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Philip Glass

Er gilt zusammen mit Steve Reich, Terry Riley und La Monte Young als einer der wichtigsten Pioniere der Minimal Music. ... Musik auf: Sein Vater war …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und musikalischer Stil
  2. 2. Ausbildung und Weg zum Erfolg
  3. 3. Oper, Bühne und Tanz
  4. 4. Instrumental- und Filmmusik
  5. 5. Persönliches und Auszeichnungen

Bedeutung und musikalischer Stil

Philip Glass (* 31. Januar 1937 in Baltimore, Maryland) ist ein US-amerikanischer Musiker und Komponist. Zusammen mit Steve Reich, Terry Riley und La Monte Young gilt er als einer der wichtigsten Pioniere der Minimal Music. Damit ist eine Musik gemeint, die häufig aus einfachen Akkorden und Arpeggien – nacheinander gespielten Tönen eines Akkords – besteht und kurze musikalische Muster fortlaufend wiederholt. Bei Glass verändern sich diese kreisenden Strukturen langsam und oft fast unmerklich. Atonalität, also Musik ohne erkennbares tonales Zentrum, vermeidet er meist.

Entscheidend für diesen hypnotisch-repetitiven Stil war seine Begegnung mit Ravi Shankar und der indischen Musik. Besonders das asiatische Verständnis von Rhythmus und Zeit beeinflusste ihn. Glass griff außerdem bewusst musikalisches Material aus dem Alltag auf, obwohl in der damaligen Neuen Musik die serielle Kompositionsweise vorherrschte. Bei dieser werden musikalische Eigenschaften nach festgelegten Reihen organisiert.

Glass versteht sich vor allem als „Theaterkomponisten“. Sein umfangreiches Werk umfasst Opern und andere Musiktheaterwerke, Sinfonien, Konzerte, Kammermusik, Klavierstücke, Tanzmusik und Filmmusik. Die Zahlenangaben im Artikel stammen offenbar aus unterschiedlichen Zeitständen: Einleitend werden zwölf Sinfonien, elf Konzerte und acht Streichquartette genannt; später erscheinen auch die Sinfonien Nr. 13 und 14, während an anderer Stelle noch von zehn Sinfonien die Rede ist.

Seine Musik wurde weit über die klassische Musik hinaus bekannt. Fernseh-, Werbe- und Filmmusiken ahmen seinen Stil nach. Glass selbst arbeitete regelmäßig mit populären und multimedialen Formen. Anregungen erhielt er aus Literatur, Geschichte und Politik, etwa durch historische Persönlichkeiten, Tibet, Werke von Edgar Allan Poe, Franz Kafka und J. M. Coetzee sowie die Musik von David Bowie und Brian Eno.

Ausbildung und Weg zum Erfolg

Glass wuchs in einem jüdischen Elternhaus auf; sein Vater war Schallplattenhändler. Mit sechs Jahren lernte er Violine, später Flöte. Mit acht Jahren wurde er Schüler am Peabody Conservatory, mit zehn spielte er in örtlichen Orchestern. Von 1952 bis 1956 studierte er Mathematik und Philosophie an der University of Chicago und erwarb den Bachelor of Arts. Damals beschäftigte er sich intensiv mit der Zwölftontechnik um Arnold Schönberg.

Von 1959 bis 1962 studierte Glass vor allem Klavier an der Juilliard School of Music in New York und schloss mit dem Master of Science ab. Dort studierte auch Steve Reich. Außerdem lernte Glass in Aspen bei Darius Milhaud. Nachdem er sich von der Schönberg-Nachfolge entfernt hatte, orientierte er sich an der gemäßigten amerikanischen Moderne, etwa an Aaron Copland. Von 1964 an studierte er mithilfe eines Fulbright-Stipendiums zwei Jahre bei Nadia Boulanger in Paris, die seine Entwicklung entscheidend prägte.

1965 lernte er in Paris Ravi Shankar kennen. Glass transkribierte Shankars Musik für den Film Chappaqua so, dass westlich ausgebildete Musiker sie spielen konnten. 1967 nahm er bei Alla Rakha Tablaunterricht und bereiste Indien, weitere Teile Asiens, den Vorderen Orient und Afrika. Er wurde Buddhist. Seit einer Begegnung mit dem 14. Dalai Lama Tendzin Gyatsho im Jahr 1972 unterstützt er das tibetische Freiheitsstreben.

