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Mesopotamische Kunst

Die mesopotamische Kunst repräsentiert die kulturelle Blüte einer der ersten Hochkulturen des Alten Orients ab etwa 3000 v. Chr.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Frühe Kunst Südmesopotamiens
  3. 3. Frühdynastische Kunst und Ur
  4. 4. Von Ur III bis Neubabylonien
  5. 5. Akkadische und assyrische Kunst

Überblick

Mesopotamische Kunst bezeichnet die Kunst einer der ersten Hochkulturen des Alten Orients ab etwa 3000 v. Chr. Mesopotamien, das Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris, umfasste Gebiete des heutigen Irak, Südwest-Irans, Syriens und Südost-Anatoliens. Die Region war seit dem Neolithikum besiedelt und erreichte um 3000 v. Chr. erstmals den Rang einer Hochkultur. Grundlage war vor allem die Kultur der Sumerer; später wurden Akkader, Assyrer, Kassiten und in der Spätzeit Perser prägend.

Trotz vieler Völker und langer Zeiträume gibt es typische Elemente: In der Architektur sind Lehmziegel, Tempelbauten und besonders Zikkurats wichtig, also mehrstufige Tempeltürme mit einem Heiligtum auf der Spitze. In der Plastik, also der dreidimensionalen Bildhauerkunst, hatte vor allem das 3. Jahrtausend v. Chr. große Bedeutung. Im Flachbild, also Relief, Malerei und Siegelbild, ist besonders die Glyptik wichtig, die Kunst der geschnittenen Siegel. Flachreliefs blieben in vielen Epochen beliebt und erreichten unter den Assyrern mit den reich geschmückten Palästen einen Höhepunkt. Von der Malerei ist wegen der schlechten Erhaltung nur wenig überliefert.

Frühe Kunst Südmesopotamiens

Die Frühgeschichte Mesopotamiens umfasst ungefähr 3500 bis 2900 v. Chr. und wird mit den Perioden Uruk VI-IV und Dschemdet-Nasr verbunden. Vor allem in Uruk entstanden monumentale Tempelanlagen mit Nischenfassaden und oft T-förmigem Hof. Der sogenannte Kalksteintempel war 70 × 30 m groß und ungewöhnlich, weil er aus Kalksteinblöcken oder zumindest auf steinernen Fundamenten errichtet wurde, während mesopotamische Bauten sonst meist aus Lehmziegeln bestanden. Im Inanna-Tempel waren Säulen und Wandmosaiken aus kleinen Stiften mit geometrischen Mustern wichtig. Auch in Eridu, Tell Uqair und Tell Brak wurden Tempel dieser Zeit gefunden; viele standen auf Podien.

Rundplastik ist aus dieser Frühzeit nur in wenigen Beispielen erhalten. Dazu gehören grobe Tonidole, eine Statue eines nackten bärtigen Mannes aus Uruk und ein fast lebensgroßer Frauenkopf aus Marmor, der Teil einer Kompositstatue war. Im Flachbild sind Alabastergefäße mit Reliefs wichtig, etwa eine hohe Vase aus Uruk mit drei Registern, die Opferträger, Tiere, Pflanzen und vielleicht eine Gottheit zeigt. Die Deutung bleibt unsicher. Rollsiegel zeigen kultische Szenen, Opfer-, Jagd- und Kriegsszenen sowie wilde Tiere und Mischwesen, oft heraldisch angeordnet.

Frühdynastische Kunst und Ur

Das Frühdynastikum dauerte etwa von 2900 bis 2350 v. Chr. Erstmals sind Herrschernamen überliefert, und Kisch hatte eine führende politische Rolle. Das Menschenbild ist stark stilisiert: große Augen und Nasen, oft expressionistisch und naturfern. In der Architektur erscheinen plankonvexe Ziegel, die auf einer Seite gewölbt sind. Bedeutend sind Tempel wie der Ovaltempel in Hafaǧi, der auf einer Plattform lag und von einer ovalen Mauer umgeben war. Aus Kisch stammt das erste bekannte monumentale Palastgebäude Mesopotamiens.

