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Mittelalter-Rock

Mittelalter-Rock (englisch Medieval rock [mediˈiːvəl ɹɒk]) ist ein Genre der Rockmusik. Verbunden werden hierbei Instrumente moderner Rockmusik, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Einordnung
  2. 2. Sprache, Besetzung und Klang
  3. 3. Entstehung und frühe Entwicklung
  4. 4. Stilentwicklung und Verbreitung
  5. 5. Mittelalter-Metal

Grundidee und Einordnung

Mittelalter-Rock ist ein Genre der Rockmusik, das moderne Rockinstrumente wie E-Gitarre, E-Bass und Schlagzeug, teilweise auch elektronische Elemente, mit historischen oder historisch anmutenden Instrumenten verbindet. Dazu gehören Sackpfeife, Harfe, Drehleier, Schalmei, Flöte, Pfeife und Laute. Liedtexte und Bühnenshows sind häufig vom Mittelalter inspiriert.

Der Stil steht zwischen Rock beziehungsweise Metal und der Musik der Mittelalterszene. Es gibt Berührungen mit Hard Rock, Neuer Deutscher Härte (NDH), Folk Metal und Metal allgemein; zugleich grenzt er sich von Folk, Folk-Rock und der Musik der Mittelalterszene ab. Mittelalter-Rock entstand vor allem in Ostdeutschland und blieb im Wesentlichen ein deutsches Phänomen. Er ist in der Schwarzen Szene beliebt, wird aber fälschlich oft dem Gothic-Rock zugerechnet. Dessen Wurzeln liegen im Post-Punk- und Wave-Umfeld.

Die Musik beansprucht keine historische Authentizität. Instrumentierung, Texte, Kompositionen und Gesang orientieren sich überwiegend an späteren und modernen Vorstellungen vom Mittelalter, dem Mediävalismus. Auch die typische Blasinstrument-Spielweise entwickelte sich erst seit der Renaissance. Anders als im Pagan Metal gibt es nur selten direkte Bezüge zu germanischer Folklore. Eine Ausnahme sind die Merseburger Zaubersprüche, die Ougenweide und später In Extremo vertonten.

Sprache, Besetzung und Klang

Der Mittelalter-Rock gilt als Verbindung von Hard Rock und Musik der Mittelalterszene. Das Klangbild wird in erster Linie von einer Rockbesetzung bestimmt: E-Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang, mitunter Synthesizer. Dudelsack, Drehleier und weitere historische oder historisch anmutende Instrumente werden eingebunden, meist eher begleitend als tragend.

Die Texte sind meist auf Neuhochdeutsch, seltener in altertümlicher Sprache verfasst. Teilweise verwenden Gruppen eine künstlich von modernen Begriffen befreite Sprache, ähnlich dem Marktsprech auf Mittelaltermärkten. Häufig kommen historische oder historisierende Texte vor, doch seit der Jahrtausendwende finden sich bei Subway to Sally und In Extremo auch Texte ohne mittelalterlichen Bezug.

Bands sind oft größer als gewöhnliche Rockbands, weil eine vollständige Rockband durch Musiker aus der Mittelalterszene ergänzt wird. Besetzungen mit acht Personen sind keine Seltenheit. Marktsackpfeife, Kleidung und Bühnenshows stellen zwar einen mittelalterlichen Bezug her, sind jedoch symbolisch und keine authentischen Zeugnisse des Mittelalters.

Entstehung und frühe Entwicklung

In den 1970er Jahren verband Ougenweide mittelalterliche oder traditionelle Stücke zunächst nur zurückhaltend mit Rockelementen, etwa einzelnen Riffs sowie Blockflöte und Krummhorn. In den 1990er Jahren nahmen die modernen Elemente deutlich zu.

Die Szene entwickelte sich aus der DDR-Untergrundmusik am Ende der DDR. Unter der Bezeichnung „Die anderen Bands“ wirkten Gruppen aus Punkrock, Post-Punk sowie experimentell-dadaistischen Stilen; zugleich war Folk-Musik präsent. Mit dem Aufkommen der Marktsackpfeife entstand mittelalterliche Musik im Dudelsack-Rock-Stil, gespielt etwa von Spilwut und Tippelklimper. Musiker von Tippelklimper gründeten 1989 Corvus Corax. Mittelaltermärkte wurden wichtige Treffpunkte und Auftrittsorte.