Seit 1965 komponierte Glass zunächst für das Schauspielensemble seiner damaligen Frau JoAnne Akalaitis. Sein erstes Werk dafür war Musik für zwei Saxophone zu Samuel Becketts Play. Nach seiner Rückkehr in die USA gründete er 1970 das Philip Glass Ensemble, weil kein Orchester seine Kompositionen spielen wollte. Er organisierte Aufführungen selbst; traditionelle Instrumente wurden dabei oft elektronisch verstärkt und verfremdet. Das wichtigste Werk dieser Phase ist die vierstündige Komposition Music in Twelve Parts, an der er von 1971 bis 1974 arbeitete. Sie entwickelte sich von einer einzelnen Arbeit für zwölf Instrumente zu einem Zyklus, der seine musikalische Entwicklung seit 1967 zusammenfasste.

Anfangs konnte Glass von seiner Musik nicht leben. Zusammen mit Steve Reich gründete er das Umzugsunternehmen Chelsea Light Moving; außerdem arbeitete er unter anderem als Taxifahrer, Klempner, Möbelpacker und Kellner. Selbst zwei ausverkaufte Aufführungen von Einstein on the Beach an der Metropolitan Opera hinterließen wegen der hohen Mietkosten rund 90.000 US-Dollar Schulden.

Oper, Bühne und Tanz

Den internationalen Durchbruch brachte 1976 die in Avignon uraufgeführte Oper Einstein on the Beach, Glass’ erste Zusammenarbeit mit dem Regisseur Robert Wilson. Danach entstand Dance, ein Werk aus Tanz, Film und Musik, gemeinsam mit der Choreografin Lucinda Childs. Es folgten Satyagraha über Mahatma Gandhi, 1980 in Rotterdam uraufgeführt, und Akhnaten über den Pharao Echnaton, 1983 in Stuttgart uraufgeführt. Zusammen mit Einstein on the Beach bilden sie die „Portrait Trilogy“ über Männer, die die Welt gewaltfrei veränderten; in der Werkliste wird Akhnaten auf 1984 datiert.

Viele weitere Opern verbinden historische, literarische und politische Themen. Dazu zählen The Voyage (1992), Galileo Galilei (2001), Waiting for the Barbarians (2005), Appomattox über das Ende des amerikanischen Bürgerkriegs (2007), Kepler über Johannes Kepler vor dem Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges (2009), The Perfect American über die letzten Lebensmonate Walt Disneys (2011 komponiert, in der Werkliste 2012) sowie The Lost beziehungsweise Spuren der Verirrten nach Peter Handke, 2013 in Linz uraufgeführt. Opern nach Franz Kafka sind In the Penal Colony (2000) und The Trial (2014). Kepler war Glass’ erste deutschsprachige Oper.

Glass komponierte zudem Theatermusik, etwa 2007 für eine von JoAnne Akalaitis inszenierte Zusammenstellung kurzer Stücke Samuel Becketts und 2009 für Euripides’ The Bacchae. Zu seinen Arbeiten für Tanzensembles gehören Dance für Lucinda Childs (1979), Glass Pieces für Jerome Robbins (1983), In the Upper Room für Twyla Tharp (1986) und Alice für das Ballet du Rhin (2022).

Während der Corona-Pandemie arbeitete Glass weiter. Circus Days and Nights wurde am 29. Mai 2021 in Malmö uraufgeführt. Tao of Glass, das er mit Phelim McDermott entwickelte, war bereits 2019 beim Manchester International Festival erstmals gezeigt worden.

Instrumental- und Filmmusik

Glass komponierte für Soloinstrumente, Kammerensembles, Chor und Orchester. Zu den frühen Schlüsselwerken gehören Streichquartett Nr. 1 (1966), Strung Out für Violine solo (1967), Music in Similar Motion (1969), Music with Changing Parts (1970) und Music in 12 Parts (1974). Spätere bekannte Stücke sind Glassworks (1981), Solo Piano mit Metamorphosis 1–5 (1989), zwanzig Klavieretüden von 1994 und 2014 sowie Book of Longing, ein 2007 veröffentlichtes Doppelalbum und ein Liederzyklus nach Texten und Bildern Leonard Cohens.

