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Mittelpunkte Deutschlands

Berechnungsmethoden ; Schnittpunktermittlung, Verbindet man den nördlichsten Punkt Deutschlands und den südlichsten Punkt mit einer Linie und kreuzt damit die …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee
  2. 2. Wichtige Berechnungsmethoden
  3. 3. Warum die Ergebnisse unsicher sind
  4. 4. Mittelpunkte der Bundesländer
  5. 5. Historische Mittelpunkte
  6. 6. Geteiltes Deutschland

Grundidee

Als Mittelpunkt Deutschlands wird ein Ort bezeichnet, der in der Mitte Deutschlands liegt. Einen einzigen eindeutig richtigen Punkt gibt es nicht, weil verschiedene wissenschaftlich vertretbare Berechnungsmethoden zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Die meisten berechneten Mittelpunkte liegen im westlichen Thüringen, teilweise auch im südöstlichen Niedersachsen oder im östlichen Hessen, ungefähr im Städtedreieck Kassel-Erfurt-Göttingen.

Der Mittelpunkt Deutschlands ist auch historisch veränderlich, weil sich die Grenzen Deutschlands verändert haben. Verschiebungen ergaben sich unter anderem durch den Versailler Vertrag 1918, den Verlust der Ostgebiete 1945, den Anschluss des Saarlandes an die Bundesrepublik 1957 und die deutsche Wiedervereinigung 1990. Viele Orte markieren ihren Mittelpunkt mit Steinen, Stelen oder touristischen Hinweisen.

Wichtige Berechnungsmethoden

Eine einfache Methode ist der Mittelpunkt eines von Breiten- und Längengraden begrenzten Gebietes. Dabei nimmt man die Mittelwerte aus nördlichstem und südlichstem sowie östlichstem und westlichstem Punkt Deutschlands. Dieser Punkt liegt etwa 120 m vom nördlichen Ortsrand von Niederdorla in Thüringen entfernt, bei 51° 9′ 48,1″ N, 10° 26′ 51,7″ O.

Bei der Schnittpunktermittlung verbindet man den nördlichsten mit dem südlichsten Punkt und den östlichsten mit dem westlichsten Punkt. Der Schnittpunkt dieser Linien liegt etwa 2 km westlich von Besse in Hessen, bei 51° 13′ 15″ N, 9° 21′ 27″ O.

Mehrere Verfahren bestimmen einen Schwerpunkt. Beim Austarieren einer Fläche in der Form Deutschlands ergibt sich ein Punkt etwa auf halber Luftlinie zwischen Langula und Kammerforst in Thüringen, bei 51° 8′ 0″ N, 10° 25′ 0″ O. Eine genaue Schwerpunktberechnung des Staatsgebiets zu Land ohne Zwölfmeilenzone nennt Gut Landstreit bei Eisenach; angegeben sind unter anderem 51° 0′ 22,6″ N, 10° 20′ 11,4″ O beziehungsweise 50° 57′ 58,5″ N, 10° 18′ 22,6″ O. Ein 3D-Modell, das auch Unebenheiten als Polygonzüge berücksichtigt, führt zu einem Punkt etwa 1 km westnordwestlich von Krebeck in Niedersachsen, bei 51° 35′ 26″ N, 10° 6′ 22″ O.

Weitere Methoden suchen den Punkt mit minimalem Abstand zur Staatsgrenze, den Bevölkerungsmittelpunkt oder ein Standortoptimum nach Aufteilung Deutschlands in gleich große Teilflächen. Beim minimalen Abstand zur Staatsgrenze liegt der Punkt etwa 300 m südlich von Flinsberg in Thüringen; genannt werden 51° 18′ 50,9″ N, 10° 11′ 16,7″ O und auch 51° 19′ 42″ N, 10° 11′ 0″ O. Der Bevölkerungsmittelpunkt, also der Ort, zu dem alle Einwohner Deutschlands durchschnittlich den kürzesten Weg haben, liegt 150 m nordnordwestlich von Beieröde in Hessen, bei 51° 6′ 57,6″ N, 9° 42′ 10,8″ O. Beim Verfahren der minimalen Entfernungssumme nach quadratischen Teilflächen wird der Mittelpunkt im Westen von Mihla in Thüringen verortet, bei 51° 4′ 40″ N, 10° 19′ 25″ O.

