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Mithraismus und Christentum

Es wurde dabei auch geäußert, das Christentum habe Teile seiner Lehren und Bräuche vom Mithraskult übernommen. Beim Weihnachtsfest ist dies weitgehend …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Einordnung
  2. 2. Bewertung der Beziehung beider Religionen
  3. 3. Behauptete Gemeinsamkeiten und ihre Quellenlage
  4. 4. Wesentliche Unterschiede
  5. 5. Heute anerkannte Einordnungen zu Daten und Übernahmen

Gegenstand und Einordnung

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts werden Parallelen zwischen Mithraismus und Christentum sowie zwischen Mithras und Jesus Christus diskutiert. Dabei wurde auch die These vertreten, das Christentum habe Lehren und Bräuche aus dem Mithraskult übernommen. Für Weihnachten gilt dies weitgehend als unbestritten; bei weiteren behaupteten Gemeinsamkeiten besteht Uneinigkeit.

Der römische Mithraskult geht auf Mithra aus der iranischen Mythologie zurück, avestisch Miθra und Miθrō. Der „römische Mithras“ unterscheidet sich jedoch stark vom „iranischen Mithra“; trotz gemeinsamen Ursprungs dürfen beide Gottheiten nicht gleichgesetzt werden.

Bewertung der Beziehung beider Religionen

Die Einschätzungen von Religionswissenschaftlern, Historikern und Theologen sind geteilt. Manche betrachteten den Mithraismus als einen Hauptkonkurrenten des Christentums. Ernest Renan meinte, die westliche Welt wäre mithrasgläubig geworden, wenn die Ausbreitung des Christentums durch zufällige Ereignisse gehemmt worden wäre. Andere Religionshistoriker sahen den Mithraismus zugleich als Konkurrenten und als Wegbereiter des Christentums im Römischen Reich. Kirchenväter wie Tertullian und Hieronymus bezeichneten den Mithraskult dagegen als Nachahmung des Christentums.

Heutige Autoren gehen meist nicht davon aus, dass der Mithraskult eine starke Konkurrenz darstellte. Seltene Erwähnungen bei Kirchenvätern belegen keine tatsächliche intensive Auseinandersetzung. Außerdem verbreitete sich der Kult in früh christlich geprägten Gebieten wie Kleinasien, Nordafrika und Griechenland kaum. Kleine Kultgemeinden und die Beschränkung auf Männer sprechen eher für esoterisch geprägte Männerbünde als für eine Gemeindereligion wie das Christentum; beide richteten sich an verschiedene Zielgruppen und waren in unterschiedlichen sozialen Schichten verbreitet. Der Mithraskult sei eher durch gesellschaftlichen Wandel als durch Gesetze untergegangen. Reinhold Merkelbach vermutet, dass er als Religion der Loyalität zum Kaiser mit dessen Hinwendung zum Christentum sein Fundament verlor.

Behauptete Gemeinsamkeiten und ihre Quellenlage

Über Inhalte und Rituale des Mithraskults ist wegen seines Charakters als Geheimkult sehr wenig überliefert. Deshalb sind viele behauptete Parallelen historisch nicht gesichert. Sie beruhen auf modernen Deutungen von Bildwerken und Kultgegenständen sowie auf Berichten außenstehender römischer Chronisten. Befürworter stützen sich vor allem auf Ernest Renans Marc-Aurèle et la fin du monde antique von 1882 und Franz Cumonts Textes et monuments figurés relatifs aux mystères de Mithra von 1896–99, nicht auf neuere Werke etwa von Manfred Clauss oder Walter Burkert.

Behauptet wird unter anderem: Mithras sei von einem Vatergott als Weltretter ausgesandt worden; er sei als Erwachsener mit Fackeln aus einem Felsen hervorgetreten, begleitet von Hirten und Tieren; und er habe mit zwölf Anhängern ein letztes Abendmahl gehalten, sei gestorben, begraben worden und auferstanden. Als „Sol invictus“ werde er mit Strahlenschein dargestellt. Weiter genannt werden Vorstellungen von Himmel und Hölle, Jüngstem Gericht, Auferstehung der Toten und einer Wiederkehr Mithras zur endgültigen Überwindung des Bösen.

Als weitere Parallelen gelten der Sonntag, Untertauch- oder Besprenkelungsriten mit Stierblut, ein Ritus mit Brot, Fleisch und Wasser oder Wein, Feste an Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen, ein Kreuzsymbol sowie ein höchster Priester namens „Papa“ mit bestimmten Amtszeichen. Genannt werden außerdem Bedeutungen von Mihr wie „Licht, Liebe, Barmherzigkeit, Freundschaft/Freundlichkeit, Mitgefühl“ und ein mithraisches Sonnensymbol » + « als gleichschenkliges Kreuz. Diese Aufzählung beschreibt postulierte, nicht allgemein gesicherte Parallelen.

Wesentliche Unterschiede

Der Mithraismus basiert nicht auf dem Judentum. Mithras erlebt keine Passion, sondern erscheint als unbesiegter Held. Sein zentrales Opfermotiv ist die Opferung eines Stiers; Jesus opfert dagegen „sich selbst“.

Das Christentum ist weder ein astronomischer oder astrologischer Kult noch ein Mysterienkult. Außerdem nimmt es Frauen in die Gemeinschaft auf. In einigen christlichen Kirchen, nämlich Katholizismus und Orthodoxie, können Frauen allerdings keine Weihe empfangen.

Heute anerkannte Einordnungen zu Daten und Übernahmen

Beide Religionen verbreiteten sich im zweiten und dritten Jahrhundert im Römischen Reich. Der Mithraismus ist in seinen Ursprüngen älter als das Christentum, innerhalb des Römischen Reichs aber erst ab Ende des 1. Jahrhunderts nachgewiesen. Zu diesem Zeitpunkt existierten die Hauptschriften des Christentums bereits in ihrer heutigen Form.

Der Mithraskult ist nicht mit der Verehrung des Gottes Mithra identisch, sondern entwickelte sich vermutlich daraus. Daher könnten einzelne Ähnlichkeiten auch durch eine Übernahme christlicher Riten oder Gedanken durch den Mithraismus erklärt werden. Für jedes Element muss anhand der Quellenlage einzeln geprüft werden, in welche Richtung eine Übertragung erfolgt sein könnte; eine pauschale Behauptung ist nicht zulässig.

Weitgehend unbestritten ist die Übernahme des Dies solis invicti, des Geburtstags des Mithras am 25. Dezember, durch das Christentum und seine Umdeutung zum Geburtstag Jesu durch einen Bischof von Rom im 4. Jahrhundert. Dennoch übertraf Weihnachten das ältere Epiphaniasfest erst im Mittelalter an Bedeutung. Bereits Anfang des dritten Jahrhunderts gibt es erste Hinweise auf den 25. Dezember als Geburtstag Jesu.

Ostern liegt ungefähr zur Frühlings-Tagundnachtgleiche, zu der auch ein mithräisches Fest gefeiert wurde. Eine Übernahme des Datums vom Mithraskult ist jedoch praktisch auszuschließen, weil die Passion Jesu direkt mit dem unabhängig davon datierten jüdischen Pessach verbunden ist. Der christliche Sonntagsgottesdienst wurde schon von Justin dem Märtyrer im 2. Jahrhundert erwähnt: 150 Jahre bevor Konstantin der Große den dies solis arbeitsfrei machte und 100 Jahre bevor Aurelian den dies solis invicti zum Feiertag erklärte. Christen wählten den Sonntag, weil die Evangelien Jesu Auferstehung auf den Tag nach dem Sabbat datieren.

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