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NS-Dokumentationszentrum München

Das NS-Dokumentationszentrum dient der Auseinandersetzung mit der Geschichte und den Folgen des NS-Regimes und der zukunftsorientierten, historisch-politischen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Aufgabe und Bedeutung
  2. 2. Entstehung des Zentrums
  3. 3. Namens- und Konzeptdebatten
  4. 4. Pädagogisches Konzept und Ausstellung
  5. 5. Gebäude und Kunst am Bau
  6. 6. Außenstelle Neuaubing

Aufgabe und Bedeutung

Das NS-Dokumentationszentrum München – Lern- und Erinnerungsort zur Geschichte des Nationalsozialismus ist eine Einrichtung der Landeshauptstadt München gemeinsam mit dem Freistaat Bayern und der Bundesrepublik Deutschland. Es befindet sich an der Brienner Straße im Kunstareal München, am Standort des ehemaligen „Braunen Hauses“, der Parteizentrale der NSDAP. Seit der Benennung des Platzes vor dem Zentrum am 6. Februar 2018 lautet die Adresse Max-Mannheimer-Platz 1. Max Mannheimer war Holocaust-Überlebender, Zeitzeuge und ein wichtiger Unterstützer des Baus.

Das Zentrum dient der Auseinandersetzung mit der Geschichte und den Folgen des NS-Regimes sowie der historisch-politischen Bildungsarbeit. Ein Schwerpunkt ist die Rolle Münchens als „Hauptstadt der Bewegung“: In München wurde die NSDAP gegründet, hier versuchte sie 1923 mit dem Hitler-Ludendorff-Putsch erstmals an die Macht zu gelangen, und bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war die Stadt Sitz der Parteiführung und ihrer Verwaltung. Das Bildungsprogramm richtet sich ausdrücklich auch an Schulklassen aller Altersstufen.

Eröffnet wurde das Zentrum am 30. April 2015, dem 70. Jahrestag der Befreiung Münchens. Es versteht sich als zentraler Erinnerungs- und Lernort an einem historisch-authentischen Ort. Damit ist gemeint, dass Lernen und Erinnern dort stattfinden, wo wichtige Gebäude und Machtzentren der NS-Diktatur lagen.

Entstehung des Zentrums

Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten nach der Kontrollratsdirektive Nr. 30 „deutsche Denkmäler und Museen militärischen und nationalsozialistischen Charakters“ beseitigt werden. Die amerikanische Militärregierung ließ nationalsozialistische Symbole wie Reichsadler und Hakenkreuze entfernen. Erhaltene NS-Gebäude wie der Führerbau wurden umgenutzt, die beiden Ehrentempel am Königsplatz wurden 1947 gesprengt. In der amerikanischen Besatzungszone gab es im Zusammenhang mit Entnazifizierung und Reeducation Überlegungen, in München eine Bildungsstätte zur Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus einzurichten. Wegen der veränderten Interessen im Kalten Krieg verschob sich die US-Kulturpolitik jedoch; 1948 wurde in München das Amerikahaus eröffnet.

Ein neuer Anlauf begann 1988 mit einem Initiativkreis engagierter Bürgerinnen und Bürger. Winfried Nerdinger, später Gründungsdirektor, war daran maßgeblich beteiligt. 1989 regte der Münchner Stadtrat ein „Haus der Zeitgeschichte“ an. Schon damals war das Grundstück des ehemaligen „Braunen Hauses“ im Blick, doch das Vorhaben wurde zunächst nicht verwirklicht. Anfang der 1990er Jahre verstärkte die Stadt München ihre Erinnerungsarbeit durch Ausstellungen, Veranstaltungen und die Förderung bürgerschaftlicher Initiativen.

