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Musik Produktion Schwarzwald
Die Musik Produktion Schwarzwald (MPS) ist ein deutsches Plattenlabel aus Villingen im Schwarzwald, das vor allem wegen seiner Jazzproduktionen mit Musikern …
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Profil und Bedeutung
Die Musik Produktion Schwarzwald (MPS) ist ein deutsches Plattenlabel mit Sitz in Villingen im Schwarzwald. Es wurde 1968 gegründet und ist vor allem für Jazzproduktionen mit Musikern aus aller Welt bekannt. Neben Jazz veröffentlichte MPS auch Klassik, traditionelle Folklore und kirchliche Musik. Gründer war Hans Georg Brunner-Schwer, der als Produzent, Toningenieur und selbst als Pianist tätig war. Das Label verwendet den Labelcode 00979 und hat unter anderem die Sublabels Contact, Encore!, Panorama Sound und Top Five. Heute wird der MPS-Katalog von Edel vertrieben.
Kennzeichnend für MPS waren neben der hohen Aufnahmequalität die sorgfältige Gestaltung der Schallplattenhüllen sowie ausführliche Angaben zu Künstlern, Instrumentierung und Spieldauer. Das Label verband hochwertige Studioproduktionen mit Aufnahmen von bedeutenden Jazzfestivals und trug dadurch zur Verbreitung vielfältiger Jazzstile bei.
Entstehung und Entwicklung
MPS ging 1968 aus dem Schallplattenlabel des Rundfunkgeräteherstellers SABA hervor. Dieses Label war seit 1963 in Villingen von Hans Georg Brunner-Schwer betrieben worden. Gemeinsam mit Joachim-Ernst Berendt, Willi Fruth, Achim Hebgen und weiteren Mitarbeitern arbeitete Brunner-Schwer im hauseigenen Tonstudio. Einige Aufnahmen entstanden in privater Atmosphäre im Wohnzimmer der Villa des Labelgründers.
MPS veröffentlichte eigene Produktionen aus dem MPS-Studio, aber auch Mitschnitte verschiedener Jazzfestivals, darunter die Berliner Jazztage, die Donaueschinger Musiktage und das New Jazz Meeting Baden-Baden. Außerdem nahm das Label vereinzelt Aufnahmen US-amerikanischer Jazzlabels in Lizenz in sein Programm auf.
Im September 2018 wurde in Villingen mit mehreren Veranstaltungen das 50-jährige Bestehen von MPS gefeiert. Dazu gehörten Konzerte mit Rolf und Joachim Kühn, Rob Mazurek und seiner Band Immortal Birds Bright Wings sowie ein Auftritt des britischen DJs Funki Porcini. Nach Konflikten zwischen dem Studio-Eigentümer und Gebäudebesitzer Berhold Käfer, dem Sohn von Mathias Brunner-Schwer, und dem Förderverein MPS-Studio übernahm Ende 2022 der neu gegründete Verein MPS-Studio e. V. das Studio.
Das MPS-Studio
Die Geschichte des Studios reicht bis 1923 zurück. Damals richtete Werkseigner Hermann Schwer auf dem SABA-Gelände ein erstes Tonstudio ein, das dem damaligen Stand der Technik entsprochen haben soll. Später zog es in ein externes Gebäude in der Richthofenstraße 1 um. Ab 1958 entstanden dort unter der Aufsicht von Hans Georg Brunner-Schwer Aufnahmen, die später auf dem Label Saba-Schallplatten erschienen.
Brunner-Schwer beschäftigte sich früh mit der stereofonen Aufnahme- und Wiedergabetechnik. Besonders wichtig war ihm die räumliche Darstellung des Klaviers innerhalb eines Ensembles. Seine Idee, Mikrofone im Innern des Instruments zu platzieren, sollte dem Hörer ein ähnliches Klangerlebnis vermitteln wie dem Pianisten selbst. Diese Technik trug zum charakteristischen Klang des Studios bei.
Das knapp 100 m² große Studio wurde im Laufe der Jahre mehrfach aus- und umgebaut. Es verfügte unter anderem über Technik von Siemens und Telefunken, Neumann-Mikrofone sowie Tonbandgeräte von Ampex und Telefunken. Zuletzt wurde in Eigenarbeit ein Mischpult in SITRAL-Kassettentechnik (Silizium-Transistor-Planar) mit 24 Kanälen gebaut. Damit soll künftig wieder in analoger Qualität gearbeitet werden können.
2011 wurde das Aufnahmestudio wegen seiner Originalität und Integrität, des besonderen Seltenheitswerts einiger Ausstattungsstücke und seines dokumentarischen Wertes zum Kulturdenkmal erklärt. Im Frühjahr 2019 nahm Julia Kadel als erste Musikerin seit beinahe 40 Jahren im Originalstudio wieder ein Album für MPS Records auf. Seit September 2022 wird das denkmalgeschützte Studio unter neuer Führung für Archivarbeit, Führungen und Studioaufnahmen genutzt.
Musikstile und Repertoire
Das Jazzprogramm von MPS war stilistisch sehr breit. Es reichte von Dixieland und Swing über Jazz Rock bis zum Free Jazz. Zu den veröffentlichten oder häufig präsentierten Interpreten gehörten unter anderem Oscar Peterson, Hans Koller, Horst Jankowski, George Duke, Erwin Lehn, Volker Kriegel, Albert Mangelsdorff, die Singers Unlimited, Wolfgang Dauner, die Kenny Clarke/Francy Boland Big Band, Jean-Luc Ponty, Lee Konitz, Charlie Mariano, Alphonse Mouzon, Monty Alexander und Dave Pike.
