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Judith und Holofernes (Sujet)
Judith und Holofernes sind Personen aus dem Buch Judit des Alten Testaments. Ihre Geschichte ist in zahlreichen Variationen in Werken der abendländischen …
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Gegenstand und historischer Hintergrund
Judith und Holofernes sind die Hauptfiguren des Buches Judit aus dem Alten Testament. Die Erzählung wurde in zahlreichen Varianten in der abendländischen Kunst, Musik und Literatur verarbeitet. Judith steht für Mut, Entschlossenheit und aufopferungsvolle Vaterlandsliebe, verbunden mit weiblicher Schönheit. Das Buch beschreibt sie als Frau mit „schöner Gestalt und einem blühenden Aussehen“ (Jdt 8,7 EU). Im Mittelpunkt steht ihre Tat: Sie rettet ihr Volk, indem sie den feindlichen Feldherrn Holofernes enthauptet.
Das Buch Judit fasst Ereignisse aus der Geschichte der Israeliten, die sich über fast 400 Jahre erstrecken, zu einem Lehrbeispiel zusammen. Die lang andauernden Auseinandersetzungen mit den antiken Großreichen der Babylonier, Assyrer und Perser erscheinen als symbolträchtige Legende. Die Erzählung soll zeigen, wie die Israeliten angesichts mächtiger äußerer Feinde und schwindenden Gottvertrauens handeln müssen, um Gottes Hilfe zu erfahren und neues Vertrauen zu gewinnen.
Das Buch gehört nicht zum jüdischen Kanon, ist jedoch in der Septuaginta enthalten. Deshalb erkennen katholische und orthodoxe Christen es als Teil der Bibel an. Martin Luther nahm es in seiner Bibelübersetzung in die apokryphen Schriften auf. Der wahrscheinlich in griechischer Sprache verfasste Text entstand vermutlich in der Spätzeit des Hellenismus.
Judith als Bildmotiv
In der bildenden Kunst wird Judith meist als junge, schöne und reich gekleidete Frau dargestellt. Häufig hält sie ein Schwert und das blutige Haupt des Holofernes; seltener erscheint sie mit entblößter Brust oder nackt. Besonders die Enthauptung wurde vom späten Mittelalter bis ins frühe 20. Jahrhundert immer wieder als dramatisches und blutiges Bildthema gestaltet.
In der mittelalterlichen Typologie gilt Judith als Präfiguration Marias, also als vorausweisende Gestalt der Maria und als Überwinderin des Bösen. In Darstellungen der Neun Heldinnen gehört sie neben Jaël und Königin Ester zu den drei Repräsentantinnen des Judentums. Die Judith-Statue Donatellos vor dem Palazzo Vecchio in Florenz symbolisiert – ähnlich wie Michelangelos David – den Sieg der Republik über die Herrschaft eines Tyrannen.
Das Motiv wurde von der Renaissance bis zur Moderne in sehr unterschiedlichen Formen gestaltet. Frühe Beispiele sind Donatellos Bronze Judith und Holofernes (um 1453–1457), Sandro Botticellis Die Auffindung des toten Holofernes (um 1470) und Andrea Mantegnas Judith und Holofernes (1495). Weitere Renaissance- und manieristische Darstellungen stammen unter anderem von Michelangelo (Fresko in der Sixtinischen Kapelle, 1509), Tizian, Lucas Cranach dem Älteren, Paolo Veronese und Jacopo Tintoretto.
Im Barock entstanden besonders dramatische Fassungen. Dazu gehören Caravaggios Judith und Holofernes (1598–1599), Artemisia Gentileschis Judith und Holofernes (1612/1621) und Judith mit dem Haupt des Holofernes (1612/13), Peter Paul Rubens’ Judith mit dem Haupt des Holofernes (um 1616) sowie Werke von Guido Reni, Elisabetta Sirani und Francesco Solimena. Auch Rembrandt stellte Judith in verschiedenen Situationen dar, darunter Judith am Bankett des Holofernes (1634) und Judith enthauptet Holofernes (um 1653).
