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Mallorca

Geografie ... Die natürliche Wasserarmut der Insel wurde durch den Massentourismus noch verschärft und bedroht seither die heimische Flora und Fauna.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Lage
  2. 2. Landschaften, Gestein und Gewässer
  3. 3. Klima, Natur und Schutz
  4. 4. Bevölkerung, Sprache und Verwaltung
  5. 5. Historische Entwicklung
  6. 6. Wirtschaft, Verkehr, Tourismus und Umwelt

Überblick und Lage

Mallorca ist eine zu Spanien gehörende Insel im westlichen Mittelmeer, etwa 170 Kilometer vom spanischen Festland bei Barcelona entfernt. Sie ist die größte Insel der Balearen, die innerhalb Spaniens eine autonome Gemeinschaft bilden, außerdem die größte spanische Insel und die siebtgrößte Mittelmeerinsel. Hauptstadt, größte Gemeinde sowie politisches und wirtschaftliches Zentrum ist Palma. Amtssprachen sind Katalanisch und Spanisch; die Hymne heißt „La Balanguera“.

Die Hauptinsel misst in Ost-West-Richtung maximal 98 Kilometer und in Nord-Süd-Richtung 78 Kilometer. Ihre Fläche beträgt 3.603,7155 km², mit kleineren vorgelagerten Inseln 3.622,5448 km²; die Küste ist über 550 Kilometer lang. Zum Verwaltungsgebiet gehören auch der Cabrera-Archipel mit 18,36 km² und Sa Dragonera mit 2,88 km². Der höchste Berg ist der Puig Major mit 1.445 Metern. Mallorca hat 53 Gemeinden. Für 2024 werden 949.047 Einwohner und eine Bevölkerungsdichte von 243,1 Einwohnern je km² angegeben; an anderer Stelle nennt der Artikel für 2019 896.038 gemeldete Einwohner.

Landschaften, Gestein und Gewässer

Mallorca wird in sechs Landschaftszonen, comarques, gegliedert: Llevant, Migjorn, Palma, Pla de Mallorca, Raiguer und Serra de Tramuntana. Palma ist mit 431.521 Einwohnern (2025) die bevölkerungsreichste und mit 2.068 Einwohnern je km² die dichtest besiedelte Comarca. Die zentrale Ebene Pla de Mallorca ist eine wichtige Agrarregion für Kartoffeln, Reis, Mais, Gemüse, Wein und Mandeln. Das Raiguer bildet den Übergang vom Gebirge zur Ebene und ist besonders für Schuh- und Lederhandwerk, vor allem in Inca, bekannt. Llevant umfasst die Ost- und Nordostregion mit kleineren Gebirgen, Naturhäfen, Sandstränden und Höhlen wie Coves del Drac, Coves dels Hams und Coves d’Artà. Migjorn im Süden verbindet Landwirtschaft mit Tourismus, etwa bei Es Trenc.

Die Serra de Tramuntana verläuft über mehr als 90 Kilometer parallel zur Nordwestküste und ist bis zu 15 Kilometer breit. Sie hat 54 Gipfel über 1.000 Meter; der Puig Major ist ihr und Mallorcas höchster Punkt. Die Gebirgskette wirkt als Wetterscheide: In den Bergen fällt durch Steigungsregen mehr Niederschlag, während die übrigen Teile mildere Winter und weniger Regentage haben. Die niedrigeren Serres de Llevant im Osten besitzen nur drei Gipfel über 500 Meter.

Geologisch gehören die Balearen zur Verlängerung der Betischen Kordillere. Kalkreiche Gesteine aus Sedimenten des Tethys-Meeres enthalten viele Fossilien. Durch Subduktion – das Unterschieben der Afrikanischen Platte unter die Eurasische Platte – entstanden Hebungs- und Senkungszonen. Wasserlöslicher Kalk führte zur Verkarstung, also zur Bildung von Höhlen und typischen Lösungsformen. Mallorca besitzt keine Flüsse und keine natürlichen Seen. Regenwasser fließt über Torrents, zeitweise starke Sturzbäche, ins Meer. Die Stauseen Embassament de Cúber und Embassament des Gorg Blau sichern besonders Palmas Trinkwasserversorgung. Geschützte Feuchtgebiete sind S’Albufera und S’Albufereta.

