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Multireligiöses Gebet
Ein multireligiöses Gebet ist eine Variante des interreligiösen Gebets. An einem solchen Gebet nehmen Mitglieder verschiedener Religionsgemeinschaften teil.
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Grundidee und Abgrenzung
Ein multireligiöses Gebet ist eine Variante des interreligiösen Gebets. Daran nehmen Mitglieder verschiedener Religionsgemeinschaften teil. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass die Beteiligten nicht ein gemeinsames Gebet mit denselben Worten und Zeichen sprechen. Stattdessen betet jede Religion ihr eigenes Gebet, während die Angehörigen der anderen Religionen anwesend sind.
Diese Form entstand aus der Schwierigkeit des interreligiösen Gebets. Beim interreligiösen Gebet sprechen alle Teilnehmer gemeinsam religionsübergreifend mit dem gleichen Wortlaut und verwenden die gleichen Zeichen. Wegen der unterschiedlichen religiösen Traditionen, Gottesvorstellungen und Riten kann dabei die Sichtweise einzelner Religionen nur schwer gleichermaßen berücksichtigt werden. Das multireligiöse Gebet soll ermöglichen, gemeinsam an einem Gebetstreffen teilzunehmen, ohne die Besonderheiten der jeweiligen Religion aufzugeben oder unterschiedliche Glaubensinhalte zu vermischen.
Probleme des gemeinsamen Gebets
Ein interreligiöses Gebet kann nach sorgfältiger Vorbereitung dennoch Gegensätze zwischen Religionen verschleiern. Werden unterschiedliche Gottesvorstellungen und Riten miteinander verbunden, besteht die Gefahr einer Vermischung. Die Neutralität des betreffenden Artikels oder Abschnitts wird als umstritten bezeichnet; eine Begründung wird auf der Diskussionsseite angekündigt.
Die katholische Kirche nennt in der „Arbeitshilfe 170“ eine besondere Schwierigkeit: Beten bedeute für Christen immer, zum dreieinen Gott zu beten. Christen seien sich zugleich bewusst, dass diese trinitarische Prägung ihres Gebets den Widerspruch von Juden und Muslimen hervorrufe.
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) erklärte in der Handreichung „Klarheit und gute Nachbarschaft“ von 2006, ein gemeinsames Gebet im Sinne eines von Christen und Muslimen mit gleichem Wortlaut gesprochenen Gebets sei „nach christlichem Verständnis nicht möglich“. Das christliche Gebet richte sich an den Einen Gott, der sich in Jesus Christus offenbart habe und durch den Heiligen Geist wirke. Weitere Unterschiede bestünden darin, dass Christen Gott, besonders im Vaterunser, als Vater ansprechen, was der Islam ablehne. Im islamischen Gebet, insbesondere in der 1. Sure, der al-Fātiha des rituellen islamischen Gebets, werde ein Bekenntnis zum Islam ausgedrückt.
Als Gemeinsamkeit nennt die EKD, dass das Gebet „Anbetung, Lob, Dank, Klage, Freude, Betroffenheit und Fürbitten vor Gott bringt“. Muslime und Christen könnten den Inhalt eines Gebets, etwa eine Bitte oder eine Klage, innerlich bejahen und dem Anliegen aus ihrer eigenen Glaubensüberzeugung zustimmen. Als legitim bezeichnet die EKD außerdem die „respektvolle Teilnahme am Gebet der jeweils anderen Religion“ sowie das innere Einstimmen in Aussagen, die aus der eigenen Glaubensüberzeugung vollzogen werden können.
Ablauf und Beispiel Assisi
Beim multireligiösen Gebet kommen Anhänger verschiedener Religionen zusammen und beten nebeneinander oder nacheinander, nicht gemeinsam mit einem einheitlichen Gebet. Jeder spricht sein eigenes Gebet entsprechend der eigenen religiösen Tradition. Auch die gastweise Teilnahme am Gebet einer anderen Religionsgemeinschaft kann als multireligiöses Gebet gelten.
Der Verzicht auf ein für alle gleiches, ritualisiertes Gebet soll die Besonderheit des jeweils anderen Glaubens und die traditionsbedingten Unterschiede respektieren. Niemand soll durch eine andere Religion vereinnahmt werden, etwa durch ein synkretistisches Zusammenbringen unterschiedlicher religiöser Ideen und Lehren. Synkretismus bezeichnet hier die Vermischung verschiedener religiöser Vorstellungen. Trotzdem ist eine gemeinsame ausführliche Vorbereitung und Verständigung über Gemeinsamkeiten nötig, damit Missverständnisse vermieden werden. In der „Arbeitshilfe 170“ wird das Beten im Beisein des Anderen als „Ausdruck der gemeinsamen Verwiesenheit auf den einen Gott und der solidarischen Sorge um das Heil der Menschen“ verstanden.
Ein wichtiges Beispiel ist das Weltgebetstreffen für den Frieden am 27. Oktober 1986 in Assisi, an dem Vertreter zahlreicher Religionen teilnahmen. Papst Johannes Paul II. formulierte als Grundprinzip, dass man nicht zusammen beten könne, aber anwesend sein könne, wenn die anderen beten. Dadurch konnten Gläubige verschiedener Religionen am Treffen beteiligt werden, während die Unterschiede ihrer religiösen Traditionen gewahrt blieben.
Die „Arbeitshilfe 170“ folgert unter Bezug auf eine Ansprache des Papstes bei der Generalaudienz am 22. Oktober 1986, das Treffen in Assisi habe gezeigt, dass religiöse Menschen „ohne ihre jeweilige Tradition aufzugeben“ gemeinsam für den Frieden und das Wohl der Menschheit arbeiten können. Die 1968 in Rom gegründete internationale Laiengemeinschaft Sant’Egidio übernahm die Organisation regelmäßiger Folgetreffen. Bei diesen Treffen wurde im Unterschied zu Assisi bewusst auf öffentliche Gebete der einzelnen Religionsvertreter verzichtet, um „negative Emotionen durch die Konfrontation mit fremdartigen Riten und Texten“ zu vermeiden.