Im 19. und 20. Jahrhundert wurde das Thema weitergeführt, etwa durch Francisco de Goya (Judith und Holofernes, 1819/23), August Riedel (Judith, 1840), Gustav Klimt (Judith I, 1901, und Judith II, 1909), Lovis Corinth (Das Buch Judith, 1910), Koloman Moser (Judith und Holofernes, 1916), Franz von Stuck (1927), Arturo Martini (Judith und Holofernes, 1932/33) und Max Ernst (Le lit d’Holopherne, 1961). Die Auswahl umfasst Gemälde, Holzschnitte, Buchmalerei, Fresken, Skulpturen und Farblithografien.
Literarische Bearbeitungen
Die Judith-Geschichte wurde seit dem 16. Jahrhundert in unterschiedlichen literarischen Formen neu gestaltet, darunter Balladen, Dramen, Tragödien, Komödien und Prosawerke. Zu den frühen deutschsprachigen Bearbeitungen gehören Hans Sachs’ Ballade Judith, die messig (1531), Joachim Greffs Tragedia des Buchs Judith inn Deudsche Reim (1536), Sixtus Bircks Judith (1539), Jörg Wickrams Der trunkene Holofernes (1539) und Samuel Hebels Ein Spil von der Belegerung der Stadt Bethulia (1566). Martin Luther verfasste 1534 eine Vorrede zum Buch Judith.
Im 17. und 18. Jahrhundert entstanden unter anderem Martin Behms Tragicomedia. Ein schön teutsch Spiel von Holoferne und der Judith (1618), Martin Opitz’ Judith (1635), Claude Boyers fünfaktige Tragödie Judith (1718) und Paul Duhamels Béthule delivrée (1772). Friedrich Hebbels Drama Judith erschien 1840, Johann Nestroys Judith und Holofernes 1849.
Spätere Bearbeitungen zeigen, dass der Stoff auch außerhalb einer rein religiösen Darstellung verwendet wurde. Dazu gehören Jean Giraudoux’ Judith (1931), Friedrich Dürrenmatts Achterloo (1983) und Rollenspiele (1986), Howard Barkers Judith: A Parting from the Body (1992) sowie Meir Shalevs Judiths Liebe (1994).
Musik, Popkultur und Film
Der Stoff wurde häufig für Opern und Oratorien verwendet. Beispiele sind Alessandro Scarlattis La Giuditta (1695), Georg Caspar Schürmanns L’Amor insanguinato oder Holofernes (1716), Antonio Vivaldis Oratorium Juditha triumphans devicta Holofernis barbarie (1716), Francisco de Almeidas La Giuditta (1726) und Pietro Metastasios Oratorienlibretto La Betulia liberata (1734), das von ungefähr 50 Komponisten vertont wurde. Wolfgang Amadeus Mozart komponierte 1771 ein Oratorium nach diesem Libretto (K. 118 [74c]). Weitere Bühnenwerke sind Alexander Serows Oper Judith (1863–1865), Emil Nikolaus von Rezniceks Holofernes (1923), Arthur Honeggers Judith / Cantique De Paques (1925), Eugène Aynsley Goossens’ einaktige Oper Judith (1927) und Siegfried Matthus’ Judith (1979), die auf Friedrich Hebbels Drama und Texten aus Büchern des Alten Testaments beruht.
Als Textvertonung nennt der Artikel die Motette Spem in alium von Thomas Tallis (um 1570). In der Popmusik ist Judith Holofernes der Künstlername von Judith Holfelder-Roy, der Leadsängerin der Pop-Rock-Gruppe Wir sind Helden.
Auch der Film griff den Stoff auf. Zu den genannten Produktionen gehören Judith of Bethulia unter der Regie von David Wark Griffith (1914), der Stummfilm Giuditta e Oloferne von Baldassarre Negroni (1929) und Judith – Das Schwert der Rache von Fernando Cerchio (1958).