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Music for 18 Musicians
Music for 18 Musicians (auch verkürzt 18!) ist eine modular notierte Komposition für 18 Musiker des US-amerikanischen Komponisten Steve Reich, …
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Kernidee und Bedeutung
Music for 18 Musicians, auch verkürzt 18!, ist eine modular notierte Komposition für 18 Musiker des US-amerikanischen Komponisten Steve Reich. Reich schrieb sie zwischen Mai 1974 und März 1976. Die Weltpremiere fand am 24. April 1976 in der Town Hall in New York City statt; die europäische Premiere folgte im Oktober 1976 beim Metamusik Festival in Berlin. Die Aufführung dauert ungefähr eine Stunde, die Ersteinspielung bei ECM Records erschien 1978 und dauert 56:30 bzw. 56:31.
Das Werk gilt als eines der Hauptwerke der Minimal Music, genauer auch als postminimalistische Musik. Minimal Music arbeitet mit Wiederholung, gleichmäßigen Pulsen und langsamen Veränderungen. Bei Reich entsteht der minimalistische Eindruck besonders durch eine Verlangsamung des harmonischen Rhythmus, also durch langsame Veränderungen der Akkorde. Gleichzeitig wollte Reich selbst seine Musik nicht fest kategorisieren. In der Rezeption wird das Stück auch der Neuen Musik, Avantgarde oder zeitgenössischen Musik zugeordnet.
Wichtig ist Music for 18 Musicians, weil Reich hier erstmals für ein größeres Ensemble schrieb und seine Technik des Phasing differenziert auf viele Instrumente übertrug. Phasing bedeutet, dass ähnliche musikalische Muster gegeneinander verschoben werden, sodass neue rhythmische und klangliche Strukturen entstehen. Das Werk wurde als besonders einflussreich für die neue Musikszene beschrieben und gilt heute als eine häufig aufgeführte Komposition des 20. Jahrhunderts.
Aufbau des Werks
Die Komposition ist übergangslos angelegt und kann deshalb als einsätziges Werk verstanden werden. Sie hat aber eine klare modulare Form: eine kurze Einleitung, die Pulse genannt wird, einen langen Hauptteil mit mehreren Sektionen und am Ende wieder einen Pulse-Teil als Ausklang. Dadurch entsteht ein spiegelbildlicher Rahmen und der Eindruck einer kreisförmigen Bewegung.
Die Module lauten: Pulse (Intro), Section I, Section II, Section IIIA, Section IIIB, Section IV, Section V, Section VI, Section VII, Section VIII, Section IX, Section X, Section XI und Pulse (Outro). Die Module sind mit Taktzahlen nummeriert, die dem ganzen Ensemble die zeitliche Ordnung geben. Im Hauptteil steht ein Kreis von elf Akkorden; die einzelnen Sektionen dauern ungefähr zwei bis sieben Minuten.
Am Anfang und am Ende wird ein Zyklus aus elf Akkorden gespielt. Jeder Akkord wird im Eröffnungsabschnitt für die Dauer von zwei Atemzügen gehalten, dann wird der nächste Akkord schrittweise eingeführt. Später wird jeder dieser Akkorde zur Grundlage eines längeren Abschnitts. Ein Akkord, der anfangs nur etwa fünfzehn oder zwanzig Sekunden dauert, wird so zu einer pulsierenden Basis für ein etwa fünfminütiges musikalisches Stück erweitert.
Ein zentrales Formprinzip ist die Spannung zwischen Repetition und Veränderung: Wiederholte Muster bleiben hörbar, verändern sich aber durch kleine Verschiebungen, Überlagerungen und neue Einsätze. Am Ende werden nach dem Prinzip der Subtraktion die Instrumente nacheinander ausgeblendet. In der Mitte gibt es einen besonders auffälligen Wechsel: Im Übergang von Section V zu Section VI verändert sich der Klangraum unerwartet vom D zum Cis.
Klangorganisation und Harmonik
Music for 18 Musicians pulsiert vom Anfang bis zum Ende. Die Klangorganisation beruht auf Schichtung: Ein Pulse bildet das Zeitmaß, dazu kommen Patterns und Prozesse. Ein Pattern ist eine gleichbleibende Tonreihe, deren Tonhöhen und Tondauern sich nicht verändern. Ein Prozess ist dagegen eine hörbare Entwicklung innerhalb der Musik, zum Beispiel wenn Pausen nach und nach durch Schläge ersetzt werden.
Rhythmisch treten zwei Arten von Zeit gleichzeitig auf. Erstens gibt es einen regelmäßigen Puls in den Klavieren und Schlaginstrumenten, der das ganze Stück trägt. Zweitens gibt es den Rhythmus des menschlichen Atems in Stimmen und Blasinstrumenten. Die Dauer ihres Pulsierens richtet sich danach, wie lange ein Atemzug reicht. So stehen maschinisch wirkende Regelmäßigkeit und körperlicher Atem nebeneinander.