2001 beschloss die Landeshauptstadt München grundsätzlich, ein NS-Dokumentationszentrum aufzubauen. Sechs Monate später schloss sich der Freistaat Bayern an. Es folgten vier Symposien mit Bürgerbeteiligung. 2003 stellte der Stadtrat umfangreiche Mittel bereit. Im selben Jahr entstand im Münchner Stadtmuseum eine eigene Abteilung zu stadtgeschichtlichen Aspekten; 2008 wurde dort die Dauerausstellung „Nationalsozialismus in München – Chiffren der Erinnerung“ eröffnet. Ende 2005 stellte der Freistaat Bayern das Grundstück des „Braunen Hauses“ kostenlos zur Verfügung. 2008 wurde der Architekturwettbewerb ausgelobt. 2009 besiegelten Bund, Freistaat Bayern und Stadt München ihre Zusammenarbeit vertraglich und vereinbarten, die Baukosten von 28,2 Millionen Euro zu gleichen Teilen zu tragen; Mehrkosten sollte die Stadt übernehmen. 2011 begannen die Bauarbeiten, die Grundsteinlegung erfolgte am 9. März 2012.

Namens- und Konzeptdebatten

Die Namensfindung war umstritten. In der entscheidenden Stadtratssitzung im März 2011 kritisierten das städtische Kulturreferat und die SPD das Kürzel „NS“, weil es für „nationalsozialistisch“ steht und als Begriff der „Tätersprache“ der Nationalsozialisten verstanden wurde. Außerdem sei das Kürzel im Ausland nicht allgemein verständlich. Kulturreferent Hans-Georg Küppers wollte vermeiden, dass das Zentrum im Ausland als „nationalsozialistisches Zentrum“ missverstanden werde. Ähnlich argumentierten die damalige Gründungsdirektorin Irmtrud Wojak, ihr wissenschaftliches Team, Oberbürgermeister Christian Ude und Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde.

Andere Parteien im Stadtrat widersprachen. Sie betonten, dass sich das Kürzel „NS“ in der Alltagssprache etabliert habe und klar benenne, worum es gehe. CSU, Grüne, FDP, Linke und Bayernpartei überstimmten schließlich SPD und Christian Ude. Seitdem heißt die Einrichtung „NS-Dokumentationszentrum München – Lern- und Erinnerungsort zur Geschichte des Nationalsozialismus“. Irmtrud Wojak kritisierte die Entscheidung anschließend öffentlich sehr scharf.

Auch die Konzeption führte zu Konflikten. Ende Oktober 2011 entließ Kulturreferent Hans-Georg Küppers die Gründungsdirektorin Irmtrud Wojak, nachdem ihr Grobkonzept in den Gremien abgelehnt worden war. Ein vierköpfiges Historiker-Gremium aus Hans Günter Hockerts, Marita Krauss, Peter Longerich und Winfried Nerdinger erarbeitete bis Anfang 2012 ein neues Konzept, das von den Gremien und dem Münchner Stadtrat unterstützt wurde. Angelika Baumann übernahm vorübergehend organisatorische Leitungsaufgaben. 2012 wurde Winfried Nerdinger als Gründungsdirektor bestimmt und leitete das Zentrum ab Oktober 2012. Im Frühjahr 2013 wurde das Gestaltungsbüro für die Ausstellungsentwicklung entlassen, wodurch sich die Eröffnung von November 2014 auf Frühjahr 2015 verschob. Das endgültige Ausstellungskonzept wurde von Kochbüro aus Nürnberg erarbeitet. Am 2. Mai 2018 übernahm die Historikerin Mirjam Zadoff die Leitung.

Pädagogisches Konzept und Ausstellung

Das Zentrum richtet sich an die Münchner Bevölkerung ab dem Schulalter, an Besucherinnen und Besucher aus der Region sowie an überregionale und internationale Gäste. Gebäude und Ausstellung sind für 250.000 bis 300.000 Besucher im Jahr ausgelegt; Schulklassen sollen einen großen Anteil daran haben. Das Konzept verbindet den Standort der ehemaligen Parteizentrale mit dem Umfeld am Königsplatz, in dem erhaltene und zerstörte Repräsentations- und Funktionsbauten der NS-Diktatur lagen, darunter Braunes Haus, Führerbau und Ehrentempel.

Zwei Leitfragen prägen die Ausstellung: „Warum München?“ und „Was hat das heute mit mir zu tun?“ Die Dauerausstellung ist in 34 Hauptpunkte gegliedert und für einen Erstbesuch von etwa 90 Minuten angelegt. Zu jeweils einem großformatig präsentierten Aspekt gibt es mehrere Vertiefungsmöglichkeiten. Die Themen reichen von historischen Ereignissen über die Entstehung der Erinnerungskultur nach 1945 bis zu Kontinuitäten rassistischer und anderer Elemente der nationalsozialistischen Terrorherrschaft in die Gegenwart. Besonders wichtig sind örtliche und biografische Bezüge zu den Besucherinnen und Besuchern.

