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Korfu
Die Insel und das sie umgebende Gebiet ist in drei Gemeinden untergliedert, der auch die Diapontischen Inseln als Gemeindebezirke angehören. Diese Gemeinden und …
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Insel, Landschaft und Natur
Korfu, neugriechisch Kerkyra, ist eine griechische Insel im Ionischen Meer. Mit rund 585 km² ist sie die zweitgrößte der Ionischen Inseln und die siebtgrößte Insel Griechenlands. Sie ist etwa 61 km lang und 9 km breit. Mehr als 100.000 Einwohner, die Korfioten, leben dort; Hauptort ist Korfu-Stadt. Die Insel liegt vor der Westküste Griechenlands und der albanischen Küste, von der sie an der engsten Stelle der Straße von Korfu nur etwa zwei Kilometer entfernt ist. Die Apenninhalbinsel liegt knapp 100 km westlich.
Hügel und Berge bestimmen die Landschaft. Im Norden erhebt sich die Kette des Pantokrator, deren Höhe mit 911 m angegeben wird; in den Grunddaten erscheint der Pantokrator mit 906 m. In der Inselmitte erreicht der Höhenzug Agii Deka 576 m. Wegen ihrer üppigen Vegetation wird Korfu als „grüne Insel“ bezeichnet und zählt zu den wohlhabendsten Regionen Griechenlands.
Geologisch liegt Korfu am äußersten Osten der Apulischen Platte beziehungsweise jenseits ihres Ostrands auf der oberen Platte. Die Kollision dieses kleinen Kontinents mit Eurasien und die Schließung des früheren Ozeans Tethys trugen zur Bildung der Alpen, des Apennins und der Dinariden bei. Die Subduktion, also das Absinken einer Erdplatte unter eine andere, begann vor 100 bis 120 Millionen Jahren.
Das Klima hat warme, trockene Sommer und niederschlagsreiche Winter. Für 1961–1990 werden durchschnittliche Tageshöchstwerte von 13,9 °C im Januar bis 31,1 °C im August angegeben. Der Jahresniederschlag beträgt 1087 mm, davon fallen nur 7 mm im Juli, aber 181 mm im November. Die Wassertemperatur reicht von 14 °C im Winter bis 24 °C im August. Die jüngeren Klimaveränderungen betreffen auch Korfu; für Korfu-Stadt gilt die Gefahr durch Starkregenereignisse jedoch als vergleichsweise niedrig.
Das Mikroklima begünstigt Wildblumen; 36 Orchideenarten kommen vor. Etwa 4 % der Tier- und Pflanzenarten sind endemisch, kommen also nur in einem begrenzten Gebiet natürlich vor. Die Korission-Lagune und weitere Feuchtgebiete im Südwesten sind bedeutende Vogellebensräume; allein dort wurden über 150 Arten gezählt. Mindestens 76 Schmetterlingsarten waren 2024 nachgewiesen. Zu den verbreiteten Säugetieren gehören Nördlicher Weißbrustigel und Steinmarder. Bauindustrie, Tourismus, Wasserentnahme und teilweise Jagd gefährden Lebensräume. Zusätzlich bedrohen invasive, also eingeschleppte und sich ausbreitende Arten wie Nutria, Waschbär und Sibirischer Burunduk die heimische Natur. Der Status mancher Arten, darunter Wildschwein, Fischotter und Goldschakal, ist nicht sicher geklärt.
Verwaltung und Bevölkerung
Korfu und die umliegenden Inseln sind heute in drei Gemeinden gegliedert: Kendriki Kerkyra ke Diapondia Nisia mit Korfu-Stadt und den Diapontischen Inseln, Voria Kerkyra im Norden sowie Notia Kerkyra im Süden. Zusammen mit der Gemeinde Paxi bilden sie den Regionalbezirk Kerkyra. Die Gliederung entstand nach mehreren Reformen: 1997 wurden 100 kleine Gemeinden zu zwölf Gemeinden zusammengefasst, 2011 mit den drei Inselgemeinden der Diapontischen Inseln zu einer einzigen Gemeinde Kerkyra vereinigt und 2019 wieder in drei Gemeinden geteilt.
