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Monophysitismus
Miaphysiten die Zweinaturenlehre also nicht prinzipiell ab und gehen durchaus davon aus, Jesus Christus sei Gott und Mensch gewesen – sie nehmen dabei …
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Begriff und Abgrenzung
Monophysitismus, auch Eutychianismus nach Eutyches, ist eine christologische Lehre über Jesus Christus: Nach der Vereinigung des Göttlichen und Menschlichen in der Inkarnation habe Christus nur eine einzige, göttliche Natur. Dem steht die auf dem Konzil von Chalcedon 451 angenommene Zweinaturenlehre gegenüber: Göttliche und menschliche Natur Christi stehen „unvermischt und ungetrennt“ nebeneinander. Das Konzil verwarf den Monophysitismus.
Davon ist der Miaphysitismus zu unterscheiden. Er folgt der mia-physis-Formulierung Kyrills von Alexandria und wird von einigen orientalisch-orthodoxen Kirchen vertreten. „Mia“ betont die Einheit: Göttliches und Menschliches bilden in Christus eine Natur, vereint „ohne Vermischung, ohne Trennung, ohne Durcheinander und ohne Wechsel“. In dieser Sicht ist Christus Gott und Mensch; der göttliche Logos, die zweite Person der Trinität, ist der bestimmende Handlungsträger beider Naturen. Kyrill betonte die Göttlichkeit Jesu, weil allein Gott Menschen erlösen könne. Da „Monophysiten“ erst im 7. Jahrhundert und meist abwertend belegt ist, verwendet die Forschung seit den 1960er Jahren zunehmend die Selbstbezeichnung „Miaphysiten“.
Entstehung und Konzilien
Ein Vorläufer war Apollinaris von Laodicea, der lehrte, Christus habe keine menschliche Seele besessen, sondern sei eine Inkarnation des göttlichen Logos. Der Monophysitismus entstand im spätantiken Ägypten im Streit zwischen den Patriarchaten Alexandria und Antiochien und als Reaktion auf den Nestorianismus.
Nestorius, seit 428 Patriarch von Konstantinopel, verstand göttliche und menschliche Natur Christi als geteilt, unvermischt und nur moralisch verbunden. Deshalb nannte er Maria Christusmutter statt Gottesmutter. Im Konzil von Ephesos 431 setzte sich die alexandrinische Position zusammen mit der Lehre von der Gottesmutterschaft Mariae zunächst durch. Die verfolgten Nestorianer wanderten in das Sassanidenreich aus und bildeten seit dem 6. Jahrhundert eine eigene anerkannte Kirche und theologische Schule.
Eutyches griff im Streit von 444 bis 451 die Formel von der „einen Physis des fleischgewordenen Logos“ auf. Er erklärte, die Menschlichkeit Christi sei von der Gottheit aufgesogen worden wie ein Honigtropfen im Meer. Die „Räubersynode“ von Ephesos erzwang 449 nochmals die Anerkennung der alexandrinischen Lehre. Unter Kaiser Markian wurde sie 451 in Chalcedon durch die katholisch-orthodoxe Kirche verurteilt.
Kirchenspaltung und Ausbreitung
Chalcedon führte zum Schisma zwischen den monophysitischen Kirchen des Ostens und der oströmischen Reichskirche. Die Richtung gewann besonders in Ägypten, Syrien, Palästina und Armenien Anhänger und ging dort mit einer Abwendung von der hellenisierten Oberschicht einher. Die Nachfolger des schismatischen Patriarchen bestehen bis heute in ununterbrochener Linie als koptische Patriarchen von Ägypten. Auch das Reich von Aksum in Äthiopien wurde erreicht. Die schismatischen Kirchen verbanden sich mit traditioneller Volksfrömmigkeit und wurden Volkskirchen.
Papst Leo der Große stimmte fast allen Beschlüssen von Chalcedon zu. Sein Tomus ad Flavianum hatte die Formel der zwei Naturen Christi vorbereitet. Die vom Konzil beschlossene Gleichrangigkeit der Kirchen von Rom und Konstantinopel lehnt die römisch-katholische Kirche jedoch bis heute ab.
Gescheiterte Vermittlungsversuche
In den 480er Jahren sollte das Henotikon die Streitpunkte ausblenden und Chalcedon ignorieren. Die Einigung mit den Monophysiten misslang; stattdessen entstand das akakianische Schisma mit Rom, das bis 519 dauerte. Auch das Fünfte Ökumenische Konzil von 553 erzielte keine Einigung. Die kurzzeitige Förderung des Aphthartodoketismus durch Kaiser Justinian I. löste das Problem ebenfalls nicht. Unter Justin II. folgten wieder massive Verfolgungen monophysitischer Anhänger in Syrien und Ägypten.
Im frühen 7. Jahrhundert entstand der Monotheletismus als Kompromiss: Christus habe zwar eine göttliche und eine menschliche Natur, aber nur einen gemeinsamen Willen. Trotz Unterstützung einiger Päpste und byzantinischer Kaiser wurde er nach dem Einspruch von Maximus dem Bekenner (ca. 580–662) abgelehnt. Das Dritte Konzil von Konstantinopel verdammte ihn 680 endgültig. Nur die libanesischen Maroniten blieben bis zum 13. Jahrhundert monotheletisch.
Folgen für Reich und heutige Kirchen
Viele Forscher sehen im Schisma eine Schwächung des byzantinischen Reiches gegenüber dem Sassanidenreich und während der arabischen Expansion. Ein Ausgleich mit den wichtigen syrischen und ägyptischen Provinzen gelang nicht. Neben theologischen Gegensätzen spielten Spannungen zwischen griechisch-rationalem Denken und orientalisch-mystischer Überlieferung sowie Separations- und Enthellenisierungsbestrebungen in Syrien und im koptischen Ägypten eine Rolle. Nach Konflikten und dem Krieg gegen Chosrau II. verlor Ostrom die östlichen Gebiete, bald auch Ägypten und Nordafrika, an den Islam. Mittelfristig gewann das verbliebene Reich jedoch an religiöser Gleichförmigkeit und hellenisierte sich stärker.
Im 20. Jahrhundert näherten sich die Kirchen einander und den Östlich-Orthodoxen Kirchen an. Heute besteht weitgehender Konsens, dass Sprachunterschiede beim Begriff phýsis („Natur“) wesentlich zum Streit beitrugen und beide Seiten oft dasselbe mit verschiedenen Worten ausdrücken wollten. Die altorientalischen Kirchen stehen in gegenseitiger Kommunion: Koptische Kirche, Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien, Malankara Syrisch-Orthodoxe Kirche, Malankara Orthodox-Syrische Kirche von Indien, Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche, Eritreisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche und Armenische Apostolische Kirche.