Klima, Natur und Schutz

Mallorca hat ein gemäßigtes subtropisches Klima. Die durchschnittliche tägliche Sonnenscheindauer beträgt 7,9 Stunden; der Niederschlag reicht von etwa 1.400 Millimetern im Norden bis 400 Millimetern im Süden. Die Winter sind meist mild und feucht, Sommer dagegen fast regenlos und im Inselinneren teils über 40 °C heiß. Starke Regenfälle mit Sturm und Gewittern sind ab Ende August möglich; der Oktober ist statistisch der niederschlagsreichste Monat und kann örtliche Überschwemmungen verursachen. Für den Flughafen Palma ergeben die Werte 1971–2000 eine Jahresmitteltemperatur von 16,1 °C, 406 mm Niederschlag und 51 Regentage. Im Juli fallen durchschnittlich 7 mm Niederschlag, im Oktober 68 mm.

Während der Hitzewelle 2024 wurden mehrfach über 40 °C gemessen. Zugleich nennt der Artikel für Palma als absolute Höchsttemperatur 39 °C im Juli/August. Im August 2024 erreichte das Mittelmeer bei Dragonera 31,87 °C und übertraf damit den bisherigen Wert von 31,36 °C aus August 2022. Hitze, höhere Luftfeuchtigkeit, Wasserknappheit und Wetterextreme belasten Infrastruktur und Aufenthalt auf der Insel.

Die Flora umfasst über 1.500 Arten. Die Fauna hat wenige Säugetier-, aber viele Vogelarten. Verwilderte Hausziegen sind die einzigen größeren wildlebenden Säugetiere. Zu den endemischen Arten gehören Balearensturmtaucher, Balearengrasmücke und die 1979 wiederentdeckte Mallorca-Geburtshelferkröte. Wichtige Schutzgebiete sind der Land- und Meeresnationalpark des Cabrera-Archipels sowie die Naturparks S’Albufera, Mondragó, Sa Dragonera und die Halbinsel Llevant.

Bevölkerung, Sprache und Verwaltung

2019 lebten 407.648 der 896.038 gemeldeten Einwohner Mallorcas in Palma. Weitere große Gemeinden waren Calvià mit 51.114, Manacor mit 40.831, Llucmajor mit 36.994, Marratxí mit 34.583 und Inca mit 30.066 Einwohnern. 2012 betrug der Ausländeranteil 21,2 % beziehungsweise 185.824 Personen. Darunter waren 31.025 Deutsche, 18.142 Marokkaner und 16.163 Briten. Die einheimische Bevölkerung wird Mallorquiner genannt.

Mallorquinisch ist ein Dialekt des Katalanischen und gehört zusammen mit Menorquinisch und Ibizenkisch zum Balearischen oder Inselkatalanischen. Seit 1983 ist Katalanisch neben Spanisch wieder Amtssprache. Das Gesetz zur sprachlichen Normalisierung von 1986 sollte seine Verwendung stärken. Weil viele Menschen vom spanischen Festland zugewandert sind, gibt es besonders in der Schulpolitik Konflikte über die Bevorzugung von Katalanisch oder Spanisch. In touristischen Zentren sind meist auch Deutsch oder Englisch verbreitet.

Mallorca gehört zur autonomen Gemeinschaft der Balearen. Deren Regierung hat unter anderem Zuständigkeiten für Bildung, Gesundheit, Tourismus und Soziales. Der Inselrat Consell Insular besitzt Teilkompetenzen etwa für Kultur, Straßen, Bahn, Bau, Jugendschutz und Abfallentsorgung. Die sechs Landschaftszonen sind – außer der Stadtgemeinde Palma – keine Verwaltungseinheiten. Politisch ist die Insel in 53 Gemeinden gegliedert.

Historische Entwicklung

Erste menschliche Spuren werden für etwa 4000 bis 2000 v. Chr. belegt; andere Quellen gehen von einer Besiedlung ab etwa 6500 v. Chr. aus. Ab 2000 v. Chr. entwickelte sich die Vor-Talaiotkultur. Zwischen 1500 und 1300 v. Chr. entstanden Naviformes, dickwandige Steinbauten mit hufeisenförmigem Grundriss. Das Talaiotikum dauerte von 1300 v. Chr. bis zur römischen Eroberung 123 v. Chr. Seine charakteristischen Talaiots waren runde oder quadratische Türme; ihre Funktion als mögliche Verteidigungs- oder Beobachtungstürme, Begräbnisstätten oder Wohnräume ist ungeklärt.

