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Gott der Vater
Gott wird im Tanach, in anderen Schriften des Judentums und im jüdischen Gebet als (mein, unser) „Vater“ angesprochen und bezeichnet. Damit ist vor allem sein …
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Bedeutung im Christentum
„Gott der Vater“ bezeichnet im Christentum die erste Hypostase Gottes in ihrer Beziehung zur zweiten Hypostase, Jesus Christus, dem Sohn Gottes. Eine Hypostase ist hier eine göttliche Person. Nichttrinitarische christliche Richtungen identifizieren Gott meist nur mit dem Vater, nicht auch mit dem Sohn oder dem Heiligen Geist.
Die christliche Trinitätslehre beschreibt das eine göttliche Wesen in den drei Personen Vater, Sohn und Heiliger Geist. Tertullian prägte dafür das lateinische Wort „trinitas“. Die Alte Kirche dogmatisierte die Lehre im 4. Jahrhundert, um Einheit und Einzigartigkeit des Gottes der christlichen Bibel zu bewahren. Sie grenzte Lehren aus, die den Schöpfergott Israels vom Erlösergott Jesu trennen wollten, darunter Marcion, Gnosis und Doketismus. Die altkirchlichen Glaubensbekenntnisse und die meisten christlichen Konfessionen vertreten die Trinitätslehre.
Nach christlicher Christologie knüpfte Jesus an die jüdische Tradition an: Er redete Gott auf Aramäisch vertraulich als Abba („Papa“) an und lehrte seine Jünger das Vaterunser. Urchristen nannten Gott den „Vater Jesu Christi“ und betonten damit dessen Identität mit dem Bundesgott der Israeliten. Der Ausdruck „Gott der Vater (Jesu Christi)“ trat daher im Christentum an die Stelle des Gottesnamens.
Gott als Vater im Neuen Testament
Im Neuen Testament wird JHWH meist Kyrios oder Theos genannt. In der Regel bezeichnet Theos den Vater, während Kyrios der häufigste Titel Jesu ist. Jesus spricht Gott in Eigenaussagen häufig als „Vater“ oder „mein Vater“ an; gegenüber den Jüngern sagt er auch „euer Vater“.
Viele Aussagen, besonders die Ich-bin-Reden des Johannesevangeliums, wurden Jesus nachösterlich in den Mund gelegt. Die Paulusbriefe legen jedoch nahe, dass die Vater-Anrede der Urchristen auf Jesu eigene aramäische Gebetsweise zurückgeht. Beispiele sind Mk 14,36: „Abba, Vater, alles ist dir möglich“, und Lk 23,34: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ In Joh 11,41 dankt Jesus: „Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast.“
Die Vaterbeziehung betrifft auch die Glaubenden. Gal 4,6 und Röm 8,15 sprechen vom Geist des Sohnes beziehungsweise vom Geist, der zu Söhnen macht und in dem Menschen „Abba, Vater“ rufen. 1 Joh 3,1 erklärt die Liebe des Vaters damit, dass Menschen Gottes Kinder heißen und es auch sind. Mt 28,19 nennt im Taufauftrag gemeinsam den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist.
Jüdisches Verständnis
Im Tanach, in weiteren jüdischen Schriften und im jüdischen Gebet wird Gott als „mein“ oder „unser“ Vater angesprochen. Gemeint ist vor allem sein Handeln als den Menschen zugewandter Schöpfer der Welt und als barmherziger Erhalter des erwählten Volkes. Nach jüdischer Tradition sind alle Menschen Söhne und Töchter Gottes; göttliche Personen werden nicht angebetet. Ruach HaQodesh bedeutet wörtlich „Heiliger Atem“ und wird nicht zum Gott erhoben.
Dieses Verständnis unterscheidet sich von polytheistischen Vorstellungen eines Göttervaters als Oberhaupt eines Pantheons oder einer göttlichen Trias, eines männlichen Himmelsvaters gegenüber einer weiblichen Erdmutter oder eines als Vater verehrten menschlichen Gottkönigs. Av oder Ab bedeutet auf Hebräisch „Vater“; die Mehrzahl lautet Avot oder Abot. Adonai („mein Herr“) ist eine ehrerbietige Umschreibung für JHWH. Im modernen Ivrit heißt „Papa“ abba. „Sprüche der Väter“ (Pirqe Avot) ist ein Mischnatraktat in der Ordnung Nesikin des Talmud und behandelt ethisch-moralische Prinzipien.
Vorchristliche Gebete und außerbiblische Vergleiche
Auch in deuterokanonischen und apokryphen Büchern des Alten Testaments wird JHWH als Vater angeredet, etwa in Weish 14,3 und Sir 23,1, dort zusammen mit Adonaj („Herr“). Im apokryphen Ezechiel heißt es: „Wenn ihr umkehrt und sagt: ‚Vater‘, werde ich euch erhören.“ Die Anrede „mein Vater“ war im vorchristlichen Judentum ebenfalls üblich, belegt in Sifra Lev 20,16 und Mekh Y Ex 20,6.
Außerhalb der Bibel wurde „Vater“ oft anders verwendet: Die ägyptische Mythologie kannte eine Urgottheit als „Vater der Götter“ und Göttinnen oder Menschen. Zeus wurde in der griechischen Mythologie als Vater angeredet, um seine höchste Autorität über Götter und Menschen auszudrücken, nicht als Schöpfer; dieses Herrschaftsattribut ging auf Jupiter über. In Ugarit wurde El unter anderem „Schöpfer des Himmels und der Erde“, „König“, „Vater“ und „Erschaffer der Götter“ genannt. El-ib kann möglicherweise „Gott des Vaters“ oder „Gott-Vater“ bedeuten. Manche Götterbilder mit Bart, Sitzposition und Kalathos werden als mögliche Anregung für die spätere Vorstellung Gottes als bärtigen, weisen alten Mannes verstanden.