Warum die Ergebnisse unsicher sind

Die Berechnung ist schwierig, obwohl Deutschland als Staat relativ übersichtlich erscheint. Ein Problem ist die genaue Festlegung der Staatsgrenze. Meist beruht sie auf Abkommen mit Nachbarländern und ist durch Grenzsteine sichtbar. Im Obersee des Bodensees gibt es jedoch keine fixierte Grenzlinie; bei Berechnungen wird hilfsweise die Seemitte angesetzt.

Auch Inseln beeinflussen das Ergebnis. Sie gehören zum Staatsgebiet, aber nicht zum Festland. Halbinseln werden dem Festland zugerechnet. Inseln, die über Brücken oder Dämme mit dem Festland verbunden sind, etwa Usedom, Rügen, Fehmarn, Sylt, Nordstrand und einige Halligen, werden mitunter wie Halbinseln behandelt. Andere Inseln in Nordsee und Ostsee, etwa die Nordfriesischen und Ostfriesischen Inseln sowie Helgoland, werden entweder über die Küstengewässer der Zwölfmeilenzone oder über andere mathematische Verfahren einbezogen.

Kartendarstellungen können das Ergebnis verzerren. Die Mercator-Projektion macht Breitenkreise und Meridiane zu Geraden und dehnt Flächen in Ost-West-Richtung umso stärker, je weiter sie im Norden liegen. Schneidet man eine solche Karte an den Grenzen aus und balanciert sie aus, erhält der Norden ein Übergewicht, das den Mittelpunkt nach Norden verschiebt. Zwischen zwei Längengraden liegen auf dem nördlichsten Breitengrad Deutschlands etwa 64 km, auf dem südlichsten etwa 76 km; der Unterschied beträgt also 12 km pro Längengrad. Der Abstand zwischen zwei Breitengraden beträgt konstant 111 km.

Methoden mit Extrempunkten sind besonders anfällig. Die Mittelung von nördlichstem, südlichstem, östlichstem und westlichstem Punkt ist einfach, überbewertet aber herausragende Punkte wie die Nordspitze von Sylt oder schmale Landstreifen. Sie beschreibt eher eine Mittelung von Extrempunkten als den Mittelpunkt der Landesfläche. Auch Grenzlinienverfahren können Gebiete mit stark gefalteter Grenze stärker gewichten als geradlinige Abschnitte. Beim Flächenschwerpunkt wiederum erhalten weit entfernte Landesteile durch den größeren Hebelarm stärkeres Gewicht; der Punkt bedeutet nicht automatisch, dass jeweils die halbe Fläche nördlich, südlich, östlich und westlich von ihm liegt.

Mittelpunkte der Bundesländer

Auch für die Bundesländer werden Mittelpunkte angegeben, oft mit unterschiedlichen Methoden. Beispiele sind Tübingen-Elysium für Baden-Württemberg als Schwerpunkt bei zentrierter Bodenseeufer-Grenzlinie und Böblingen an der Tübinger Straße nach Holzgerlingen als Mittelpunkt nach Mittelwerten der äußersten Landesgrenzpunkte im Bezugssystem WGS84. Für Bayern wird Kipfenberg im Landkreis Eichstätt als Schwerpunkt genannt. Für Berlin liegt der Schwerpunkt in Kreuzberg nahe Alexandrinenstraße 15.