Im 1. Untergeschoss liegt das Lernforum. Dort können Besucher die Ausstellung selbstständig vertiefen. Zur Verfügung stehen eine Handbibliothek mit fast 3000 Büchern, vier Medientische und 24 Recherchestationen. An den Recherchestationen lassen sich unterschiedliche Themen bearbeiten, zum Beispiel der Münchner Stadtraum mit Wohnorten von über 15.000 Opfern und Verfolgten, ein Lexikon mit über 1000 Artikeln oder Themen wie der Aufstieg Hitlers im Netzwerk der NSDAP. Die interaktiven Exponate wurden in einem Forschungsprojekt mit der Technischen Universität München entwickelt. Seit 2011 ergänzt ein Veranstaltungs- und Bildungsprogramm in Zusammenarbeit mit der Münchner Volkshochschule die Ausstellung; seit 2012 legt eine Veranstaltungsreihe besonderen Wert auf die Beteiligung Jugendlicher.

Gebäude und Kunst am Bau

Den Architekturwettbewerb gewann 2009 das Berliner Architekturbüro Georg Scheel Wetzel. Das Gebäude ist ein oberirdischer Würfel mit einer Kantenlänge von 22,5 m, sechs Geschossen und zwei doppelt so großen Untergeschossen. Außen und innen prägt spezieller weißer Sichtbeton das Erscheinungsbild. Die Fassade ist durch Felder aus Lamellenschlitzen gegliedert, die meist über zwei Stockwerke reichen und Sichtbeziehungen zur historischen Umgebung herstellen.

Das Erdgeschoss dient als Foyer. In vier Obergeschossen befindet sich die Ausstellung, darüber liegen Büros und Tagungsräume. Der Rundgang beginnt im 4. Obergeschoss, das die Besucher mit dem Aufzug erreichen; anschließend gehen sie über Treppen nach unten durch die Ausstellung. Im 1. Obergeschoss gibt es Raum für Wechselausstellungen. In den Untergeschossen befinden sich unter anderem ein Veranstaltungssaal für 200 Besucher, Veranstaltungsräume, Vertiefungsräume, die Handbibliothek, Lager, Werkstätten und Haustechnik.

Zum Zentrum gehört auch Kunst am Bau. 2012 gewann ein Entwurf von Benjamin Heisenberg, Emanuel Heisenberg und Elisophie Eulenburg den Wettbewerb; er wurde im April 2015 fertiggestellt. Die Arbeit besteht aus filmischen Text-Bild-Kollagen zu Schlüsseldokumenten aus der NS-Zeit. Die Filme werden auf Monitoren im Außenraum rund um das Zentrum gezeigt. Die Textpassagen stammen aus Originaldokumenten von Tätern und Opfern und beziehen sich teilweise auf den Ort des ehemaligen „Braunen Hauses“. Der Titel „Brienner 45“ verweist auf dessen Adresse. Beispiele für verwendete Texte sind der Jäger-Bericht und der Abschiedsbrief des 14-jährigen Chaijm, der im Zaun eines Konzentrationslagers gefunden wurde. Die Filme dauern 3–6 Minuten. Jedem Wort ist ein Bild zugeordnet, sodass Text und Bild parallel wahrgenommen werden können.

Außenstelle Neuaubing

Im November 2011 wurde beschlossen, das ehemalige Zwangsarbeiterlager Neuaubing dem NS-Dokumentationszentrum als Außenstelle zuzuordnen. Das Ausstellungskonzept wurde Anfang 2014 festgelegt. Das Gelände soll besonders für Schulklassen als „grünes Klassenzimmer“ aufbereitet werden.

Inhaltlich steht vor allem die Geschichte der Zwangsarbeiter aus der Ukraine im Mittelpunkt, die zwischen 1943 und April 1945 für die Deutsche Reichsbahn im Ausbesserungswerk München-Neuaubing arbeiten mussten. Originaldokumente, sieben Informationsstationen im Freigelände und eine erhaltene Baracke zeigen verschiedene Aspekte dieser Geschichte.

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