Feeling B experimentierte ab 1990 mit mittelalterlichen Elementen. Auf „Wir kriegen euch alle“ (1991) sind in „Schlendrian“ und „Slamersong“ Schalmeien zu hören. Das Konzeptalbum „Die Maske des Roten Todes“ von 1993 vermischte eindeutig mittelalterliche Musik und Punkmusik; Stücke wie „Heiduckentanz“, „Traubentritt“ und „Rotta“ entstanden aus der Zusammenarbeit mit Arte Cantores. Die Band trennte sich Ende 1993 und verfolgte das Konzept nur kurzzeitig.

Subway to Sally wurde 1990 in Potsdam gegründet und war zunächst nur ansatzweise Mittelalter-Rock. Ab etwa 1994 nutzte die Band unter anderem Sopranschalmei, adaptierte Texte von François Villon und verband dies mit hartem Alternative-Rock sowie Folk-Instrumenten wie Violine, akustischer Gitarre und Great Highland Bagpipe. Seit 1995 schrieb sie deutsche Texte mit mittelalterlichen Bezügen und gehört damit eindeutig zum Genre.

Stilentwicklung und Verbreitung

1997 schuf In Extremo mit dem in mittelalterlichem Okzitanisch gesungenen „Ai vis lo lop“ einen Stil, in dem mittelalterliche und rockige Elemente gleichberechtigt nebeneinanderstanden. Corvus Corax entwickelte entsprechende Versuche zum stark elektronisch beeinflussten Projekt Tanzwut weiter. Subway to Sally spielte auf dem Album „Hochzeit“ von 1999 deutlich härter. Als Einfluss gilt die damals erfolgreiche Neue Deutsche Härte.

Während in den Anfangsjahren häufig tatsächlich mittelalterliche Musikstücke interpretiert wurden, bestanden die Melodien Ende der 1990er Jahre meist aus Eigenkompositionen; die Texte waren überwiegend neuhochdeutsch. Adaro bildet eine Ausnahme, da die Band besonders mittelhochdeutsche Minnesang-Lyrik vertonte.

Zwei Ausrichtungen bestehen nebeneinander: Einige Gruppen betreiben Mittelalter-Rock als Nebenprojekt, beispielsweise Corvus Corax mit Tanzwut. Andere wechseln zwischen akustischer mittelalterlicher Musik und Mittelalter-Rock, etwa Saltatio Mortis. In Extremo konzentrierte sich ab 1998 auf Mittelalter-Rock. Daneben stehen Gruppen mit stärkeren Folk-Einflüssen, bei denen Violine, Flöte oder Akkordeon wichtiger sind und die Marktsackpfeife weniger wichtig ist oder fehlt; Schandmaul ist ein populärer Vertreter.

Seit Ende der 1990er Jahre war Mittelalter-Rock in Deutschland kommerziell erfolgreich, und In Extremo erreichte den Mainstream. Schandmaul aus Gröbenzell war die erste populäre westdeutsche Formation, später folgte etwa Saltatio Mortis aus Karlsruhe. Regionale Unterschiede sind inzwischen nicht mehr klar erkennbar. Außerhalb Deutschlands gibt es nur wenige Bands mit ähnlichem Stil; Folk Metal ist zwar in Europa verbreitet, in Deutschland jedoch kaum ausgeprägt.

Mittelalter-Metal

Mittelalter-Metal gilt wegen seiner härteren Ausrichtung und der fließenden Grenze zum Folk Metal als Weiterentwicklung oder Subgenre des Mittelalter-Rocks. Um die Jahrtausendwende brachte Subway to Sally auf „Hochzeit“ deutliche Heavy-Metal-Einflüsse ein. Kennzeichen sind ein progressiverer Einsatz von Gitarren und Schlagzeug. Die Band veröffentlichte nach „Engelskrieger“ von 2004 bis 2010 Alben beim Heavy-Metal-Independent-Label Nuclear Blast und tritt regelmäßig auf großen deutschen Metalfestivals sowie im Zweijahresrhythmus beim Wacken Open Air auf.

In Extremo, Saltatio Mortis, Tanzwut, Cultus Ferox und Schandmaul orientieren sich mit ihren Gitarren eher an Hard Rock und NDH. Jüngere Vertreter beziehen sich stärker auf Metal: Ingrimm aus Regensburg, Vogelfrey aus Hamburg und Cumulo Nimbus aus Landsberg verwenden Power Chords, progressive Drums, Gitarrensoli und experimentieren mit gutturalem Gesang. Harpyie, 2011 gegründet, bezieht zusätzlich Metalcore-Einflüsse ein. Ragnaröek und Impius Mundi orientieren sich dagegen eher an der klassischen Variante des Mittelalter-Rocks.

Trotz dieser Entwicklung besteht keine größere Nähe zum europäischen Folk Metal. Dieser orientiert sich eher an Spielarten des Black- und Death Metal.

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