123 v. Chr. besetzte Rom Mallorca unter Konsul Quintus Caecilius Metellus Balearicus. Es entstanden Palma und Pol·lèntia beim heutigen Alcúdia. Latein, Christentum sowie Wein-, Weizen- und Olivenanbau prägten die Insel nachhaltig. Nach Vandalenherrschaft ab 465 gehörte Mallorca von 534 bis 754 zum Oströmischen Reich. 902 eroberten muslimische Truppen die Insel. Aus dieser Zeit stammen unter anderem Bewässerungsgräben, Brunnen, Terrassenmauern sowie der Anbau von Datteln und Zitronen.

1229 eroberte Jaume I. von Aragón und Katalonien Mallorca. Von 1276 bis 1349 bestand das Königreich Mallorca; nach der Niederlage und dem Tod Jaume III. in der Schlacht von Llucmajor am 25. Oktober 1349 wurde die Insel wieder aragonesisch. Ihre innere Autonomie blieb bis Anfang des 18. Jahrhunderts erhalten, ging aber nach dem Spanischen Erbfolgekrieg und der Herrschaft Philipps V. 1714 weitgehend verloren. Seit 1983 sind die Balearen wieder autonome Region. Der Massentourismus setzte in den 1960er-Jahren ein.

Wirtschaft, Verkehr, Tourismus und Umwelt

Der Tourismus ist die wichtigste Einnahmequelle: Der Dienstleistungsbereich Tourismus erbringt 75 % der Wirtschaftsleistung, die Bauindustrie rund 10 %. Fast drei Viertel der Insel sind landwirtschaftliche Nutzflächen. Landwirtschaft stellt 11 % der Arbeitsplätze, trägt aber nur 2,5 % zum Bruttonationaleinkommen bei. Daneben sind Marmorabbau, Leder-, Keramik-, Imitationsperlen- und Glasindustrie sowie Fischerei bedeutsam.

1960 kamen rund 360.000 Besucher, 1970 bereits mehr als 2 Millionen und 2007 rund 9,91 Millionen Touristen. Von ihnen kamen 2007 35,8 % aus Deutschland, 23,2 % aus Großbritannien und 21,6 % aus Spanien. Für 2025 erwartet der Artikel erstmals über 20 Millionen Besucher; im Übertourismus-Index von Evaneos und Roland Berger belegte Mallorca 2025 den ersten Platz. Bewertet werden dabei internationale Touristen je Einwohner, Besucherdichte, saisonale Konzentration und Nachhaltigkeits-Reifegrad. Höhere Touristensteuern und nachhaltigere Praktiken sollen die Belastung verringern.

Der Flughafen Palma de Mallorca liegt acht Kilometer östlich von Palma und ist nach Madrid-Barajas und Barcelona-El Prat der drittgrößte Spaniens. Seine angegebene maximale Kapazität beträgt 32 Millionen Fluggäste pro Jahr. Der Port de Palma ist der wichtigste Güter- und Fährhafen; Verbindungen bestehen zum Festland, zu den anderen Inseln und saisonal nach Frankreich. 2023 stammten nur etwa 12 % des Stroms aus erneuerbaren Quellen; fossile Kraftwerke, Gas-und-Dampf-Kombikraftwerke und Stromimporte vom Festland decken den übrigen Bedarf.

Massentourismus verstärkt Wasser- und Energieknappheit, Müll- und Plastikverschmutzung, Flächenverbrauch, Verkehrs- und Luftbelastung. Saisonale Überlastung von Kläranlagen kann Abwässer in Badebuchten gelangen lassen. Laut Artikel sind 23 % der Küstenfläche versiegelt. Meeresforscher prognostizieren, dass bis Ende des 21. Jahrhunderts etwa jeder fünfte Strand durch Meeresspiegelanstieg verschwinden könnte. Eine Greenpeace-Studie mit Daten aus 2023 nennt Nitratbelastungen bei 100 % der Grundwassermessungen auf den Balearen; neun Gemeinden auf Mallorca liefern deshalb Wasser, das nicht zum menschlichen Konsum geeignet ist.

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