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Monostruktur

Als Monostruktur bezeichnet man in der Volkswirtschaftslehre die Produktionsstruktur einer Region oder eines Staates, in denen ein einziges Produkt oder …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kernbegriff und Bedeutung
  2. 2. Formen und Beispiele
  3. 3. Messung der Monostruktur
  4. 4. Krisenanfälligkeit und Schocks
  5. 5. Energie und Versorgungssicherheit
  6. 6. Gegenmaßnahmen und Unternehmen

Kernbegriff und Bedeutung

Eine Monostruktur ist in der Volkswirtschaftslehre eine Produktionsstruktur einer Region oder eines Staates, bei der ein einziges Produkt oder eine einzige Dienstleistung den Wirtschaftsprozess oder den Export beziehungsweise Import überwiegend bestimmt. Der Gegensatz ist die Polystruktur, also eine breiter gemischte Wirtschaftsstruktur.

Monostrukturen gelten wirtschaftlich und oft auch ökologisch überwiegend als nachteilig, weil sie Strukturschwächen erzeugen. Eine Volkswirtschaft, eine Region oder ein einzelner Wirtschaftssektor hängt dann stark von einem Rohstoff, einem Produkt, einer Dienstleistung, einem Exportmarkt oder einer Importquelle ab. Besonders häufig wird dies bei Entwicklungsländern genannt, deren Export stark von einem Rohstoff bestimmt wird.

Von der Monokultur ist die Monostruktur abzugrenzen: Monokultur bezieht sich ausschließlich auf Agrarproduktion und Holzwirtschaft. Monostruktur ist der Oberbegriff und betrifft alle Wirtschaftssektoren.

Formen und Beispiele

Monostrukturen können auf Staatsebene, regionaler Ebene oder kommunaler Ebene auftreten. Häufig neigen Agrarstaaten zu Monostrukturen, die im Agrarbereich Monokultur heißen. Beispiele sind die Elfenbeinküste mit Kakao (35 % Weltmarktanteil) und Ecuador mit Bananen (30 %). Brasilien hat zwar bei Zucker einen Weltmarktanteil von 40 %, gilt aber wegen seiner Größe als Flächenstaat bei diesem Produkt nicht als Monostruktur.

Bei Rohstoffen stammen in Algerien oder Libyen 90 % der Exporterlöse aus Öl- und Gasexporten. In Sambia ist Kupfer mit 75 % aller Exporterlöse das wichtigste Exportgut.

Auch Importabhängigkeit kann eine Monostruktur sein. Deutschland hat geringe eigene Energiereserven und ist deshalb stark auf Energieimporte angewiesen. 2017 betrug die Importabhängigkeit etwa 70 %. Bei fossilen Energieträgern lag sie bei 98 % für Erdöl und 93 % für Erdgas, während erneuerbare Energien und Braunkohle zu je 100 % aus dem Inland stammten.

Regionale Beispiele sind die Filmindustrie in Hollywood, Informationstechnik im Silicon Valley und Massentourismus auf Mallorca oder in der Karibik. Städtische Beispiele sind Schneidwaren aus Solingen, Opel in Rüsselsheim und die Uhrenindustrie in Biel. Finanzplätze in Zwergstaaten wie Cayman Islands, Monaco oder Singapur gelten als Monostrukturen im Finanzwesen.

Auch der Tourismus kann eine Volkswirtschaft abhängig machen. Je höher der Anteil der Tourismuseinnahmen am Bruttoinlandsprodukt ist, desto stärker hängt die wirtschaftliche Entwicklung eines Reiseziels von Schwankungen im Tourismus ab. 2018 lag der Anteil des Tourismus am Bruttoinlandsprodukt unter anderem bei 24,7 % in den Philippinen, 21,6 % in Thailand, 17,4 % in Hongkong, 17,2 % in Mexiko, 15,4 % in Österreich, 14,6 % in Spanien, 13,2 % in Italien, 12,1 % in der Türkei sowie je 11,0 % in Großbritannien und der Volksrepublik China. Der weltweite Durchschnitt betrug 10,4 %.

Messung der Monostruktur

Die Stärke einer Monostruktur wird als Quote M gemessen. Eine Möglichkeit ist der Anteil des Produktionswerts der monostrukturellen Produkte P am Bruttoinlandsprodukt BIP:

M = (P / BIP) · 100 %

Eine zweite Möglichkeit ist das Verhältnis der Exporterlöse E monostruktureller Produkte zum Gesamtexporterlös GE:

M = (E / GE) · 100 %

Je höher diese Quote ist, desto anfälliger ist eine Volkswirtschaft. Liegt der Anteil unter 30 %, handelt es sich um eine weniger anfällige Polystruktur.