Die Harmonik basiert auf der diatonischen Skala a-h-cis-d-e-fis-gis. Zusätzlich erklingen die Töne g und dis. Diatonisch bedeutet hier, dass die Töne zu einer bestimmten Tonleiter gehören; die zusätzlichen Töne erweitern den Klangvorrat. Das Werk hat kein klares tonales Zentrum. Diese Polymodalität, also das gleichzeitige oder wechselnde Arbeiten mit mehreren modalen Bezügen, trägt zum schwebenden Charakter der Komposition bei.
Reich selbst betonte, dass in den ersten fünf Minuten von Music for 18 Musicians mehr harmonische Bewegung vorkomme als in jedem seiner vorherigen Werke insgesamt. Obwohl die Bewegung von Akkord zu Akkord oft nur eine Umstimmung, eine Inversion oder ein Wechsel zu einer verwandten Moll- oder Durform ist, spielt Harmonie hier eine besonders wichtige Rolle.
Instrumente und Aufführung
Die ursprüngliche Besetzung besteht aus Violine, Cello, zwei Klarinetten, die auch Bassklarinette spielen, vier Pianisten, vier weiblichen Stimmen, drei Marimbas, zwei Xylophonen und einem Metallophon, also einem rein akustischen Vibraphon. Das Werk heißt zwar Music for 18 Musicians, muss aber nicht zwingend mit genau 18 Personen aufgeführt werden. Reich erklärte, dass 18 nur die minimale Zahl der Instrumentalisten sei, weil die Partitur viele Tonverdopplungen verlangt.
Die Komposition wurde nicht als Virtuosenstück angelegt. Alle Instrumente spielen in einer für sie bequemen Tonlage. Trotzdem ist die Aufführung sehr anspruchsvoll, weil die Sektionen ohne Pausen ineinander übergehen, viele Töne verdoppelt werden und Stimmen sowie Blasinstrumente stark auf ihre Atemleistung angewiesen sind.
Das Metallophon hat eine besondere Leitfunktion. Es kündigt Übergänge zwischen den Sections an, markiert formale Abläufe innerhalb der Sections und zeigt durch seine rhythmische Gestalt an, wann ein Formteil zu Ende geht.
Obwohl alle Klänge akustisch erzeugt werden, kann die Musik teilweise elektronisch wirken. Dazu tragen der chromatische Einsatz der Instrumente und besonders die Stimmen bei. Elektronik wird aber nur in Form von Mikrofonen für Stimmen und einige Instrumente verwendet.
Rezeption, Aufnahmen und Auszeichnungen
Music for 18 Musicians wurde als Schlüsselwerk der Neuen Musik und als Prototyp des American Minimalism beschrieben. Zugleich wurde seine Zugänglichkeit hervorgehoben: Auch Menschen, die selten klassische oder Neue Musik hören, können sich laut Artikel oft leicht auf diese Komposition einlassen. Kritiker betonten besonders die körperliche Wirkung, die pulsierenden Harmonien und die Mischung aus Präzision, Wärme und ständiger Veränderung.
Alex Ross beschrieb den Verlauf fast symphonisch: Das Stück bewege sich von hell nach dunkel und wieder zurück nach hell. Besonders wichtig sei der Akkordzyklus aus elf Akkorden, von denen jeder einen Abschnitt bestimmt. Ross hob auch den Wechsel von D nach Cis in Section V hervor, der den physischen Raum der Musik entscheidend verändere.
Die erste Tonträgerveröffentlichung stammt von der Weltpremiere am 24. April 1976 in der New York City Town Hall. Sie erschien am 1. April 1978 bei ECM New Series als Vinyl-LP unter dem Titel Steve Reich and Musicians: Music for 18 Musicians. Schätzungen zufolge wurden von dieser Ersteinspielung über 100.000 Tonträger verkauft. Spätere wichtige Einspielungen sind unter anderem die Nonesuch-Version von Steve Reich and Musicians von 1998 mit einer Dauer von 61:09, eine Aufnahme des Ensemble Modern von 1999 und eine Aufnahme des Ensemble Signal mit Brad Lubman von 2015.
Für Music for 18 Musicians erhielt Reich 1999 seinen zweiten Grammy. Außerdem entstanden zahlreiche Adaptionen und Neuinterpretationen, darunter elektronische Bearbeitungen wie Coldcuts Remix von 2014 sowie Jazz-Improvisationen, etwa von Brad Mehldau und Kevin Hays aus dem Jahr 2011.