Die von Joachim Ernst Berendt ins Leben gerufene Reihe „Jazz meets the World“ verband Jazzmusiker wie Tony Scott, Barney Wilen oder George Gruntz mit Musikern aus Bali, Indien und Tunesien. Damit stand die Reihe für eine Verbindung von Jazz und außereuropäischen Musiktraditionen, die später als World Jazz bezeichnet wurde. Genreübergreifende Projekte mit dem österreichischen Pianisten Friedrich Gulda verbanden Jazz und Klassik.
Brunner-Schwer widmete sich außerdem regionaler traditioneller Folklore und der Klassik. Unter seiner Leitung entstanden beispielsweise Aufnahmen der Nürnberger Symphoniker mit Werken von Max Reger. Mit Musikern des Orchesters und Chors des Südwestfunks wurden Werke Alter Musik auf traditionellen Instrumenten sowie Beethovens Bonner Lieder mit Max van Egmond und Wilhelm Krumbach eingespielt.
Ein weiterer Schwerpunkt war kirchliche Musik. Mit der Birnauer Kantorei entstanden unter anderem in der Klosterkirche Birnau Aufnahmen von Werken Haydns, Bachs und F. X. Richters. Die Organisten Konrad Philipp Schuba und Kurt Rapf wirkten an umfangreichen Aufnahmen in Kirchen und an Orgeln in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA mit.
2015 reaktivierte Christian Kellersmann MPS als Jazzlabel für Edel:Kultur. Nach mehr als 30 Jahren erschienen dadurch wieder neue Aufnahmen, unter anderem von KhaliféSchumacherTristano, Rolf Kühn, Hamilton de Holanda, Lisa Bassenge, Malakoff Kowalski, Malia, Barbara Dennerlein, China Moses und Erik Leuthäuser.
Vertrieb, Prestige und Katalog
Seit der Gründung 1968 vermarktete MPS seine Veröffentlichungen im Eigenvertrieb. Die Deutsche Grammophon Gesellschaft (DGG) war dabei Partner und für die Herstellung der Schallplatten verantwortlich. Ab 1971 übernahm die Ludwigshafener BASF mit ihrem Tonträgerzweig den Vertrieb. Dadurch konnte MPS seine Produkte erstmals auch in Übersee anbieten. Nach der Schließung der defizitären BASF-Tonträgerabteilung wurde MPS ab April 1976 von der Metronome Musik GmbH Hamburg als Sublabel vermarktet; zum Vertriebsweg gehörte Phonogram, später PolyGram.
Bereits 1967 hatte Brunner-Schwer ein Vertriebsabkommen mit dem US-amerikanischen Jazzlabel Prestige Records geschlossen. Die 1949 von Bob Weinstock gegründete Firma konnte ihre Produkte damit erstmals in Deutschland und Österreich anbieten. Im Februar und März 1967 erschien zunächst eine Serie von 40 Schallplatten früher Prestige-Aufnahmen, darunter Einspielungen von Thelonious Monk, Miles Davis, Sonny Rollins und John Coltrane. Die Veröffentlichungen trugen zuerst die Bezeichnung SABA/Prestige und ab 1968 MPS/Prestige. Im Gegenzug konnten einige MPS-Produktionen über Prestige in den USA angeboten werden. Die Zusammenarbeit endete im Laufe des Jahres 1969.
1983 verkaufte Brunner-Schwer MPS an den PolyGram-Konzern, der das Label der Polydor angliederte. Ab 1994 veröffentlichte Motor Music einzelne Aufnahmen auf CD; 1999 übernahm Universal Jazz im UMG-Vertrieb das MPS-Programm. 2000 legte Speakers Corner Records einzelne MPS-Alben in Lizenz mit Originalcovern als Schallplatten neu auf. Im Januar 2014 erwarb die Edel AG den MPS-Katalog und machte große Teile davon digital verfügbar, unter anderem über Spotify, Amazon, Deezer und iTunes.
Im Sommer 2021 veröffentlichte das britische unabhängige Jazzlabel Wallen Bink das Set „Black Forest 45s“ mit zehn Singles aus Saba- und MPS-Aufnahmen. Enthalten waren unter anderem Aufnahmen von Wolfgang Dauner, George Duke, Nathan Davis und Roland Kovac. Die Singles wurden in den Londoner Abbey Road Studios von Sean Magee gemastert und in Diepholz von der Schallplattenfabrik Pallas hergestellt.
Dokumentation und Literatur
Die Geschichte des Labels wurde unter anderem in den Dokumentarfilmen „MPS – Jazzin' the Black Forest“ von 2006 und „MPS – Die Legende lebt“ von 2023 dargestellt. Der erste Film entstand als deutsch-schweizerische Produktion, dauert 91 Minuten und wurde von Elke Baur realisiert. Der zweite Film ist eine deutsche Produktion mit einer Laufzeit von 75 Minuten; Buch und Regie stammen von Sascha Schmidt.
Als Literatur zum Thema nennt der Artikel Klaus-Gotthard Fischers „Jazzin’ the black forest, the complete guide to SABA/MPS-Jazz records. SABA/MPS – Geschichte eines Jazzlabels“ von 1999, Christian Kellersmanns „Schnittchen, Wein und Jazz-Legenden im Wohnzimmer“ sowie Jürgen Wölfers „Jazz in Deutschland. Das Lexikon“ von 2008.