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Moll
Diese Bezeichnung kann sich im modernen Sprachgebrauch auf eine Tonart, eine Tonleiter oder einen Akkord beziehen. Moll bildet mit Dur ein Begriffspaar und …
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Grundidee und Begriffe
Moll ist ein Tongeschlecht, also eine grundlegende Art, Tonarten, Tonleitern oder Akkorde zu ordnen. Sein wichtigstes Merkmal ist eine kleine Terz über der Finalis bzw. dem Grundton. Eine kleine Terz ist ein Abstand von drei Halbtonschritten. Moll bildet zusammen mit Dur ein Begriffspaar; die Gesamtheit aller Dur- und Molltonarten heißt Dur-Moll-System. Dieses löste im 17. und 18. Jahrhundert das System der Kirchentonarten ab.
Im Deutschen wird Moll mit der als „weich“ empfundenen kleinen Terz verbunden, im Gegensatz zur als „hart“ empfundenen Durterz. In anderen Sprachen wird Moll oft mit Bedeutungen wie „kleiner“ oder „geringer“ bezeichnet, etwa englisch minor oder französisch mode mineur. Im heutigen deutschen Schriftbild wird meist zwischen C-Dur und c-Moll unterschieden. Bei Akkordsymbolen bedeutet ein kleines „m“ wie in „Am“ aus dem englischsprachigen Gebrauch heraus minor und bezeichnet allgemein eine Akkordstruktur mit kleiner Terz. Bei verminderten Akkorden kommen auch Schreibweisen wie „dim“, „m−5“ oder „m5♭“ vor.
Das musiktheoretische Problem
In der Musiktheorie gilt der Molldreiklang als schwieriger zu erklären als der Durdreiklang. Ein Durdreiklang besteht aus Grundton, großer Terz und reiner Quinte und lässt sich aus der Obertonreihe ableiten. Für den Molldreiklang sind solche Ableitungen weniger eindeutig; daraus entstand das sogenannte „Mollproblem“.
Eine Deutung beschreibt Moll als „Klangtrübung“ des Durdreiklangs: Die große Durterz werde nach unten verändert, sodass die kleine Terz entsteht. Paul Hindemith sah Moll daher nicht als echten polaren Gegensatz zu Dur, sondern als dunklere, schwächere oder mattere Fassung desselben Klanges. Kritisiert wird daran, dass der Mollakkord dadurch als künstlich erzeugter Variantklang erscheint. Die kleine Terz 6:5 wird dabei über das kleine Chroma 25:24 aus der großen Terz abgeleitet: 5/4 : 25/24 = 6/5.
Der harmonische Monismus versucht den Molldreiklang ebenfalls aus der Obertonreihe zu erklären. Wird ein Molldreiklang harmonisch rein aufgefasst, ergibt sich das Verhältnis 10:12:15, analog zum Durdreiklang 4:5:6. Problematisch ist dabei, dass die beteiligten Obertöne durch andere Teiltöne unterbrochen werden und kein eindeutiger Grundton entsteht. Hugo Riemann deutete einen solchen e-Moll-Akkord als „Leittonwechselklang“ oder „Scheinkonsonanz“.
Der harmonische Dualismus deutet Moll als „Unterklang“ und damit als spiegelbildlichen Gegenpol zu Dur. Dabei wird dem physikalisch beobachtbaren Phänomen der Obertonreihe eine mathematisch konstruierte Untertonreihe gegenübergestellt. Diese Theorie stellt zwar Dur und Moll grundsätzlich gleichberechtigt nebeneinander, wurde aber als kompliziert, praxisfern und musikpsychologisch problematisch kritisiert. In der musikalischen Praxis hat das „Mollproblem“ kaum Bedeutung; Komponisten nutzten gerade die Mehrdeutigkeit des Mollgeschlechts oft produktiv.
Molltonleitern
In der Praxis gibt es nicht nur eine einzige Molltonleiter. Molltonarten enthalten je nach harmonischem oder melodischem Zusammenhang verschiedene Tonhöhenoptionen. Daraus wurden in der Musiklehre vor allem drei Modelle gebildet: natürliches Moll, harmonisches Moll und melodisches Moll. Diese Einteilung wird bis heute unterrichtet, wurde aber auch kritisiert, weil sie die tatsächliche musikalische Praxis stark vereinfacht.