Seine Orchestermusik umfasst Konzerte für Violine, Klavier, Violoncello, Cembalo und Saxophonquartett. The American Four Seasons, sein zweites Violinkonzert von 2009, ist eine Hommage an Vivaldis Die vier Jahreszeiten. Das Doppelkonzert für Violine, Cello und Orchester von 2010 entstand zugleich als Ballettmusik. Das Cello Concerto No. 2 (2012) beruht auf seiner Filmmusik zu Naqoyqatsi. Weitere Beispiele sind Two Movements for Four Pianos (2013), Ifé: Three Yorùbá Songs for Orchestra (2014), das Double Concerto for Two Pianos (2015) und das Piano Concerto No. 3 (2017).

Glass’ Sinfonien behandeln unterschiedliche Vorlagen. Die Sinfonien Nr. 1 Low Symphony (1992), Nr. 4 Heroes Symphony (1996) und Nr. 12 (2019) beruhen auf David Bowies Berliner Alben Low, Heroes und Lodger. Nr. 12 vervollständigte diese Trilogie. Die Sinfonie Nr. 11 wurde am 31. Januar 2017, Glass’ 80. Geburtstag, in der Carnegie Hall uraufgeführt. Nr. 14 folgte am 17. September 2021 in London, Nr. 13 am 30. März 2022 in Toronto. Im Januar 2026 sagte Glass die Premiere seiner vom Kennedy Center beauftragten Symphony No. 15 über Abraham Lincoln ab, weil das Werk nach seiner Aussage im Konflikt mit den dort vertretenen Werten stehe.

Besonders Koyaanisqatsi (1982) machte Glass außerhalb der klassischen Musik bekannt. Weitere wichtige Filmarbeiten sind Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln (1985), Powaqqatsi (1988), Candyman’s Fluch (1992), Kundun (1997), Die Truman Show (1998), eine Neuvertonung von Dracula (1999), The Hours – Von Ewigkeit zu Ewigkeit und Naqoyqatsi (beide 2002), Tagebuch eines Skandals (2006) sowie Leviathan (2014). Für Kundun erhielt er seine erste Oscar-Nominierung, für The Hours die zweite; insgesamt wurden drei seiner Filmkompositionen für einen Oscar nominiert. Für Die Truman Show gewann er einen Golden Globe.

Persönliches und Auszeichnungen

Glass lebt in New York City und in Cape Breton in der kanadischen Provinz Nova Scotia. Er bezeichnet sich als „jüdisch-taoistisch-hinduistisch-toltekischer Buddhist“, ist Vegetarier und unterstützt die tibetische Unabhängigkeitsbewegung. 1987 gründete er auf Wunsch des 14. Dalai Lama gemeinsam mit Robert Thurman und Richard Gere das Tibet House US. Außerdem ist er Vorsitzender der Zeitschrift Tricycle: The Buddhist Review.

Glass war viermal verheiratet: mit der Theaterregisseurin JoAnne Akalaitis, der Ärztin Luba Burtyk, der Künstlerin Candy Jernigan und der Restaurantmanagerin Holly Critchlow. Er hat vier Kinder und ein Enkelkind. Etwa fünf Jahre war er mit der Cellistin Wendy Sutter liiert; seit Dezember 2018 war die Tänzerin Saori Tsukada seine Partnerin.

1994 wurde Glass in die American Academy of Arts and Sciences aufgenommen, 2003 in die American Academy of Arts and Letters und 2009 in die American Philosophical Society. Seit dem 2. Dezember 2009 trägt der Asteroid (100417) Philipglass seinen Namen. 2012 erhielt er das vom japanischen Kaiserhaus vergebene Praemium Imperiale, das als „Nobelpreis der Künste“ bezeichnet wird. Es folgten 2015 der Glenn-Gould-Preis, 2016 der Chicago Tribune Literary Award für seine 2015 erschienenen Memoiren Words Without Music, 2018 ein Kennedy-Preis und 2022 der BBVA Foundation Frontiers of Knowledge Award für Musik. 2023 erschien die Deluxe-Box Philip Glass Piano Etudes: The Complete Folios 1-20 & Essays from Fellow Artists mit seinen Klavieretüden und Essays über seine Musik.

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