Die griechische Regionalisierung übertrug nach 1982 wieder mehr Aufgaben an örtliche Verwaltungen, etwa Bau und Betrieb von Kindergärten, Wasserversorgung und Müllbeseitigung. Die beiden Finanzämter der Insel übernehmen neben Steueraufgaben auch die Ausgabe von Steuernummern, Gewerbeanmeldungen und Bescheinigungen über Schuldenfreiheit gegenüber dem Staat. Eine solche Bescheinigung ist Voraussetzung für die Zulassung eines Autos oder den Immobilienerwerb in Griechenland.
Von der Urgeschichte bis zur Antike
Jäger und Sammler könnten Korfu bereits vor 75.000 Jahren besucht haben. Ein bei Gardiki gefundener Chopper, ein einfaches steinernes Schlagwerkzeug, stammt möglicherweise aus dieser Zeit. Damals lag das Gebiet höchstens 12 km vom Festland entfernt; auch Neandertaler hielten sich dort auf. In Agios Mattheos wurden 870 jungpaläolithische Feuersteinartefakte entdeckt. Einige frühe Datierungen sind allerdings umstritten. Auch im Mesolithikum lebten Jäger, Fischer und Sammler dort.
Durch den steigenden Meeresspiegel wurde Korfu zwischen 10.000 und 8000 v. Chr. erneut vom Festland getrennt. Bauern und Hirten siedelten im Neolithikum ab 6400 bis 6300 v. Chr.; nach anderen Forschern begann dies schon um 6500 v. Chr. In der Bronzezeit wurde die Insel erneut besiedelt. Funde zeigen Beziehungen zu Makedonien, Epiros und zum Westen. Ein Linear-B-Täfelchen aus dem Palast des Nestor bei Pylos erwähnt um 1200 v. Chr. einen „Mann aus Korkyra“. Korfu gehörte nicht zum mykenischen Kulturkreis, unterhielt aber Handelsbeziehungen und entwickelte eine deutlich lokale Kultur.
In der Mythologie wurde Korfu teils mit Scheria, dem Land der Phaiaken in Homers Odyssee, gleichgesetzt; diese Deutung war schon in der Antike umstritten. Scheria ist die letzte Station des Odysseus vor Ithaka. Eine Sage leitet den Namen Kerkyra von der Nymphe Gorgyra oder Kerkyra ab, die Poseidon auf die Insel gebracht habe.
Im 8. Jahrhundert v. Chr. gründeten Siedler aus Eretria eine Kolonie. 734 v. Chr. verdrängte Chersikrates aus Korinth sie. Wegen ihrer Lage an der Straße von Otranto kontrollierte die Stadt den Zugang zur Adria und in den Westen. Kerkyra wurde rasch eine Seemacht und besiegte 664 v. Chr. Korinth in der laut Thukydides ersten Seeschlacht Griechenlands. 480 v. Chr. besaß es mit 60 Schiffen die zweitgrößte griechische Flotte, beteiligte sich aber nicht aktiv am Perserkrieg. Der Streit mit Korinth um Epidamnos und das athenische Schutzbündnis mit Korfu gehörten zu den Anlässen des Peloponnesischen Krieges. 427 v. Chr. erschütterte eine blutige Stasis, ein innerstädtischer Bürgerkrieg, die Polis.
Nach Konflikten mit illyrischen Herrschern wurde Korfu die erste römische Provinz in Griechenland, später Teil der Provinzen Macedonia und Epiros. Im 3. Jahrhundert verbreiteten Jason und Sosipater das Christentum. Seit 395 gehörte Korfu zum Oströmischen Reich.