Krisenanfälligkeit und Schocks

Monostrukturen sind besonders anfällig für strukturelle und konjunkturelle Krisen. Strukturelle Krisen entstehen, wenn sich die langfristige Wirtschaftsstruktur verändert; konjunkturelle Krisen hängen mit wirtschaftlichen Auf- und Abschwüngen zusammen. Beispiele sind der Niedergang der Montanindustrie im Ruhrgebiet und der Automobilindustrie in Detroit. Nach dem Konkurs von General Motors im Juni 2009 musste Detroit selbst im Juli 2013 Konkurs anmelden.

In einem Wirtschaftsboom können Staaten mit Monostrukturen durch steigende Rohstoffpreise hohe Deviseneinnahmen erzielen. Das kann zu einem Zahlungsbilanzüberschuss führen und notwendige Importe finanzieren. In einer weltweiten Rezession fallen jedoch oft die Rohstoffpreise, wodurch Exporterlöse sinken. Dann kann auch im betroffenen Staat eine Rezession mit Arbeitslosigkeit entstehen, weil wegen der Monostruktur Ausgleichsmöglichkeiten fehlen. Der Artikel verweist hier auf holländische Krankheit und Kaffeekrise.

Bei monostrukturellem Wirtschaftswachstum können Agglomerationsnachteile entstehen. Dazu gehören Wohnraummangel, hohe Immobilienpreise und Mieten, steigende Arbeitskosten, steigende Lebenshaltungskosten und belastete Infrastruktur. Diese Folgen können Zuwanderung von Arbeitskräften behindern und die Wettbewerbsfähigkeit wieder senken.

Peter B. Kenen betont die Bedeutung asymmetrischer Schocks. Das sind Störungen, die zwei oder mehrere Staaten unterschiedlich stark treffen. Länder mit stark diversifizierten, polystrukturellen Produktionsstrukturen werden durch Bedarfsverschiebungen bei einzelnen Gütern meist weniger hart getroffen als Länder mit konzentrierten Monostrukturen. Klein- und Mittelstaaten neigen eher zu Monostrukturen, Flächenstaaten eher zu diversifizierten Produktionsstrukturen. Kenen schreibt: „Nach meiner Ansicht dürften die Vielfalt in der Produktpalette und die Zahl der monostrukturierten Gebiete eines Landes größere Bedeutung haben als die Beweglichkeit des Faktors Arbeit…“

Energie und Versorgungssicherheit

Leitungsnetze wie Pipelines bilden ein natürliches Monopol. Im Zusammenhang mit Monostrukturen bedeutet das: Energietransporte laufen häufig über Pipelines, sodass Transportweg und Exporteur von Erdöl oder Erdgas nicht kurzfristig geändert werden können.

Der Krieg in der Ukraine seit 2022 zeigte die hohe Importabhängigkeit einiger EU-Mitgliedstaaten von russischem Erdgas und Erdöl als monostrukturelle Schwachstelle. Diese Abhängigkeit kann die Energiesicherheit beeinträchtigen.

Ein früheres Beispiel ist die deutsche Importabhängigkeit von Erdgas aus Russland. Im Januar 2009 kam es wegen des Streits zwischen Russland und der Ukraine zu enormen Lieferengpässen bei Erdgas und damit zu einer Versorgungskrise. Höhere Gasreserven können einen Versorgungsnotstand lindern.

Gegenmaßnahmen und Unternehmen

Gegen die wirtschaftlichen Anfälligkeiten von Monostrukturen richtet sich die Strukturpolitik. Sie soll die Produktions- und Wirtschaftsstruktur verbessern, indem sie Schwachstellen beseitigt. National kann dies durch Strukturhilfen geschehen, international zum Beispiel durch die Regionalpolitik der Europäischen Union. Ziel ist ein Strukturwandel.

Ein wichtiger Ausweg aus der Monostrukturierung ist Diversifikation. Damit ist eine breitere Streuung auf mehrere Branchen, Produkte oder Dienstleistungen gemeint. Ein besserer Branchenmix kann neue Wirtschaftszweige ansiedeln und Abhängigkeiten verringern.

Auch in der Betriebswirtschaftslehre gibt es Monostrukturen. Ein Unternehmen weist eine Monostruktur auf, wenn es lediglich oder überwiegend ein Produkt oder eine Dienstleistung anbietet. Solche Einproduktunternehmen sind nicht oder kaum diversifiziert und ähnlich anfällig gegenüber Bedarfsverschiebungen oder konjunkturellen Schwankungen wie Staaten oder Regionen.

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