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Adhortativ

Wie in der deutschen Grammatik wird auch der französische Adhortativ als Imperativ (impératif) geführt. Beispiele für beide Formen sind: Verb, Indikativ …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbedeutung
  2. 2. Standarddeutsch
  3. 3. Umgangssprache und bairische Dialekte
  4. 4. Bairische Formen
  5. 5. Europäische Sprachen
  6. 6. Ungarisch, slawische Sprachen und Türkisch

Grundbedeutung

Der Adhortativ ist die auffordernde oder ermahnende Form eines Verbs. Er richtet sich an mehrere Personen, wobei der Sprecher selbst zu dieser Gruppe gehört. Er wird daher in der 1. Person Plural verwendet und bedeutet etwa „Lasst uns …“ oder „Gehen wir …“.

Einige Sprachen, darunter Ungarisch und slawische Sprachen, besitzen dafür eigene Verbformen. Im Deutschen wird die gemeinsame Aufforderung überwiegend durch Satzbau, Konjunktiv oder Umschreibungen ausgedrückt.

Standarddeutsch

In der deutschen Grammatik gilt der Adhortativ als Untertyp des Imperativs. Meist besitzt er jedoch keine eigene Imperativflexion. Er wird durch den Konjunktiv I in der 1. Person Plural gebildet.

Nur bei „sein“ unterscheidet sich diese Form sichtbar vom Indikativ: „Seien wir doch einmal ehrlich“ gegenüber „Wir sind ehrlich.“ Bei anderen Verben sind Indikativ und Konjunktiv I in der 1. Person Plural gleich. Deshalb kann „Gehen wir zum Essen!“ äußerlich auch einer Aussage oder Frage ähneln.

Entscheidend sind die Verb-Erst-Stellung, die Intonation beziehungsweise das Ausrufezeichen sowie mögliche Partikeln wie „doch“ oder „mal“. Der Adhortativ wird im heutigen Deutsch also vor allem durch die Konstruktion des Satzes, weniger durch eine besondere Wortform, kenntlich gemacht.

Eine weitere Möglichkeit ist „lassen“ mit „uns“: „Lass uns zum Essen gehen!“ richtet sich an eine Person, „Lasst uns zum Essen gehen!“ an mehrere Personen. Diese Formen gelten in der Literatur als Umschreibungen, nicht als eigenständige Adhortativformen.

Umgangssprache und bairische Dialekte

Umgangssprachlich wird bei „sein“ auch die erkennbare Konjunktivform durch den Indikativ ersetzt. Dann lässt sich der Adhortativ nur noch aus der Satzkonstruktion erkennen.

Aus „lass uns mal“ kann die Partikel „lassmal“ oder „lassma“ entstehen, zum Beispiel: „Lassmal telefonieren!“ Dabei ist „lass“ erstarrt; der Ausdruck kann an eine oder mehrere Personen gerichtet sein.

Bairische Formen

Für Angaben zu bairischen Dialekten weist der Artikel auf eine unzureichende Beleglage hin. Dort kann ein reduziertes Pronomen „-ma“ für standarddeutsch „wir“ mit einem flektierten Verb zusammengezogen werden. Beispiele sind „Gemma!“ („Lass(t) uns (los)gehen!“), „Samma zfrien!“ und „Dringma zsamm!“.

Diese Bildungen sind nicht ausschließlich Adhortative, da sie auch in Aussagesätzen vorkommen können, etwa „Mir samma zfrien.“ für „Wir sind zufrieden.“

Europäische Sprachen

Im Englischen markiert „let’s“, zusammengezogen aus „let us“, den Adhortativ obligatorisch: „Let’s go have lunch!“ bedeutet „Gehen wir essen!“ beziehungsweise „Lass(t) uns essen gehen!“.

Im Französischen entspricht der Adhortativ bei fast allen Verben der 1. Person Plural im Indikativ Präsens und wird als Imperativ geführt: „Nous mangeons.“ steht neben „Mangeons!“, „Nous regardons.“ neben „Regardons!“. Bei „être“ und „avoir“ unterscheiden sich die Formen: „Nous sommes généreux.“ – „Soyons généreux!“ sowie „Nous avons peur.“ – „Ayons peur!“. Kennzeichnend sind Verb-Erst-Stellung und das fehlende Subjekt „nous“.

Im Lateinischen wird der Adhortativ mit dem Konjunktiv Präsens gebildet, zum Beispiel „Cantemus!“, „Eamus!“ und „Faciamus!“. Auch das Gerundivum kann einen Adhortativ ausdrücken.

Im Rumänischen steht die Partikel „hai“, „haide“ oder „haidem“ vor dem Konjunktivmarker „să“ und dem Verb: „hai/haide/haidem să așteptăm!“ bedeutet „lasst uns warten!“. Die Partikel stammt aus dem Türkischen „hadi“ und erscheint auch in anderen Balkansprachen, etwa serbokroatisch „hajdemo!“.

Ungarisch, slawische Sprachen und Türkisch

Im Ungarischen bildet das Suffix „-j-“ eine Form, die je nach Person Adhortativ, Imperativ, Optativ oder Konjunktiv sein kann. Beim Verb „vár-“ („warten“) lautet die 1. Person Plural „várjuk / várjunk“: „lasst uns warten!“. Die Übersetzung hängt von der grammatischen Person und davon ab, ob ein Akkusativ-Objekt vorhanden ist. Die 3. Person Singular „várja“ kann außerdem die höfliche Aufforderung „Warten Sie!“ ausdrücken.

In den slawischen Sprachen gehört der Adhortativ zum Imperativparadigma. Beim tschechischen „dělat“ („machen“) ist „dělejme!“ die Form der 1. Person Plural: „lasst uns machen!“. Anders als im Ungarischen gibt es dabei keine entsprechenden Formen für die 1. Person Singular oder die 3. Person.

Im Türkischen wird der Adhortativ durch Agglutination mit dem Suffix {AlIm} gebildet. Nach Vokalharmonie erscheint es als „-elim“ nach hellem und „-alım“ nach dunklem Verbstamm: „gid-“ wird zu „gidelim!“ („lasst uns gehen!“), „buluş-“ zu „buluşalım!“ („treffen wir uns!“). Die türkische Grammatik ordnet diese Form dem Voluntativ zu.

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