Fremdherrschaften und moderne Geschichte
Im Mittelalter wechselte die Herrschaft mehrfach. Der Normanne Robert Guiscard eroberte Korfu 1081; 1084 gewannen Venedig und Byzanz die Insel zurück. Weitere normannische, byzantinische und venezianische Auseinandersetzungen folgten. Nach dem Vierten Kreuzzug kam Korfu nach 1204 unter das Despotat Epirus, wurde 1207 kurz von Venedig besetzt und fiel 1214 wieder an Epirus. Ab 1258 gelangte die Insel über Manfred von Sizilien unter westliche Feudalherrschaft, 1267 an Karl von Anjou. Unter den Anjou wurde ein westeuropäisch geprägtes Feudalsystem ausgebaut.
1383 begann Venedig mit der Rückgewinnung Korfus; 1386 handelte eine Inseldelegation die Unterstellung aus. Die venezianische Herrschaft verband westliche Einflüsse mit griechisch-orthodoxen Traditionen. Juden besaßen eine für die Epoche ungewöhnlich günstige gesellschaftliche Stellung und konnten im Stadtrat sitzen. Vom 16. bis 18. Jahrhundert versuchte das Osmanische Reich wiederholt, Korfu zu erobern. 1716 wehrte die venezianische Armee unter Matthias Johann von der Schulenburg die letzte osmanische Belagerung der Inselhauptstadt ab. Die Venezianer förderten den Olivenanbau und ließen dafür Weingärten beseitigen.
Nach dem Ende Venedigs nahm Frankreich Korfu 1797 in Besitz. Von 1798 bis 1807 war es russisches Protektorat, danach bis 1814 wieder französisch. 1815 entstand unter britischem Protektorat die Republik der Ionischen Inseln. In dieser Zeit wurde ein großer Teil der modernen Infrastruktur geschaffen, darunter ein rund 700 km langes Straßennetz.
Am 21. Mai 1864 wurde Korfu an das Königreich Griechenland abgetreten und vertraglich für dauerhaft neutral erklärt. Von 1916 bis 1918 war die Insel Sitz der serbischen Exilregierung; 1917 wurde dort die Deklaration von Korfu zur Gründung eines jugoslawischen Staates verabschiedet.
Italien besetzte Korfu nach dem Korfu-Zwischenfall 1923 kurzzeitig. Nach dem italienischen Angriff auf Griechenland 1940 und dem deutschen Balkanfeldzug wurde die Insel 1941 von Italien annektiert. Nach Italiens Seitenwechsel landete die Wehrmacht im September 1943. Von 280 gefangenen italienischen Offizieren wurden zunächst 28 und anschließend auf Befehl Hubert Lanz’ die übrigen erschossen; ihre beschwerten Leichen wurden im Meer versenkt. Im Juni 1944 deportierten die deutschen Besatzer 1700 der 1900 Juden Korfus nach Auschwitz; nur 122 überlebten. Luftangriffe zerstörten Teile Korfu-Stadts.
1946 wurden Schiffe der Royal Navy bei drei Vorfällen in der Straße von Korfu beschädigt. Vom schweren Erdbeben des 12. August 1953 blieb Korfu im Gegensatz zu Kefalonia, Zakynthos und Ithaka verschont. 1984 wurde die Ionische Universität gegründet. 1994 fand auf Korfu ein Gipfeltreffen der EU-Mitgliedstaaten statt.
Religion, Kultur und Sehenswürdigkeiten
Die Bevölkerung ist überwiegend griechisch-orthodox. Auf der Insel gibt es ungefähr 600 Kirchen, davon etwa 20 in Korfu-Stadt. Daneben besteht seit 1310 ein katholisches Bistum, heute das Erzbistum Korfu, Zakynthos und Kefalonia. Rund 3 % beziehungsweise etwa 3800 Einwohner sind katholisch. Seit 1964 feiern die Katholiken Griechenlands Ostern wieder zur gleichen Zeit wie die Orthodoxen.
Schutzpatron der Insel ist der heilige Spyridon. Seine Gebeine werden in der Kirche Agios Spyridonas in Korfu-Stadt aufbewahrt. Jährlich finden mehrere Prozessionen statt, darunter eine besonders aufwendige am Morgen des Karsamstags.
