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Sumerer

Nach den heutigen Erkenntnissen herrschten die Sumerer etwa ab der Obaid-Zeit bis zum Ende der Frühdynastisch-III-Phase, dann übernahmen Akkader in der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ungeklärte Herkunft
  3. 3. Erforschung der Kultur
  4. 4. Tempelwirtschaft, Verwaltung und Handel
  5. 5. Sprache und Keilschrift

Überblick

Die Sumerer waren ein Volk, das im 3. Jahrtausend v. Chr. in Sumer im südlichen Mesopotamien lebte. Sie bezeichneten sich selbst als saggiga, „die Schwarzköpfigen“. Der spätere Name „Sumerer“ geht auf das akkadische schumeru zurück; altbabylonische Herrscher führten den Titel „König von Sumer und Akkad“.

Nach heutigem Kenntnisstand herrschten die Sumerer etwa von der Obaid-Zeit bis zum Ende der Frühdynastisch-III-Phase. In der Akkadzeit übernahmen die Akkader die Vorherrschaft. Während der Neusumerischen beziehungsweise Ur-III-Zeit gewannen die Sumerer noch einmal kurz an Macht, bevor sie in der frühbabylonischen Zeit endgültig von akkadischen Herrschern abgelöst wurden.

Sie gelten als erstes Volk, das den Schritt zur Hochkultur vollzog. Besonders wichtig waren die Keilschrift, die Bürokratie und künstliche Bewässerung: Sie ermöglichten es, Vorräte, Arbeit und die Versorgung der Felder zu organisieren.

Ungeklärte Herkunft

Die Herkunft der Sumerer ist nicht endgültig geklärt. Eine These nimmt an, dass sie eingewandert seien. Sie verweist auf eine entfernte Ähnlichkeit des Sumerischen mit agglutinierenden Sprachen wie Ungarisch, Finnisch und Türkisch. Agglutinierende Sprachen bilden Wörter, indem sie einzelne Bausteine aneinanderfügen. Da der Ursprung dieser Sprachen in den Uralsteppen vermutet wird, könnten diese auch die Heimat der Sumerer gewesen sein.

Diese Begründung ist jedoch unsicher: Zu diesem Sprachtyp gehören auch dravidische Sprachen und das geografisch näherliegende Georgisch. Außer der ähnlichen Wortbildung gibt es weder sprachliche Gemeinsamkeiten noch Gemeinsamkeiten bei den kulturellen Hinterlassenschaften. Viele Forschende neigen deshalb eher zur These, die Sumerer seien eine lokal ansässige Kultur gewesen.

Erforschung der Kultur

Die sumerische Kultur wird gemeinsam mit anderen mesopotamischen Kulturen erforscht. Der Grund sind die Ruinenhügel, auch tells genannt. Orte wurden nach Zerstörungen, Eroberungen oder im Lauf der Zeit teilweise oder vollständig eingeebnet und anschließend neu überbaut. Deshalb können an einem Ort sehr unterschiedliche Zeitschichten liegen: In Ninive enthalten obere Schichten mittelalterliche Ruinen, während die unterste Schicht bis 5000 v. Chr. und weiter zurückreicht.

Ein bedeutender Schritt war laut Artikel die Entzifferung der Behistun-Inschrift 1802 durch Georg Friedrich Grotefend. Die dreisprachige Inschrift in Altpersisch, Elamisch und Altbabylonisch war für die Entzifferung der Keilschrift ähnlich wichtig wie der Stein von Rosette für ägyptische Hieroglyphen. Sumerisch ließ sich außerdem durch zweisprachige Texte erschließen. Nachdem die Sprache nicht mehr allgemein gelesen werden konnte, stellten Gelehrte Wortlisten, Übersetzungen und Übungstexte für ihr Studium her. Diese Quellen ermöglichen heutigen Forschenden die Entzifferung der Sprache und den Zugang zur Kultur.

Claudius James Rich begann 1812, die Ruinen Babylons systematisch zu vermessen und teilweise auszugraben. Später forschten verschiedene Nationen an unterschiedlichen Orten: Franzosen in Dur-Scharrukin, Engländer in Ninive sowie Deutsche in Assur und Babylon.

Tempelwirtschaft, Verwaltung und Handel

Die Wirtschaft war wesentlich durch die Tempelwirtschaft geprägt. Menschen arbeiteten nicht nur jeweils für sich auf eigenen Feldern, sondern für die Allgemeinheit beziehungsweise für den Tempel. Dieser sammelte und verwaltete die Ernte. Die Vorratshaltung stellte hohe Anforderungen an die Verwaltung und führte schließlich zur Erfindung der Schrift.

Zunächst wurden Waren mit Lehmklumpen verplombt, auf denen ihre Anzahl vermerkt war. Später drückten Beamte und Priester ihre Stempelsiegel in die Lehmklumpen; das Siegel bestätigte die Echtheit. In diesem Zusammenhang erfanden die Sumerer das Rollsiegel. Es konnte nicht nur ein besonderes Bild, sondern teilweise ganze Symbolkreise zeigen.

Als zum Ende des 4. Jahrtausends der Pegel des Persischen Golfs sank, flossen Euphrat und Tigris schneller. Damit die Felder weiter bewässert werden konnten, mussten Rückhaltebecken und Bewässerungssysteme angelegt und verwaltet werden. Schrift wurde nun nötig, um etwa bestimmte Tage auszuarbeiten und Zuteilungen an bestimmte Personen zu regeln; Stempel- und Rollsiegel blieben trotzdem gebräuchlich.

Töpferscheibe und Wagenrad werden den Sumerern heute nicht mehr als Erfindungen zugerechnet, waren aber für ihre Kultur und Wirtschaft wichtig. Da sie bei hohem Lebensstandard wenig Rohstoffe besaßen, betrieben sie Handel. Zu den Haupthandelsgütern gehörten Lehm in Form von Tongefäßen, Getreide und domestizierte Tiere. Diese Waren gelangten offenbar bis zur Harappa-Kultur in Indien, in den Iran und in den Libanon.

Sprache und Keilschrift

Sumerisch ist eine isolierte Sprache, also eine Sprache ohne nachgewiesene Verwandtschaft zu anderen Sprachen. Ihr Gebrauch in Mesopotamien ist für das 3. Jahrtausend v. Chr. belegt. Für frühere Zeiten fehlen schriftliche Sprachaufzeichnungen. Später verdrängte das semitische Akkadisch das Sumerische zunehmend aus dem Alltag; als Sprache der Gelehrten wurde es jedoch bis in das 1. Jahrtausend v. Chr. überliefert.

Das Sumerische wurde in Keilschrift geschrieben. Diese entwickelte sich im ausgehenden 4. Jahrtausend zunächst als Bilderschrift. Nach heutigem wissenschaftlichem Stand ist die sumerische Proto-Keilschrift die erste Schrift der Menschheit. Ihre frühesten Formen entstanden in der Uruk-IV-Epoche um 3300 v. Chr. Die Ägypter entwickelten etwa 200 Jahre später mit den ägyptischen Hieroglyphen ein eigenes Schriftsystem. Andere altorientalische Völker übernahmen die Keilschrift und passten sie an ihre Bedürfnisse an; insgesamt blieb sie mehr als 3000 Jahre in Gebrauch.

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