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Mutter Teresa
In der römisch-katholischen Kirche wird Mutter Teresa als Heilige verehrt und gilt als Sinnbild für Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe. Inzwischen sind aber …
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Person und Bedeutung
Mutter Teresa, mit bürgerlichem Namen Agnes bzw. Anjezë Gonxhe Bojaxhiu, wurde am 26. August 1910 in Üsküb im Osmanischen Reich geboren, dem heutigen Skopje in Nordmazedonien. Sie war eine indische römisch-katholische Ordensschwester und Missionarin albanischer Herkunft. Bekannt wurde sie durch die Hilfe für Arme, Obdachlose, Kranke und Sterbende in Kalkutta. Sie gründete den Orden der Missionarinnen der Nächstenliebe und erhielt 1979 den Friedensnobelpreis. In der katholischen Kirche wird sie als Heilige Teresa von Kalkutta verehrt; zugleich sind ihre Arbeit und ihre Person umstritten.
Ausbildung und Aufbau des Ordens
Agnes Gonxha Bojaxhiu wuchs mit ihrer Schwester Age und ihrem Bruder Lazër in einer wohlhabenden katholischen albanischen Familie auf. Nach dem überraschenden Tod ihres Vaters im Alter von acht Jahren widmete sie sich stärker dem Glauben. Mit zwölf Jahren entschied sie sich für ein Leben als Ordensfrau, mit 18 bat sie um Aufnahme bei den Loretoschwestern. Nach zwei Monaten im Mutterhaus in Irland wurde sie nach Bengalen gesandt.
Seit 1929 absolvierte sie ihr Noviziat, die Ausbildungszeit vor den Ordensgelübden, in Darjeeling. Bei der Einkleidung nahm sie nach der heiligen Therese von Lisieux den Namen Teresa an. Sie besuchte die Krankenschwesternschule von Patna und arbeitete nach ihrer Profess, dem feierlichen Ordensgelübde, siebzehn Jahre an der St. Mary’s School in Kalkutta: zunächst als Lehrerin, später als Schulleiterin.
Am 10. September 1946 erlebte sie nach eigener Tagebuchdarstellung eine mystische Berufung, den Ärmsten zu dienen. Sie durfte später exklaustriert werden: Sie konnte die Klausur verlassen, blieb aber Ordensfrau. 1947 nahm sie die indische Staatsbürgerschaft an und sprach Bengali. 1950 gründete sie die Missionarinnen der Nächstenliebe, die nach den evangelischen Räten leben. Der Orden betreut Sterbende, Waisen, Obdachlose und Kranke, besonders Menschen mit Lepra. Laut Artikel gehören ihm mehr als 3.000 Ordensschwestern und mehr als 500 Ordensbrüder in 710 Häusern in 133 Ländern an.
Glaube, Tod und kirchliche Verehrung
In ihrer Nobelpreisrede nannte Mutter Teresa die Abtreibung den „größte(n) Zerstörer des Friedens“. Für sie war nicht der Erfolg, sondern die Treue im Glauben wichtig. Veröffentlichten Tagebuchnotizen und Briefe zufolge befand sie sich jedoch über Jahrzehnte in einer Glaubenskrise und zweifelte an der Existenz Gottes. Diese Erfahrung wird auch als „dunkle Nacht der Seele“ bezeichnet.
Mutter Teresa besuchte ab August 1989 mehrfach Albanien, unter anderem die Gräber ihrer Mutter und Schwester, und gründete dort Wohltätigkeitsmissionen. Sie starb am 5. September 1997 in Kalkutta und wurde am 13. September mit einem Staatsbegräbnis im von ihr gegründeten Kloster beigesetzt.
Der Seligsprechungsprozess begann bereits im Juni 1999 mit einer besonderen Erlaubnis von Papst Johannes Paul II.; normalerweise wird ein Verfahren frühestens fünf Jahre nach dem Tod eröffnet. Die Seligsprechung erfolgte am 19. Oktober 2003. Als erstes Wunder erkannte die Kirche 2002 die Heilung einer Inderin von einem großen Magentumor an. Die Darstellung ist umstritten: Laut Serge Larivée seien behandelnde Ärzte davon ausgegangen, dass die Frau eine Unterleibszyste in Verbindung mit Tuberkulose hatte und erfolgreich medikamentös behandelt wurde. Ein zweites, kirchlich anerkanntes Wunder war die 2008 erfolgte Heilung eines Brasilianers von mehreren Hirntumoren. Papst Franziskus sprach sie am 4. September 2016 heilig. Ihr Gedenktag ist der 5. September; seit 2025 steht er als nichtgebotener Gedenktag im Römischen Generalkalender.
Kritik an Hilfe und Finanzierung
Kritiker beanstanden vor allem die Zustände in den Sterbehäusern sowie die Verbindung von Hilfe und Missionierung. Robin Fox und Dave Hunt zufolge lagen viele Patienten auf primitiven Feldbetten dicht beieinander; Ernährung, Hygiene, Heizung und medizinische Versorgung seien teils unzureichend gewesen. Gut ausgestattete gespendete Häuser seien auf Anordnung Mutter Teresas vereinfacht worden, etwa durch das Entsorgen neuwertiger Matratzen. Hunt kritisierte außerdem mangelnde Transparenz bei Medien und Spenden sowie Taufen Sterbender ohne deren Einverständnis.
Aroup Chatterjee bezweifelte die Effizienz der Hilfstätigkeit in Kalkutta. Er behauptete, leicht heilbare Menschen seien nicht immer in Krankenhäuser eingewiesen worden; nicht sterilisierte, mehrfach verwendete Spritzen könnten geschadet haben. Außerdem soll die Gabe von Schmerzmitteln untersagt worden sein. Mutter Teresa sah Leiden als mögliche besondere Nähe zu Jesus Christus an, nahm laut Serge Larivée aber selbst kurz vor ihrem Tod palliativmedizinische Methoden in Anspruch.
Eine Studie von Forschern der Universitäten Montreal und Ottawa aus dem Jahr 2013 kritisierte die geringe Transparenz der Spendeneinnahmen und bezweifelte das Bild der selbstlosen Retterin der Armen. Christopher Hitchens vertrat 1995 die These, Mutter Teresa habe vor allem ihren Glauben verbreiten wollen. Sie selbst sagte: „Taten der Nächstenliebe sind immer ein Mittel, um Gott näher zu kommen.“ Weitere Kritik richtet sich gegen Spenden aus zweifelhaften Quellen, etwa von Charles H. Keating, sowie gegen ihr öffentliches Eintreten 1995 in Irland gegen die Abschaffung des Scheidungsverbots.
Preise und öffentliche Ehrungen
Zu den wichtigsten Auszeichnungen zählen der Ramon-Magsaysay-Preis und Padma Shri (beide 1962), der Templeton-Preis (1973), der Balzan-Preis (1978), der Friedensnobelpreis und der Pacem in Terris Award (1979), Bharat Ratna (1980), die Freiheitsmedaille der USA (1985), die Ehrenbürgerschaft der Vereinigten Staaten (1996) sowie die Congressional Gold Medal (1997). Der 1976 entdeckte Asteroid (4390) Madreteresa wurde 1998 nach ihr benannt.
In Albanien ist der Tag ihrer Seligsprechung Nationalfeiertag. Der Flughafen Tirana wurde 2003 nach ihr benannt. In Skopje gibt es ein Denkmal und seit 2009 das Mutter-Teresa-Gedenkhaus. Kirchen, Pfarreien, Denkmäler und weitere Einrichtungen tragen ebenfalls ihren Namen.