Natürliches Moll, auch reines Moll, äolisches Moll oder Naturmoll genannt, ist eine heptatonische Tonleiter, also eine Tonleiter mit sieben verschiedenen Tönen. Sie hat Halbtonschritte zwischen der zweiten und dritten sowie zwischen der fünften und sechsten Stufe; zwischen den übrigen Stufen liegen Ganztonschritte. Die natürliche a-Moll-Tonleiter besteht nur aus Stammtönen: A, H, C, D, E, F, G, A.
Harmonisches Moll entsteht, wenn im natürlichen Moll die siebte Stufe um einen Halbton erhöht wird. Dadurch erhält die fünfte Stufe eine Dur-Dominante, und die erhöhte siebte Stufe wirkt als Leitton zum Grundton. Die harmonische a-Moll-Tonleiter lautet: A, H, C, D, E, F, Gis, A. Zwischen der sechsten und der erhöhten siebten Stufe entsteht eine übermäßige Sekunde, also ein Schritt von drei Halbtönen. In der klassischen Tonsatzpraxis wurde dieser Schritt oft nicht als normale melodische Verbindung verwendet, sondern als Hiatus, also als „Kluft“ oder trennende Stelle.
Melodisches Moll löst dieses Problem, indem in aufwärtsgerichteter Melodie nicht nur die siebte, sondern auch die sechste Stufe erhöht wird. In a-Moll aufwärts lautet die Tonleiter: A, H, C, D, E, Fis, Gis, A. Abwärts werden in der traditionellen Darstellung wieder die Töne des natürlichen Moll verwendet, weil der künstliche Leitton dann nicht nötig ist. In der Akkord-Skalen-Theorie, besonders im Jazz, verwendet man dagegen nur die Aufwärtsform und nennt sie „Melodisch Moll aufwärts“ oder kurz „MMA“.
Besondere Varianten
Eine besondere Mollskala ist die sogenannte ungarische Tonleiter, im Französischen mode hongrois und im deutschsprachigen Raum auch „Zigeunermoll“ genannt. Einige Autoren leiten sie vom harmonischen Moll ab, indem zusätzlich die vierte Stufe erhöht wird. Dadurch entsteht neben der übermäßigen Sekunde zwischen sechster und siebter Stufe eine weitere übermäßige Sekunde zwischen dritter und vierter Stufe.
Die a-Zigeunermoll-Tonleiter lautet: A, H, C, Dis, E, F, Gis, A. Anders als der Hiatus im harmonischen Moll wird die übermäßige Sekunde hier ausdrücklich melodisch verwendet. Solche exponierten übermäßigen Sekunden wurden seit dem frühen 19. Jahrhundert zu einem Merkmal des von der Musik der ungarischen Roma inspirierten „ungarischen Stils“ im Schaffen von Komponisten wie Joseph Haydn und Franz Liszt.
In der Jazzpraxis gibt es außerdem innerhalb des Mollsystems für den Dur-Dominantseptakkord auf der fünften Stufe eine Improvisationsskala, die mit dem fünften Ton der harmonischen Molltonleiter beginnt. Sie wird mit HM5 bezeichnet.
Beziehungen zu Dur
Molltonarten stehen in mehreren Beziehungen zu Durtonarten. Die Durvariante einer Molltonart hat denselben Grundton, aber anderes Tonmaterial und andere Vorzeichen. Ein Beispiel ist a-Moll im Verhältnis zu A-Dur.
Die Durparallele einer Molltonart wird mit derselben Vorzeichnung notiert. Sie liegt eine kleine Terz über der Molltonart, zum Beispiel a-Moll und C-Dur. Vollständige Identität des Tonmaterials besteht dabei nur beim natürlichen Moll.
Dur und Moll werden von vielen Menschen verschieden wahrgenommen. Neueren Untersuchungen zufolge können Kleinkinder diese Unterscheidung noch nicht leisten; sie bildet sich erst ab etwa sechs Jahren heraus. Seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts werden Dur und Moll zunehmend mit „fröhlich“ bzw. „traurig“ verbunden. Diese Zuordnung ist aber nur eingeschränkt sinnvoll, weil der Charakter einer Musik auch von Melodie, Rhythmus und Tempo abhängt. Häufig werden Dur und Moll auch mit visuellen Adjektiven beschrieben: Dur als „hell“, „klar“ oder „strahlend“, Moll als „dunkel“, „düster“ oder „trübe“. Akustisch wird die andere Wirkung unter anderem damit erklärt, dass der Molldreiklang gegenüber dem Durdreiklang einen geringeren Konsonanzgrad haben kann und kompliziertere Kombinationstonverhältnisse erzeugt.
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