler zudem leicht durch Vergleiche erkennen.

Arten, Herstellung und Qualitätsmerkmale

Nachrichten lassen sich unterschiedlich einteilen:

• nach dem Zeitpunkt in Morgen-, Mittag-, Abend- und Spätnachrichten; • nach dem Umfang in Haupt- und Kurznachrichten; • nach der Herkunft in Welt- und Regionalnachrichten; • nach dem Inhalt beispielsweise in politische, Wirtschafts- und Sportnachrichten.

Sonder- oder Eilmeldungen („breaking news“) besitzen eine so hohe Priorität, dass die nächste reguläre Nachrichtensendung nicht abgewartet wird. Im Radio wird dafür das Programm unterbrochen. Im Fernsehen kann stattdessen eine Laufschrift in die laufende Sendung eingeblendet werden.

Die Nachrichtenforschung unterscheidet Nachrichtenproduktion, Nachrichteninhalt und Nachrichtenrezeption. Die Produktion beginnt mit der Sammlung von Informationen, vor allem durch Nachrichtenagenturen, Eigenberichterstattung und Korrespondenten an wichtigen Orten. Mobile, satellitengestützte Berichterstattung kann Nähe und Authentizität erhöhen. Anschließend entscheidet die Redaktion, welche Meldungen relevant sind.

Zum Nachrichteninhalt gehören die Reihenfolge und der vorgelesene Text. Nach dem Prinzip der umgekehrten Pyramide stehen die wichtigsten Informationen am Anfang, weniger wichtige folgen danach. Dieses Prinzip gilt auch innerhalb einer Meldung: Auf eine prägnante Überschrift folgen ein knapper Einstiegssatz und die Kerninformationen. Als Qualitätskriterien werden Vielfalt, Relevanz, Professionalität und Rechtmäßigkeit diskutiert.

Die Rezeptionsforschung untersucht, wie Nachrichten beim Publikum angenommen werden. Dabei spielen die begrenzte Wahrnehmungsfähigkeit und Lernmotivation der Empfänger eine Rolle. Zentral sind die Aktualität und ein regelmäßiger Ausstrahlungsrhythmus. Zu den tagesaktuellen Informationsgenres zählen nur Sendungen, die mindestens fünfmal pro Woche erscheinen und überwiegend über öffentliche Themen mit aktuellem Bezug berichten.

Allgemeine Nachrichten behandeln das Wichtigste aus Politik, Wirtschaft, Gesundheit, Forschung, Kultur und Sport. Spezielle Formate beschränken sich etwa auf Wirtschafts- oder Sportnachrichten. Boulevard-Nachrichten orientieren sich stark am Gesprächswert und an menschlichen Interessen („Human Interests“). Medienrechtlich ist „Nachrichtenprogramm“ ungenau, weil ein Programm die Gesamtheit aller aufeinanderfolgenden Sendungen bezeichnet.

Aufbau und Präsentation in Radio und Fernsehen

Das Nachrichtenformat ist das Schema, nach dem eine Sendung aufgebaut wird. Dazu gehören ihre Dramaturgie, die Reihenfolge der Meldungen und die Auswahl des „Aufmachers“, also der ersten und hervorgehobenen Nachricht. Im Fernsehen werden Texte meist mit einem Teleprompter verlesen. Der Nachrichtensprecher verbindet Meldungen, Filmbeiträge und Grafiken. Er kann als Moderator eigene Texte vorstellen oder als reiner Sprecher die von der Redaktion erstellten Texte verlesen.

Die Tagesschau verwendet einen Sprecher, der die Texte nicht selbst verfasst. Dies unterstützt eine sachliche, beinahe amtliche Darstellung harter Fakten im Qualitätsjournalismus. Bei Heute im ZDF werden die Nachrichten moderiert. Private Fernsehsender tendieren zum „Happy Talk-Format“, einer stärker unterhaltenden Verbindung von Information und Unterhaltung („Infotainment“).

Konventionelle Hörfunknachrichten sind monologisch: Ein Sprecher liest die Meldungen vor. Häufig folgen Wetter und Verkehr, obwohl beide genau genommen nicht zu den Nachrichten gehören. Schlagzeilen können am Anfang stehen; am Ende ist eine kurze Wiederholung möglich. Seit Anfang der 1990er Jahre verwenden moderne Radioformate verstärkt O-Töne aus Interviews und kurze Korrespondentenberichte. Dadurch werden sie dialogisch.

Fernsehnachrichten verbinden Meldungen meist mit kurzen Bild- und Tonbeiträgen. Sie gelten wegen ihrer Visualisierung als schnell zugänglich, erlebnisreich und authentisch. Hauptnachrichten können durch den „Audience Flow“ auch nachfolgenden Sendungen Zuschauer sichern, wenn diese weder umschalten noch abschalten.

Ein Anchorman beziehungsweise eine Anchorwoman führt als Moderator oder Redakteur durch eine Fernsehnachrichtensendung und bezieht Berichte und Interviews ein. Ein reiner Nachrichtensprecher soll dagegen nur redaktionell bearbeitete Meldungen neutral, unpersönlich und unauffällig verlesen und sie nicht durch Betonung, Mimik oder Gestik bewerten.

Historische Entwicklung und Nachrichtensender

Die erste Nachrichtensendung wurde am 31. August 1920 von der US-Station 8MK, dem Vorläufer von WWJ in Detroit, ausgestrahlt und berichtete über die US-Präsidentschaftswahlen. Im britischen Rundfunk begann die BBC am 14. November 1922 mit Nachrichten, die zunächst von Agenturen stammten. Ab 1. Januar 1927 durfte sie eigene Nachrichten produzieren. Ihre Nachrichtensendungen aus eigens eingerichteten Studios begannen am 19. Dezember 1932; am 13. Juli 1940 nannten die Sprecher erstmals ihre Namen.