Zu den bedeutenden Sehenswürdigkeiten gehört die Altstadt von Korfu-Stadt. Das Achilleion ist ein Palast im pompejischen Stil, den Kaiserin Elisabeth von Österreich, genannt Sisi, errichten ließ; 1907 kaufte ihn Kaiser Wilhelm II. Weitere Ziele sind Schloss Mon Repos, die Klosterinsel Vlacherna, die Mäuseinsel mit einer Kapelle aus dem 12. Jahrhundert, der Tempel Kardaki, das Kloster von Paleokastritsa und die Burgruine Angelokastro. Vom Gipfel des Pantokrator mit seinem Kloster reicht der Blick über die Insel bis nach Albanien. Naturlandschaften sind unter anderem die Sandsteinklippen bei Sidari und Peroulades, der Wasserfall bei Nymfes sowie die Zwillingsbucht Porto Timoni. Perithia gilt als ältestes Bergdorf der Insel.
Auf der Insel Vido erinnert ein Mausoleum an den Ersten Weltkrieg: Dort liegen 3000 serbische Soldaten begraben, weitere 20.000 ruhen im umliegenden Meer. Korfu besitzt außerdem eine eigene Regionalküche. Cricket, Anfang des 19. Jahrhunderts eingeführt, gilt als wohl älteste moderne Sportart der Insel und wird auf der Esplanade von Korfu-Stadt gespielt. Hinzu kommen ein 18-Loch-Golfplatz im Ropa Valley und der Fußballverein AO Kerkyra.
Wirtschaft, Tourismus und Verkehr
Etwa 65 % der Insel werden landwirtschaftlich genutzt. 55 % der Gesamtfläche sind mit Olivenbäumen bestanden; auf Korfu wachsen ungefähr vier Millionen davon. Ihre starke Verbreitung geht auf die venezianische Förderung seit dem 16. Jahrhundert zurück. Weitere wichtige Erzeugnisse sind Wein und Zitrusfrüchte. 1846 wurde Citrus japonica, der Zwerg-Orangenbaum, eingeführt. Aus seinen Früchten entsteht die korfiotische Likörspezialität Koum Kouat.
Korfu ist seit dem späten 18. Jahrhundert ein Reiseziel und entwickelte sich im 20. Jahrhundert zum Ort des Massentourismus. Die meisten Besucher kommen aus Großbritannien und Deutschland, zunehmend auch aus Russland sowie dem Nahen und Fernen Osten. Die Hauptsaison dauert von Mai bis Oktober. Um den starken Hotelbau besonders an der nördlichen Ostküste zu begrenzen, wurden 1983 weitere Großanlagen verboten.
Der Flughafen Korfu bietet nationale und internationale Verbindungen. Nach Athen bestehen tägliche Linienflüge; von Mai bis Oktober kommen zahlreiche Billig- und Charterflüge aus Nord-, West- und Mitteleuropa hinzu. Fähren verbinden Korfu unter anderem mit Venedig, Ancona, Bari und Brindisi in Italien sowie mit Igoumenitsa auf dem griechischen Festland. Weitere Schiffsverbindungen führen nach Paxos, zu den Diapontischen Inseln, nach Vido und im Sommer im Rahmen touristischer Ausflüge unter anderem nach Sarandë, Parga und Syvota. Im Yachthafen von Gouvia können bis zu 1000 Boote mit höchstens 80 m Länge und 6 m Tiefgang anlegen.
Das Straßennetz ist dicht, aber unterschiedlich ausgebaut; Nebenstraßen waren 2017 teilweise in schlechtem Zustand. Autobahnen gibt es nicht. Corfu City Bus bedient Korfu-Stadt, die Green Buses verbinden das Umland und das griechische Festland. Zwei Krankenhäuser befinden sich auf der Insel: eines in Korfu-Stadt und eines bei Gouvia.