Viele Bildwerke dieser Zeit stellen wohl Beter vor Gottheiten dar. Typisch sind langer Bart, langer Rock mit Zottensaum, nackter Oberkörper, übergroße Augen und eine große Nase. In Mari zeigt sich bereits eine etwas naturalistischere Darstellung. Im Flachbild sind Weihetafeln mit Symposionsszenen häufig: Eine Frau und ein Mann halten Trinkbecher, zwischen ihnen steht ein Mischkrug, dazu kommen Diener, Musikanten und Tänzer. Auch in der Glyptik erscheinen Symposionsszenen und Helden, die Raubtiere bezwingen.

Die I. Dynastie von Ur, etwa 2550 bis 2340 v. Chr., gehört noch zum Frühdynastikum und ist durch Inschriften gut belegt. Architektur ist kaum erhalten, aber Rundplastik und Flachbild sind wichtig. Beterfiguren zeigen meist stehende Männer mit freiem Oberkörper und langem Zottenrock; zunächst wirken sie relativ naturalistisch, später blockhafter. Die Siegesstele des Eannatum von Lagasch, die Geierstele, ist das älteste Beispiel historischer Stelen. Sie war einst 1,8 m hoch, 1,3 m breit und 11 cm dick, ist nur in Fragmenten erhalten und feierte den Sieg über Umma. Auf ihr erscheint der Gott Ningirsu als Sieger, der Feinde wie Fische in einem Netz hält, während andere Register Kriegsszenen zeigen.

Von Ur III bis Neubabylonien

Nach dem Zusammenbruch des Akkadischen Reiches um 2200 v. Chr. folgte nach einer Zeit der Guti die dritte Dynastie von Ur. Die wichtigste architektonische Neuerung war die Zikkurat. Frühere Tempel auf Plattformen wurden nun zu Tempeltürmen gesteigert. Die besterhaltene Zikkurat ist die des Mondgottes Nanna in Ur; ihre Ecken sind nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet. Aus dieser Zeit stammen auch Palastbauten, etwa der Palast des Urnammu in Ur. In der Plastik sind besonders die Statuen des Stadtfürsten Gudea von Lagasch bedeutend. Sie verbinden technische Perfektion mit sumerischem Stil: sitzende oder stehende, gedrungene und blockhafte Figuren mit fein gearbeitetem Gesicht, runder Kappe und reichen Inschriften.

In der altbabylonischen Zeit zerfiel Mesopotamien zunächst in kleinere Einheiten, bis Hammurapi von Babylon wieder ein Großreich gründete. Die Kunst ist nur lückenhaft bezeugt, weil die Reste Babylons unter späteren Schichten liegen. Zikkurats wurden weitergebaut oder renoviert. Ein wichtiger Profanbau ist der Palast von Mari, etwa 200 × 125 m groß, rechteckig angelegt und mit Malereien geschmückt. Hauptwerk des Flachbildes ist die Gesetzesstele des Hammurapi aus schwarzem Basalt, 2,25 m hoch. Sie zeigt den stehenden König vor einem thronenden Gott.

Die Kassitenzeit begann um 1500 v. Chr. und dauerte etwa 400 Jahre. Sie brachte trotz geringerer Wertschätzung in der Geschichtsschreibung wichtige künstlerische Neuerungen. Der Kara-Indasch-Tempel in Uruk hatte eine nischendekorierte Fassade mit überlebensgroßen Gottheiten. In Dur-Kurigalzu entstand eine neue Hauptstadt mit gut erhaltener Zikkurat. Die Plastik zeigt bemerkenswerten Naturalismus, etwa in farbig erhaltenen Tonskulpturen und einem naturnah gearbeiteten Katzenkopf. Neu waren auch Kudurru, Grenzsteine, auf denen Landvergaben durch König oder hohe Beamte verkündet wurden und die Reliefschmuck mit Göttersymbolen trugen.

Die neubabylonische Kunst umfasst etwa 1100 bis 539 v. Chr.; ein besonderer Abschnitt ist die chaldäische Dynastie von 626 bis 539 v. Chr. Die wichtigsten Zeugnisse stammen aus Babylon. Die Stadt erhielt eine neue Mauer, prächtig geschmückte Tore, einen großen Palast, den Marduktempel Esagila und im Etemenanki eine gigantische Zikkurat. Monumentalskulptur ist kaum bekannt; wichtig sind Kleinplastiken, Terrakotten und schützende Figuren wie Pazuzu. Besonders charakteristisch ist der Wandschmuck aus glasierten Ziegeln: Nebukadnezar II. ließ das Ištar-Tor, die Prozessionsstraße und die Thronsaalfassade der Südburg mit Stieren, Schlangendrachen mušḫuššu und Reihen schreitender Löwen ausstatten. Nach Koldeweys Schätzung standen an jeder Seite der Prozessionsstraße mindestens 60 Löwen.