Bei manchen Ländern gibt es mehrere Angaben oder unsichere Werte. Für Brandenburg werden unter anderem Berlin-Tempelhof als Schwerpunkt, Berlin-Reinickendorf nach der 2-Lot-Methode und das Nordufer des Fahrlander Sees in Potsdam-Fahrland nach Halbierung der Entfernungen zwischen den äußersten Punkten der Landesgrenze genannt. Für Hessen wird Mücke-Flensungen im Vogelsbergkreis genannt; ein neuer Punkt liegt etwa 800 m südlich und ist unmarkiert. Für das Saarland erscheinen Eppelborn als geometrischer Mittelpunkt und Falscheid in Lebach als geographischer Mittelpunkt.

Weitere Beispiele sind Teterow in Mecklenburg-Vorpommern, Hoyerhagen in Niedersachsen, Dortmund-Aplerbecker Mark in Nordrhein-Westfalen, Bärenbach im Hunsrück in Rheinland-Pfalz, Kurort Hartha beziehungsweise Obereula/Deutschenbora in Sachsen, Schönebeck und Tornitz in Sachsen-Anhalt, Nortorf in Schleswig-Holstein sowie Rockhausen in Thüringen. Die Übersichtskarte weist darauf hin, dass Doppeleinträge aus unterschiedlichen Berechnungsmethoden entstehen.

Historische Mittelpunkte

Auch frühere deutsche Staaten hatten berechnete Mittelpunkte. Für das Deutsche Reich von 1871 bis 1920 galt Spremberg in der Niederlausitz als geografischer Mittelpunkt. Grundlage waren die Mittelwerte der am weitesten nördlich, südlich, östlich und westlich gelegenen Orte des Reiches. Der Jahresbericht der höheren Lehranstalten von 1872 nannte als Mittelpunkt 51° 34′ 22″ nördlicher Breite und 32° 2′ 7,5″ östlicher Länge von Ferro; umgerechnet wird auch 51° 34′ 19,5″ N, 14° 22′ 16,2″ O angegeben. Der Punkt lag auf dem Territorium der Stadt Spremberg.

Die Berechnung wird im Artikel als ungenau beschrieben. Sie ging auf den Geographen Heinrich Matzat zurück, Oberlehrer am Spremberger Realgymnasium. Die Methode über Mittellinien zwischen äußersten Längen- und Breitengraden ist umstritten, und mehrere Grenzpunkte wurden ungenau bestimmt. Bei genauerer Berücksichtigung damaliger Karten und Unterlagen ergäbe sich 51° 34′ 55,9″ N, 14° 22′ 35″ O. Dieser Punkt liegt noch im Bereich von Spremberg, aber 1150 m vom ausgewiesenen Punkt beim Gymnasium entfernt im Wald. Der Originalstein wurde nach 1946 beschädigt, 1988 geborgen und im Heimatmuseum Spremberg ausgestellt; am 19. Januar 1991 wurde wenige Meter vom Originalstandort entfernt eine Kopie aufgestellt.

1918 wurde ein neuer Reichsmittelpunkt berechnet und veröffentlicht. Eine Gedenktafel in Krina, Sachsen-Anhalt, erinnert daran, dass Krina einmal Mittelpunkt des Deutschen Kaiserreiches war. Ein späteres fehlerhaftes Schild mit der Aufschrift „Mittelpunkt im Großdeutschen Reich 1900“ wurde 2017 gestohlen und danach durch ein korrektes Schild ersetzt.

Geteiltes Deutschland

Während der deutschen Teilung von 1949 bis 1990 wurden getrennte Mittelpunkte für die Bundesrepublik Deutschland und die DDR genannt. Als Mittelpunkte der alten Bundesrepublik galten vor allem die zur Gemeinde Rennerod im Westerwald gehörende Basaltformation „Butterweck“, ermittelt 1978, und Herbstein im Vogelsbergkreis in Hessen.

Der Mittelpunkt der DDR lag bei der Stadt Belzig im DDR-Bezirk Potsdam, zwischen Verlorenwasser und Weitzgrund im Fläming.

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