In Deutschland sendete die Radio-Stunde AG ab dem 29. Oktober 1923 einen täglichen „Pressedienst“. Seit dem 23. Dezember 1923 hieß dieser „Meldungen“ und wurde morgens, mittags und abends ausgestrahlt. Während des Nationalsozialismus musste sich der Rundfunk den Weisungen der Regierung unterordnen. Im Krieg unterbrachen propagandistische, von der Wehrmacht verfasste Sondermeldungen das Programm. In der Nachkriegszeit wurde die erstmals am 26. Dezember 1952 ausgestrahlte ARD-Tagesschau zum Vorbild. Gemessen an den Marktanteilen folgen heute RTL aktuell und Heute des ZDF.

Im US-Fernsehen gab es 1946 bei CBS und NBC zwei regelmäßig, aber nicht täglich ausgestrahlte Abendnachrichten. „CBS-TV News“ erschien ab August 1948 täglich und dauerte 15 Minuten. Vorläufer der Fernsehnachrichten waren Wochenschauen, die Kinos vor dem Hauptfilm zeigten.

CNN wurde am 1. Juni 1980 gegründet und war der erste landesweite Nachrichtensender. Ein Nachrichtensender ist ein Spartenprogramm, das überwiegend oder ausschließlich Nachrichten verbreitet. CNN erweiterte die knappe Meldungsform um ausführliche Berichte und Liveschaltungen zu Ereignisorten und baute dafür ein internationales Korrespondenten- und Studionetz auf. Später übernahmen auch Vollprogramme Liveschaltungen. Vollprogramme bieten unterschiedliche Sendungsarten; in Deutschland müssen sie Nachrichtensendungen enthalten.

Recht und nationale Besonderheiten

In Deutschland gehören Nachrichten zur verfassungsrechtlich gesicherten „Grundversorgung“ und nach § 2 Abs. 2 Nr. 15 Rundfunkstaatsvertrag (RStV) zu den Informationen. Filmmaterial anderer Sender durfte für nachrichtenmäßige Kurzberichterstattung unentgeltlich übernommen werden (§ 5 Abs. 4 RStV). Regelmäßige Nachrichtenpräsentatoren durften nicht in Fernseh- oder Radiowerbung sowie Teleshopping auftreten (§ 7 Abs. 8 RStV). Nachrichtensendungen enthielten keine Werbung, da sie nicht mindestens 30 Minuten dauerten (§ 7a Abs. 3 RStV); Sponsoring war untersagt (§ 8 Abs. 6 RStV).

Nachrichten müssen mit der gebotenen Sorgfalt auf Wahrheit und Herkunft geprüft werden. Kommentare sind deutlich von Berichten zu trennen, als Kommentare zu kennzeichnen und ihren Verfassern zuzuordnen (§ 10 Abs. 1 RStV). Berichterstattung und Informationssendungen müssen anerkannten journalistischen Grundsätzen entsprechen sowie unabhängig und sachlich sein. 2001 entschied der Bundesgerichtshof, dass zwischen den Namen „Tagesreport“ von Sat.1 und „Tagesbild“ von ProSieben einerseits sowie Tagesschau und Tagesthemen andererseits keine Verwechslungsgefahr bestehe.

In der Schweiz durften die SRG und regionale Radiosender von 1931 bis 1971 Nachrichten nur von der Schweizerischen Depeschenagentur beziehen. Die SRG sendete bis zum Zweiten Weltkrieg täglich zwei, ab 1939 vier Nachrichtenbulletins. Deutschsprachige Radio- und Fernsehnachrichten verwenden Standarddeutsch in seiner schweizerischen Ausprägung.

In Österreich senden unter anderem der ORF mit „Zeit im Bild“, ATV mit „ATV Aktuell“ und die ProSiebenSat.1PULS4-Gruppe mit „4NEWS“ werktägliche Fernsehnachrichten. Der ORF soll nach § 10 Abs. 4 des Bundesgesetzes über den österreichischen Rundfunk umfassend zur freien individuellen und öffentlichen Meinungsbildung im Dienste des mündigen Bürgers beitragen.

Nutzung und Vertrauen

Das allgemeine Vertrauen in Nachrichten aller Medien sank zwischen 2013 und 2022 in Deutschland von 60 auf 50 Prozent, in der Schweiz von 50 auf 46 Prozent und in Österreich von 48 auf 41 Prozent. Im Jahr 2022 hielten 41 Prozent der Befragten in Deutschland, 37 Prozent in der Schweiz und 23 Prozent in Österreich die Medien für frei von unzulässiger politischer Einflussnahme.

Auch die Nutzung von Fernsehnachrichten innerhalb einer Woche nahm von 2013 bis 2023 ab: in Deutschland von 82 auf 59 Prozent, in der Schweiz von 69 auf 51 Prozent und in Österreich von 78 auf 59 Prozent. In Deutschland sank die wöchentliche Nutzung von Hörfunknachrichten zwischen 2013 und 2022 von 51 auf 39 Prozent.

Eine deutsche Studie für den Zeitraum 1992 bis 2007 stellte fest, dass die Visualisierung und die bildliche Darstellung von Emotionen wichtiger wurden. Das galt für öffentlich-rechtliche und private Anbieter, stärker jedoch für private Sender, die ausführlicher über unpolitische Ereignisse berichteten. Bei ARD und ZDF dominierte 2008 die Politikberichterstattung; bei RTL und Sat.1 war ihr Anteil deutlich geringer.

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