Akkadische und assyrische Kunst

Das Reich von Akkad blühte ungefähr von 2300 bis 2100 v. Chr. und vereinte große Teile Mesopotamiens unter einem Herrscher. In der Kunst entstand eine Art Reichskunst, besonders in Plastik und Flachbild. Die Hauptstadt Akkad ist nicht gefunden, daher sind die wichtigsten Bauten nur unvollständig bekannt. Ein palastartiges Gebäude in Tell Brak war etwa 100 × 100 m groß. Akkadische Herrscherbilder aus hartem Stein wie Diorit sind nur fragmentarisch erhalten, zeigen aber einen Schritt zu naturalistischer Körperdarstellung. Berühmt ist ein Bronzekopf eines Herrschers aus Niniveh. Im Flachbild sind Siegesstelen zentral, besonders die 2 m hohe Stele des Naramsin, die den Sieg über die Lulubäer zeigt. Der Herrscher steigt als Eroberer auf einen Berg, seine Soldaten folgen ihm. Die Figuren sind wohlproportioniert, kräftig modelliert und detailreich. In dieser Zeit wird das Herrscherbild mit Bart, runder Kappe und langem Gewand, das rechte Schulter und rechten Arm frei lässt, für spätere Epochen prägend.

Aus der altassyrischen Zeit, der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr., sind nur wenige Objekte erhalten, die einen eigenen assyrischen Stil erkennen lassen. Wichtig sind Rollsiegel und Siegelabrollungen aus Karum Kaneš (Kültepe), die viele Einflüsse zeigen und mit altbabylonischer Siegelkunst verwandt sind. Kleine Terrakotten, etwa Idole und einachsige Wagen, hatten religiöse oder magische Funktionen. Die Siegesstele Šamši-Adads I. aus Mardin zeigt einen triumphierenden Herrscher mit Fuß auf einem besiegten Feind, ist aber stilistisch nicht spezifisch assyrisch.

In der neuassyrischen Zeit, seit Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr., wurden die Assyrer zur Großmacht. Sie gründeten oder erweiterten Residenzstädte mit monumentalen Palästen und Tempeln. Dur Šarrukin, eine Gründung Sargons II., war etwa 3 km² groß und hatte im Norden einen Palastbezirk auf einer 15 m hohen Terrasse. Der Palast war 708 v. Chr. fertiggestellt, enthielt Repräsentations- und Wohnräume, Tempel, Wirtschaftstrakte, eine vermutlich siebenstufige, etwa 42 m hohe Zikkurat und Reliefs der Kriegszüge. Monumentale Lamassu, also menschenköpfige geflügelte Stiere oder Löwen, standen als Torhüter an Palästen. Sie verbinden Rundbild und Flachbild, da sie von zwei Seiten gestaltet sind und zum Beispiel drei Vorderbeine zeigen.

Besonders typisch für die neuassyrische Kunst sind großformatige Wandreliefs in Palästen des 9. bis 7. Jahrhunderts v. Chr. Sie zeigen das assyrische Königtum in rituellen, mythisch-transzendenten Szenen und in weltlich-historischen Kriegs- und Jagddarstellungen. Im Palast Aššur-naṣir-aplis II. in Nimrud stehen überlebensgroße Figuren oft auf gleicher Grundlinie und werden teilweise von Keilschriftbändern begleitet. Spätere Reliefs, etwa unter Tiglat-Pileser III., Sargon II. und Sanherib in Ninive, zeigen stärkeren Naturalismus, detaillierte Landschaften, Flora und Fauna sowie eine genauere Einordnung der Szenen in Raum und Zeit. Ähnliche Stilmerkmale begegnen auch in Malerei und Bronzekunst, etwa an den reich verzierten Bronzebeschlägen eines Tores aus Balawat.

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