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Mönchtum
Das Mönchtum ist die Gesamtheit der von Mönchen und Nonnen praktizierten geistlich geprägten Lebensformen. Das Mönchtum kann definiert werden als …
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Wesen und Grundformen
Mönchtum bezeichnet die Gesamtheit geistlich geprägter Lebensformen von Mönchen und Nonnen. Es bedeutet, sich von der für die Mehrheit einer Glaubensgemeinschaft üblichen Religionsausübung abzusondern und einen durch Askese und Gebet bestimmten Lebensstil zu übernehmen. Askese ist freiwillige Enthaltsamkeit oder Selbstdisziplin. Mönche und Nonnen gehören meist einer Ordensgemeinschaft an und stellen sich auf Lebenszeit oder zeitweise in den Dienst ihres Glaubens.
Mönchtum gibt es besonders im Buddhismus und Christentum, außerdem im Hinduismus und Daoismus. Seine Ziele können religiöse Vollkommenheit, die mystische Vereinigung mit der Gottheit oder die Erfahrung einer transzendenten, die gewöhnliche Erkenntnis übersteigenden Realität sein.
Zwei anerkannte Grundformen sind das Eremitentum und das Gemeinschaftsleben. Anachoreten leben als Einsiedler nahe von Siedlungen oder in abgelegener Wildnis und Wüste; tibetische buddhistische Mönche können sich beim Reklusentum in eine Höhle einmauern lassen, die nur eine Essensdurchreiche hat. Koinobiten leben dagegen zurückgezogen in einer Klostergemeinschaft; koinos bios bedeutet „gemeinsames Leben“.
Eine weitere Unterscheidung ist die zwischen Vita activa und Vita contemplativa. Die Vita activa ist nach außen gerichtete Tätigkeit im Apostolat, also in einem besonderen religiösen Aufgabenbereich. Die Vita contemplativa ist ein zurückgezogenes Leben, das sich von weltlichen Dingen ab- und der betrachtenden Anbetung Gottes und dem Gebet zuwendet.
Entstehung und Formen im Christentum
Frühe christliche Texte über Mönchtum gelten in der heutigen Kirchengeschichtsforschung als idealisierend. Tatsächlich gab es verschiedene, teils miteinander konkurrierende asketische Lebensformen: Jungfrauen und Witwen in Hausgemeinschaften, Wanderasketen, Privatasketen in umgewandelten Stadt- oder Landhäusern, Einsiedler, Asketenschulen christlicher Gelehrter und Klostergemeinschaften.
Das Eremitentum wurde besonders durch Antonius (um 251–356) bekannt. Er lebte als Anachoret in der ägyptischen Wüste. Um 305 sammelten sich Nachahmer um ihn; auf ihn wird auch der Wechsel zwischen Gebet und körperlicher Arbeit zurückgeführt. Asketenschulen übernahmen das Vorbild antiker Philosophenschulen. Wichtig war ihre Vorstellung des Klosters als Bildungsstätte.
Um 320/25 gründete Pachomios (um 292/98–346) in Oberägypten die ersten christlichen Klöster mit vielen Mönchen in einem abgegrenzten Bereich. Dieses Koinobion wurde von einem Abbas, also Abt, geleitet und folgte einer gemeinsamen Regel, der sogenannten „Engelsregel“. Pachomios’ Schwester leitete etwa gleichzeitig eine Gemeinschaft geweihter Jungfrauen. Das Koinobitentum setzte sich durch, weil Ortsbeständigkeit (Stabilitas loci) und gemeinsame Arbeit Wohlstand ermöglichten, Klöster verlässliche Partner für Behörden wurden und Investitionen weiteres Wachstum erlaubten.
In der Spätantike entstanden regional unterschiedliche Formen. Ägyptische Wüstengebiete wie Nitria, Kellia und Sketis wurden zu Zentren des Mönchtums. In Palästina entwickelte sich die Lawra, ein Klostertyp der Judäischen Wüste; Mar Saba war ein Zentrum von Liturgie und Literatur. Syrische Klöster wurden nach der islamischen Eroberung Gelehrsamkeitszentren. Basilius begründete in Kleinasien das sozial aktive Stadtkloster; seine Regeln prägen das orthodoxe Mönchtum. In Italien führte die Bewunderung des Wüstenmönchtums häufig zur Gründung ländlicher Klöster.
