Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Monarchianismus
Antike Monarchianer befürchteten, dass die Lehre von der Trinität dazu führe, faktisch den Vater und den Sohn zu zwei verschiedenen Göttern zu machen. Daher …
Inhalt4 Abschnitte
Grundgedanke und Hauptformen
Monarchianismus ist ein Sammelbegriff für verschiedene christliche theologische Ansichten seit dem 2. Jahrhundert. Es handelt sich nicht um die Selbstbezeichnung eines einheitlichen Systems. Gemeinsam ist den Ansätzen das Ziel, das Verhältnis zwischen Gott dem Vater und Jesus Christus als Sohn Gottes im Sinn eines strengen Monotheismus zu erklären: Es soll nur einen Gott geben.
Antike Monarchianer befürchteten, die Trinitätslehre könne Vater und Sohn faktisch zu zwei verschiedenen Göttern machen. Daraus entstanden zwei gegensätzliche Lösungswege. Der dynamische Monarchianismus oder Adoptionismus versteht Christus als Menschen, der später von Gott als Sohn angenommen wurde. Der Modalismus wahrt dagegen die volle Gottheit des Sohnes, betrachtet Vater und Sohn aber als verschiedene Seinsweisen des einen Gottes. Beide Richtungen gerieten mit anderen theologischen Positionen im römischen Christentum in Konflikt und wurden mit der Ausbildung einer einheitlicheren Kirchen-Theologie ab dem 3. Jahrhundert zunehmend als häretisch verurteilt.
Jesus als von Gott angenommener Mensch
Der dynamische Monarchianismus, auch Adoptionismus genannt, geht von einem Monotheismus Gottes des Vaters aus. Gegner nannten ihn Psilantropismus. Jesus Christus gilt dabei als Mensch, der auf übernatürliche Weise aus dem Heiligen Geist und der Jungfrau geboren wurde. Bei seiner Taufe wurde er nach dieser Lehre von Gott in besonderem Maß mit Kraft ausgestattet und als Sohn angenommen, also „adoptiert“.
Als biblische Grundlage werden Markus 1,9–11 EU und, wenn auch umstritten, Römer 1,3f EU genannt. Die Ansicht vertrat erstmals etwa 190 in Rom Theodotos von Byzanz; später vertrat sie auch sein Nachfolger Artemon. Theodotos erklärte seine Lehre als Teil der apostolischen Tradition und wurde deshalb von Papst Viktor I. exkommuniziert. Hippolytus wies Artemon zurück und bewertete dessen Lehre als einen neuartigen Versuch, die Schrift nach hellenistischer Logik zu rationalisieren.
Zu den dynamistischen Monarchianern gehörten auch die Melchisedekianer, benannt nach Hebräer 5,6. Wahrscheinlich vertrat ebenfalls Paul von Samosata einen dynamischen Monarchianismus. Als heutige Beispiele nennt der Artikel Christadelphians, Anthroposophen, The Way International und Unitarier.
Vater und Sohn als Seinsweisen Gottes
Der Modalismus, auch modalistischer Monarchianismus, hält an der vollen Gottheit des Sohnes fest. Um dennoch den Monotheismus zu bewahren, nimmt er an, Vater und Sohn seien je nach Situation verschiedene Seinsweisen des einen Gottes und hätten keine reale Differenz. Daraus kann die Auffassung folgen, Gott der Vater selbst habe in der Gestalt des Sohnes am Kreuz gelitten.
Noëtus von Smyrna und Praxeas waren frühe Vertreter im 2. und 3. Jahrhundert. Hippolyt schrieb gegen Noëtus, Tertullian bekämpfte Praxeas in Adversus Praxean. Beide wurden polemisch Patripassianer genannt. Patripassianismus bedeutet „Leiden des Vaters“ und lehrt, dass der Vater selbst Mensch wurde, von der Jungfrau Maria geboren wurde und am Kreuz litt und starb. Praxeas unterschied dabei zwischen dem Christus, der der Vater sei, und dem Sohn als schlichtem Menschen; der Vater litt somit mit dem menschlichen Jesus.
Auch die außerbiblischen Testamente der zwölf Patriarchen sprechen vom Erscheinen Gottes in menschlicher Gestalt auf der Erde und einmal von einem „Leiden des Höchsten“. Der Artikel wertet dies als Beleg für modalistische Ansichten im damaligen judenchristlichen Bereich.
Sabellius, spätere Debatten und heutige Einordnung
Einen ausgefeilteren Modalismus vertrat Sabellius im frühen 3. Jahrhundert in Rom. Um 220 schloss ihn der römische Bischof Calixt I. aus der römischen Kirchengemeinde aus; zugleich wurde auch Hippolyt von Rom ausgeschlossen. Nach dem Artikel geschah dies bei Sabellius nicht wegen einer Irrlehre, sondern wegen der heftigen und kompromisslosen Konflikte in Rom. In trinitarischen Auseinandersetzungen des 4. Jahrhunderts bezeichnete „Sabellianismus“ Positionen, welche den Unterschied zwischen Vater und Sohn verwässerten.
Im Zusammenhang mit Marcellus von Ancyra wurde die Idee einer „ökonomischen Trinität“ greifbar: Gott sei unteilbar, Vater, Sohn und Heiliger Geist seien jedoch zeitlich aufeinanderfolgende heilsgeschichtliche Erscheinungsformen beziehungsweise persona der göttlichen Monas. Vater ist dabei Schöpfer und Gesetzgeber, der Sohn Erlöser und der Heilige Geist die göttliche Gegenwart unter Menschen. Bei Marcellus starb nicht Gott selbst in Christus. Noëtus deutete die Heilsgeschichte noch ohne den Heiligen Geist; dieser wurde erst im Laufe des 4. Jahrhunderts in die Debatten einbezogen.
Modalistische Vorstellungen widersprechen der von Platonismus und Aristotelismus beeinflussten Lehre von der Apathie Gottes: Gott könne wegen seiner Vollkommenheit und Autarkie nicht leiden. Kirchenväter übernahmen diese Auffassung überwiegend; eine bedeutende Ausnahme war Lactantius in De ira Dei. Deshalb waren Lehren von einem Leiden Gottes für die Kirche mehrheitlich unannehmbar.
Heute vertreten manche Gruppen der Pfingstbewegung, die Vereinigte Apostolische Kirche und einige kleinere mormonische Kirchen eine Art Modalismus. Formulierungen moderner Theologen wie Barths „Seinsweisen“, Rahners „Subsistenzweisen“ oder Werbicks „Daseinsweisen“ Gottes werden nicht als verurteilter Modalismus behandelt, solange sie nicht als Leugnung realer und bleibender innertrinitarischer Differenzen verstanden werden.