Mittelalterliche und neuere christliche Entwicklungen
Das abendländische Mönchtum des frühen Mittelalters wurde von der Regula Benedicti geprägt. Sie verbindet individuelle Arbeit mit gemeinschaftlichem Gottesdienst und Studium. Sie bewertet Koinobiten, die unter Regel und Abt im Kloster leben, als gut. Anachoreten gelten als sehr gut, aber als schwierige Lebensform; sie sollen zuvor Klostererfahrung haben. Sarabaiten ohne Regel und Abt werden negativ, Gyrovagen oder Wandermönche sehr negativ beurteilt.
Die benediktinischen Gelübde lauten Stabilitas loci, Conversio morum und Gehorsam. Conversio morum bedeutet tägliche Umkehr beziehungsweise Bekehrung der Sitten. Darin sind sinngemäß die evangelischen Räte Ehelosigkeit, Armut und Gehorsam enthalten. Das Benediktinertum erfüllte Aufgaben wie Landesausbau, Mission, Liturgie und karitative Arbeit. Im 11. Jahrhundert entstanden Reformen, darunter die Zisterzienser und die cluniazensische Reform.
Im orthodoxen Osten blieb die spätantike Form vergleichsweise kontinuierlich bestehen; statt verschiedener Orden steht das einzelne Kloster im Mittelpunkt. Bedeutend sind die Klosterrepublik Athos seit dem 9. Jahrhundert, die Meteora-Klöster und der Reformer Theodoros Studites. Im slawischen Raum waren das 1051 gegründete Kiewer Höhlenkloster und später Sergijew Possad wichtig. Im Russischen Kaiserreich gab es 1914 1025 Männer- und Frauenklöster mit 11.845 Mönchen und 17.213 Nonnen; 1980 bestanden infolge des Sozialismus nur noch 6 Mönchs- und 12 Nonnenklöster.
Orientalische Kirchen hatten im Mittelalter ein blühendes Mönchtum. Äthiopien bewahrte eine reiche Tradition, das koptische Mönchtum erlebte im 20. Jahrhundert eine Renaissance, während das syrisch-orthodoxe und besonders das armenische Mönchtum stark zurückgingen. In der anglikanischen Gemeinschaft entstanden im 19. Jahrhundert viele meist pastorale oder karitative, aber auch kontemplative Gemeinschaften. Mendikanten wie die Orden von Franz von Assisi und Dominikus sind keine Mönche. Regularkleriker wie Jesuiten leben nach Regeln und meist in örtlichen Kommunitäten, sind aber stärker seelsorglich und apostolisch in der Welt tätig.
Islamische Bezüge
Der Koran erwähnt christliches Mönchtum ambivalent. Sure 57,27 beschreibt es als von Christen selbst eingeführte, ursprünglich auf Gottes Wohlgefallen gerichtete Einrichtung, die nicht richtig eingehalten worden sei. Sure 9,31 kritisiert eine Verehrung von Mönchen, Sure 9,34 wirft vielen Mönchen vor, Menschen um ihr Geld zu bringen.
Der Satz „Im Islam gibt es kein Mönchtum“ wird Mohammed zugeschrieben, seine Echtheit wird jedoch von muslimischen und westlichen Wissenschaftlern bezweifelt. Trotz der Vorbehalte wurden christliche Mönche für asketisch und mystisch eingestellte Muslime zum Vorbild; daraus gingen die Sufis hervor. Islamische Gelehrte lehnten besonders Zölibat und strenge Askese oft ab oder deuteten sie um. Im Kitab al-Zuhd heißt es beispielsweise, der Dschihad sei das Mönchtum des Islam. Geschichten über die von Mohammed abgelehnte starke Askese Utman ibn Maz'uns dienten als Begründung gegen christliches Mönchtum.
Hinduismus und Jainismus
Hinduistische Mönche heißen Sadhus („die Guten“) und werden mit Swami oder Baba angesprochen. Viele leben als heimatlose Bettelmönche in Askese, andere in einem Ashram oder Tempelkomplex. Nach ihrer Entsagung schließen sie sich einem Guru an, der sie in Lehre, Askese und Meditation beziehungsweise Yoga unterweist. Ihr persönliches Gelübde kann Heimatlosigkeit, Armut, sexuelle Enthaltsamkeit, Fasten und Bedürfnislosigkeit verlangen. Viele betrachten die Welt als Maya, also Trugbild, und suchen Erlösung aus dem Kreislauf von Leben, Tod und Wiedergeburt.
Seit dem 8. Jahrhundert bestehen Matha, meist mit Tempeln verbundene hinduistische Klöster. Sie wurden unter Shankara gegründet. Die dort lebenden Samnyasin folgen dem Ideal der Askese, studieren und lehren heilige Schriften. Der Ramakrishna-Orden umfasst auch Nonnen.
Der Jainismus hat die Schulen der Digambaras und Shvetambaras. Digambaras sind überwiegend Mönche und besonders strenge Asketen. Sie achten darauf, kein Lebewesen versehentlich zu verletzen oder zu töten, etwa durch Mundschutz gegen das Einatmen von Insekten. Sie lehnen Besitz ab, tragen meist nur ein Lendentuch oder leben nackt; ihr Name bedeutet „die Luftgekleideten“. Shvetambaras legen die Gebote weniger streng aus und bestehen überwiegend aus Laien.
Buddhistische Traditionen in Asien
Die buddhistische Mönchsgemeinde heißt Sangha. Sie bestand seit etwa 500 v. Chr. zunächst aus Mönchen, später auch aus Nonnen; beide Orden wurden Buddha (um 560–480 v. Chr.) zugeschrieben. Zunächst gab es hauslose Wandermönche. Später wurden Unterkünfte gestiftet, während zuvor nur für die Regenzeit Hütten errichtet und danach abgerissen wurden. Die Verehrung buddhistischer Mönche und Nonnen gilt vor allem dem Dharma, den sie verkörpern oder repräsentieren.
In Thailand gab es 1998 ungefähr 30.678 Tempelanlagen (Wat) und rund 260.000 Mönche. Traditionell tritt fast jeder männliche Thai, aber nur wenige Frauen, einmal für mehrere Wochen ein. Etwa ein Drittel der männlichen Jugendlichen zwischen 12 und 18/20 Jahren lebt ein bis sechs Jahre als Novize im Tempel und besucht Mönchsschulen. Mit 20 Jahren müssen verbliebene Novizen austreten oder Mönch werden. Auch zeitlich begrenzte Ordinationen bei Todesfällen, Krisen oder nach dem Berufsleben sind üblich.
Im Daoismus entstand ab dem 12. Jahrhundert die klösterliche Quanzhen-Schule nach buddhistischem Vorbild. Ihre zölibatär lebenden Mönche und Nonnen üben Meditation und Askese; Regeln betreffen Zölibat sowie Enthaltsamkeit von Alkohol, Fleisch, Begierden, Zorn und Reichtum.
Das buddhistische Shaolin-Kloster in Henan wurde um 500 gegründet. Bodhidharma soll dort 527 der Legende nach Chan-Buddhismus gelehrt haben. Shaolin-Mönche waren schon in der Tang-Dynastie kriegerisch beteiligt. Die besondere Kampfkunst entwickelte sich vom 12. bis 16. Jahrhundert zunächst im Stockkampf, seit dem 16. Jahrhundert auch in waffenlosen Handtechniken (quan).
Zen entstand in China ab dem 5. Jahrhundert und kam ab dem 12. Jahrhundert nach Japan. Seine zentrale Übung ist Zazen, strenge Sitzmeditation im Lotussitz. Sie soll zur Erleuchtung Satori führen, einer oft plötzlich erfahrenen universellen Einheit und Leere. Eine Untersuchung in Japan Mitte der 1980er Jahre stellte jedoch fest, dass Zazen oder Shikantaza selbst in Sōtō-Zen-Tempeln nur ausnahmsweise üblich war. In fast allen japanischen buddhistischen Richtungen ist der Zölibat aufgehoben; viele Mönche haben Familien und führen Familientempel.